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§. 20. Von der Verfertigung der Windwage.

Die Windwage hat Christian Förner33, Orgelmacher in Wettin, noch vor dem Jahre 1673 erfunden, er war in der Aerometrie ein erfahrner Mann. Sie besteht aus einem Kästchen von Zinn und aus einem hölzernen Maasstabe, dann in einer Röhre von hellem Glase, welche Glasröhre, in eine aus dem Kästchen in die Höhe stehende Röhre gesteckt wird. S. Tab. I. Fig. 2, 3, 4

Zubereitung des Maasstabes. Fig. 3.

1.) Man nimmt ein Stückgen weises hartes Holz 7 rheinische Zoll lang, läßt solches fein hobeln, daß es 2/3 Zoll breit, und 1/6 Zoll dick wird.

2.) Von einem Ende dieses Maases, trägt man 6 Zolle in die Höhe, und theilt jeden dieser Zolle in zehen gerade Theile. Nun heißet jeder Theil ein Grad, also hält der Maasstab 60 Grade, wie Fig. 3. zu sehen ist.

Um das Kästgen Fig. 2. zu verfertigen:

1.) Nehme man ein Stück fein englisch Zinn, das auf beyden Seiten gehobelt und glatt ist, in der Dicke des Zinnes von einer 8 füßigen Prinzipalpfeife.

2.) Davon schneide man den obern und untern Boden 31 Grade lang und 17 Grade breit, recht winklicht.

3.) Ferner schneide die zwey langen Seitenstücke ab, jedes 31 Grade lang, und 17 Grade breit, recht winklicht.

4.) Schneidet zwo Platten ab zu der hintern und vordern Seite, jede 17 Grade lang und 17 Grade breit, recht winklicht. Auf diese Art sind die 6 Platten dazu fertig geschnitten.

5.) Nun schneidet ein Stück ab das 9 Grade breit und 155/7 Grade lang ist, und macht daraus das runde Röhrgen bey A. Wenn die lange Seite zusamm gebogen und an der Seite hinauf zugelöthet worden, so schneidet ein Loch in den obern Deckel des Kästchens, so gros und dick das Röhrgen ist, darein wird das Röhrgen gesteckt und unten angelöthet, wie bey A zu sehen ist, in dieses Röhrgen wird die Glasröhre gesteckt.

6.) Schneidet noch ein Stück Zinn zu dem zweyten Röhrgen bey B D ab, das 13 Grade hoch und 155/7 Grade lang ist, biegt solches zu einem runden Röhrgen mit seiner langen Seite, damit es 13 Grade hoch bleibe, verlöthet es, und schneidet die Gehrung daran von B gegen X.

7.) Schneidet noch ein Stück 17 Grade lang, und 155/7 Grade breit ab, biegt die kurze Seite zusamm, damit es ein Röhrgen werde, löthet es zusammen, schneidet die Gehrung von B zu X daran, und löthet diese Gehrung an die Gehrung des vorigen Röhrgens, so daß, die zusamm gelöthete Röhrgen bey B einen rechten Winkel, von B gegen C nämlich D X C machen.

8.) Schneidet nun ein rundes Loch in den Deckel des Kästchens bey D steckt diese Rohre darein und löthet sie wohl zu, so daß die Röhre B C mit dem Deckel des Kästchens parallel laufe.

9.) Nun löthet die Seitenplatten des Kästchens alle vier an diesen Deckel, daran die Röhren sind, und zuletzt löthet den untersten Boden daran, so ist das Kästchen, oder die Windwage fertig.

10.) Würde man die Röhre B C vornen bey C etwas dünner und schmäler machen, als hinten bey B wie die Fig. 2. zeigt; so würde es desto besser seyn, um solche desto vester bey C in das Loch des Windkanals stecken zu können.

11.) In das Röhrgen A wird die Glasröhre mit Leder untenher umwickelt, vest gesteckt, und vorher das Wasser das irgend roth oder gelb gefärbt worden, durch dieses Röhrgen eingegoßen, so daß das Kästchen recht eben voll ist.

12.) Die Glasröhre, die man auf Glashütten recht weis und helle bekommt, müssen 6 bis 7 Zoll lang seyn, und im Fall man eine bekäme die länger wäre, so bricht man ein Stück davon ab, das also geschiehet:
Man bindet an dem Ort wo man sie abbrechen will, einen starken Schwefelfaden, auch wohl 2, 3 fach herum, zündet ihn bey einem Lichte an, indem man ihm geschwinde herum drehet, damit er gleich überall brenne, und wenn er abgebrannt ist, überfährt man die Stelle rund herum, sehr geschwinde, mit einer naßen Feder, oder Tuch, damit es schnell abgekühlet wird, und bricht so fort die Röhre von einander, die wie faul Holz zerbricht. Alsdenn schleift man solche auf einem Sandstein eben und gerade.

13.) Wenn das Kästchen fertig und mit einem gefärbten Wasser gefüllt, auch ein Loch in den Hauptwindkanal gebohrt ist, wird das Röhrgen bey C mit Leder umwunden und horizontal in das Loch des Hauptkanals gesteckt, und damit verfahren wie §. 8. gesagt ist.