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§. 3. Von der Untersuchung der Orgel.

Ist nun die Orgel fertig und ganz aufgebauet, auch die Stimmung vollbracht, so wird zur Probe und Durchsuchung geschritten, und das ganze Werk, nach allen seinen Theilen, zu denen Sich nur kommen läßet, nach dem zweyten Abschnitt und auch allen in demselben enthaltenen Vorschriften examinieret, dabey der Orgelvisitator, in so ferne er einen wichtigen, oder nur kleinen Fehler findet, nicht gleich Lermen blasen, und den Orgelmacher ins Angesicht, hauptsächlich vor vielen Leuten, zu beschämen suchen muß; sondern Gegentheils solchen Fehler aufzeichnen, und wenn alles geschehen, dem Orgelmacher vorher allein, solche zu verbeßern sagen, der sich seiner Ehre und Bezahlung wegen, gern dazu verstehen wird.

Wäre aber ein Fehler zu wichtig, oder deren mehrere, so müßen sie nothwendig, mit Zuziehung der Bauvorstehere, dem Orgelmacher abzuändern, aufgetragen werden. Dann müssen geschickte Orgelspieler, nach aller ihrer Kunst, in Manual und Pedal, geschwinde und langsam spielen und zu sehen, ob nichts hängen bleibt, stockt, und ob sonst kein Fehler, während des Spieles8 vorgehet?

Es ist nun freylich heutiges Tages etwas anders mit denen Orgeln, als es vor 200 und mehr Jahren gewesen. Nur Schade ists, daß kein hauptsächlicher Erfinder derselben, auch von den allerältesten Scribenten, die von Orgeln geschrieben haben, genennet werden kan. Vermuthlich ist es damit wie mit allen Kunstwerken ergangen, daß solche Stuffenweise sind immer nach und nach, vermehret und verbeßert worden, gleich wie das Fortepiano immer mit mehrern Veränderungen hervor kommt, davon der seel. Herr Capellmeister Heller, in Saalfeld, mein gewesener Lehrer in der Compostition, der Erfinder war, der, um unschuldig gehabter großer Fatalität wegen, seine Capellmeisterstelle verlaßen, und sich nachmals in Koburg mit Information nähren muste. Diesem Manne zu Ehren und allen Liebhabern des Fortopiano zu Liebe will ich den Vorgang hieher setzen. Der Capellmeister Heller, der sich die Zubereitung des Fortepiano ausgedacht hatte, gab dem Orgel und Instrumentenmacher, Daum, in Koburg, ungefähr in dem 1743sten Jahre seine Erfindung an , der ihm versprechen muste, keines mehr, so lange er lebte, da er schon ein Mann von 7o Jahren war, zu verfertigen, dafür sollte Daum, nach Hellers Tode, das Gefertigte zur Erbschaft erhalten. Der Contrakt wurde beiderseits gehalten. Beyde Männer starben, und der Sohn des Herrn Daum, der, wie sein Vater, Kupferschmied, Orgel = und Instrumentmacher war, erbte das Fortepiano, das Herr Heller, so lange er lebte, niemanden, auch keinen seiner Durchlauchtigsten Landesherren spielen, noch die Struktur innerhalb sehen ließ. Hierauf verfertigte der junge Daum mehrere, und nun wurden sie bekannt, und immer mehr verbeßert, nachgemacht. Dabey also Herrn Capellmeister Joh. Caspar Hellern, die Ehre der Erfindung bleibt.

Auf gleiche Art wurden zu Orgeln immer neue Register erfunden, welches noch heut zu Tage geschiehet, indem geschickte Männer immer noch neue Entdeckungen zu Registern machen , deßhalb man über jene auch wohl mehrmalen geschickt Orgelspieler und Organisten, auch andere die von Orgeln reden, lächeln muß, wenn sie von irgend dem grösten Orgelwerke das sie gesehen haben, sagen: Das wäre eine ganze Orgel, das sich aber von keinem Orgelwerke sagen läßet, wenn es auch noch größer als jenes in Kloster Weingarten in der Schweitz ist, das 100 Züge und darunter 87 klingende Register hat, bey welchen noch viele bekannte hätten hineingebracht werden können.

