MITTEILUNGEN

Die „MITTEILUNGEN der Johann-Heinrich-Zang-Gesellschaft e.V.1

Die Johann-Heinrich-Zang-Gesellschaft hat ihre Forschungsergebnisse und Veröffentlichungen über das Leben Johann Heinrich Zangs in ihren im ein- bis zweijährigen Abstand erschienenen MITTEILUNGEN veröffentlicht.

  • 1. Die Johann-Heinrich-Zang-Gesellschaft e.V. wurde am 28. November 2009 auf Beschluß der Mitgliederversammlung aufgelöst, da ihre Aufgabe abgeschlossen ist und weitere wesentliche Erkenntnisse nicht mehr zu erwarten sind. Der Kontakt zwischen Kirchengemeinde Mainstockheim, politischer Gemeinde Mainstockheim und den bisherigen Mitgliedern der Zang-Gesellschaft und die Pflege der Internetseiten über Zang wird durch Hellmut Hertel weitergeführt.
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MITTEILUNGEN Folge 1 (1986)

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Musikwissenschaftliche und theologische Perspektiven für die Zang-Forschung

Michael Heckmann

Kurzvortrag bei der Gründungsveranstaltung der Johann-Heinrich-Zang-Gesellschaft am 19. Januar 1986 in Mainstockheim

Lassen Sie mich, der ich das Vergnügen hatte, die ersten beiden öffentlichen Wiederaufführungen von Kantaten des Mainstockheimer Kantors Zang zu betreuen und zu leiten, einige Bemerkungen aus der Sicht des Musikers und Theologen zu diesem Thema anfügen.

In den letzten Jahren hat sich in der Musikwissenschaft der Blick geweitet, geweitet über die unmittelbare Erforschung des Lebens und Werkes des großen Thomaskantors Johann Sebastian Bach hinaus. Wir haben erkannt, dass ungeachtet seiner Einmaligkeit Bach nicht zu verstehen ist ohne die vielen Vorgänger, Zeitgenossen und Nachfolger. Die Verblüffung war nicht gering, als man neben der Rose Bach noch eine ganze Reihe schöner kompositorischer Blumen am Wegesrand entdeckte.

Zu diesen Entdeckungen der letzten Jahre zählen Namen wie Gottfried Heinrich Stölzel, Christoph Graupner in Darmstadt, Gottfried August Homilius in Dresden, auch die Bachsöhne, Carl Philipp Emanuel und der Altersgenosse Zangs, Johann Christoph Friedrich, der sog. Bückeburger Bach, dessen Werke, etwa das Oratorium „Die Kindheit Jesu“, verblüffende Ähnlichkeiten mit den Kantaten Zangs aufweisen. Ein Augenmerk gilt in neuerer Zeit auch Joh. Seb. Bachs Meininger Vetter Johann Ludwig Bach.

Was dabei herauskommen kann, wenn erst einmal gezielt nach bestimmten Komponisten gefahndet wird, zeigt ein Fall aus den letzten Jahren in Frankfurt am Main:1 Im Stadtarchiv wurde ein alter Schrank ausgeräumt und geordnet. Unter den Utensilien fand sich eine Menge handgeschriebener Notenblätter. Sie erwiesen sich als bisher unbekannte Kantaten des Meininger Kantors Johann Ludwig Bach.

So ähnlich könnte es auch der Zang-Gesellschaft ergehen. Man musste bei dem Frankfurter Fund fragen: Wie kommen Kantaten aus Thüringen nach Frankfurt? Die Erklärung ist, dass Johann Ludwig Bach sie entweder nach Frankfurt verliehen hat, oder sie jedenfalls in einer Abschrift, wahrscheinlich durch Telemann, nach Frankfurt gelangten. Auch von Zang wissen wir, dass er seine Kantaten an andere Kirchen, wohl vor allem im süddeutschen, südwestdeutschen Raum ausgeliehen hat.

Wo sind die 93 Kantaten geblieben, die wir bisher noch nicht gefunden haben? Ich schätze die Möglichkeit weiterer Funde nicht gering ein. Vielleicht liegen sie auf den Dachböden einiger Kirchengemeinden. Eine wichtige Aufgabe der Zang-Gesellschaft muss sein, die Spuren dieser Kantaten wieder zu finden und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Denn auch Johann Heinrich Zang gehört in das Umfeld des Thomaskantors Johann Sebastian Bach. Nach einer Nachricht war Zang sogar für kurze Zeit sein Schüler. Ich habe zur weiteren Klärung dieser Frage auf einem internationalen Symposium in Wien Kontakt mit einem Referenten der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätte Bach der DDR in Leipzig aufgenommen, die sich mit den Bachschülern beschäftigt. Eine Untersuchung der dort vorhandenen Quellen Zang betreffend wurde mir zugesagt.

Ungeachtet dieser Detailfrage weisen natürlich einige Auffälligkeiten in den Umkreis der Stadt Leipzig. Wer in die Kantaten Zangs hineinhört, der stellt fest, dass Zang noch in für seine Zeit erstaunlichem Maße über die Fähigkeit verfügt, Fugen zu schreiben. Wie bekannt ist, hat ja selbst Mozart die Fugentechnik an den Motetten Joh. Seb. Bachs studiert.2 Gleichwohl ist zu sagen, dass es sich bei Zang in keinem Fall um ein musikalisches Plagiat des Thomaskantors handelt.

Das faszinierende an der Musik Zangs ist ja gerade, wie er die alten kontrapunktischen Techniken verbindet mit der besonderen Kantabilität, der gefälligen Sanglichkeit im Sinne des zur Zeit Zangs aufgekommenen „empfindsamen Stils“, der ja auch an den Bach-Söhnen keineswegs spurlos vorübergegangen ist.

In die Nähe des Leipziger Thomaskantors weist auch die Behandlung der Rezitative bei Zang, Übergänge vom Secco-Recitativ zum Arioso. Das ausinstrumentierte Secco aus dem Ostertriumph: „Das Lamm ist nun ein Löwe worden“ weckt deutliche Anklänge an Bachsche Werke, wenngleich auch hier deutlich festzuhalten ist, dass Zang zu einem eigenwilligen Personalstil beim Komponieren gefunden hat.

Auf dem Gebiet der Werkanalyse sind dringend Untersuchungen der Zangschen Kantaten fällig, eine Aufgabe, der sich die Zang-Gesellschaft widmen sollte.

Aber auch auf theologischem Gebiet gibt es viel zu erforschen. Die Bachforschung hat in den letzten Jahren dabei Erstaunliches zutage gefördert, über das gottesdienstliche Leben zur Zeit Bachs, über die Frömmigkeit Bachs, schließlich auch über die Vorlagen der Texte zu den Kantaten Bachs. So konnten z.B. für die Bachsche Matthäus-Passion als Textvorlage Predigten eines Pfarrers entdeckt werden.3 Braucht es einen schlagenderen Beweis, dass Kantaten musikalische Predigten sind?!

Auch für Zangs Werk ist die Frage nach den Textvorlagen von Belang, weisen doch auch da einige Beobachtungen in das Leipziger Umfeld. So heißt es z.B. in der Bachkantate zum Osterfest BWV31: „Du musst geistlich auferstehen und aus Sündengräbern gehen“. Im „Ostertriumph“ bei Zang: „Lass uns geistlich auferstehen, aus dem Sündengrabe gehen“. Welches ist der gemeinsame Bezugspunkt in der Theologie zwischen Bach und Zang? Einer ist ja bereits deutlich: Bach schrieb über seine Partituren: „Jesu hilf“. Zang notiert zu Beginn des Evangelischen Zion zum Fest der Geburt Jesu, der Weihnachtskantate: „Im Namen Jesu“.4

Erstaunlich ist auch die theologische Richtung der Kantatentexte bei Zang und Bach: Günther Stiller hat in einer Untersuchung sehr schön gezeigt, wie in einer Zeit der beginnenden Aufklärung Leipzig als eine der ganz wenigen Enklaven der lutherischen Orthodoxie mit einem ausgeprägten Frömmigkeitsleben übrigbleibt. Ähnliches scheint für Mainstockheim zu gelten. Findet sich doch in einer Kantate Zangs ähnlich wie in den Bachschen Kantaten eine Warnung vor der zu hohen Bewertung der menschlichen Vernunft gegenüber dem Glauben.5

Was sind die gemeinsamen Wurzeln der Kantatentexte in Leipzig und in Mainstockheim? Die Zang-Gesellschaft sollte es erforschen.

Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal die Bedeutung des Wirkens des Kantors J. H. Zang in Mainstockheim unterstreichen.

Zu einer Zeit, in der der berühmte Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel Bach in Hamburg Musikdirektor der Hauptkirchen und damit für die Kirchenmusik in der Weltstadt zuständig ist, wirkt Zang in der Gemeinde Mainstockheim. Während Bach in Hamburg äußerste Mühe hat, einigermaßen anständige kirchenmusikalische Aufführungen in der Hansestadt zustande zu bringen, musiziert Zang in der kleinen Gemeinde Mainstockheim 14-tägig/monatlich seine Kantaten. Er wird gewusst haben, der Johann Heinrich Zang, warum er den Ruf einer Universität zum Schreiber genauso ausschlug wie einen Ruf an einen Fürstenhof als Hofmusicus und statt dessen Mainstockheim die Treue hielt.

Wir brauchen die Erforschung des Zangschen Werkes, wir brauchen dafür die Zang-Gesellschaft. Der Mainstockheimer Kantor Zang wird uns bereichern in unserem Musizieren, für unseren Glauben, für unser Leben.

  • 1. vgl. zum Folgenden Conrad Bund: „Johann Ludwig Bach und die Frankfurter Kapellmusik“ im Bach-Jahrbuch 1984, S. 117-125
  • 2. vgl. hierzu Wolfgang Hildesheimer: „Mozart“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt 1980, S. 256; Albert Schweitzer: „Johann Sebastian Bach“, Leipzig 1977, S. 209
  • 3. Diese Entdeckung verdanken wir der Forscherin Elke Axmacher. Vgl. die Würdigung ihrer Forschungsergebnisse durch Lothar und Renate Steiger in dem Aufsatz: „Die theologische Bedeutung der Doppelchörigkeit in Johann Sebastian Bachs ‘Matthäus-Passion’ ” in „Bachiana et alia musicologia, Festschrift Alfred Dürr zum 65. Geburtstag“, Kassel, Basel, London, New York 1983, S. 276
  • 4. Dass es sich bei der Voranstellung dieser Formel auch bei Zang nicht um eine bloße Formel handelt, zeigt ein kurzer Abschnitt aus der Vorrede Zangs zu seinem Orgelbaubuch: „Eben so wäre noch vieles von den Kirchen-Musiken zu sagen, die man in hiesigen Gegenden, so wohl in Landstädten, als auf Dörfern zu machen pflegt, wo man sich kein Bedenken daraus macht, eine Opernarie zu nehmen, und einen Text darüber zu schreiben, der oft der Composition als Poesie nach, wie eine Faust auf das Auge passt: allein ich will es andern Männern überlassen, welche Lust dazu haben, und nur noch bemerken, dass der Ausspruch des Titi Vespasiani: Wenn Tempel und Gottesdienst dahin sind, so bedarf man der Priester, mithin der Kirchen-Musik nicht mehr, bald in Erfüllung zu gehen scheint.“
  • 5. Günther Stiller: „Johann Sebastian Bach und das Leipziger gottesdienstliche Leben seiner Zeit“, Berlin (DDR) 1970

Aufsätze und Auszüge aus Aufsätzen und Lexika-Artikel über Johann Heinrich Zang

Zusammengestellt und mit Anmerkungen versehen von Ludwig Ruf

(1) Artistisch-Literarische Blätter von und für Franken. Eine Begleitschrift zur fränkischen Chronik. Hrsg. von Dr. Bartholomäus von Siebold, Würzburg, Jahrg. 1808, Seite 135-137

Würzburg's
Schriftsteller, Künstler und Sammlungen.
II. Künstler.
A. Lebende.
2. Ausländer.

11. Zang, Johann Heinrich, über 50 Jahre lang Cantor in Mainstockheim. Er wurde am 15ten April 1733 in der durch ihre Gewehrfabrik berühmten Herzogl. Sachsen-Gothaischen Stadt Zella St. Blasii geboren, wo sich sein Vater Johann Georg Zang, ehemaliger Königl. Ungarischer Oberlieutenant unter dem Regiment Heister, niedergelassen, und mit einer dasigen Bürgerstochter, Rosina Christina Schmidt, verehelichet hatte. Die Aeltern suchten ihrem Sohne die zweckmäßigste Erziehung zu geben, um sich frühzeitig zu einem brauchbaren Manne auszubilden, und sein gutes Fortkommen in der Welt zu finden. Zu Hause erlernte er die Anfangsgründe der lateinischen und griechischen Sprache, und dabey widmete er sich der Ton- und Zeichenkunst, wozu er vorzüglich einen natürlichen Hang hatte. Schon als ein siebenzehnjähriger Jüngling wanderte er nach Leipzig, wo er sich unter der Anleitung des berühmten Kapellmeisters, Johann Sebastian Bach, zwey Jahre lang in der Tonkunst besser ausbildete, und im Jahre 1749 kam er nach Koburg, und gleich darauf nach Kloster Banz als Kanzellist, weil seine gute Handschrift dem dasigen Abte besonders wohlgefallen hatte. Dabey ward ihm zugleich die Organisten-Stelle auf Hohenstein nächst Koburg übertragen, bis er im Jahre 1751 als Cantor nach Wallsdorf nächst Bamberg, und von da im Jahre 1752 ebenfalls als Cantor nach Mainstockheim befördert wurde. Auch hier erhielt er verschiedene ehrenvolle Anträge, nämlich als Schulkollega nach Schweinfurt, als Kapellmeister an einen benachbarten fürstl. Hof, und nach diesem als Schreibmeister auf eine der berühmtesten Universitäten. Aber aus Vorliebe zu Mainstockheim schlug er alle diese schmeichelhaften Einladungen ab, und bat seinen Fürsten bloß um Fortsetzung der ihm bisher bezeigten gnädigsten Zufriedenheit.

Im Jahre 1762 gab Zang seine selbstlehrende Kalligraphie in 33 Quart- und 6 Folio-Blättern heraus, welche er selbst in Kupfer gestochen hat, und die in ganz Deutschland wohl aufgenommen, besonders aber in dem Ansbacher und Nassau-Dillenburgischen Lande eingeführt wurde. Zehn Jahre später erschienen auch seine von ihm selbst gestochenen Schulvorschriften.

