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Startseite » Schriften » Der vollkommene Büttner oder Küfer » 1. Abschnitt, vom Faßmachen.

Sechs und vierzigste Aufgabe. Einen Faßthürreißer zu machen, mit welchem man, auf das Allergenaueste, die Thüre so wohl, als das Thürloch in den Faßboden reißen kann von Meister Carl Bock, in Maynstockheim.

Der folgende Teil stammt aus der 5. Auflage:

38te Tafel.

1.) Macht von harten Holz ein Stück 15 Zolle lang, 2 Zolle breit und 2 Zolle dick, Figur. 1.
2.) Sechs Zolle lang behält dieses Holz einerley Stärke, 9 Zolle lang wird solches oben und unten ½ Zoll eingeschnitten, und oben und unten weggeschnitten, damit es nur einen Zoll stark bleibet.
3.) In der Mitte bey a, wird ein Loch durch gemacht 5 Zolle lang und so dick, daß die nachfolgende beschriebene Ankerschraube Figur. 4. durchgehet, damit man in diesem Loch die Ankerschraube hin und wieder schieben kann.
4.) Wird das Zwerchholz Figur. 2. sieben Zolle lang, 2 ½ Zoll dick und 2 ½ Zoll breit gemacht; durch dieses Zwerchholz wird das Loch in der Mitte zwischen b, c, 2 Zolle breit und 1 Zoll hoch gemacht, dadurch das oben beschriebene Holz Figur. 1. a, kann genau durch gesteckt werden. Damit aber beym Zusammenstellen dieses Instrumentes der Anker desto vester stehet, wird auf der einen Seite dieses Lochs, bey c, dasselbe ½ Zoll länger, aber nur ½ Zoll hoch gemacht, damit man den Keil Figur. 3. dahin eintreiben kann, um dadurch das Ankerholz desto vester stehender zu machen.
5.) Zu diesem Holz wird die Ankerschraube, Figur. 4. 9 Zolle lang, ½ Zoll dick, und der Anker unten daran 3 ½ Zoll breit, mit einer guten Schraube obenher gemacht. Zu diesem Anker müßen 2 starke Bleche 2 ½ Zoll lang, 1 ½ Zoll breit gemacht seyn, jedes in der Mitte mit einem runden Loch, dadurch die Ankerschraube sehr genau gehet. Diese Bleche werden auf das Zwerchholz Figur. 2. just in der Mitte, oben und unten in das Holz eingelaßen, wie Figur. 2. bey d, zu sehen, damit sie, besonders das untere Blech nicht über das Holz in die Höhe stehen, und beyde Bleche müßen mit versenkten Schrauben, welche nicht über die Bleche in die Höhe gehen, vest auf das Holz angeschraubet werden; und so mit durch die beyden Bleche das Loch durch das Holz gebohret werden, dadurch alsdenn die Ankerschraube gesteckt wird.

Nun wird das lange Holz Figur. 1. folgender Gestalt, mit dem Reißer gemacht.

6.) Von einem guten Zeuchschmidt, wird der Reißer Figur. 5. Sechs Zolle hoch, ¼ Zoll dick, und ½ Zoll breit, also von dem besten englischen Stahl gemacht, daß solcher unten bey F, auf allen 4 Seiten, sehr scharf wird; daher sich der Zeuchschmidt ein keilförmiges Instrument machen muß, womit er unten bey F, in den Reißer, das Loch in die Höhe zu, wenigstens ¼ Zoll tief einschlägt, welches Loch alsdenn außen an denen Kanten, auf allen 4 Seiten, auf das Schärfste umfeilet wird, damit es auf beyden schmalen, als beyden breiten Seiten seine Schärfe erhält.

Will er aber lieber 4 keilförmige Stücke Stahl besonders schmieden, und alsdenn zusammen schweisen, damit das Loch unten am Reißer, desto tiefer wird; oder will er das Loch einhauen, so seye solches seiner Kunst überlaßen.

7.) Wird am obern Theile des Reißers, dieser mit einer starken Verkröpfung versehen, durch welche eine eben so starke Schraube 6 Zolle lang gehen muß, womit man den Reißer kann ein und in die Höhe schrauben, wie Figur. 5. zu sehen.
8.) Zu diesem Reißer werden wieder zwey sehr starke Bleche gemacht, jedes mit einem Loch, dadurch der Reißer sehr genau gehet, diese Bleche werden jedes 3 Zolle lang, 1 ½ Zoll breit, oben bey g, Figur. 1. und unten in das Holz, eingesenkt, und jedes dieser Bleche mit 2 versenkten Schrauben vest angeschraubet, so daß besonders das unterste Blech sammt seinen beyden Schrauben nicht über das Holz in die Höhe stehet.