Einige glauben das sey eine ganze Orgel die ein 16 füßiges Prinzipal hat; jene die ein 8 füßi ges hat, seye eine halbe; die ein 4 füßiges hat, sey eine viertels; und die ein 2 füßiges hat, sey eine achtels Orgel. Man vergleiche diesen Glauben und Gedanken, mit denen doch hauptsächlich zum Prinzipal gehörigen Registern, nämlich mit den dazu erforderlichen Octave, Quinte und Mixtur, so wird sich leicht ergeben, ob es achtels Orgeln geben kan: Und gibt es keine achtels Orgeln, so möchten auch wohl die viertels und halben wegfallen. Eine Sache die ganz und vollkommen seyn soll, muß keinen Fehler haben , es muß ihr nichts mangeln. Nun fehlen aber sehr oft, und ich kan sagen allezeit, in einem 16 füßigen Werke, diese und jene Register, die man darinnen zu haben wünschte, da sie nun einmal nicht darinnen sind, so ist ja die Orgel mangelhaft und nicht ganz, mithin fällt auch der Glaube und Gedanke von einer ganzen, halben, viertels und achtels Orgel, als bloßer Wortstreit, weg, und man sagt dagegen: Das ist ein 16 füßiges, ein 8 füßiges, ein 4 füßiges Werk, worunter man nach dem Ausdrucke der Orgelmacher so viel sagen will, daß ein 16 füßiges Werk mehr zu bedeuten hat als ein 8 füßiges, und diefes wieder mehr als ein 4 füßiges. Von einem zweyfüßigen Prinzipal kan gar keine Rede seyn, um daraus eine achtels Orgel zu machen. In welcher Bestimmung, daß es nämlich ganze, halbe, viertels und achtels Orgeln geben soll, ein sonst sehr geschickter Mann, in einer vom Orgelspielen etc. herausgegebenen Piece, wider den Ton der Orgelmacher, etwas gestrauchelt hat, weil eine Sache unmöglich für ganz angenommen werden kan, an der etwas, geschweige viel, fehlt, und so weiter, das nicht für 1/8 paßiren kan, an dem 1/16, oder  oder 1/12 fehlet, wenn Octave und Quinte zu einem Prinzipal, nach dem System der Orgelmacher gehören.

Um aber doch auch etwas von der Erfindung der Orgeln zu gedenken, so will ich noch des ehemaligen Superintendenten Johann Ulrich Sponfels, Orgel=Historie Nürnberg 1771 bemerken, der sich sehr viele Mühe der Entstehung der Orgeln wegen gegeben hat, er setzt ihre hauptsächliche Entstehung in das 14te Jahrhundert, nach Christi Geburt. Doch meldet er auch, daß schon zu Zeiten Juliani apostata der a. C. 363. den 26 Jun. in einer Schlacht mit den Persianern erstochen wurde, Instrumente erfunden gewesen, die man Hydraulicum oder Wasserorgeln genennet, welche eines Baders Sohn aus Alexandrien, schon vor Christi Geburt, erfunden haben soll, wie Vitruvius Libr. IX. pag. 417. meldet. So findet sich in Zieglers Schauplatz, pag. 60. vom 77 Pabst Vetellianus von dem der Cantus figuralis seinen Ursprung hat, daß derselbe schon vor dem 669 Jahre, Orgeln in die Kirchen verordnet hat, welche nichts anders als das Hydraulicum gewesen. Auch kan jene Orgel, welche Constantinus Copronymus, Kayser in Orient, an dem König Pipinum in Frankreich, Ao. 766 gesendet, nichts als ein Hydraulicum gewesen seyn, welches das Erste in Occident war, dessen Ziegler in seinem Schauplatz pag. 1072 ebenfalls gedenket.