Nebst vielen aufs Klavier gesetzten Sachen sind seine Singende Muse am Main, die er 1776 in Kupfer herausgab, mit 6 Sonaten und 12 Trio, auf die Orgel mit zwey Clavieren und obligatem Pedal bekannt. - Auch hat er zwey vollständige Jahrgänge auf alle Fest- und Sonntage über die Evangelien durchs ganze Jahr, mit Tutti, Fugen, Arien und Duetten, für vollständige Chöre komponiert, welche noch jetzt in vielen ansehnlichen Kirchen aufgeführet werden. Im Jahre 1793 sah Zang unsers Hrn. Professor Blank's weltberühmtes Kunstkabinet in Würzburg, und machte sogleich den Versuch in Verfertigung ähnlicher mosaischer Kunstgemählde. Es gelang ihm so gut, daß einige seiner Arbeiten durch verschiedene Offiziere Sr. Russisch-Kaiserlichen Majestät gerühmt wurden, und er erhielt daher den allergnädigsten Befehl, einige Stücke nach St. Petersburg zu senden. Diesem zu Folge sandte er das aus Samen und Schmetterlingsflügeln verfertigte Russisch-kaiserliche Wappen, nebst noch 5 andern Stücken, welche aus allerley Naturalien von den drey Naturreichen zusammengesetzt waren, und er erhielt dafür nicht nur ein Kaiserliches allergnädigstes Belobungs-Schreiben, sondern auch eine goldene Uhr sammt massivem Bande mit 454 großen und kleinen Brillanten, und mit 24 Perlen besetzt.

Da nun seine oben erwähnten kalligraphischen und musikalischen Werke Beyfall gefunden hatten, so entschloß er sich, für junge Künstler und Handwerker ein Buch herauszugeben, in welchem alles enthalten seyn soll, was künstlich ist, und was mancher Lehrherr oder Meister selbst nicht weiß, oder seinen Lehrlingen neidisch vorenthält. Von diesem Werke erschien also im Jahre 1790 der erste Theil, welcher den Weinhändlern, Küfnern oder Büttnern, Kellerern, Branntwein- und Liqueurmachern etc. gewidmet ist, in der Oberdeutschen allgemeinen Literatur-Zeitung, und anderwärts so vollkommenen Beyfall erhielt, daß die Schneider- und Weigelische Kunsthandlung in Nürnberg schon eine dritte Auflage davon machte, und zugleich den zweyten Theil dieses Buches mit herausgab. Dieser ist für Liebhaber der Musik, Orgel- und Instrumentenmacher geschrieben. Er enthält sehr viel Neues, besonders von der Temperatur, wie nach einer von Zang nach der Rationalrechnung neu erfundenen Stimmpfeife eine Orgel auf das reinste zu stimmen; wie eine neue Orgel zu probiren, und wie die Windprobe zu machen ist. Auch wie Liebhaber der besaiteten Instrumente, Claviere, Fortepiano u. d. gl. sehr leicht und in weniger Zeit stimmen können; wie die Register einer Orgel zu ziehen sind, und dergleichen mehreres. Diesem folget noch ein dritter Theil, der aus 5 Abschnitten bestehet. Der erste Abschnitt ist für Schönschreiber bestimmt, welche darin alles finden, was sie nur verlangen können, nämlich alle möglichen Tinten von allen Farben zu machen; mit allen Metallen zu schreiben; auf Gold, Silber und alle Metalle zu schreiben; auch auf Glas ohne Schnitt, und doch geschnitten zu schreiben; Bücher in Geschwindigkeit abzudrucken etc. - Der zweyte Abschnitt lehret, alles große Zugwerk mit dem Reißzirkel und aus freyer Hand zu machen; große Capital-Buchstaben zu Urkunden zu entwerfen; alle große Frakturschriften sehr nett und geschwind zu machen etc. - Der dritte Abschnitt lehret den in Metall arbeitenden Künstlern alles, was sonst große Künstler geheim halten, nämlich den Damase zu machen; alle Metalle zu parfumiren; große und kleine Glocken zu Glockenspielen just nach verlangtem Ton zu gießen; Metalle ohne Feuer zu löthen etc. - Der vierte Abschnitt lehret Künstlern, die in Holz arbeiten, eine Thüre zu verfertigen, die man vorn und hinten aufmachen kann; eine ganz neu erfundene Sägemühle, wo ein Mensch mit halber Arbeit ein Bloch zu Brettern schneiden kann; eine Maschine, welche etwa 50 Kreuzer kostet, um damit einen großen Baum auszureißen, welches ein Mann mit einem Kinde verrichten kann; ein Instrument, mit welchem man von einem Original zugleich vier und mehrere Abrisse machen kann etc. - Der fünfte Abschnitt lehret endlich eine Hose zu machen, mit welcher man durch das größte Wasser gehen kann; eine Hirsch- oder Bockshaut in 2 Tagen sämisch gar zu machen, die jedoch 2mal länger hält, als jene, die vom Gärber gar gemacht sind; eine große Waldung durch Wurzeln und Aeste der Bäume anzulegen, welche in Zeit von 4 Jahren in schönerem Wachsthum stehet, als durch den Anflug in 20 Jahren nicht bewirkt werden kann; Obstbäume durch Wurzeln und Aeste anzulegen, die schon im zweyten und dritten Jahre tragen; durch Blätter von exotischen Bäumen junge Bäume zu ziehen; ein Bild mit erhabenen Knörzchen auf ein glattes Brett zu bringen, welche Knörzchen in Zeit einer Minute aus dem Brette hervorwachsen; eine Maschine für Müller, eine Mühle in einem Augenblick stille stehend zu machen, ohne daß sich dabey das geringste Unglück ereignen kann. - Der vierte Theil dieses Buches wird eine vollständige Beschreibung der Kunst liefern, welche man Mosaik nennet, nämlich wie ein Bild, eine Landschaft regelmäßig zu entwerfen, zu zeichnen, und dann mit dazu schicklichen Naturalien ausgeführt werden kann, sammt den dazu erforderlichen Wissenschaften der Geometrie und Architektur. Dabey wird die Perspektive so vorgetragen, daß auch ein Lehrjunge dieselbe, ohne Kenntnis der Geometrie zu haben, ohne weiteren mündlichen Unterricht gründlich erlernen kann. Hr. Zang hat den Lambertischen Proportional-Zirkel zum Grunde geleget, womit alle Aufgaben sehr leicht gemacht werden können. Auch lehret er in diesem Theile, solchen Proportional-Zirkel selbst zu machen.1

Anmerkung:

Wenn man diesen Artikel aufmerksam liest, kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, dass Zang ihn initiiert, wenn nicht gar selbst verfasst hat. Handelt es sich doch im zweiten Teil um eine massive Werbung für seine Arbeiten.
Da dieser Aufsatz die Quelle für fast alle folgenden Artikel und Lexika-Einträge ist, muss einiges näher erklärt werden:
Im Satz: „Schon als siebenzehnjähriger Jüngling…“ ist mit Sicherheit ein Übertragungsfehler. Was der Drucker als „17-jährig“ gelesen hat, war bestimmt ein „15-jährig“ in der Handschrift, nachdem die Zahlen 15 und 17, etwas flüchtig geschrieben, verwechselt werden können. - Nur so stimmen danach die weiteren Angaben:

1748/49 (also mit 15/16 Jahren) bei J. S. Bach in Leipzig
1749/50 (mit 16/17 Jahren) in Coburg, Kloster Banz, Hohenstein bei Coburg
1751 (mit 18 Jahren) Kantor in Wallsdorf bei Bamberg
1752 (mit 19 Jahren) Heirat und Kantor in Mainstockheim (vgl. auch unter (7), Eitner).

Leider werden der benachbarte „fürstl. Hof“ (Antrag als Kapellmeister) und „eine der berühmtesten Universitäten“ (Angebot als Schreibmeister) nicht namentlich genannt.

Ob es sich bei „seinem Fürsten“ um den Markgrafen von Ansbach gehandelt hat?

Die „Singende Muse am Main“ ist - trotz unserer Nachforschungen - bis heute noch nicht aufgetaucht. Vielleicht führt uns aber eine jetzt aufgenommene Spur dazu, daß möglicherweise wenigstens Teile des Nachlasses Zangs und hoffentlich auch seine Kantaten entdeckt werden können.

Die Erwähnung seiner Musivbilder und des Zarengeschenks ist durch eine Notiz eines Mainstockheimer „Aufschreibbuches“ belegt (siehe Festschrift 1983).

Die beiden Bände seines „Kunst und Handwerkbuches“ („Die vollkommene Büttner- oder Küferlehre“ und „Der vollkommene Orgelmacher“) sind im Original im Besitz der Gemeinde Mainstockheim.

Im Vorwort zu seiner in 2. Auflage 1808 in Nürnberg gedruckten Büttner- und Küferlehre erwähnt er sowohl den beschriebenen 3. wie den angekündigten 4. Band unter dem Datum vom 25. Jan. 1804. (Abgedruckt in der Festschrift zum 250. Geburtstag Zangs 1983). Vielleicht tauchen sie eines Tages doch noch irgendwo auf. Alle unsere bisherigen Nachforschungen hatten allerdings ein negatives Ergebnis.

(2) Joh. Georg Meusel: „Teutsches Künstlerlexikon“, 3 Bde., Lemgo 1808-1814, Bd. 3, Seite 575f

ZANG (JOHANN HEINRICH). Kantor und Komponist zu Maynstockheim, einem Bayrischen Pfarrdorfe im Würzburgischen Amte Kitzingen: geb. zu Zella St. Blasii im Gothaischen am 15ten April 1733.
Sein Vater, ehemaliger Ungarischer Oberlieutenant, gab ihm eine gute Erziehung, wobey die Ton- und Zeichnungskunst, wozu der Sohn einen natürlichen Hang hatte, nicht verabsäumt wurde. Schon als 17 jähriger Jüngling wanderte er nach Leipzig, wo er sich unter Anleitung des berühmten Kapellmeisters, Joh. Seb. Bach, 2 Jahre lang in der Tonkunst weiter ausbildete. Im J. 1749 kam er nach Coburg und gleich darauf nach Kloster Banz, als Kanzlist, weil seine gute Handschrift dem dortigen Abte besonders wohl gefallen hatte. Dabey ward ihm zugleich die Organistenstelle auf Hohenstein unweit Coburg übertragen, bis er 1751 als Kantor nach Wallsdorf bey Bamberg, und von da 1752 ebenfalls als Kantor nach Maynstockheim befördert wurde. Dort gefällt es ihm so wohl, daß er einige Ehrenvolle Anträge zu bessern Stellen ausschlug.
Im J. 1762 gab er seine Selbst lehrende Kalligraphie in 33 Quart- und 6 Folio-Blättern heraus, welche er selbst in Kupfer gestochen, und die in vielen Teutschen Ländern wohl aufgenommen und besonders in den Ansbachischen und Nassau-Dillenburgischen Schulen eingeführt wurde. Zehen Jahre später erschienen seine, auch von ihm selbst gestochenen Schulvorschriften.
Ausser vielen für das Klavier gesetzten Sachen sind seine Singende Muse am Mayn, die er 1776 in Kupfer herausgab, mit 6 Sonaten und 12 Trio, für die Orgel mit 2 Klavieren und obligatem Pedal, bekannt.
Auch hat er zwey vollständige Jahrgänge auf alle Fest- und Sonntage über die Evangelien durch das ganze Jahr, mit Tutti, Fugen, Arien und Duetten, für vollständige Chöre komponirt, die noch jetzt in vielen ansehnlichen Kirchen aufgeführt werden.
Im J. 1793 sah Z. das allbekannte Blankische Kunstkabinet zu Würzburg, und machte sogleich den Versuch mit Verfertigung ähnlicher musivischer Kunstgemählde. Damit gelang es ihm so gut, daß einige seiner Arbeiten von verschiedenen Officieren dem Kaiser von Rußland gerühmt wurden; worauf er den Auftrag erhielt, einige Stücke nach St. Petersburg zu senden. Diesem zu Folge überschickte er das aus Saamen und Schmetterlingsflügeln verfertigte Russisch-kaiserliche Wappen, nebst 5 andern Stücken, die von allerley Naturalien aus den drey Naturreichen zusammengesetzt waren. Dafür erhielt er nicht nur ein kaiserliches Belobungsschreiben, sondern auch eine goldene Uhr, sammt massiven Bande, mit 454 großen und kleinen Brillanten und mit 24 Perlen besetzt.
Vergl. B. v. Siebold's Artistisch-litter. Blätter von und für Franken 1808. Nr. 23; wo auch Nachricht gegeben wird von seinem, schon dreymahl aufgelegtem Buche für junge Künstler und Handwerker, ‘worin alles enthalten seyn soll, was künstlich ist, und was mancher Lehrherr oder Meister selbst nicht weiß, oder seinen Lehrlingen neidisch vorenthält.’ Schade, daß Hr. v. S. den Titel dieses außerordentlichen, Schreiber'n dieses ganz unbekannten Buches nicht mittheilt, auch nicht meldet, ob es mit oder ohne Namen des Verfassers erschienen ist!

Anmerkung:

(2) und (3) sind jeweils stark gekürzte Fassungen des unter (1) besprochenen Artikels.

(3) Hamberger/Meusel: „Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller“, Lemgo 1811, 15. Band, Seite 296f

ZANG (Johann Heinrich) Kantor zu Mainstockheim im Würzburgischen seit 1752 (vorher seit 1751 Kantor zu Wallsdorf unweit Bamberg, und vordem Kanzlist zu Kloster Banz und zugleich Organist auf Hohenstein unweit Coburg): geb. zu Blasienzell im Gothaischen am 15ten April 1733.
§§. Barthol. von Siebold, der in den Artistisch- litterarischen Blättern von u. für Franken 1808. Nr. 23. Nachricht von diesem in seiner Art merkwürdigen Manne ertheilt, welche auch von Meusel in der 2ten Ausgabe des Teutschen Künstlerlexikons gehörig benutzt wurde, erzählt auch von einem Buche desselben für junge Künstler und Handwerker, das zum erstenmahl 1790 und hernach noch zweymahl aufgelegt wurde, ohne den Titel desselben anzugeben, ob er gleich den Inhalt anzeigt. "Es soll darin alles enthalten seyn, was künstlich ist, und was mancher Lehrherr oder Meister selbst nicht weiß, oder seinen Lehrlingen neidisch vorenthält."

Anmerkung:

(2) und (3) sind jeweils stark gekürzte Fassungen des unter (1) besprochenen Artikels.

(4) Hamberger/Meusel: „Das gelehrte Teutschland“, Lemgo 1827, 21. Band, Seite 753

16B. ZANG (Joh. Heinr.) starb im Juliushospital zu Würzburg am 18 August 1811.

