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§. 19. Von der Stimmung.

Die beste Stimmung bey einem Orgelwerke ist die Razionalgleiche: das ist, wenn die Intervallen und Töne durch eine besondere Rechnung richtig berechnet sind, und nach solcher Berechnung eine Orgel gestimmt wird. Diese Berechnung heist die Razionalrechnung, über welche Fux, Mattheson, Telemann, Kircher, Neidhard, Spieß und sehr viele andere, geschrieben haben. Unter allen aber ist die

ausführliche Anweisung zur Razionalrechnung von Sorge, 8. Lobenstein, 1749. die beste.

Nach dieser Razionalrechnung werden die Intervalle berechnet; die Summen der Intervalle von einem verjüngten Maasstab auf ein dazu besaytetes, oder mit einer Pfeife versehenes Instrument getragen, davon §. 2032. und §. 22. mehr vorkommen wird. Nach solchem Instrumente aber wird ein besaytetes Instrument gestimmt. Wenn sich nun jemand ein dergleichen Instrument, Monochordium, oder eine Stimmpfeife gemacht, oder machen laßen, und Claviere oder Orgeln etlichemal darnach gestimmt hat, so wird er sehr bald, bey einem guten Gehöre, diese Stimmung im Kopfe haben, und das Instrument entbehren können, denn es ist, bey der razionalgleichen Temperatur, ein Komma Ditonikum in 12 gleiche Theile getheilt, wobey eine jede Quinte von den zwölfen, die innerhalb einer Octave liegen, um 1/12 eines Komma kleiner gemacht worden, daher die Quinten nicht ganz rein werden, sondern abwärts schweben müssen, dagegen aber werden die großen Terzen dadurch um so viel größer und höher schwebender, als jene abwärts schweben, wodurch man eine Temperatur erhält nach welcher man aus sämtlichen 24 Musiktönen, gleichlautend spielen kan.

Ich schlage also folgende Art bey einer Untersuchung der Orgelstimmung vor, nach der man das Prinzipal oder eine Octave nach der andern durchgehet.

1.) Müßen alle C des zu probirenden Registers, ohne die geringste Schwebung zu hören, in den reinsten Octaven stehen. So dann

2.) Nimmt man das eingestrichene c‘ und seine Quinte g‘ eingestrichen, und hört, ob solche um 1/12 eines Komma, das ist ganz wenig abwärts schwebt? Welches recht ist.

3.) Zu dem g‘ nimmt man seine Quinte, das zweymal gestrichene d, dieses muß wieder um 1/12 wie vorhin, abwärts schweben.

4.) Zu diesem d‘‘ nimmt man abwärts die Octave das einmal gestrichne d, diese Octave muß recht rein seyn.

5.) Zum eingestrichnen d nimmt man seine Quinte das eingestrichne a, dieses muß um 1/12 abwärts schweben.

6.) Zum einmal gestrichnen a nimmt man seine Quinte das zweygestrichne e dieses muß um 1/12 abwärts schweben.

7.) Zum zweymalgestrichnen e nimmt man seine Octave das einmalgestrichne e, die muß rein seyn.

8.) Zum einmal gestrichnen e nimmt man seine Quinte das einmalgestrichne h, das muß 1/12 abwärts schweben.

9.) Zum eingestrichnen h nimmt man seine Octave das blose h, die muß rein seyn.

10.) Zum blosen h nimmt man seine Quinte fis einmalgestrichen, das muß 1/12 abwärts schweben.

11.) Zu diesem fis nimmt man seine Quinte das zweymalgestrichne Cis, das muß 1/12 abwärts schweben.

12.) Zu diesem zweygestrichnen Cis nimmt man seine Octave, das eingestrichne Cis das muß rein seyn.

13.) Zu diesem Cis nimmt man seine Quinte das eingestrichne gis, das muß 1/12 abwärts schweben.

14.) Zu diesem gis nimmt man seine Quinte das zweymal gestrichne dis welches 1/12 abwärts schweben muß.