Diese Wasserorgeln hatten zwar auch Pfeifen, wie Plinius in historia naturali Libr. VII. Cap. XXXVII.9 meldet. Allein ihre Art war sehr von der Art unserer Orgeln verschieden, ob man schon auch Hände und Füße dazu brauchen mußte. Inzwischen kam es doch immer weiter mit der Invention der Orgeln, bis Ao. 1312 Torcellus10 ein Patricius aus Venedig, eine verfertigen und in eine Kirche setzen ließ, welche Orgel ein Deutscher verfertiget hatte, dem also die Erfindung von der Art der heutigen Orgeln, zugeeignet wird. Nicht weniger erfand nachher, wie Herr Superintendent Sponsel sagt, ein Deutscher das Pedal. Und ein Deutscher war es welcher die Schleifladen erfunden, wodurch das Pfeifenwerk von einander abgesondert und in besondere Register getheilet wird. Ja die Deutschen erhuben die Orgeln aus ihrer Unvollkommenheit, bis zum Grade der Vollkommenheit, wie in des Michaelis Praetorii Sytagmate Musico11 Tom. II.12 welcher die Organographie abgehandelt hat, zu lesen ist.

Nur fehlte es nun noch an einer reinen und gleichschwebenden Temperatur:13 Hieran arbeiteten abermals die grösten Musici in Deutschland , ein Sebastian Bach, in Leipzig; Telemann und Matheson in Hamburg, Werkmeister in  Halberstadt, Fuchs in Wien hatte zu seiner Zeit auch schon etwas gethan; bis es endlich einem Sorge14, Organisten in Lobenstein gelang, eine gleichschwebende Temperatur oder Stimmung zu erfinden, welche durch Rechnung, Maasstab und Zirkel, die gröste Vollkommenheit erlanget hat, die nun durch die von mir §.23. erfundene Stimmpfeife, in jede Orgel, mit geringer Mühe gebracht werden kan.

Daß aber die Orgeln schon vor dem vierzehnten Jahrhundert erfunden worden, ist aus der Elsasischen Chronik von Herzog zu sehen, indem derselbe schreibt, daß in dem Brande des Münsters zu Straßburg, welcher sich Ao. 1298 ergeben, auch die  darinnen sich befundene Orgel mit verbrannt sey, welche schon auf ganz andre Art als das Hydraulicum beschaffen gewesen.

Daher abermal ein Beweis, daß die Deutschen ehender als andre Länder, Orgeln gehabt haben, und die Erfindung derselben denen Deutschen zugehört. Davon auch Ziegler und Kliphausen15 in seinem herausgegebenen großen Werke: Schauplatz der Zeit16, gedenkt, daß ein Deutscher, der Königin in England Elisabeth, eine Orgel, als die Erste in England, überbracht hat. Daher nach obigen gar wohl, die Erfindung der Orgeln in Deutschland früher als im 14ten Seculo geschehen seyn kan, welche Erfindung nachher erst im 14ten Seculo in andre Länder, wie oben, nach Venedig gekommen ist.

Die ersten Orgeln bestanden nun freylich nicht mehr als aus 7, 8, bis 9 Tönen und so vielen Clavibus, diese Claves waren mehrentheils Handbreit, und musten daher, der schweren Einrichtung wegen, mit Fäusten geschlagen werden: Daher noch von vielen Leuten, die es nicht beßer verstehen, gesagt wird; Er kan die Orgel schlagen, statt: Er kan die Orgel spielen.

Nachher wurden auf jeden Clavem mehrere Pfeifen gesetzt, wodurch gleichsam eine Mixtur entstand. Auch wurden bald mehrere Claves so wohl in die Höhe als Tiefe gehend hinzugethan und die Claviatur wurde schmäler und leichter gemacht, und entstanden 2 bis 3 Octaven, die aus dem Diatonischen Geschlechte c, d, e, f, g, a, h, bestanden, welche auch bald wieder verändert wurden, indem die Künstler anfiengen auch die Chromatischen Töne cis, dis, fis, gis, ais oder b in die Claviatur zu bringen, dabey man anfieng die Claves nicht mehr mit Fäusten zu schlagen, sondern mit Fingern, und zwar mit beyden Händen zu spielen, und dieses geschahe im 14ten Seculo. Gleich im 15ten Seculo verfertigte ein Deutscher ein Pedal mit Namen Bernhard. Ao. 1475 machte Konrad Rothenburger17 in Nürnberg eine wichtige Orgel in die dortige Baarfüser Kirche, und Ao. 1493 eine noch größere, und vermehrte, in die Domkirche zu Bamberg. Ein Breßlauer Namens Stephan18 machte 1483 die Orgel in die Domkirche zu Erfurth. Heinrich Kranz baute 1499 die große Orgel in die Stiftskirche zu Braunschweig19.