Anmerkung:

Die einzige uns erhaltene Nachricht über den Tod Zangs.

(5) Ernst Ludwig Gerber: „Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, welches Nachrichten von dem Leben und den Werken...”, Bd.: 4, Leipzig, 1814

Zang (Johann Heinrich) Kantor, Komponist, Schriftsteller, Chemiker, Instrumentenmacher, Maschinenmeister, Zeichner, Schönschreiber u.s.w. in Mainstockheim, geb. zu Zella St. Blasii im Gothaischen, am 15. April 1733. Unter diesem Namen lehrt uns ein unbekannter Referent in des Hrn. Dr. Barth. von Siebolds Artistisch-Literar. Blättern von Franken, Jahrg. 1808, S. 135, einen Mann kennen, der bey allen diesen mannichfachen Talenten, Geschicklichkeiten und Kunstkenntnissen, die er zum Theil selbst durch gedruckte und gestochene Werke beurkundet hat, und bey der Menge unserer literarischen Flug- und Intelligenzblätter dennoch funfzig Jahre lang vollkommen unbemerkt und im Dunkeln geblieben ist. Selbst der aufmerksame Meusel übergeht ihn in seiner vierten Ausgabe und den dazu gehörigen 7 Nachträgen mit Stillschweigen. Vielleicht sind aber seine Werke anonym gedruckt. Vorausgesetzt also, daß Wahrheitsliebe dem Referenten die Feder geführt hat und daß keine Charlatanerie dabey zum Grunde liegt; so ist es Pflicht, diesem kunst- und erfindungsreichen Landsmanne Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und auch noch hier das Wesentlichste aus jener Biographie beyzubringen. Sein Vater, Joh. Georg Zang, ehemaliger königl. Ungarischer Oberlieutenant, hatte sich zu Zella niedergelassen und verehelicht. Der Sohn wurde frühzeitig zur Erlernung der lateinischen und griechischen Sprache angehalten, wobey er aus eigenem warmen Triebe die Ton- und Zeichenkunst übte. Im 17. Jahre ging er nach Leipzig und genoß daselbst noch zwey Jahre den Unterricht des großen J. Sebast. Bach in der Tonkunst. Im J. 1749 kam er zuerst nach Koburg und gleich darauf als Kanzellist nach Kloster Banz wegen seiner schönen Handschrift, wobey ihm zugleich die Organistenstelle nächst Koburg übertragen wurde. Im J. 1751 wurde er als Kantor nach Wallsdorf bey Bamberg, und von da 1752 an dieselbe Stelle nach Mainstockheim befördert. Seitdem hat man ihn noch als Schulkollegen nach Schweinfurt, als Kapellmeister an einen benachbarten fürstl. Hof und zuletzt noch als Schreibmeister auf eine berühmte Universität verlangt, er ist aber seinem Mainstockheim getreu geblieben. Von seinen musikalischen Werken werden angegeben: 1) Zwey vollständige Jahrgänge von vollstimmigen Kirchenkantaten auf alle Fest- und Sonntage, in Musik gesetzt. Mst. 2) XII Trio's für die Orgel mit 2 Manualen und Pedal. Mst. 3) VI Klaviersonaten, nebst vielen anderen Klaviersachen. Mst. 4) Singende Muse am Main, 1776 von ihm selbst in Kupfer gestochen. 5) Zweyter Theil seines technischen Werks: Für Orgel- und Instrumentenmacher, gedruckt zu Nürnberg in der Weigelschen Kunsthandlung ums Jahr 1798.1

Anmerkung:

Auch Gerber, der das seiner Zeit maßgebliche Musikerlexikon geschrieben hat, stützt sich auf den unter (1) abgedruckten Aufsatz, beschränkt sich aber auf die musikalischen Werke.

(6) F. J. Fétis: „Biographie universelle des musiciens et Bibliographie générale de la Musique“, Paris 1865, S. 506

ZANG (JEAN-HENRI), cantor, compositeur, écrivain, chimiste, facteur d'instruments, mécanicien, dessinateur, calligraphe, etc., naquit, le 13 avril 1733, à Zella-Saint-Blaise, dans le duché de Gotha. Son père, lieutenant hongrois, s'était retiré dans ce lieu. Zang était destiné à cultiver les lettres grecques et latines, mais la musique avait tant d'attraits pour lui, qu'il négligea les autres études pour se livrer uniquement à celle de cet art. Ayant élé envoyé à Leipsick, il y reçut, pendant deux ans, des leçons de clavecin et d'orgue. En 1740, il accepta un emploi civil à Cobourg, puis il occupa quelque temps celui d'organiste à Hohenstein, près de cette ville. En 1751, il fut appelé, comme cantor, à Wallsdorf près de Bamberg, et, dans l'année suivante, il alla occuper une position semblable à Stockheim sur le Mein, en Bavière, ou il eut une longue carrière. Il y mourut le 18 août 1811, à l’âge de soixante-dix-huit ans. Gerber cite de lui les compositions suivantes: La Muse chantante du Mein, gravée par lui même sur des planches de cuivre. 2⊦dm; Deux années complètes de cantates d'église pour tous les dimanches et fêtes, en manuscrit. 3⊦dm; Douze trios pour l'orgue à deux claviers et pédale, idem. 4⊦dm; Six sonates pour le clavecin, avec d'autres pièces, idem. Zang avait travaillé pendant presque tonte sa vie à une collection de manuels des arts et métiers, sous le titre: Des Kunst und Handwerks- Buchs, etc.; il en publia la première partie contenant l'art du tonnelier, à Nuremberg, chez Schneider et Weigels, en 1798, un volume petit in-8⊦dm;, avec des planches dessinées et gravées par lui-même. La seconde partie est intitulée: Der Vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe (Le Parfait Facteur d'orgue, ou science de l'examen de l'orgue et de la soufflerie), Nuremberg, chez les mêmes, 1804, petit in-8⊦dm; de 175 pages, avec une préface et deux planches. Une deuxième édition de cette seconde partie a paru chez les mêmes, en 1810, et une troisième, en 1829, toutes in-8⊦dm;. Ce livre est un bon ouvrage, ou l'on remarques des principes de construction plus certains que les tâtonnements et la routine des facteurs ordinaires.1

Übersetzung: OStR G. Weber, Armin-Knab-Gymnasium Kitzingen:

„Zang (Johann Heinrich), Kantor, Komponist, Schriftsteller, Chemiker, Instrumentenbauer, Kalligraph, etc. wurde am 13. April 1733 in Zella-St.Blasien, im Herzogtum Gotha geboren. Sein Vater, ungarischer Leutnant, hatte sich an diesen Ort zurückgezogen. Zang sollte griechische und lateinische Philologie studieren, aber die Musik zog ihn so sehr in ihren Bann, daß er die anderen Studien vernachlässigte, um sich ganz dieser Kunst zu widmen. Er wurde nach Leipzig geschickt und erhielt dort 2 Jahre lang Cembalo- und Orgelunterricht. 1749 nahm er eine Beamtenstelle in Coburg an, dann hatte er eine Zeit lang die Stelle eines Organisten auf Hohenstein nahe dieser Stadt inne. 1751 wurde er als Kantor nach Wallsdorf bei Bamberg berufen, und im folgenden Jahr nahm er eine ähnliche Stelle in Stockheim am Main, in Bayern, an, wo er eine lange Karriere hatte. Dort starb er am 18. August 1811 im Alter von 78 Jahren. Gerber zitiert von ihm die folgenden Kompositionen: 1. „Die singende Muse am Main", von ihm selbst in Kupfer gestochen. 2. Zwei komplette Jahreszyklen von Kirchenkantaten für alle Sonn- und Feiertage, als Manuskript. 3. 12 Triosonaten für zweimanualige Orgel und Pedal, ebenso als Manuskript. 4. 6 Cembalosonaten mit anderen Stücken, ebenso als M. Fast während seines ganzen Lebens hatte Zang an einer Sammlung von Handbüchern über Kunst und Handwerk gearbeitet, unter dem Titel „Kunst und Handwerksbuch" etc.; den ersten Teil über die Kunst des Küfners veröffentlichte er in Nürnberg bei Schneider und Weigels 1798, ein Bändchen im Oktavformat, mit von ihm selbst entworfenen und gefertigten Kupferstichen. Der zweite Band hat den Titel „Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe", Nürnberg, gleiche Verleger, 1804, Oktavband von 175 Seiten, mit Vorwort und 2 Kupferstichen. Eine 2. Ausgabe dieses 2. Teils erschien bei den gleichen Verlegern 1810, und eine dritte 1829, alle im Oktavformat. Dieses Buch ist ein gutes Werk, in dem sicherere Konstruktionsprinzipien als die tastenden Versuche und die Routine der gewöhnlichen Orgelbauer zu erkennen sind.“

Anmerkung:

Der Verfasser dieses Artikels stützt sich in erster Linie ganz auf das Lexikon von Gerber, hat sicher aber auch andere Quellen gehabt, da er den Todestag Zangs nennt und auch das Orgelmacherbuch kurz bespricht. Druckfehler beim Geburtstag: 13. statt 15. April 1733!

(7) Robert Eitner: „Biographisch-Bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts“, Leipzig 1900-1904, Bd. 10, Seite 324f

Zang, Johann Heinrich, geb. zu Zella St. Blasii im Gothaischen am 15. April 1733. Im 17. Lebensjahre ging er nach Leipzig und soll Seb. Bach's Unterricht genossen haben (das wäre 1750 in Bach's Todesjahre gewesen). 1749 soll er aber nach Koburg gegangen sein und Kanzelist geworden, wo er auch nebenbei Organist auf dem Hohenstein bei Koburg wurde. 1751 erhielt er die Kantorei zu Wallsdorf bei Bamberg und 1752 die zu Mainstockheim, dann wurde er Schulkollege in Schweinfurt und zugleich Kapellmeister am nahe gelegenen fürstl. Hofe.
Gerber 2 führt mehrere Jahrgänge Kirchenmusik u. a. an, bez. ihn auch als einen praktischen und erfindungsreichen Instrumentenmacher. Bekannt ist von ihm nur ein schriftstellerisches Werk: Der vollkommene Orgelmacher, oder Lehre von der Orgel und Windprobe, der Reparatur und Stimmung der Orgeln und anderer Saiten-Instrumente von … (Des Kunst- und Handwerks-Buchs zweyter Theil.) Nürnberg 1804 A. G. Schneider und Weigel. 8⊦dm; mit Taf. [B.B. B. Lpz. Brüssel. Musikfr. Wien. Einsiedeln.]1

Anmerkung:

Hier wird zum erstenmal auf den bei (1) besprochenen Fehler (im 17. Lebensjahr...) hingewiesen. Die in (1) und (5) angeführten Angebote an Zang werden fälschlicherweise als Tatsachen angegeben.

(8) Hermann Abert: „Illustriertes Musik-Lexikon“, Stuttgart 1927, Seite 527

Zang, Joh. Heinrich, * 13. 4. 1733 in Zella St. Blasii (Gotha), † 18. 8. 1811 als Kantor in Mainstockheim in Bayern. Schrieb Kirchenkantaten, Orgeltrios u.a. und gab heraus »Singende Muse am Main« (1776), ferner »Der Vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe« (1804).

Anmerkung:

Die Quelle dieses kurzen Abschnittes ist anscheinend das franz. Lexikon (6), da der Geburtstag Zangs wie dort falsch angegeben ist.

(9) H. Löffler: „Die Schüler Bachs und ihr Kreis“ in Zeitschrift für evangelische Kirchenmusik, Nürnberg 1930, Nr. 5, Seite 130

53. Johann Heinrich Zang * 1733 (15. 4.) in Zella St. Blasii am Thüringer Wald, Sohn des ehem. ungarischen Oberleutnants, lernte Sprachen, Zeichnen und Musik; in Zella lebten J. Chr. Schmidt, Chr. Jakob Schmidt und J. G. Schübler, der Kupferstecher, die wohl alle drei Beziehungen zu Seb. Bach hatten. Zangs Lehrer in der Komposition war der Kapellmeister J. Kaspar Heller in Saalfeld. 1748/9 war Zang in Leipzig „und genoß daselbst noch 2 Jahre den Unterricht des großen J. S. Bach in der Tonkunst" (Gerber). Zang selbst erwähnt im „Vollkommenen Orgelmacher" (1804) Seb. Bach als Vorbild für das Choralspiel und nennt ihn unter den größten Musikern in Deutschland als Beförderer einer reinen und gleichschwebenden Temperatur, an erster Stelle. - 1749 in Coburg, Kanzellist im Kloster Banz und Organist auf Hohenstein bei Coburg, wurde er 1751 Kantor in Wallsdorf, 1752 bis 1811 ebenso in Mainstockheim, wo er 1811 am 18. August starb, 79 Jahre alt. - Er war Komponist, Kantor, Instrumentenmacher, Schönschreiber, Schriftsteller, Zeichner, ja auch Maschinenmeister und Chemiker. Seine „Lehre von der Orgel" war ein Vorläufer von Töpfers Orgelbuch; Zang war ein Gegner der Mixturen.

Anmerkung:

Hier wird zum erstenmal der Fehler für den Unterricht bei Bach richtig gestellt. Der Verfasser kennt anscheinend Zangs Orgelmacherbuch.

(10) W. Schumann, Zella-Mehlis: „Bach-Erinnerungen aus Zella-Mehlis“ in: Bach in Thüringen, Berlin 1950, S. 91f

Und Johann Georg Schübler ist nicht der einzige Bachschüler aus Zella St. Blasii. Von einem Coburger Musikhistoriker P. Peters-Marquardt kam mir die Nachricht über Johann Heinrich Zang, der nach Ausweis unseres Taufbuches am 15. April 1733 in Zella St. Blasii geboren ist als Sohn des Weißgerbermeisters Johann Georg Zang. Nach Peters Angaben soll dieser Johann Georg Zang ein ungarischer Oberleutnant gewesen sein und sich in Zella niedergelassen haben. Sein Sohn sei durch Schübler (oder durch Schmidt …) zu Bach gekommen und in Leipzig sein Schüler gewesen. 1749 soll er bereits in Coburg als Kanzlist tätig gewesen sein, daneben aber auf Schloß Banz und auf Schloß Hohenstein, wo die Orgel aus der Zeit von 1700 noch erhalten sein soll, als Organist gewirkt haben.
Ferner machte mich Dr. Günther Kraft darauf aufmerksam, daß die ebenfalls in unsrer oben erwähnten Matrikel verzeichneten Vorgänger Johann Heinrich Schüblers im hiesigen Organistenamt Bachschüler gewesen seien, nämlich Johann Schmidt, geboren 1674 zu Remstedt, von 1694 bis 1746 … - Und schließlich Johann Jacob Schmidt (1707 bis 1768), Nachfolger seines Vaters im hiesigen Organistenamt, nach Kraft möglicherweise der „Faber“, dem Bach 1749 einen Canon widmete. Er soll mit Zang in Verbindung gestanden haben.