15.) Zu diesem dis nimmt man seine Octave das eingestrichne dis, das muß rein seyn.

16.) Zu diesem dis nimmt man seine Quinte b einmalgestrichen, welches 1/12 abwärts schweben muß.

17.) Zu b eingestrichen nimmt man seine Octave, das blose b, das muß rein seyn.

18.) Zum blosen b nimmt man seine Quinte das einmalgestrichne f welches 1/12 abwärts schweben muß.

19.) Zum f einmal gestrichen nimmt man seine Quinte, das zweygestrichne c.

Anmerkung:

Wenn der Orgelmacher eine gute Stimmung versteht, so muß diese letzte Quinte f‘ c‘‘ als die 12te Quinte, just um so viel abwärts schweben, nämlich 1/12 eines Komma Ditonikum, wie die andern Quinten alle, weil das zweygestrichen c nicht mehr geändert werden darf.

20.) Sollte diese leitzte Quinte den andern nicht gleich seyn, und zu viel über oder unter sich schweben; so muß man nachsehen, wo gefehlet ist? und nachhelfen, bis diese letztere den vorigen Quinten gleich wird, das sich, bey einem guten Gehöre bald findet.

21.) Sind nun alle Quinten einander gleich gemacht, so find die Töne oder Claves von blosen b bis zum zweygestrichenen e temperirt, und man probiret nun nur die Octaven f‘ f‘‘: fis‘ fis‘‘; g‘ g‘‘ gis‘ gis‘‘ so hoch das Manual hinauf geht. Nach diesem fängt man bey dem eingestrichnen a an und probirt die Octave a abwärts, sodann gis‘ gis g‘ g und so weiter bis zum großen Cis und sieht dabey ob so wohl die obern als untern Octaven rein sind, da denn wo es fehlt, nachgeholfen werden muß.

22.) Wenn nun auf diese Art das eine Register gut gestimmt ist, so probirt man, nach diesem gestimmten Register alle übrigen Register, da man eins um das andre dazu ziehet und durchgehet, auch genau darauf hört, ob alles in dem reinsten Einklange steht, dabey dann, der Orgelmacher wo es fehlt nachhelfen muß.

23.) Wenn mehr als ein Clavier an der Orgel ist, so werden die Register des zweyten und dritten Claviers, nach dem ersten Register probirt, ob alle Pfeifen mit diesem im reinsten Einklange stehen.

24.) Nun wird auch das Pedal mit seinen Registern durchgangen, dazu ziehet man noch ein 8, oder 16 füßiges Register das schon durchgegangen ist, und hilft da, wo es fehlt, ebenfalls nach.

25.) Endlich werden auch die Mixturen, Kornetten und andere mehrfachen Register untersucht, dabey man die tiefsten Pfeifen der Mixtur allein mit dem zu erst gestimmten oder einem andern schicklichen Register, das schon untersucht ist, durchprobirt. Um nun die tiefsten Pfeifen der Mixtur allein zu untersuchen, muß der Orgelmacher die andern, zu diesem Clavis gehörigen Pfeifen, zu stopfen, bis man hört, ob diese rein ist, alsdenn wird von den zugestopften Pfeifen eine um die andere geöfnet und erforscht, ob sie recht gestimmt sind, bis auf solche Art die ganze Mixtur durchgangen ist.

26 ) Auf ähnliche Weise wird auch das Kornettregister, und andere, die mehrfach sind, examinirt, das freylich eine sehr mühsame und verdrüßliche Sache ist, die aber doch hauptsächlich geschehen muß, indem dergleichen Register einem Orgelwerke die Stärke und Schärfe geben sollen. Was meine Meynung von Mixturen, Kornetten, Koppeln, Zymbeln, Sesquialtern etc. ist, das findet man im vierten Abschnitte §. 25. unter No. 53. wo die Mixturen beschrieben sind, und wo ich von ihrer Harmonie, oder Disharmonie den Beweis geführt habe, der nach reifer Einsicht, beherzigt zu werden verdient.