Durch dieses Holz muß vorher das Loch h, Figur. 1. gemacht seyn, durch welches der Reißer gesteckt wird. Dieses Loch aber muß dergestalt durch das Holz gehen, daß der Reißer gegen die horizontale Lage des Holzes um 1/10 der Holzdicke unten bey F, links hinaus, gegen das Ende zu stehe, nicht gegen das Zwerchholz, damit der Thürriß am Faßboden so wohl als die Thüre außerhalb um irgend ¼ Zoll enger, als innerhalb des Faßes wird.

9.) Wird nun zu der Schraube die am Reißer Figur. 5. ist, eine eißerne Gabel geschmiedet, Figur. 6. durch welche oben ein Loch, ohne eine Schraubenmutter, gehet, durch welches Loch die Schraube gestecket, und der Reißer, welcher oben in der Verkröpfung die Schraubenmutter hat, an solche Schraube angeschraubet, um solchen, beym Thürreißen immer weiter herab schrauben zu können, deßhalb oben an der Schraube, unter der Gabel ein Vorreiber gemacht wird, daß solche Schraube innerhalb der Gabel bleiben muß, um nur damit den Reißer immer tiefer abwärts schrauben zu können.
10.) Muß diese Gabel auch ihre Stärke haben; sie muß 5 ½ Zoll hoch seyn, und unten 2 Zolle weit voneinander stehen, damit solche unten Figur. 1. bey K, auf beyden Seiten des Holzes vest angeschraubet werden kann. Sie muß sich nach der Schregestehung des Reißers richten, und muß daher eben so schrege wie der Reißer stehen, wie das untenher ganz zusammen gesetzte Instrument zeigt.
11.) Figur. 3. ist der Keil, welcher in das Zwerchholz, wie an der zusammen gesetzten Figur bey 3. zu sehen, eingeschlagen, und damit das Zwerchholz recht veste angekeilet wird, damit das Zentrum, welches der Anker ist, sich nicht verrucken kann.
12.) Noch will ich anmerken, daß wegen der Schregestehung des Reißers, wie oben Nro. 8. gedacht worden, man am besten also verfähret: Man meße die Holzdicke Figur. 1. bey der Seite K, die ist hier 2 Zolle. Diese 2 Zolle theilet man in 10 Theile. Nun ziehe man mit einem Winkelmaas, dorten auf Figur. 1. wo das Loch für den Reißer bey h, durch soll, eine winkelrechte Linie von dem Loch h, auf der Seite K, herab, und steche von der Linie K, 1/10 der Breite des Holzes zurück gegen F, und ziehe von dem Loch h, oder von dem gerade stehenden Perpendikel, die schrege Linie K, F, und also nach dieser schregen Linie wird von h, das Loch gegen F, für den Reißer durch gemacht, wonach nun auch die Gabel Figur. 6. mit der Schraube Figur. 5. also schrege, vest an das Instrument angeschraubet wird, nach welcher Richtung der Reißer recht stehet.

Will man nun mit diesem Reißer in den Faßboden eine Thüre einreißen, so wird auf den Faßboden, die Thüre mit einem Zirkel und Maasstab aufgerißen, alsdenn wird durch den Zirkelstich des Gewölbes ein Loch just so dick daß die Ankerschraube gehebe durch gehet, winkelrecht durch gebohret, und die Ankerschraube durch dieses Loch gesteckt, so daß der Anker am innern Theil des Bodens zu stehen kommt; alsdenn wird das Zwerchholz des Instruments an das lange Holz gehörig angesteckt und die Ankerschraube durch die Schraubenlöcher hindurch gesteckt; alsdenn wird der Reißer just auf die Peripherie des Thürzirkels gerichtet, darauf die Ankerschraube angezogen wird, und so nach der Keil bey drey vest in das Zwerchholz eingetrieben, daß das Zwerchholz recht veste an dem langen Holze hält; darauf man das lange Holz vor= und rückwärts beweget, durch welches Bewegen, der Reißer das Gewölbe der Thüre sehr nett einschneidet. Bey solcher Bewegung muß der Reißer mit seiner an sich habenden Schraube immer tiefer eingeschraubet werden, bis das Gewölbe ganz durchschnitten ist.

Auf gleiche Art wird nun auch die Wölbung zur Thüre gemacht, wie es die Einsicht von selbsten giebt, an welcher man zugleich den Riß, mit der nämlichen Zirkelweite, als das Gewölbe der Thüre hat, aufträgt.