Anmerkung:

Da dieser Aufsatz, den wir im Auszug, der J. H. Zang betrifft, bringen, sich auf ganz andere Quellen stützt, ist er für uns besonders interessant. Hier erfahren wir auch, dass Zangs Vater sich als Weißgerbermeister in Zella St. Blasii niedergelassen hat.

(11) „Encyclopédie de la Musique“, Paris 1961, S. 932

ZANG Johann Heinrich. Mus. allem. (Zella St-Blasii 13. 4. 1733 - Mainstockheim 18. 8. 1911). Elève de J.-S. Bach à Leipzig, il fut org. et cantor à Cobourg, Walsdorf près Bamberg, Mainstockheim et Schweinfurt; il édita Singenden Muse am Main (1776) et rédigea Der vollkommene Orgelmacher… (1804); on connaît de lui des sonates d'église et de p., des trios av. orgue. F.W.R.

Anmerkung:

Die beiden kurzen Einträge (11) und (12) in den französischen und italienischen Musiklexika geben beide den Geburtstag Zangs falsch an, (11) übernimmt zudem den Fehler von Eitner (Schweinfurt!). Druckfehler in (11): 19(!)11.

(12) „Enciclopedia della musica“, Mailand 1964

ZANG Johann Heinrich (Zella St. Blasii presso Gotha 13 IV 1733 - Mainstockheim 18 VIII 1811). Organista e compositore. Dopo essere stato per due anni allievo di Bach a Lipsia, fu nel 1751 Kantor a Wallsdorf (Bamberg) e dal 1752 a Mainstockheim.
PUBBL.- Singende Muse am Main (Würzburg 1776); Kunst- und Handwerksbuch (la 2⊦df; parte con il tit. Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe, Norimberga 1798; rist. 1804, 1810 e 1829).
COMPS.- Cantate; trii con org.; sonate per pianoforte.

Anmerkung:

Die beiden kurzen Einträge (11) und (12) in den französischen und italienischen Musiklexika geben beide den Geburtstag Zangs falsch an, (11) übernimmt zudem den Fehler von Eitner (Schweinfurt!). Druckfehler in (11): 19(!)11.

(13) Dr. Friedrich Blume (Hrsg.): „Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik“ (MGG), Kassel 1968, Bd. 14, Seite 1004f

Zang, Johann Heinrich, * 16. April 1733 in Zella St. Blasii, † 18. Aug. 1811 in Würzburg. Zang war 1748/49 möglicherweise Schüler von J. S. Bach in Leipzig, anschließend weilte er in Coburg und war dort Schüler von J. K. Heller, sodann Kanzlist am Kloster Banz und Org. auf Schloß Hohenstein b. Coburg. 1751/52 wirkte er als Kantor in Walsdorf b. Bamberg, vom 7. Nov. 1752 an als Kantor und Lehrer in Mainstockheim. Er betätigte sich auch als Schriftsteller, Schreibmeister und Kupferstecher.
Werke. A. Schriften: Calligraphia oder Selbstlehrende Schönschreibkunst, o. O. u. J., wahrscheinlich 1762, Selbstverlag; Vollkommene Büttner- oder Küferlehre, Mainstockheim 1790, Selbstverlag, Schweinfurt 2/1794, J. S. Fr. Riedel, m. dem Titel Des Kunst- u. Handwerksbuchs erster Theil als 2. Aufl. Nürnberg 1804, A. G. Schneider u. Weigel, u. ö.; Des Kunst- u. Handwerks Buchs zweyter Theil… Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre v. der Orgel u. Windprobe, Nürnberg 1804, Schneider u. Weigel, 2/1810, 3/1829. ¤ B. Kompositionen: Singende Muse am Mayn, Nürnberg u. Würzburg 1776. - Laut Gerber ungedr., nicht mehr nachweisbar: 2 Jge. Kirchenkant.; 6 Kl.-Son.; 12 Trios f. Org. m. 2 Kl. u. obl. Ped.
Von Zangs mus. Arbeiten hat lediglich das Kunst- und Handwerksbuch Bedeutung und weitere Verbreitung erlangt. Die von ihm dargestellten Prinzipien der Dispos. und Registrierung sind bezeichnend für das Klangideal der Orgel um die Jh.-Wende; Zang bevorzugt grundtönige St., lehnt Quint- und Terzchöre ab, auch in zusammengesetzten St., gibt das Werkprinzip weitgehend auf und disponiert das Ped. ausschließlich als Baßklavier.
Literatur: Artistisch-Literarische Bl. v. u. f. Franken I, Würzburg 1808, 135-137; GerberNTL; EitnerQ; G. Ch. Hamberger - J. G. Meusel, Das gelehrte Teutschland 21, Lemgo 1827, 753; H. Löffler, Die Schüler J. S. Bachs u. ihr Kreis in Zs. f. ev. KM. VIII, 1930, 130; W. M. Brod, Nulla dies sine linea in Mainfränk. Hefte 51, Würzburg 1968; Persönliche Mitt. an den Verf. v. Bach-Arch. Leipzig, W. Plesch, O. Selzer, Chr. Stroux. Johannes Heinrich

Anmerkung:

Das MGG ist das derzeitig umfassendste Musiklexikon. Der Verfasser des Artikels über Zang hat sich sehr gründlich mit den ihm zugänglichen Quellen beschäftigt. Von den erst später in der Bayer. Staatsbibliothek aufgefundenen sieben Kantaten Zangs konnte er noch nichts wissen. Leider gibt er den Geburtstag Zangs falsch an.

© 1968 by Prof. Dr. Johannes Heinrich; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

(14) The New GROVE - Dictionary of Music and Musicans, London 1980

Zang, Johann Heinrich (b Zella St Blasii, nr. Gotha, 13 or 16 April 1733; d probably Würzburg, 18 Aug 1811). German composer, organist and writer. He may have been a pupil of J. S. Bach in Leipzig in 1748-9; he spent some time in Coburg and took lessons from J. K. Heller before working as a government official in Banz and organist at Hohenstein Castle, near Coburg. In 1751-2 he was Kantor at Walsdorf near Bamberg, and then Kantor in Mainstockheim. All his music is lost; but his own writings (as well as Gerber and Eitner) make clear that he composed two complete cycles of cantatas for the church year, six keyboard sonatas and 12 trios for two-manual organ with obligato pedal parts. He edited the collection Singende Muse am Mayn under the pseudonyms 'Forceps' in Würzburg and 'Ighnaz' in Nuremberg (both 1776). His Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe, published in Nuremberg in 1798 as the second part of Des Kunst- und Handwerksbuchs (the first part was originally published in 1796 as Vollkommene Büttner- oder Küferlehre), provides an interesting insight into the preferred organ sound at the turn of the century. Zang favoured fundamental stops, rejecting Quint and Tierce stops alone or in combination; he largely abandoned the Werkprinzip and used the Pedal organ exclusively to provide bass support.

BIBLIOGRAPHY

EitnerQ; GerberNL
Artistisch-literarische Blätter von und für Franken, i(1808), 135
H. Löffler;'Die Schüler J. S. Bachs und ihr Kreis', Zeitschrift für evangelische Kirchenmusik, viii(1930), 130 based on MGG(xiv, 1004-5) by permission of Bärenreiter JOHANNES HEINRICH.

Übersetzung: OStR G. Weber, Armin-Knab-Gymnasium Kitzingen:

„Zang, Johann Heinrich (geb. in Zella St. Blasii, bei Gotha, 13. oder 16. April 1733, gest. wahrscheinlich in Würzburg, 18. August 1811). Deutscher Komponist, Organist und Verfasser von Schriften. Vielleicht war er ein Schüler J. S. Bachs in Leipzig 1748/49; er verbrachte einige Zeit in Coburg und nahm Unterricht bei J. K. Heller, bevor er als Regierungsbeamter in Banz und als Organist auf Schloß Hohenstein bei Coburg arbeitete. Von 1751 bis 1752 war er Kantor in Walsdorf bei Bamberg, und dann Kantor in Mainstockheim. Alle seine Kompositionen sind verloren, aber seine eigenen Schriften (ebenso wie Gerber und Eitner) wesen deutlich darauf hin, daß er 2 vollständige Kantatenzyklen für das Kirchenjahr, sechs Cembalosonaten und 12 Triosonaten für zweimanualige Orgel mit obligatem Pedal komponierte. Er gab die Sammlung „Singende Muse am Mayn" unter den Pseudonymen „Forceps" in Würzburg und „Ignaz" in Nürnberg heraus (beide 1776). Seine Schrift „Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe", erschienen 1798 in Nürnberg als der 2. Teil des „Kunst- und Handwerksbuchs" (der erste Teil war ursprünglich 1796 erschienen als „Vollkommene Büttner- oder Küferlehre"), erlaubt einen interessanten Einblick in den an der Jahrhundertwende bevorzugten Orgelklang. Zang hatte eine Vorliebe für Fundamentalbaß-Register und lehnte Quinten- und Terzregister für sich allein oder in Kombination ab; er gab weitgehend das „Werkprinzip" auf und verwendete die Pedalorgel ausschließlich als Baßstütze.“

Anmerkung:

Der selbe Bearbeiter wie beim MGG: Auch hier ist der Geburtstag falsch angegeben. Die Pseudonyme "forceps"=Zange und "Ighnaz" (muss wohl heißen Ihgnaz) ist die Umkehrung seines Namens J. H. Zang.

© 1980 by Prof. Dr. Johannes Heinrich; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

(15) Walter M. Brod: „Fränkische Schreibmeister und Schriftkünstler“, Mainfränkische Hefte, Heft 51, Würzburg 1968

Bis gegen Ende des Jahrhunderts klafft nun wieder eine große Lücke, in der wir weder Schreibmeister noch schreibmeisterische Werke bis jetzt feststellen können. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, der Zeit des ausklingenden Rokoko und des Klassizismus, treffen wir in Franken auf eine Reihe hervorragender kalligraphischer Werke. Es sind dies vornehmlich mit besonderer Hingabe und Liebe künstlerisch geschriebene Urkunden und Bücher. Wenn wir die Nennung dieser Kalligraphen vorerst zurückstellen, um bei den Schreibmeistern zu bleiben, dann eröffnet die Reihe der letzten großen Schreibmeister Johann Heinrich Zang, Kantor in Mainstockheim bei Kitzingen. Zang war eine außergewöhnlich vielseitige Persönlichkeit, deren erste Würdigung wir schon 1808 Professor Dr. Johann Barthel von Siebold im ersten Jahrgang seiner »Artistisch-Literarischen Blätter von und für Franken«57 verdanken. Von Siebold gibt einen kurzen Lebenslauf des Künstlers und berichtet eingehend über sein künstlerisches und schriftstellerisches Werk. Nach von Siebolds Angaben stammt Johann Heinrich Zang aus Zella St. Blasii (heute Zella-Mehlis) in Thüringen, wo er am 15. April 1733 als Sohn eines Offiziers geboren wurde.58 In Leipzig war Zang schon in sehr jungen Jahren Schüler von Sebastian Bach; 1749 wurde er wegen seiner guten Handschrift Kanzlist in der Abtei Banz, gleichzeitig versah er auch die Stelle eines Organisten in Hohenstein (Gemeinde Schafhof, Landkreis Coburg) bei Coburg; 1751 wurde er Kantor in Walsdorf bei Bamberg, 1752 übersiedelte er nach Mainstockheim, wo er über 50 Jahre als Kantor, Organist und Schulmeister segensreich wirkte. Zang hat ein besonders schönes und vielseitiges Schreibmeisterbuch hinterlassen. Seine Anweisungen zum Erlernen der Schönschreibkunst wenden sich an die Eltern, die Kinder und auch die fortgeschrittenen Schüler.

Das Buch trägt in einer kalligraphischen Schnörkelumrahmung den Titel: »Calligraphia / oder / Selbstlehrende / Schönschreibkunst. / Herausgegeben von / Johann Heinrich Zang, Cantor / in Maynstockheim bey Würzburg« (Abb. 15). Zang baut in seiner Anleitung den Unterricht systematisch zum Selbstlernen auf. Von den bekannten Schreibmeiterbüchern dieser Zeit ist das des Cantors Zang das umfangreichste. Es umfaßt 38 Blätter, davon 7 Falttafeln. Die Bayerische Staatsbibliothek München besitzt das einzige vollständig erhaltene Exemplar dieses Lehrbuches.59 Zang hat das Buch nicht nur verfaßt, sondern die Schriftmuster und Vorlagen auch selbst gestochen, wie vielfache Signaturen »Zang scrips. et sculps.« erweisen. Fast jedes Blatt ist mit Zugwerkumrahmung und symbolischen Figuren geschmückt. Im einzelnen werden Anweisungen und Alphabete der Kurent-, Kanzlei- und Frakturschrift geboten, ferner Initialalphabete und Zahlenreihen, dann bildliche Darstellungen (Abb. 16) und auf den Falttafeln Urkundenmuster. Zang war ein durchaus ernst zu nehmender Lehrer, dem aber auch der Sinn für Humor nicht abging. Dies zeigt sich bei den Mustern der Urkunden in den erfundenen Namen. So treten z. B. auf: der »Hof- und Feldtrompeter Blasius Clarini« der »Revierjäger Wolf Schiessgern zu Hirschfeld«, der »Instrument- und Orgelmacher zu Pfeifersheim« und der »Kauf- und Handelsmann Leo Pard«. Das Lehrbuch Zangs steckt so voller Schönheiten und Kunstfertigkeit, daß es wirklich verdient, so ausführlich hier erwähnt zu werden. Wo und von wem das Werk Zangs gedruckt wurde, ließ sich bis jetzt nicht feststellen. Die Datierung Doedes auf die Zeit 1740 ist nicht haltbar. Das Wappen des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim, der von 1755 bis 1779 regierte, auf einem der Urkundenformulare weist auf die Zeit der Regierung dieses Fürstbischofs hin; denn das Werk setzt einen reifen Lehrer und einen geschulten Künstler voraus, was für Johann Heinrich Zang zutrifft. Nach von Siebold erschien diese »selbstlehrende Kalligraphie« im Jahre 1762.

