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Startseite » Schriften » Der vollkommene Büttner oder Küfer » 1. Abschnitt, vom Faßmachen.

Vier und vierzigste Aufgabe. Einen cubikschen Visirriemen zu machen nach welchen man große und kleine Faße visiren kann.

Der folgende Teil stammt aus der 5. Auflage:

1.) Der Visirriemen wird von Kalbledern Pergament also gemacht:

Man nimmt fein dünne gearbeitete Stücke Kalbledern Pergament, schneidet solche in lange Riemen die nach einem Linial gerade geschnitten, und alle von gleicher Breite ¾ Zolle breit geschnitten werden, und zwar so viele, daß man davon einen Riemen machen kann, der 18 auch wohl 30 Schuhe lang seyn kann. Diese Stücke und zwar jedes muß außen an seinen beyden Enden mit einem scharfen Meßer irgend ½ Zoll breit wohl abgeschabt werden, damit aller Kalch, Kreide und Staub davon kommt, außer diesem kann man die Stücke nicht zusammen leimen. Nun macht man einen guten Schreinerleim und leimet damit die Stücke zusammen daß es ein langer Riemen wird. Hiezu wird eine Kapfel von Holz gedrehet, welche etwas tiefer als der Riemen breit ist. Durch solche Kapfel wird eine Walze von Meßingdraht gemacht, die an dem einen Ende eine Korbe: wie an einem Schleifstein hat; in dieser Walze wird in der Mitte ein Loch gemacht und daran der Riemen mit einem Ende bevestigt, wenn die Walze durch den untersten Boden durch den ein Loch gehet, gesteckt ist, und also wird auch ein Einschnitt durch das untere Theil und durch den Deckel, der sich in die Kapfel einschieben laßen muß, gemacht, durch welchen Einschnitt der Riemen zur Kapfel sich aus= und einwinden läßt, dabey die Walze so lang seyn muß, daß sie durch den Deckel der Kapfel, in welchen deßhalb in der Mitte ein Loch, wie im Boden gemacht ist, hindurch gehet. Nun wird mit der Korbe der Riemen in die Kapfel hinein gedrehet. Und im Fall man den Riemen heraus thun will, so wird nur an dem Ende des Riemens das außerhalb bleibt, gezogen, so windet sich der Riemen heraus, und so mit ist die erste Zubereitung des Riemens geschehen.

Auf welche Art aber solcher Riemen zu einem Visir gemacht wird, war mir lange ein Räthsel, indem ich mehrere geschickte Büttnermeister, um die Methode des Auftragens des Visirs, befragte, die sich aber damit entschuldigten, daß sie solches von einem andern abgenommen hätten. Dieses befriedigte mich nicht, bis ich die Sache nach der Berechnung der cubikschen Visirstäbe untersuchte, und fande, daß der Winkel den man mit dem Visirriemen von dem Spundloch an, über die Länge der Daube hinweg, und von da an, über den Boden des Faßes hinab, bis zur Gargel, macht, eben nichts anders ist, als die Diagonallinie, die man innerhalb des Faßes oben vom Spundloch an, bis hinab auf den Boden, zur Gargel, mit dem Visirstabe, nimmt: Nur mit dem Unterschiede, daß das Riemenmaas viel länger wird, als das Maas des Visirstabes ist. Ich verfuhr demnach um das Riemenvisir genau heraus zu bringen also:

Weitere Erklärung davon.

2.) Nehmt von einem geschickten Büttner ein regelmäßig gemachtes Faß, das just einen Eymer, nach dem Gemäße eures Ortes, hält, daran die Daubenköpfe weder zu lang noch zu kurz, die Reife weder zu dick noch zu dünn, das Holz weder zu stark noch zu schwach, und die Gargel am rechten Orte stehet; macht an das äußere Ende des Riemens einen Strich mit Dinte, irgend Handbreit vom Ende einwärts, dieses sey der Anfang des Maaßes. Nun haltet
3.) Diesen Strich mit A bezeichnet just über die Mitte des Spundlochs am Faße, ziehet den Riemen, der Länge nach, über die oberste Daube hin und von da, über den Boden hinab bis an die Gargel, bezeichnet dieses Maas mit 1 Eymer.
4.) Dieses Maas von A bis zu 1. Eymer traget auf einen geraden Stab und ziehet eine Linie von A bis zu 1. Eymer, theilet diese Linie in tausend gleiche Theile folgender Gestalt:

    a) Theilt solches in der Mitte in 2 Theile.
    b) Jeden dieser 2 Theile theilt in 5 Theile, so werdens 10 Theile.
    c) Jeden dieser Theile theilt in der Mitte in 2 Theile, so werdens 20 Theile.
    d) Jeden dieser Theile theilt wieder in 5 Theile, so werdens 100.
    e) Theilet jeden dieser Theile in 2 Theile, so sind es 200 Theile.
    f)  Ist es möglich daß das Maas, zwischen zween dieser Punkte, nicht zu klein ist, so theilt jeden dieser Theile wieder in 5 Theile, so sind es 1000 Theile, und also ist der Maasstab fertig. Nun verfahret mit Auftragung der folgenden Eymer auf den Riemen also:

5.) Nehmet für den 2ten Eymer, aus der cubicschen Tabelle die Zahl 259 die bey dem zweyten Eymer steht, nehmt von dem Maasstabe mit einem Zirkel oder mit einem andern Maase 259 Theile und tragt diese auf dem Visirriemen vom Strich 1. Eymer weiter, macht da wo das Maas hinfällt, wieder einen Strich, der giebt das Maas, vom ersten Strich A an den Zweyten Eymer, setzt also 2 Eymer dahin.
6.) Nun nehmt aus der Tabelle für den dritten Eymer 442. Nehmt also vom Maasstabe 442 Theile, tragt solche vom Strich 1 Eymer auf dem Riemen weiter, das ist das Maas für den dritten Eymer, zeichnet dahin den dritten Eymer.
7.) Nehmt aus der Tabelle für den 4ten Eymer 587. Diese Theile nehmt vom Maasstabe, tragt solche, vom Strich des ersten Eymers, weiter, das giebt das Maas zum vierten Eymer.

Wenn man nun also fort fährt die folgenden Maase aus der Tabelle und vom Maasstabe nimmt, und solche vom Strich des ersten Eymers immer weiter trägt, so kann man bis zum achten Eymer welcher die Zahl 2000 hat, auftragen.

Hierbey merke ich an, daß beym zweyten Eymer statt 259 es sollte heißen: 1259 beym dritten Eymer sollte es heißen 1442. Da man aber einen allzugroßen Zirkel, oder ein immer größeres Maas haben müßte, um die 1000 und übrigen Theile vom Maasstabe zu nehmen: Inzwischen der erste Eymer bis zu seinem Strich 1 Eymer, die 1000 Theile hat, so nimmt man immer den ersten Eymer für 1000 Theile an, und trägt von da nur die übrigen Theile, welche über das erste 1000 sind, für die ersten 8 Eymer, auf dem Riemen fort, blos aus der Ursache um den allzugroß erforderlichen Zirkel oder ein ander großes Maas zu ersparen. Deshalb ich auch schon in der Tabelle für jeder Diagonalzahl die 1 als das 1000 weggelaßen, bis die Zahl 2000 eintritt, welches zu merken ist. Denn es sollte beym 2ten Eymer 1259 heißen, also auch beym dritten Eymer 1442 und so fort.

8.) Bey dem achten Eymer werden 2000 genommen, also muß das Maas von dem Maasstabe zweymal genommen und auf den Riemen für den achten Eymer hingetragen werden.
9.) Bey dem neunten Eymer steht die Zahl 80. dafür es heißen sollte: 2080. Um hiebey wieder den vorigen Vortheil zu brauchen, nimmt man nur von dem Maasstabe 80. Diese 80 werden von dem Strich des achten Eymers auf dem Riemen fort getragen, das giebt den Neunten Eymer, weil der achte Eymer die 2000 Theile in sich begreift. Nun wird also fort gefahren, alle Maaße aus der Tabelle genommen, und nach dem Maasstabe vom Strich des achten Eymers aufgetragen, bis zum 27. Eymer, welcher das Maas 3000. hat, da denn das Maas des 1. Eymers 3mal aufgetragen wird für den 72. Eymer. Alsdenn
10.) Da der 27te Eymer 3000 Theile hat, so werden vom Maasstabe für den 28. Eymer nur 36 Theile genommen und aus dem Striche des 27 Eymers fortgetragen. Und so bey den übrigen Maaßen, welche alle bis zum 63ten Eymer aus dem Strich des 27 Eymers aufgetragen werden.
11.) Beym 64ten Eymer wird das Maas des ersten Eymers nämlich 1000 viermal aufgetragen, und nun wieder alle folgende Maaße aus dem Strich des 64. Eymers aufgetragen, bis zum 124. Eymer.
12.) Der 125. Eymer hat die Zahl 5000. da denn eben wie bisher, und so fort verfahren und gemeßen wird.
13.) Wollte man die viertels oder 8tels oder 10tels Eymer zwischen den Eymern haben; so wird der Raum zwischen jeden Eymer in 4 oder 8 oder in 10 Theile getheilt, und die Striche nur halb so groß, als die Eymerstriche gemacht.