Im sechzehenden Jahrhundert wurden die Register erfunden und das Pfeifenwerk von einander gesondert, auch die Springladen ausgedacht, und bald darauf die Schleifladen erfunden, dabey man die 16, 8, und 4 füßigen Pfeifen unterschied, und nun entstanden die Prinzipale, Octaven, Superoctaven, Quinten, Mixturen; dabey suchte man einerley Ton in der Stimmung einzuführen, und man nannte solchen, damals bey Höfen, den Kammerton. Doch wurden auch einige Orgelwerke einen Ton höher gestimt, und diesen nannte man den Chorton20.

Inzwischen hatte man verschiedene Flötenstimmen erfunden, und das Clavier schon bis auf 48 Claves vermehrt, unsere Deutschen sannen daher auch auf einige Zungen=Schnarr  oder Rohrwerke, welche in dem 16ten Seculo durch Julium Antonium der in die Marienkirche zu Danzig, und durch Heinrich Glovaz zu Rostock, der allda in die Kirche ein Orgelwerk bauete, mit Grob= und Kleingedackt, Quintatön, Hohlflöte, Gemshorn, Nasat, singend Regal, Krumhorn, Geigenregal und dergleichen mehr offene und gedeckte Stimmen, entstanden.

Durch das Decken der Pfeifen entstand ein nochmal so lieblicher aber auch um eine Octava tieferer Ton, den man sich im Manual so wohl, als sonderlich im Pedal sehr zu Nutz machte. Man kam dabey auf die Erfindung engerer Mensur, als das Prinzipal war, und dieses gab Anlaß zur Erfindung der Viola da Gamba. Etliche machte man weiter als Prinzipalmensur, und dadurch wurde beym Abbruch der Länge, die Hohlflöte erfunden. Etliche machte man unten weit und oben enge, das gab die Spitzflöte und Gemshorn. Dagegen machte man einige unten enge und oben weit, welches den Dulzian gab. Einigen wurden Bärte bey die Labia, so wohl unterhalb als seitwärts gemacht, dadurch wieder andere Töne entstanden, wie solches unter folgenden §. 11. zu sehen seyn wird.

In dem 17ten Seculo wurden mehrere neue Register erfunden, so wohl an Flöten als an Rohrregistern, darunter vorzüglich Vox humana gehört. Auch werden bey großen Orgeln mehrmals zwey und auch drey Clavier gemacht, welche von großen C bis zum dreygestrichnen c, auch wohl noch höher giengen.

Und so werden unsere Nachkommen in folgenden Zeiten immer mehr neuere Register ausdenken, und also die Orgeln mit noch mehreren annehmlichen, als auch mit mehrerer Stärke klingenden Registern versehen. Dabey zu gedenken, daß in dem verfloßenen 18ten Seculo so wohl die Glocken= als Stahlspiele erfunden und hie und dort in die Orgeln gemacht worden. Dieses an Erfindung für die Orgeln so wohl, als für die besayteten Instrumente sehr glückliche Seculum, brachte auch das vortrefliche Instrument der Glasharmonica hervor, welches in puren Glocken von Glas bestehet, welche vom großen C anfangend, mit allen Semitoniis durch 4 Octaven hinauf bis zum dreygestrichenen c gehet, bey welchem immer, an einer eisernen Welle bevestiget, eine Glocke in der andern stecket, und irgend fast einen Zoll über die vorhergehende heraus raget, also daß man sehr füglich mit beyden Händen vierstimmig darauf spielen kan, in dem durch einen Fußtritt, der unten am Instrumente angebracht ist, und durch einen sehr wohl ausgedachten Mechanismum ein innerhalb des Instrumentes horizontalliegendes Schwungrad in Bewegung gesetzet wird, welches die eiserne Welle, daran die Glocken sämtlich bevestiget sind, wieder in Bewegung bringt, damit solche um dieses ihr Zentrum im Kreise herum laufen, unter welcher Bewegung der Künstler der dieß Instrument spielt, mit naß gemachten Fingern die Glocken berühret, welche so fort ihren schmelzenden Ton auf solche Art hergeben, daß sie eine nicht allzu robuste Seele ganz in Entzücken setzen.