Über das Leben Zangs in Mainstockheim können wir leider nicht allzu viel berichten, da ein Brand im Pfarrhaus im 19. Jahrhundert alle Archivalien vernichtet hat.60 1792 erwähnt ihn Georg Fr. Kasimir von Schad in seiner brandenburgischen Pinakothek61 als Schulmeister und »zugleich mittelmäßigen Kupferstecher«; er nennt von ihm die Neuauflage eines Kupferstich-Prospektes der Stadt Kitzingen aus dem Jahre 170562 und einen Prospekt des 1555 abgebrannten Schlosses Dachsbach. Thieme-Becker übernimmt Zang ohne Angabe des Vornamens als »Vedutenstecher« mit der falschen Datierung 1705.63 Zang war dreimal verheiratet; seine dritte Frau starb am 8. August 1800 in Mainstockheim. Bald nach dem Tode seiner Frau hat er wohl sein Amt als Lehrer und Kantor aufgegeben; an einer Stelle heißt es: »weil er auf Abwegen gegangen war«; dabei können seine vielseitige Korrespondenz, seine Schriftstellerei oder seine Reisetätigkeit gemeint sein. Sicher zeigt sich, daß sein stets tätiger Geist im Rahmen der einfachen Kantorstelle nicht ausgefüllt war. Seiner vielseitigen Feder verdanken w»r noch ein Werk über die Büttner- und Küferlehre, sowie über den Orgelbau. Die Büttner- und Küferlehre erlebte drei Auflagen. Die zweite und dritte Auflage des Werkes konnte ich selbst einsehen.64 Aus der Vorrede zur zweiten Auflage erfahren wir noch, daß Zang ein Werkchen, »Die Kunst Mosaische oder Musivbilder von puren Naturalien aus den drey Reichen der Natur zu verfertigen, für Maler, Schreiner, Zeichner, Zimmerleute und Maurer, mit 18 Zeichnungen« geschrieben hat.65 Zang hat sich auch selbst in dieser Kunst versucht und dabei Beachtliches geleistet. Ein weiteres Werkchen wurde von ihm verfaßt, »für Holz- und Metallarbeiter, in gleichem für Gerber, Färber und andere Künstler bestimmt, mit 21 Kupfern« Auch als Komponist ist Zang in Mainstockheim hervorgetreten. Es werden von ihm verschiedene musikalische Werke erwähnt, u.a. »Die singende Muse am Main« mit Melodien. Leider konnte ich von diesen Veröffentlichungen keine Exemplare nachweisen.66
Johann Heinrich Zang starb am 18. August 1811 im 79. Lebensjahr, nach Meusel67 im Juliusspital zu Würzburg.

Anmerkung:

Dr. Brod behandelt in seinem Buch das Kalligraphische Werk Zangs besonders ausführlich und genau. - Der Satz zur  Anmerkung 60  stimmt natürlich nicht. Zu dieser Zeit waren über das Leben und Werk Zangs bereits die ausführlichen Veröffentlichungen von Oberlehrer Otto Selzer erschienen, der aus dem Pfarrarchiv und aus dem Gemeindearchiv die Nachrichten über Johann Heinrich Zang zusammengetragen hatte.

© 1968 by Dr. Walter Brod; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

  • 57. Erschienen als »Begleitungs-Schrift zur fränkischen Chronik« (= Bonaventura Andres: »Neue Fränkische Chronik« Drittes Jahr, 1808, Würzburg bei Carl Philipp Bonitas). Der Bericht über Zang findet sich in dem in Fortsetzungen erschienenen Aufsatz: »Würzburgs Schriftsteller, Künstler und Sammlungen« S. 135/37 in Nr. XXIII, Würzburg, den 18. Juni 1808. Leider ist die angekündigte Fortsetzung nicht mehr erschienen, da sowohl die Neue Fränkische Chronik wie die Artistisch-Literarischen Blätter ihr Erscheinen mit dem Jahrgang 1808 einstellten.
  • 58. Der Vater war Johann Georg Zang, ehemaliger königl. ungarischer Oberlieutenant im Regiment Heister. Zang hatte sich in Zella niedergelassen und die Bürgerstochter Rosina Christina Schmidt geheiratet.
  • 59. Sign. Chalc. 164. Ein weiteres Exemplar, jedoch unvollständig - es fehlen die Falttafeln - besitzt die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg: Sign. W 1011 m quer - 8⊦dm;. Im letzten Jahr erwarb die Universitätsbibliothek in Würzburg aus dem Kunsthandel ein Exemplar. Vgl. Doede »Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher…«[149], S. 92. Nach einem Vermerk im Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek München wird als Druckort »1766 Hildburghausen Hanisch« angegeben.
  • 60. Für freundliche Auskunft danke ich Herrn Pfarrer Zobel in Mainstockheim.
  • 61. »Versuch einer brandenburgischen Pinacothek oder Bildergallerie… der beyden Fürstenthümer in Franken Anspach und Bayreuth« Nürnberg und Leipzig 1792, S. 216.
  • 62. Es handelt sich um die Stadtansicht von Laurenz Schmid. 1770 fertigte Zang die neue Kupferplatte. Die Herausgabe der Ansicht besorgte Johann Valentin Schmid, der Sohn des Laurenz.
  • 63. Thieme-Becker, 36. Bd., Leipzig 1947, S. 406.
  • 64. Titel der 1. Auflage: »Vollkommene Büttner- und Küferlehre« herausgegeben von einer Gesellschaft zur Förderung der Künste. Vorrede unterschrieben Johann Heinrich Zang. Erschienen 1790 im eigenen Verlag (Mainstockheim). - 2. Auflage: »Der vollkommene Büttner oder Küfer« Des Kunst- und Handwerksbuch Erster Teil, welcher die vollkommene Büttner- oder Küferlehre nebst Aufgaben für Weinhändler, Keller ingleichen für Wein- und Bieressigsieder, Branntwein- und Liqueurbrenner enthält… mit 38 Kupfertafeln. Des Kunst- und Handwerksbuchs zweyter Theil von der Orgelbaukunst… »Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe, der Reparatur und Stimmung der Orgeln und anderer Saiten-Instrumente« von Johann Heinrich Zang. Mit zwey Kupfertafeln, Nürnberg… Adam Gottlieb Schneider und Weigel 1804. Fundort: Würzburger Privatbesitz. - 3. Auflage: »Die vollkommene Büttner oder Küferlehre« Dritte Auflage von einem praktischen Technologen durchaus verbessert und vermehrt. Mit 38 Kupfertafeln, Frankfurt am Main in der Jägerschen Buch- Papier und Landkartenhandlung, ohne Jahr; (jedoch nach 1813 oder später). Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg Sign. 8⊦dm; V. 3365.
  • 65. Das Mainfränkische Museum hatte vor kurzem das Glück, aus Würzburger Privatbesitz zwei signierte Musivgemälde Zangs zu erwerben. Es handelt sich um Stücke aus einem Cyklus von Monatsbildern, und zwar um die Darstellung des Monats Oktober (sign. S. 49 309), datiert 15. Oct. 99, und des Dezembers (S. 49 308), datiert 9. Mai 1801, Größe ca. 61,5 x 47,5 cm. Über die sogenannten Musivbilder vgl. u. a. F. G. Benkert: »Joseph Bonavita Blanks Beschreibung seiner Musivgemälde« 2. Ausgabe, Würzburg 1820.
  • 66. Mit der Bedeutung Zangs auf dem Gebiet der Musik befaßt sich zur Zeit Professor Dr. Johannes Heinrich, Pädagogische Hochschule Westfalen-Lippe; seine Biographie Zangs wird in der Enzyklopädie »Die Musik in Geschichte und Gegenwart« die in Lieferungen im Bärenreiter-Verlag, Kassel, erscheint, veröffentlicht. Über Zang als Musiker und Komponist finden sich schon Notizen in Robert Eitner: »Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten« 9. Bd., Leipzig 1903, S. 325; und in Riemanns »Musik-Lexikon« 12. Auflage, herausgegeben von Willibald Gurlitt, Mainz 1961, S. 959/60. Ich danke auch an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. Heinrich für seine Hinweise und den bereitwilligen Austausch der Forschungsergebnisse.
  • 67. Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, Lemgo 1827, Bd. 16, S. 296/297 und Bd. 21, S. 753 und Teutsches Künstlerlexikon, Lemgo 1808-14, Bd. 3, S. 575/576

MITTEILUNGEN Folge 2 (1987)

Schlagworte: 

Einträge über Johann Heinrich Zang aus den Kirchenbüchern in Zella-St. Blasii und Arnstadt und den Ratsprotokollbüchern und Gerichtsbüchern in Mainstockheim

Zusammengestellt und mit Anmerkungen versehen von Ludwig Ruf

(1) Taufeintrag

Kirchenbücher der evang.-luth. Kirchengemeinde Zella-St. Blasii (Zella-Mehlis) „Babtizati“. Jahrgang 1733, Nr. 20, Seite 75

Joh. Heinrich
Meisters Jo. Georg ZANG, Weissgerbers und Rosinen Sohnl1 suscp. Johann Heinrich Wedel des Schreibery geborener jun. den 16. ds. Mts.“2

Anmerkung:

In dem Aufsatz des Pfarrers W. Schumann „Bach-Erinnerungen aus Zella-Mehlis“ (Berlin 1950), den wir in den vorjährigen Mitteilungen auszugsweise veröffentlicht haben, schreibt der Verfasser: „… Johann Heinrich Zang, der nach Ausweis unseres Taufbuches am 15. April 1733 in Zella St. Blasii geboren ist als Sohn des Weißgerbermeisters Joh. Georg Zang.“
Aufgrund dieser Nachricht habe ich bei meinen Besuchen in Zella-Mehlis gebeten, doch nachzuforschen ob das Taufbuch, das 1950 dem Pfarrer Schumann zur Verfügung stand, nicht doch vorhanden sei. Mir erschien die Legende, daß das Kirchenarchiv beim Brand 1762, der Kirche und Pfarrhaus einäscherte, mitverbrannt sei, deshalb recht unwahrscheinlich. Nun waren die dortigen Nachforschungen doch erfolgreich und Pfr. i. R. Seeliger hat das Taufbuch und den Eintrag gefunden.
Die Abkürzung suscp. kann sowohl heißen suscepit =hat empfangen, d. h. die Taufe, als auch susceptor = Pate, wobei mir die zweite Erklärung wahrscheinlicher erscheint. Demnach wäre der Pate Joh. Heinrich Wedel, der Junior (= Sohn) eines Schreibers. - Da die Taufe nach dem Brauch der damaligen Zeit immer am Tag nach der Geburt stattfand, ist unsere aus anderen Quellen überlieferte Nachricht, daß J. H. Zang am 15. April 1733 geboren ist, mit Sicherheit richtig.

  • 1. =Söhnlein
  • 2. =April

(2) Der zehnjährige Joh. Heinrich Zang in der Schule in Zella (1743)

Archiv der fürstlich-schwarzenburgischen Superintendentur Arnstadt

    Schul=Tabella über die Schul=Knaben
    zu Zella
    Bey der Special=Visitation,
    so den 5. Augusti, Anno 1743
    gehalten worden, gehor=
    samst übergeben
    von

    Johann Georg Wedeln, Cant.
    und Schul=Collegen daselbst.

Verkleinerte Ablichtung der Schülerliste „der 1ten Claß“:
Abbildung der "Schülerliste der 1ten Claß"

Anmerkung:

Der Kantor und Schulmeister Joh. Georg Wedel ist wahrscheinlich der Vater des Paten Zangs, der im Taufeintrag als „der Schreiber“ angegeben ist.
Nachdem der vorliegende Akt im Archiv der fürstlich-schwarzenburgischen Superintendentur in Arnstadt liegt, ist anzunehmen, daß der Schulinspektor für Zella ein Arnstädter Pfarrer war (geistliche Schulaufsicht!).

Zur Notenliste:

In den 16 Hauptspalten finden wir zunächst die „Namen der 1ten Claß Superiores“. Nach dem Alter kommt die Spalte Ingen. Ich vermute, daß es sich um eine Abkürzung für Ingenium = Geistesgaben, Begabung allgemein, handelt. Die Versäumten Stunden sind dreifach abgeteilt: Wir können annehmen, daß die Abkürzungen c.v., s.v. und Kr. vielleichtcum verdictum = mit Urteil, Bestrafung, Schuld und sine verdictum = ohne Schuld, sowie krank bedeuten.
Es folgen Catech[ismus] gantz, Kurzer Begriff gantz,Christl. Lehr Puncten. alle, Sprüch alle, Reymgebete, alle,Psalm alle, Lesen mit den Unterspalten gedr. (= gedruckte Schrift) und Br. (= Brief-Schrift ?),Schreib[en],Rechn[en] Regul de Tri, Singen, Mores (= Sitten, Betragen) und Mangel.
Anscheinend wurde ein vierstufiges Notensystem angewendet mit den Bezeichnungenfein = 1, ziemlich (= geziemend) = 2, so hin = 3 undschlecht = 4. In Singen unterscheidet der Kantor in Chor[aliter] undFigur[aliter], in Mores in fleißig, fromm,still,muthwillig,unfleißig,träg und faul.
Als 13. Schüler ist der 10-jährige Joh. Heinrich Zang aufgeführt. Er hat 33 Stunden „s.v.“, also entschuldigt, gefehlt, hat in seinen Geistesgaben ein „fein“, also sehr gut, in „Catechismus“, „Kurzer Begriff“ und „Christl. Lehr“ ein „ziemlich“, also gut. Und in den anderen Fächern ein „fein“, sehr gut. In Musik (= „Singen“) bekommt er „figuraliter“, er kann also im Chor eine figurierte Stimme singen (wie sollte es anders sein!) und ist im Betragen („Mores“) „fleißig“.
Diese Notenliste Zangs, die uns von einem Freund der Zang-Gesellschaft in Zella-Mehlis besorgt wurde, ist für uns ein ganz wichtiges Zeugnis aus Zangs Jugend, über die wir ja noch sehr wenig wissen.

