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Startseite » Schriften » Der vollkommene Büttner oder Küfer » 1. Abschnitt, vom Faßmachen.

Zwanzigste Aufgabe. Runde Faße mit Ecken zu machen.

Davon sehet die 12, und 13, Tafel.

Es haben sich, wie bey andern, auch bey dem Büttner=Handwerk, geschickte Männer gefunden, welche allerhand Arten von Faßen, nämlich, Ovale und Eyförmige, auch Korbförmige ohne und mit Ecken, und so auch Runde mit Ecken, wie nicht weniger so gar Eins das wie eine Sanduhr aussiehet, dessen Bauch einwarts gehet, zu machen erfunden, haben, die alle, von welcher Gattung sie sind, wenn sie gehörig gemacht worden, so gut wie ein rundes Faß halten. Der Erfinder der ovalen Faße war, Joh. Michael Spar, ein Franke: Und der eckigen Faße Erfinder war ein Straßburger, Heinrich Ganz.

Auf welcherley Art solche gemacht werden, wird in folgenden Aufgaben zu finden seyn.

Man kann einem runden Faße so viel Ecken geben als man will, wie bey Figur 1, und 2, auf der 12ten und 13ten Tafel zu sehen, welche 6, 8, 10, und 12, Ecken haben. Dabey wird also verfahren:

1.) Reißet auf den Werkstattboden die Linie a, b, einen Zirkelring, so groß, als ihr euren Setzboden zu machen gedenket. Diese Linie a, b, heißt Mittellinie, als die von Spund zu Grund gehet.
2.) Aus a, und b, reißet Kreuzbögen bey e, und h, und ziehet durch e, und h, eine Linie, welche die Bauchlinie heißt.
3.) Theilet den oben gezogenen Zirkel in so viel gleiche Theile, als ihr Ecken an das Faß zu machen gedenkt, und ziehet von dem ersten Eck f, durch das Zentrum unten zum Eck g, eine Linie.
4.) Ziehet von den abgetheilten Punkten von Eck zu Eck Linien, als von m, zu f, von f, zu e, von e, zu i, und so fort, so viel als nöthig sind.
5.) Nun sind zwei Fügmödel zu machen: den ersten machet als einen rechten Winkelhacken nach der Mittellinie a, b, und nach der Zwerglinie f, m, wie solcher bey w, zu sehen ist. Der zweyte Fügmodel, als der Eckmodel bey u, wird gleichfalls nach der Linie f, m, und nach der Linie f, g, gemacht.
6.) Füget man nun alle gerade Fugen die oben auf die Linien m, f, oder m, h, oder h, g, und so weiter zu stehen kommen, nach dem rechten Winkelhaken w. Die Eckfugen aber f, e, i, g, h, m, und so viel ihrer sind, füget nach dem Eckmodel u, so werden diese Fugen alle Ecken schließen.

Hiebey muß genau in Acht genommen werden, daß ein Eck so breit als das andre gefüget, und keines schmäler oder breiter wird, auch nicht um eine Linie, sonst wird das Faß schief, und trifft auf den Böden nicht zu.

Die Spitzung und Senkung wird ganz nach Art eines runden Faßes gemacht.

Bey Aufsetzung eines solchen Faßes muß man sich eines eisernen Reifes, der just nach denen Ecken gemacht ist, oder eines Seiles, gebrauchen.

Die Böden zu solchen Faßen werden auf folgende Art gemacht.

1.) Stellet einen geraden Stock in die zwo Ecken f, und g, oder in m, und i, zwischen die Grund- und Spunddauben, und suchet genau die Höhe des Faßes.
2.) Theilet dieses Maß in zween Theile, nehmet ein solchen halben Theil mit dem Zirkel, und reißet mit solcher Weite auf die Böden des Faßes einen Zirkel.
3.) Ziehet durch das Zentrum von der Spunddaube zur Grunddaube eine Linie, welche den Boden von oben herab durchschneidet. Desgleichen ziehet durch das Zentrum die Bauchlinie, welche diesen Zirkel in vier gleiche Theile theilet.
4.) Nach der von Spund zu Grund gerissenen Mittellinie, suchet nach Figur 1, oder 2, Tafel 12, oder nach Figur 1, oder 2, Tafel 13, nach welch einer Figur ihr das Faß gemacht habt, mit einem Zirkel die nächst stehende Durchschnittlinie f, g, und traget solche genau auf den Riß.
5.) Messet mit dem Zirkel alle Ecken des Faßes, eine nach der andern ab, und traget solche sehr genau auf den Zirkel, von dem Eck bey f, anfangende.
6.) Ziehet von Eck zu Eck innerhalb des Zirkels Linien, und schneidet nun den Boden scharf nach denen Eckrissen ein, damit wenn solcher Boden in das Faß gestellet wird, just Eck auf Eck zu sitzen kommt.

Merket:

Auf eben diese Art werden die Böden in ovale Faße, die Ecken haben, gezeichnet und bearbeitet.

Die Eyförmigen Faße aber werden nach der Mittellinie und nach der Bauchlinie gemacht. Wie in der 33ten Aufgabe, Tafel 33. zu sehen ist.

Desgleichen werden die Handkorbfaße, die unten vier große Ecken haben, nach Art der Eyförmigen Faße, mit ihren Böden eingerichtet. Davon in der 36, und 37ten Aufgabe Gattungen beschrieben sind.