Der Erfinder dieses Instruments war abermals ein Deutscher, und so viel mir erinnerlich, mit Namen Schmidbauer, Kapellmeister in Rastadt21, welcher ungefähr in der 6ten Dekate des 18ten Seculi, diese Erfindung hervorbrachte.

Auch wurde in dem zu Ende gehenden 18ten Seculo die Aeolus Harfe erfunden, welche aus einem Kästchen bestehet, das, nach Belieben, 3, 4 Schuhe lang, 6, bis 8 Zolle breit und irgend in Lichten 5 Zoll tief kan gemacht seyn, unten mit einem Boden. An den beyden äusersten Enden, müßen 2 starke Hölzer irgend 2 Zolle hoch und auch 2 Zolle breit in die beyden in die Höhe stehende Seitenbretter eingeschnitten und wohl eingeleimt seyn, darüber ein sehr dünner Resonanzboden , so lang das Kästchen ist, aufgeleimet wird. Ueber diesen Resonanzboden werden 6, 8, 10, oder 12 Darmsayten und zwar von der Gattung A, oder Quartsayten, möglichst alle von einerley Stärke, gezogen, wenn man in die an beyden Enden unter dem Resonanzboden eingeleimte 2 starke Hölzer 6, 8, 10, oder 12 Löcher durch den Resonanzboden bohret, und auf jeder Seite, so viel Löcher gebohret sind, Werbel, wie die Werbel an Violinen, drechseln läßet, um damit die Sayten über den Resonanzboden hinzuziehen; welche Sayte nun alle in den reinsten Einklang, (Unisonum) gestimmt werden.

Wenn dieses geschehen, so ist die Aeolus Harfe fertig. Solche nun zu gebrauchen, stellet man dieselbe, der Länge nach, in die Höhe, und zwar in ein Fenster auserhalb, wo man spüret daß der Wind am heftigsten anfallen kan, und überläßet dem Herrn Aeolo, oder dem Winde, dieses nunmehro ihm allein angehörige Instrument, welcher seine Kunst auf das wundersamste und höchst angenehmste darauf beweiset, indem er vermögend ist, auf denen in Unisono gestimmten Sayten, allerley Octaven, Quinten, Quarten, Tertien etc. hervor zu bringen.

Ueber diese Aeols Harfe hat der gelehrte und weise Kurerzkanzler Herr von Dalberg eine fürtrefliche Schrift abgefaßt.22

Diesem Instrument gönne ich23 vor der englischen Harmonika den Vorzug. Das lezte wird auch zu Nürnberg, in verschiedener Größe, von dem Künstler Kuppler sehr schön verfertigt.Noch gehört zu den neuen Erfindungen, der Clavicylinder mit dem sich Herr D. Chladni in Wittenberg, als ein Gelehrter und Künstler, an verschiedenen Orten, mit großem Beifall hören laßen, und sich dadurch berühmt gemacht hat.24Ich kehre nun wieder zu einer besondern Erfindung des berühmten Andr. Werkmeisters in Halberstadt zurück, der in seiner verbesserten Orgelprobe25 pag. 65 folgendes vorschlägt:Wenn man eine Orgel mit 4 Klavieren bauen lassen wollte, so könnten auf einer besondern Windlade, die ganz hinten am Orgelwerk angebracht wird, folgende Register stehen:

1.) Gelind Gedackt 8 Fuß.
2.) Klein Gedackt 4 Fuß.
3.) Nassat 3 Fuß.
4.) Stflöt 2 Fuß.
5.) Blockflöte 2 Fuß.
6.) Mixtur 3 fach.
7.) Vox humana  8 Fuß.
8.) Angelika 4 Fuß.

Ueber dieß ganze Pfeifenwerk müste ein Kasten, oder dasselbe ganz zugebaut, mithin ganz versteckt werden, da denn dessen harmonischen Töne, wenn es gespielt wird, von einer Entfernung und fast ausserhalb der Kirche herzukommen scheinen.

Nach dieser Erfindung hat ein Künstler in London eine Orgel erbauet, die eine solche ausserordentliche Würkung hervor gebracht, wie mir ein Freund, der sie spielen gehört und betrachtet, erzählt hat, daß er geglaubt habe er sey an einen ganz andern Ort versetzt worden.