(3) Einsetzung Zangs als Kantor in Mainstockheim (1752)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/12 (Ratsprotokolle)

Actum Maynstockheim den 7.en 9br. 17521
Extra-Rath

Nachdem auf anmelden des dermahligen Hochfreyherrlich-Crailsheimischen Schul-Dieners, H.n Johann Heinrich Zangs, bey heutiger Raths-Session, derselbe im schreiben und rechnen zur Probe genommen = und nach darauf von Sr. Hoch Ehrwürden Herrn M. Johann Sebastian Wittmanns, des hiesigen Pfarrern, mit jenem vorgenommenen Examine, zum hiesigen Schuldienst vor capabel befunden worden. Alß wurde demselben das dahiesige Cantorat übertragen, derselbe in Annahme genommen und Ihme nachfolgender Collatur-Schein mit angehängter deßen ihme zugesicherter Besoldung und Accidenzien, zu Handen gestellt, welcher von Wortt zu Wortt also lautet:
Demnach wir Oberdorffsherrschaftl. Schultheißen, BürgerMeister und Rath dahier zu Maynstockheim, auf abkommung des bißherigen Cantoris H. Johann Lorenz Brückners, entschloßen den hierdurch entledigten Schuldienst dahier, den bißherigen Waldsdörffer Cantori, H.n Johann Heinrich Zangen, dergestalt zu conferieren und anzuvertrauen, daß er Uns Oberdorffsherrschaftl. Schultheißen, BürgerMeister und Rath hierselbst pro Patrono Scholae erckennen und respectieren, und was davon abhängt, Uns alleine und sonst niemanden gehorsamen, in seiner Lehr und Leben seiner anvertrauten Jugend der lautere aus Gottes=Wortt hergeleitete in der Augsp.=Conf. zusammen gefaßter Lehre vortragen solle. Inmaßen Er dann diesen allen gehorsambst nachzukommen, mit Handgebender Treüe zugesaget; Als haben wir Ihme hierüber die Cantorats=Vocation formaliter ausgeffertiget und die ordentliche Bestallung in fixo aus dem löblichen BürgerMeister= und Gottes=Haus=ambt annuatim2

mit............................................................62 fl - btz.

dann an Accidentien folgendermaßen eingehändiget, als nehmlichen
Vor eine Hochzeit.......................................-" 6 btz.

Die gewöhnliche Braut-Suppe, wo solche nicht in natura
gereichet wird............................................-" 6 btz.

Eine große Leiche.......................................-" 6 btz.

"     kleine Leiche..........................................-" 4 btz.

"     Kinds=Tauffe..........................................-" 4 btz.

Notatum!

So viel es das gewöhnliche Schul=Geld und Bestallungs=Holtz anbelanget, wird von einem jeden Kind, quartaliter 1 btz frk. gezahlt - und an Holtz jährlichen 3. Raiff-Scheit- und 300 Wellen-Holtz abgereichet, gleichwie die anverlangte privata in rechnen und schreiben à parte quartaliter von jedem Subjecto mit 6 btz fränck. - Das Klavier aber vierteljahrweis mit 1 rthlr. zu belohnen angeordnet sind.
Zu Uhrkund deßen dieser gegenwärttige Collatur- und Vocations-Schein unter unserer gewöhnlichen Unterschrifft und vorgedrückten kleinen Raths-InnSiegel ertheilet worden.
So geschehen den 7. Novenbris 1752

Oberdorffherrschafftliche Schult-
heißen, BürgerMeister und
Rath hieselbst.

Anmerkung:

In diesem hochinteressanten Eintrag im Ratsprotokollbuch erfahren wir wichtige Einzelheiten: Der junge, erst 19 ½-jährige Lehrer wird vom Rat eingestellt, ist also Gemeindebeamter. Er ist nicht, wie es damals bei Kantoren, Lehrern üblich war, im „niederen Kirchendienst“. Mainstockheim hatte durch die „Nürnberger Sentenz“, dem sogenannten Gnadenvertrag, von 1650 das Recht, dass der Rat der Gemeinde den Pfarrer und Lehrer selbst wählen durfte. So prüft der Rat seine Lehrfähigkeiten in Schreiben und Rechnen und der Pfarrer der Gemeinde seine Eignung in Religionslehre und sicher auch in Musik. Er muss den Rat als „Schulpatron“ anerkennen und respektieren. Aber auch der Rat ist sehr interessiert, dass der neue Kantor seine Schüler nach der Lehre der Augsburgischen Konfession unterrichtet. Seine Besoldung bekommt er in Geld (jährlich 62 fl., d. h. florenus und bedeutet Gulden), seine Dienste als Kantor bei Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen werden mit je 6 bzw. 4 btz (=Batzen) abgegolten. Zudem muss jeder Schüler vierteljährlich 1 Batzen Schulgeld bezahlen, für Privatunterricht bekommt er 6 Batzen und das „Klavier“, also das Orgelspiel, wird mit 1 rthlr (Reichstaler) vierteljährlich belohnt. Zang ist weit besser versorgt als seine Kollegen an anderen Orten, die ihre Besoldung oft großenteils in Naturalien bekommen. Seine einzige Naturalversorgung ist das Heizmaterial. Er ist ein „Gemeindebeamter“.

  • 1. =7. November 1752
  • 2. =jährlich

(4) „Die Kirchen- und Schul=Schlüssel“ (1752)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/12 (Ratsprotokolle)

Actum Mainstockheim den 20.en Xbr: 17521
Extra-Rath

Wurde bei heutiger Raths-Session auf gehaltene Umfrage von E. wohlEhrsamen Rath einmüthig geschloßen, daß der derzeitige Ober-Bürger-Meister H. Abraham Schneider mit Beywohnung des Gemeind-Dieners in die Schul gehen, den alten Cantoren H. Johann Lorenz Brücknern aufs Rathhauß ruffen = die Kirchen= und Schul=Schlüßel von Ihme ablangen = und den neu angetrettenen Cantoren H. Heinrich Zang zur Verpflichtung mit zu Rath bringen sollen.

Anmerkung:

Der alte Kantor Brückner will anscheinend dem jungen Kantor Zang nicht weichen. So muß der „Ober-Bürger-Meister“ (=Vorsitzender des Ortsgerichts) die „Schlüsselübergabe“ erzwingen.

  • 1. =20. Dezember 1752

(5) 200-Jahr-Feier des Augsburger Religionsfriedens (1755)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/12 (Ratsprotokolle)

Kurze Beschreibung
von der Feyer
des
Zweihundertjährigen Religions-Friedens-festes,
wie solches in dem dahiesigen Flecken
Maynstockheim d. 28.en Septembris lauffenden
1755er Jahres abgehalten und begangen
worden:

Das Fest wurde gleich anderen hohen Jahresfesten, tags vorhero als den 27.en 7bris [September] nachmittags um halb 1 Uhr mit allen Glocken eingeläutet, eine Beicht-Vesper gehalten, und darinnen das 19. Capit. aus dem andern Buch Mosis1 und die darübergestellten Summarien abgelesen und dabei das Lied: Aus tieffer Not schrey ich zu dir… abgesungen.
Folgenden Tags, als am Feste selbsten wurden frühe um 7 Uhr wieder alle Glocken geläutet, und nach nochmahlig-gegebenen dreyen Zeichen, um 8 Uhr Zusammen geschlagen, nach diesen der Gottes-Dienst in der dahiesigen St. Jacobi-Kirche mit dem angestimmten Lied: Allein Gott in der Höh sey Ehr… seinen Anfang genommen, bey deßen Endigung das 5te Cap. aus dem Buch der Richter2 vorgelesen darauf das Lied: Nun lob mein Seel den Herren… gesungen = sodann durch den der Zeit dahiesigen Cantorem HEn. Johann Heinrich Zang eine Musik aufgeführet = nach Vollbringung derselben, von des dermahlig-wohlverordneten Pfarrers, Herrn M. Johann Sebastian Wittmanns HochEhrwürd. über die Wortte: Actor: 9 V. 313 geprediget = hierbey Exord. I pro 12. 20. Exord II. Hag: 2 V. 104 genommen = in der Predigt: Der erspriesliche Besitz und Gebrauch des Friedens, und zwar 1) der Besitz, und 2) der Gebrauch vorstellig gemacht wurde; nach vollendeter Predigt, das auf dieses Fest besonders gerichtete Gebet zu Gott andächtig abgeschicket = nachhero das Abendmahl ausgespendet worden."…

Das Folgende weiter in einer Zusammenfassung:

Nachmittagsgottesdienst um 1 Uhr
Anderntags: Fest Michaelis: 8 Uhr Gottesdienst, Predigt Ps. 87, V. 2 + 3
Nachmittags 1 Uhr: „Beth-Stunde“, Auslegung 147. Psalm.
Es folgen die regierenden Oberdorfherrschaften:
Markgraf Carl Wilhelm Friedrich zu Brandenburg mit allen Titeln
Reichsfreiherr Constantin von Mauchenheim gen. Bechtolsheim mit Titeln
Abt Hieronimus von Kloster Ebrach mit allen Titeln
die Amtskastner, Amtsverwalter
Amtmann
die 3 Schultheißen
der Gerichtsschreiber
der Rath (15 Namen)
die Gerichtsverwandten (3 Namen)
die Gericht-Procuratores (2)
die Viertelmeister (4)…

„Die sämtliche Bürgerschaft bestunde der Zeit fernerweit annach zu 189 Haußhaltungen, dann noch in Beysaßen: 22 Mann
Wie lebte Maynstockheim bisher vor andern in Seegen?
So daß man der Früchte des Glaubens im Wandel verspühret,
Man merckte den Reichtum der Früchte auf Wegen und Stegen,
Regenten, die haben das Scepter mit Frieden geführet
Drum hält es sein Jubel- und Danck-Fest mit Lust und Begier
So bLeIbe DIe Sonne Des HöChsten noCh fernerbeIJDIr!5

Entworfen durch
mich
Johann Martin Stephan
p.t. Raths u. Gerichtsschreiber
hierselbst.

Anmerkung:

So aufschlussreich der Bericht über diese Feierlichkeiten ist - leider erwähnt der Rats- und Gerichtsschreiber den Kantor Zang und seine möglicherweise erste Kantate nur in einem Nebensatz. Der junge Kantor war zu der Zeit knapp 22 ½ Jahre alt und noch nicht ganz drei Jahre in Mainstockheim.

  • 1. 2. Mose 19: In diesem Kapitel wird berichtet, wie Gott dem Mose auf dem Berg Sinai erscheint und die Gesetzgebung vorbereitet wird. Einige Kernverse (V. 4 + 5): „Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlers Flügeln und habe euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.“
  • 2. Richter 5: Triumphlied der Debora und des Barak, das so beginnt: „Lobet den Herrn, dass Israel wieder frei ist worden und das Volk willig dazu gewesen ist. Höret zu ihr Könige und merket auf ihr Fürsten! Ich will, dem Herrn will ich singen, dem Herrn, dem Gott Israels will ich spielen.“
  • 3. Actor (=Apostelgeschichte) 9,31: „So hatte nun die Gemeinde Frieden durch ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich und wandelte in der Furcht des Herrn und ward erfüllt mit Trost des heiligen Geistes.“
  • 4. Haggai 2, 10 (alte Verszählung; jetzt V. 9): „Es soll die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer werden, denn des ersten gewesen ist, spricht der Herr Zebaoth; und ich will Frieden geben an diesem Ort, spricht der Herr Zebaoth.“
  • 5. Lat. Jahresangabe in der letzten Zeile: LIDIDCCIJDI: DDD+CC+LIIIII = 3*500 + 2*100 + 55 = 1755

(6) Beschwerde über zu lange Orgelvorspiele (1757)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/12 (Ratsprotokolle)

Actum Maynstockheim den 10. 9br. 1757
Martini-Rath

1. …

2. …

3. …

4. Ist bei dieser Raths-Session in antrag gekommen daß der dermalig Cantor H. Joh. Heinrich Zang von Anfang des Gesangs zeit seines hierseyns zum öffteren allzulang praeamboliret als welches ihme schon zum öffteren verboten worden, deme ohngeachtet besagter H. Cantor Zang an denen letzt verwichenen Sonntagen die Communicanten dadurch wieder übermäßig aufgehalten und gleichsam keinen Befehl respectiren wolle; Als wurde von E. wohl-Ehrsamen Rath der einhellige Schluß dahin verabfaßet, daß Er solches weitläuffige praeambolieren vorskünfftige eingestellt lassen = bey wieder Betretten aber jedesmahl mit 1 Rthlr1 an seiner Besoldung angesehen werden solle.

5. - 7. …

Anmerkung:

So ein junger 24-jähriger Kantor hat es schon schwer: Da will er die Gottesdienste durch seine Orgelmusik feierlich gestalten, und dann ist das zu lang für die, die ihre Sonntagspflicht so schnell wie möglich erledigen oder lieber anschließend etwas länger beim Frühschoppen sitzen wollen. Ob die Strafandrohung einen Reichstaler einzubehalten (das war die Entlohnung für sein Orgelspiel für ein Quartal - siehe (3)) geholfen hat?

  • 1. =Reichstaler

(7) Das offene Uhrgehäuse und das nicht verschlossene Kirchhoftor (1758)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/12 (Ratsprotokolle)

Actum Maynstockheim den 9. Novembr. 1758
Martini-Rath

1. Wurde beschlossen, daß nach alter observanz die Martini Mahl gehalten werden könne.

2. Wurde von den Anspach.1 H. Schultheiß Schneider proponirt daß die Uhr beym Kirchenaußläuten verderbet worden und die Reperation 4. Rthlr gecostet: und seyn solches durch des Michael Sterzenbachs Sohn geschehen, und sich so vieles veroffenbahret, daß das Uhrgeheiß2 offengestanden und nicht zugeschlossen gewesen, die Uhr solte still gestanden seyn, so habe er Sterzenbach solche laufen laßen worauff solche fortgelaufen und der Engerin Sohn um Hilffe geruffen.

Sentenz

Weilen der Sterzenbach ohne Befehl die Uhr fort laufen laßen und da durch ruinirt worden, solle derselbe ½ Tag in gehorsam gestecket werden, welches sogleich geschehen.
Und der Cantor wurde repremundirt, und dahin angewiesen, das Uhrgeheis fleißiger zuzuschließen; ansonsten wann Wieder was passieren solte er die Reparations kosten zu bezahlen habe.
Ingleichen solle derselbe das hintere Kirch Thor fleißiger verschloßen halten, welches von ihme zu thun versprochen worden.

Anmerkung:

Immer wieder eckt Zang an. Ist es ein Wunder? Wahrscheinlich ist es eine besonders fruchtbare Zeit seines Schaffens. In dieser Zeit entstehen die ersten uns bekannten frühen Kantaten. 1756: „Mache dich auf“(Weihnachten) und „Also hat Gott die ganze Welt geliebet“ (Pfingsten), 1758: „Machet die Tore weit“ (Advent), 1759: „Ostertriumph“. Die Abende wird er dazu benutzt haben, mit Chor, Instrumentalsolisten und Solisten zu proben, und das nicht nur einmal wöchentlich. Soll er sich da um solche banalen Dinge auch noch kümmern?

  • 1. =ansbachischen
  • 2. =Uhrgehäuse

(8) Vermögensaufstellung und Einkindschaftsabrede (1780)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim Bd. BII/11 (Gerichtsbuch)

Actum Mainstockheim
den 28n. Dec: 1780.

