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Startseite » Schriften » Der vollkommene Büttner oder Küfer » 1. Abschnitt, vom Faßmachen.

Sechste Aufgabe. Ein rundes Faß aufzureißen, dasselbe nach solchem Riß visiren, und nach demselben zu verfertigen.

2te Tafel, Figur 1.

Wenn ihr 5, 6, 8, mehr oder weniger Schuhe langes Holz habt, so verfahret also:

1.) Messet die Höhe von euren Böden so genau es seyn kann, und gebet dieser Höhe bey folgend zu ziehender Linie a, b, die halbe Kopfsdicke einer Daube zu, oder reißet die Linie a, b, um so viel länger als die Böden sind, auf den Werkstatt Boden.
2.) Leget das in der ersten Aufgabe Figur 2. gemachte Reißbret unten auf die Linie an den Punkt b, an, und reißet nach der Seite b, eine schief aufwarts gehende Linie b, c. Diese Linie muß halb so lang seyn, als euer Daubholz ist, das ihr zu diesem Faße gebrauchen wollt.

Hier wollen wir 6. Schuhe langes Daubholz annehmen, also wäre die Hälfte desselben 3. Schuhe, und so lang würde die Linie b, c.

3.) Wendet das Reißbret um, legt solches unten auf die Linie an den Punkt a, und ziehet wieder eine schrege auswarts hinauf gehende Linie, wie vorige 3. Schuhe lang, von a, zu d.
4.) Ziehet von d, zu c, eine Linie, diese heißt die Bauchlinie. Nach dieser wird der Fügmodel gemacht, wie die dritte Aufgabe lehret.

Und nun ist das halbe Faß aufgerissen.

5.) Drehet das Reißbret um, leget solches genau an d, auf der Bauchlinie, und ziehet die Linie d, f, schrege einwärts gehend, wieder 3. Schuhe lang hinauf. Dieses ist die zweyte Hälfte der 6. Schuhe langen Dauben.
6.) Wendet das Reißbret wieder um, leget solches auf der Bauchlinie an c, und ziehet eine 3. Schuhe lange Linie nach dem Reißbret, wieder schief einwärts gehend c, e.
7.) Ziehet von f, zu c, eine Linie als die zweyte Bodenlinie: Diese muß just so lang seyn als die untere Bodenlinie a, b, wenn der Riß richtig gemacht ist.
8.) Zeichnet auf der Linie a, d, die Gargel bey g, ein, so weit es erforderlich ist: Davon sehet die eilfte Aufgabe. Hierauf kann man das Faß visiren, von dem Spund c, bis zu der Gargel oder Zarge g, wie der beygezeichnete Visirstab c, g, zeiget.

Nach dieser Umschreibung wird das Faß mit seinem rechten Form und Spitzung da stehen, und werden die Böden weder zu lang, noch zu kurz seyn. Darauf nach solchem Riß, die Arbeit sicher kann vorgenommen werden.