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§. 22. Von der Stimmung mit dem Monochord.

1.) Stimmt man alle c auf dem Instrumente, auf dem Clavier oder besayteten Instrumente das man stimmen will, in die reinsten Octaven. Wenn das geschehen, stimmt man

2.) Die Sayten des Monochords in den reinsten Einklang mit dem eingestrichen c‘ des Instruments. Man kan bey der Stimmung das Monochord auf das Clavier oder dem Instrument, den Claviersayten so nahe setzen, als es möglich ist. Wenn die Monochordsayten gestimmt sind, setzt man das bewegliche Steglein J als das Dritte unter die Monochordsayten bey Cis also, daß die Diagonalseite nach dem Steglein linker Hand zu, die eine perpendikulare Seite aber gegen Dis hin stehet. Hier muß das Steglein sehr genau auf die Cis Linie gesetzt werden, deßhalb diese Linien alle nur mit einem scharfen Instrument eingerißen werden müßen.
Nun nimmt man einen linden Federkiel, schneidet ihn etwas lang und spitzig auf, und schnippet damit die Sayten des Monochords ganz gelinde, dämpfet die Sayten des Cis des Claviers bis auf eine, die man in den reinsten Einklang mit der Monochordsayte stimmt. Ist diese Sayte rein, so thut man die Dämpfung der übrigen Sayten des Claviers weg und stimmt solche mit der erst gestimmten Sayte rein. Wenn nun das eingestrichne Cis gestimmt ist, so rückt man

3.) Das bewegliche Steglein auf die D Linie, dämpft wieder die Claviersayten des D bis auf eine, und stimmt diese genau nach der Sayte des Monochords. Alsdenn stimmt man die übrigen Sayten des D nach der erstgestimmten auf dem Clavier.

4.) Auf gleiche Art wird Dis E F Fis, G Gis A B und H gestimmt.
Dabey siehet man manchmal nach den Sayten des Monochords, ob solche noch in dem reinsten Einklange mit dem eingestrichnen C‘ des Claviers stehen?

5.) Wenn man bis ungefähr zu F kommt, so wird die Sayte hinter dem Steglein etwas schwankend, und man hört, bey dem linden Anschlagen, den Ton nicht so deutlich mehr, daher nimmt man ein leichtes Tüchlein und bedeckt damit die Monochordsayten zwischen dem eingestrichnen c‘ und dem Steglein, worauf sie wieder gut zu hören sind.

6.) Wenn diese eingestrichne Octave nach dem Monochord ganz durchgestimmt ist, so stimmt man die übrigen Töne und Octaven des Claviers, so wohl auf, als abwärts, Octavenweis. Und auf solche Art kan man ein Clavier etc. in ¼ längstens in ½ Stunde auf das reinste stimmen, ohne sich ausserordentliche Mühe mit dem Aufhören bey dem Stimmen, zu geben, wobey jedennoch, nach blosem Gehöre, selten eine reine Stimmung, durch alle Töne, zu erhalten ist. Wer aber nur etlichemal sein Clavier oder Instrument nach dem Monochord gestimmt hat, der wird, bey einem guten Gehöre, sehr bald diese Stimmung inne haben, und vermögend seyn, nicht nur sein Clavier und Instrument, sondern auch eine Orgel auf das reinste zu stimmen.

7.) Wenn man ein Futteral über das Monochordium, von sehr dünnen Fichtenholz machen läßt, und dieses Futteral beym Stimmen, umgekehrt auf das Clavier etc. stellt, und auf dieses das Monochordium setzt, so würde das Futteral den Ton des Monochords einigermaßen verstärken, der jedoch auch, ohnedieß stark genug und wohl zu hören ist.