Nachdeme des hiesig Gemeinschaftln. H. Cantoris Johann Heinrich Zang, gewesene Frau Ehe Consortin eine gebohrene Crämerin von Prichsenstatt mit Hinterlaßung eines 5. jährigen Söhnleins, allbereits für einem Jahr Todtes verfahren, und der H. Wittwer Vermög seiner häußlichen Umstände nicht länger in ohnehlichen Stande zu bleiben für räthlich angesehen, dahero mit des hiesigen Würzburgl. Unterthanan Michel Raspens ältesten Tochter Magdalena sich in ein anderweit Christliches Eheverlöbdums eingelassen, indeßen aber H. Wittwer mit seinen Prichsenstätter Freunden und resped: Schwägern, in hinsicht des dem vorhandenen Söhnlein Vorauses nicht einig werden können, so fort sich vermüßiget gesehen, um Oberdorfshersch. Untersuchung seines Vermögens und hiernach abgemeßenen Voraus=Bestimmung, geziemend zu bitten; Als hat man unter heutigem Acto damit willfahret, und nach abgenommenen Hand Gelübd uns, alles getreulich anzugeben sondersamst den

Activ: Statum1
unter Grundlage des specifice geferttigten Inventarii, folgender maßen anhero aufgenommen.

 

An Immobilibus

fl xr fr.2  
455" ---" Mit dem Brandenburgl. Lehen Haus, incl. derer darein Verwanndten Melisrations3 Costen.

Summa per se

An Mobilibus

fl xr  
106" ---"   Betrifft die vorhandene Baarschaft
60" ---" An ausstehenden Activ Posten
84" ---" An Silber
12" ---"   Pretiosis
550" ---"   Weinen
140" ---"   Fäßern meistens mit Eisen gebunden
3" ---"   Gelten u: Butten Geschirr
282" ---"   Kupfer Blatten
13" ---"   Kupfer Geschirr
10" ---"   Meßing
36" ---"   Zinn
78" ---"   Eisen, worunter die Oblaten=Eisen u. Wand=Uhr befindlich
---------------------------
1374" ---"   Latus4

[neue Seite]

fl xr Mobilibus
9" ---" An Bewehr
58" ---"   Schrein Zeuch
120" ---"   Betten
186" ---"   weißen Zeuch
4" ---"   Gläßern
9" 36"   Porcellain
14" 24"   allerhand Fahrnusen
60" ---"   Büchern
51" ---"   Musicalischen Instrumenten
21" ---"   Kupferstecher Instrumenten nebst Preß
170" ---" An vorhandenen Vorschrifften
15" ---"   Druck und Schreib Pappier
27" ---" An vorräthigen Oblaten
218" ---"   Weibs Kleidern
---------------------------
963" ---"   Latus

[neue Seite]

fl xr Mobilibus
12" ---"   Mathematischen Instrumenten
8" ---"   Flachs
8" ---"   Holzschnitt Instrumenten
5" ---"   einem Schwein
---------------------------
33" ---" Huius
  Summa
An Mobilibus
  2370 fl ---"
  Summarum
Gesamten Activ Vermögens
  2825 fl ---" Fränkisch

[neue Seite]

Dargegen an Passivis
zu zahlen

  fl xr
An die Bechtelsheimische Unterthanin Johann Georg Neesen Witb:
hafften auf Handschrifft
150" --"
Auserdem aber Nichts
Pse

Diese von

2825 fl ---" Activ Vermögen mit
150 fl ---" abgezogen, bestehen
---------------------------
2675 " ---" revera5

Daran haben conferirt:

  fl xrFränk      
  899" ---" Die verstorbene Frau, eine gebohrene Crämerin von
Prichsenstatt, neml.
      570 fl ---" baar Heuraths Guth
excl. 30 fl Nachst. Abzug
      144 fl ---" Gleichstellungs Sum.
      ------------
      714 " ---" Trspt6
----------------------------
  899" ---" Trspt

[neue Seite]

  fl xr           
  fl xr      714 fl --" Transport
  fl xr      123 " --" Mit Ausferttigung an Betten, Kleidern und
Schrein Zeuch
  fl xr      62 " --" Vor ohngefär 2. Jahren an einer verkauften Wiese von
Prichsenstatt bezogen
----------------------------------------------------------------------------------------------------------
Trspt 899" --" 899" --"

 

 
  1580" --" hat der Viduus7 zur Zeit da derselbe ad secunda vota8
geschritten nach ebenmäsig gefertigten Inventario
de ao: 17749 in Vermögen gehabt.
-------------------------------------------------------------------------------------
  2479" --" Diese von übrigen Vermögens Bestand
der ................... 2675" --"  
mit .................... 2479" --"  
-------------------------------------------------------------------------------------
abgezogen waren 176" --"  
durante matrimonio lucrizet10 worden, so daß  
von
  88 fl --" halben lucro,11 und
  899 " --" de Defuncta inferirten12 obspecificirten13 Vermögen
-------------------------------------------------------------------------------------
  987 " --"  

[neue Seite]

1.) Dem vorhandenen Söhnlein Johann Paul Zang dermalen 5. Jahr alt der Mütterliche Voraus zu bestimmen wäre, welcher nach Abzug des dem Vatter hieran zustehend halben Erb-Rechts, somit zur gleichen helffte 550 fl -- xr fränk. beträfen, diese Vorauses Summe H. Cantor mit seinem künftigen Schwieger Vatter Michael Raspe, da die Braut auch ihr Heiraths Gut auf dem Sterbfall des Cantors wiederum zurück nimmt auf 550 fl. fränkisch vest setzet mit der weiteren Erklärung, daß so lange Er als Vatter im Leben seyn würde, Er sich verbindlich machet, seinen Söhnlein nach obhabender Pflicht die nöthige Unterweisung in Rechnung Schreiben und der Music zuertheilen, so ferne Er aber die nöthige Erziehung nicht erleben - sondern der Todt hierinnen eine Aenderung machen sollte, und des hinterbleibenden Söhnleins Prichsenstätter Anverwandte demselben eine oder die andere Profession14 erlernen zu lassen willens waren, dieses auf Kosten des festgesetzten Vorauses geschehen müße und keines weegs aus der Gemeinen Massa bestritten werden dörffe, bey welches Vorauses Transirung, dem Söhnlein noch weiteres 132 fl. 6 ½ xr fränkisch in salvo15 verbleiben, welche deßen Vatter von dem Prichsenstätter Freunden nach einer übergebenen Berechnung praetendirt,16 und nach seiner eigenen Willkühr statt des minderjährigen Söhnleins bey dortiger Amts Behörde zu betreiben hat, wofür man jedoch ab Seiten der Oberdorfherrschafften keine Gewährschaft zu leisten, nochweniger diesen illiquiden17 Ausstand mit dem richtig constituirt18 bleibenden Praecipuo19 zu vermengen gemeinet ist, überdiß die Prichsenstätter Groß Elterlichen alldorten vormundschaftl. administrirt20 werdende Erbschafft gleichfalls reservirt und niemals in das Gemeine Vermögen ausgenommen der Usus Fruirung21 transferirt wird.
Hierauf und nachdiesem Vergleichen Mütterl. Vorauses wollen

2.) Die beede Neu Verlobten ihr ehelich Gelübd, hiernächstens durch priesterliche Copulation22 vor dem Angesichte Gottes bestättigen und keines das andere weder in Leid noch Freud bösl. verlassen, sondern wie Christlichen Eheleuthen geziemet, miteinander leben.

3.) Verspricht der Braut Vatter Eingangs gedachter Michael Raspe, seiner Tochter, zum wahren Heuraths Guth 1000 fl. fränkisch an baarem Geld nebst einem gerichteten Bett, so gleich nach beschrittenen Ehebett mit zu geben, welches Sponsus23

4.) mit seinem Vorbeschriebenen Vermögen dergestallt besezet, Daß woferne inner Jahr und Tagen,
    a.) Die Braut die Schuld der Natur zu erst büsen24 sollte, der nachmalige Wittwer von dem erhaltenen Heurath Guth 300 fl. fränkisch nebst dem Ehebett sich zu gaudiren haben 700 fl. fränkisch aben deren Vatter oder Geschwistigten baar zurück zu zahlen schuldig und verbunden seyn solle, dahingegen
    b.) wo Er der Herr Bräutigam zuerst inner Jahres Frist ohne zu hoffenhabende Leibes=Erben verstürbe und seine gegenwärttige Verlobte ohne Leibes Frucht verliese, selbige von dem vorhandenen Vermögen 1300 fl. fränkisch für all- und jedes zu ihrer gänzlichen Abferttigung nebst dem zugebrachten Bett bekommet, das Söhnlein 2ter Ehe aber in dem übrigen Vermögens=Bestand verbleibet und selbiges für ein Mütterlich und Vätterliches Erb=Guth zu eigen hat.
    Nach verfloßenen Jahr und Tagen aber cessiret25

5.) Dieser Saz und Gegensaz auf beeden Seiten, dergestalten, daß wann

6.) Der Todt eine Veränderung machen, und der gegenwärttige Bräutigam, von dieser Zeitlichkeit hinweggenehmen sollte;
So ziehet das vorhandene Söhnlein 2ter Ehe, demnach
§ Imo auf 550 fl. -- xr stipulirten26 Voraus, so dann die gegenwärtige Braut und Stief Mutter, ihr erweislich eingebrachtes heurath auch übrig unter der Zeit nach Absterben deren Vatters beziehende Erb=Guth, iure seperationis27 fordersamst hinweg, das übrige Vermögen aber wird unter die nachmalige Wittib dann das Kind 2ter und allenfals von 3ter Ehe unter Gottes Seegen erzeugt werdende Kindern Gleichheitlich vertheilet, so daß es hierbey nach dem Gemeinen Spruch Wortt heißen sollte, So viel Mund so viel Pfund.
Ansonsten und

7.) Alle zum Voraus nicht abzusehen und künftig gleichwohlen zu Streit und Irrung Anlaß geben könnende Fälle, deren Oberdorfsherrschaftliche Aemtern jedesmaligen Cognitation zur Entscheidung geziemend überlaßen werden.

Weswegen dann auch diese heuraths Pacta von Oberdorfherrschaftlicher Behörde ad Protocollum registriret, und durch allerseitige Unterschriften confirmiret28 und sofort dem Mainstockheimer Gerichts=Buch ingrossirt29 werden sollen.

Ut supra30

Daniel Schickel
Peter Franz Ludwig Kappler
F Bernardus Urozo

Concordat cum Original31
Hahn

Anmerkung:

Wir können das Vermögen Zangs natürlich nicht in der heutigen Währung ausdrücken, weil uns die Vergleichsmöglichkeiten und bei den Angaben die Mengen fehlen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die angegebenen etwa 2500 Gulden einen Wert von einigen 50.000 EUR darstellen. Zang war also ein durchaus vermögender Mann.

Er besaß damals schon ein Haus in Mainstockheim. Leider wissen wir nicht welches. Er wohnte aber, wie wir später noch erfahren, weiter im Kantors- und Schulhaus. Bemerkenswert sind die Musikinstrumente, seine Kupferstecher- und Holzschnitt-Werkzeuge und -ausstattung. Wahrscheinlich 1762 hat er ja seine „Calligraphia oder Selbstlehrende Schönschreibkunst“ erstmals herausgegeben, die er selbst gestochen und sicher auch gedruckt hat. - Interessant ist weiter, dass der größte Betrag beim Wein steht mit den Fässern, Gelten und Butten fast 700 Gulden (!), einem Betrag, den wir wahrscheinlich heute mit einem Wert von um die 15.000 - 25.000 EUR schätzen müssen. Sicher hat er mit Wein gehandelt. 1790 erscheint die erste Auflage seines Buches: „Die vollkommene Büttner- oder Küferlehre“ in dem außer der Anweisung für Fassbau auch über die Behandlung und Verbesserung von Wein und über die Likör- und Essigherstellung berichtet wird. Dass sein Sohn, der Arzt Johann Paul Zang in Obereisenheim 1800 eine Repperndorfer Weinhändlerstochter heiratet ist in diesem Zusammenhang auch interessant.

  • 1. status activus = Vermögensstand
  • 2. = Gulden / Kreuzer fränkisch
  • 3. melioratio = Besserung eines Hauses
  • 4. latus = Seitensummierung
  • 5. re vera = in Wahrheit, wirklich
  • 6. Transport = Übertrag
  • 7. = Witwer
  • 8. = zur zweiten Ehe
  • 9. = Inventar im Jahr 1774
  • 10. = während der Ehe gewonnen
  • 11. = Gewinn
  • 12. = der Verstorbenen zugebrachten = Mitgift
  • 13. = oben aufgegliederten
  • 14. = Beruf
  • 15. = in Sicherheit
  • 16. = fordert, beansprucht
  • 17. = unklaren
  • 18. = verordnet
  • 19. = Voraus
  • 20. = verwaltet
  • 21. usus fructus = Nießbrauch
  • 22. = Trauung
  • 23. = der Verlobte
  • 24. = zuerst sterben
  • 25. = entfällt
  • 26. = festgesetzten
  • 27. nach dem Recht der Trennung
  • 28. = bestätigt
  • 29. = in großer Schrift eingetragen
  • 30. = wie oben steht
  • 31. = übereinstimmend mit dem Original

(9) Streit wegen der Kirchenmusiken (1789)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim Bd. BII/14, S. 265 - 267 (Ratsprotokolle)

Actum Mainstockheim den 9. Juli 1789
Kiliani-Rath
1. … - 2. …

3. Da wegen der Kirchen Musiken zwischen dem derzeitigen Herrn Pfarrer Kirchner HochEhrwürden dahier und Herrn Cantor Zang einiger Zwist entstanden; So hat man zur Vorbeugung weiterer Verdrieslichkeiten, für nöthig erachtet, ein ordentl. Reglement nachfolgendermaßen zu entwerfen:
  1) Sollen an allen Festtagen welche mit dem Festtags-Zeichen des Sonnabends angekündigt werden, Kirchen Musiken wie sonsten gehalten werden, sodann,
  2) alle 4 Wochen einmal, die übrige Zeit aber sollen sie unterbleiben.
  3) Würde an dem Sonntag, auf welchen die Musik fällt, eine Communion gehalten werden, So muß die Musik auf einen anderen Sonntag verlegt werden.
  4) Den ganzen Winter aber, von Martini bis Ostern, mit Ausnahme der Festtäge, sollen gar keine Musiken gehalten werden.
  5) Solle von Seiten Herrn Cantors dem Herrn Pfarrer, von seinem Vorhaben Musik aufzuführen; jedesmal vorher, Anzeige erstattet werden.
Übrigens hat man beschlossen, sowohl Herrn Pfarrer Kirchner als Herrn Cantor Zang, zur erforderlichen Wissenschaft und Nachachtsame, Extracte hievon, zuzustellen.

actum ut supra
Johann Friedrich Traber

Anmerkung:

Mit Kirchenmusiken sind sicher seine Kantaten gemeint. Wenn nun nur noch an den hohen Feiertagen und ansonsten nur noch alle vier Wochen einmal eine Kantate aufgeführt werden darf, während des Winters von Martini (11. Nov.) bis Ostern mit Ausnahme der Festtage sogar überhaupt keine, so müssen wir doch annehmen, dass vorher solche „Kirchenmusiken“, Kantaten, öfter, also etwa alle 2 Wochen stattfanden!

Der genannte Pfarrer Kirchner scheint auch noch anderweitig Verdruß erregt zu haben. Im Dezember 1791 und im März 1792 finden wir im Ratsprotokollbuch eine Beschwerde, daß er „bey mehr als einem halben Jahr in der St. Gumprechts Kirche keinen Gottesdienst der bisherigen Observanz gemäß gehalten habe“, wozu er alle vier Wochen einmal verpflichtet war. Es wird ihm angedroht, dass für jeden von ihm unterlassenen Gottesdienst 1 Gulden von seiner Besoldung abgezogen würde.
Im Zusammenhang mit den Zwistigkeiten mit dem Pfarrer ist sicher auch das folgende Ereignis zu sehen:

(10) Kirchstuhlstreit wegen der Zang'schen Magd (1792)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim Bd. BII/14, S. 352 - 354, (Ratsprotokolle)

Actum Mainstockheim den 22. 7.bris 17921
Extra-Rath

Nachdem Herr Cantor Zang dahier sich herausgenommen, bei der ganzen Kirchenversammlung, seine Dienst-Magd in den von diesen sogenannten Braut-Stuhl, einzusezen. So hat man sich fürdersamst die Bader Schmidtin, welche der Magd den Eintritt verweigert, den Vorgang folgendermaßen erzehlen lassen:
Weil die Kantor Zangische Dienst-Magd schon 2. mal sich fornicando2 vergangen haben solle; So hätten die ledigen hißigen Bürgers Mägden, ihr den Jungfern Kirchen-Stand, versagt. Als sie dann darauf in den vorderen Brautstand, wo sie schon 22. Jahr lang stehen, sich stellen wollen. So haben sie solche schon letzten Sonntag zurückgewiesen, weil die Mägde ihren besonderen Kirchen Stand hätten und wohl die Frau Kantorin, die sich aber freywillig einen anderen Stand gewählet, da hinein zu stehen berechtigt wäre, nicht aber dieses Recht auf die Magd sich erstrecken könne. - Die Magd habe sich aber gerühmet, nächsten als gestrigen Feyertag, würde sie ihr Herr selbst hineinführen. - - Dieß sei denn auch gestern würcklich geschehen, denn Herr Kantor Zang hätte sie Schmidtin hinter dem Altar verpaßt [?], und seine Magd in die Kirche gleich nachgehen lassen und als sie derselben den Eintritt in diesen Stuhl wieder verweigert, durch Zurückschiebung ihrer Person solche ordentl. eingewiesen. - - Da keine Magd das Recht habe, sich in die Stühle ihrer Weiber zu stellen, besonders auch die Frau Kantorin diesen vorderen Stuhl, nicht einmal mehr besuche folglich dieser Weibs-Person, besonders bey ihrem Ruf, dieser Stand nicht gebühren könne, so überlasse sie einem E. Rath, weitere Verfügung, hoffe aber, danno künftig verschont zu bleiben. - - Man hat nun Herrn Cantor Zang, sogleich vorkommen lassen, und da seine Einwendungen keine Erheblichkeit gewesen sind, So hat man demselben von Rathswegen diese große Übereilung sehr verhoben und vermög des bereits unterm 28. Juny 1764 gefaßten und ihm vorgelesenen Rathschlusses befohlen, seiner Magd, den für dergleichen Personen bestimten Kirchen-Stand hinter denen Weibern anzuweisen, mit der Bedeutung daß, wenn sie sich wieder beygehen lassen würde vorn hin zu stehen, sie durch den Kirchenaufseher hinausgewiesen werden würde

   actum ut supra
   T. Joh. Fridr. Traber

Anmerkung:

Diese Sache ist aber noch nicht erledigt. Vier Wochen später erscheint Pfr. Kirchner vor dem Rat und beschwert sich über die Zang'sche Magd, die den Pfarrer „nachts um ½ 9 Uhr“ durch Schnalzen und Pfeifen und anderen Unfug geärgert hätte. Das damalige Pfarrhaus steht unterhalb der Kirche und der Kantoratswohnung. „Mittels zum Fenster hinausgehaltenen Lichtes“ wird die Urheberin erkannt, weil sie „mit ausgezogenen Schuhen in die Kantorey geschlichen und die Thür zugemacht“ habe. „Sie [= der Pfarrer und seine Frau] hätten dann das große Hohngelächter gehört, welches Herr Kantor Zang, seine Frau und Magd oben in der Stube aufgeschlagen haben“. In dem ausführlichen Protokoll wird dann die nicht ganz feine „Unterhaltung“ zwischen dem Pfarrer und der Magd geschildert und in der Ratssitzung das Vorleben der Magd eingehend untersucht. Da dies aber nicht den Kantor Zang betrifft, soll es bei diesen Auszügen aus dem Protokoll belassen werden.

  • 1. = 22. Sept. 1792
  • 2. = ehebrecherisch

(11) „Zum Ärgernis gereichende Zwistigkeiten“ (1794)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/17, S. 1 (Ratsprotokolle)

Nicht nur zwischen Pfarrer und Kantor, auch zwischen dem Pfarrer und anderen Gemeindegliedern kam es immer wieder zu Ärgernissen:

Actum Mainstockheim, den 3. July 1794
Kiliani Rath

1) … bis 3) …

4) Auf die von dem hiesigen Pfarrer Kirchner, gegen den Gemeinschafftl. Schuzverwandten und Schneidermeister Johann Georg Heckel, dahier bey Rath angebrachte Klage über die in dessen Pfarr-Wohnung, Ihme angethane gröbl. Injurien,1 wurde lezterer zur öffentl. Abbitte Leistung vor versammelten Rath und zur dreystündigen Incarcerirung2 inn Bürgerthurm, condemnirt,3 welche Strafe dann auch sogleich vollzogen worden ist.

5) Des hiesige Closter Ebrachl. Unterthanen und Schreiner Meister Johann Hofmann dermaliger Geselle, namens Rübel von Widdern gebürtig wurde auf gleichmäßige Iniurien-Klage des Herrn Pfarrer Kirchners dahin angehalten, Herrn Pfarrer sowohl als den von gedachten Herrn Kläger aufgeführten Zeugen Johann Heinrich Schmidt, wegen ebenfalls zugefügter Beleidigung, Abbitte zu leisten und sodann für Strafe 45 xr fränk. incl. RathsGebühren zu bezahlen, welcher Sentenz4 auch vollzogen worden ist.

6) Da sich seit einiger Zeit, zwischen Herrn Pfarrer Kirchner, und Herrn Kantor Zang dahier, eine - in verschiedenen ihnen obliegenden Amts-Verrichtungen sich äusernde - unangenehme - und der ganzen Gemeinde zum Ärgernis gereichende Zwistigkeiten, entstanden; So hat man einen zu Beseitigung dieser Verdrießlichkeiten beede vor Rath beruffen, und ihnen die dringenste Ermahnung zum Frieden, zur Wiedervereinigung und zur ordentlichen herkömlichen Ausübung ihrer Amts-Pflichten dahin gegeben, daß jeder also sowohl der Herr Pfarrer und Herr Kantor, sein Amt nach ihren Pflichten und denen älteren Vorschifften und bisherigen Observanz5 ordentlich verwalthen und ihr unter beeder-seitiger Mitwürkung zu verrichtene Amts-actus, mit der erforderlichen Harmonie, versehen; folglich alle ärgerliche und anstösige - auf Nuzen ihres Amtes selbsten, den schädlichsten Einfluß nach sich ziehende Gehäsig- und Feindseeligkeiten vermeiden; folglich keiner den andern in seinen Amtsverrichtungen eine boßhaffte und vorsezliche Hindernis in den Weeg leegen solle; Auserdem man vermüsiget sehen würde, eine fernere unangenehme Veranlaßung, genauer zu prüfen und zu ahnden.
Nach gethaner wechselseitigem Versprechen, wurden beede entlaßen, und damit beschloßen.

actum ut supra
In fidem6
T. Johann Fried. Traber

Anmerkung:

Die ersten drei Punkte dieses Protokolls, die dörfliche Angelegenheiten beinhalten, werden ganz kurz abgehandelt (8 Zeilen), die abgedruckten Punkte 4 - 6 sehr ausführlich dargelegt. Anscheinend hat dem Pfarrer Kirchner etwas die Eigenschaft des friedlichen miteinander Auskommens gefehlt, so dass es mit seinen Gemeindegliedern immer wieder einmal zu ärgerlichen Streitigkeiten gekommen ist. Dass er mit dem sehr selbstbewussten Kantor Zang zusammengestoßen ist, verwundert deshalb nicht. Alle Streitigkeiten enden mit dem Tod des Pfarrers Kirchner am 14. Jan. 1795.

  • 1. = Beleidigungen
  • 2. = Verhaftung, Einsperrung
  • 3. = verurteilt
  • 4. = Urteil
  • 5. = Gewohnheit, Herkommen
  • 6. = zur Beglaubigung

(12) „…wegen der dermaligen harten und theueren Zeit…“ (1796)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/17, S. 11 (Ratsprotokolle)

Außer einem unwichtigen Eintrag wird Zang in den Ratsprotokollen nur noch einmal erwähnt:

Actum Mainstockheim den 3. Novembr. 1796
Martini-Rath

1) …

2) …

3) Da man auf die ordentliche Haltung derer weiteren Rechen- und Schreibschulen den Antrag gemacht, und deswegen den dermaligen Herrn Kantor Zang auf das Rathauß komen laßen, So hat derselbe die Vorstellung gemacht, daß Er dazu ganz willig und bereit seye, jedoch aber hoffe daß Ihme statt der bisherigen gewöhnlichen 30 xr fränk. wegen der der dermaligen harten und theueren Zeit, 45 xr fränk. verwilligt würden. Man hat Ihme solches Gesuch bey dessen offenbarer Billigkeit auch verwilliget, jedoch mit der Einschränkung, daß bey mit Gottverhoffenden besseren und wohlfeileren Zeiten, diese Gebühr wieder auf die vorigen 30 xr fr. werde zurückgesetzt werden.

4) … bis 10) …

actum ut supra
T. Johann Friedrich Traber

Anmerkung:

Um diese Zeit war Zang gerade mit der Gestaltung seiner Musivbilder (Collagen) beschäftigt. Das Buch: „Die Kunst, mosaische oder Musiv-Bilder aus den drei Reichen der Natur zu verfertigen“, das noch nicht wieder aufgefunden wurde, erschien in diesen Jahren. Ein Bericht über die Musivbilder findet sich in der Festschrift von 1983 auf S. 23. Außerdem hatten bestimmt auch schon die Vorarbeiten für das 1804 erschienene Werk: „Der vollkommene Orgelmacher oder die Lehre von der Orgel“ begonnen. Der jetzt 63-jährige Zang war also ausreichend beschäftigt. Vielleicht wollte er auch dadurch, dass er seine „Rechen- und Schreibschule“ nicht mehr so ordentlich gehalten hat, den Rat zu einer Erhöhung des Schulgeldes bewegen, was ihm ja auch gelingt.

(13) „…seine Stelle unter der Bedingung niederzulegen…“ (1800)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/17, S. 189 (Ratsprotokolle)

Actum Mainstockheim, den 1. Sept. 1800
Extra-Rath
Nachdeme der bisherig, altverlebte 48. Jahr lang die hiesige Schul- und Kantorats-Stelle begleitete Herrn Kantor Johann Heinrich Zang, mittels einer anheute selbst übergebenen Schrifft, Einem Ehrsamen Rath, seinen Entschluß bekannt gemacht, seine Stelle unter der Bedingung niederzulegen, soferne seine Bitte stattfunden würde, den bisherigen Herrn Kantor Schneider zu Albertshofen, an seiner Stelle aufzunehmen, mit dem weiteren Beyfügen, daß, soferne diese Bitte verworfen werden sollte, Ihme verstattet werden mögte, zu seiner Unterstützung in fernerer Beobachtung seiner beyzubehaltenen Stelle, sich einen Locaten,1 anzunehmen, wenn er es für nötig finden würde; So hat man darüber Deliberation gepflogen und beschloßen, daß, weil man von dem größten Theil der Bürgerschafft eine große Abneigung gegen Herrn Kantor Schneider in Albertshofen verspühren müßen, man diesen gemachten Vorschlag in Ansehung dieses Punktes, nicht annehmen könne, um Herrn Kantor Schneider nicht selbsten in seinem Amte, bei dessen würklicher Reception,2 unangenehme Lage zuzubereiten. - Man hat also aller Votation3 aus deren Ursache, und um dem Wahlrecht, bey dieser Art von Dienst Niederlegung und Wiederbesetzung der hiesigen KantoratsStelle, gänzlich unterlassen, umso mehr, als Herr Kantor Schneider zu Albertshofen selbsten mittels schriftl. Erlasses, seine Erklärung dem Rath gegeben, daß er gar nicht gesonnen seye, sich dem hiesigen Ort aufzudringen. -
Was aber den anderen Punkt in Ansehung eines anzunehmenden Locats betreffe, so seye Ihme Herrn Kantor Zang ganz und gar nicht unbenommen, sich einen solchen Gehilfen aufzunehmen, sondern es seye die Ausführung dieses Vorhabens, um so erwünschter als man daraus die Hofnung schöpfen könne, daß besonders die SchulGeschäfft, nach dem allgemeinen Wunsch der ganzen Bürgerschafft in Zukunft und zum Besten der SchulJugend besorgt werden mögen.
Man hat dann beschlossen, dem Herrn Kantor Zang, hievon Extractum Protocolli Resolutionis gratia4 mitzuteilen, und damit geendigt.

ut supra
T. Johann Friedr. Traber

Anmerkung:

Es ist interessant, dass Zang sich seinen Nachfolger selbst aussuchen möchte. Oder hat er diese Bedingung, die, wie er wohl vorausgesehen hat, vom Rat nicht gebilligt werden konnte, nur gestellt, um die Genehmigung für einen Schulgehilfen nachdrücklich zu unterstreichen, um nicht zu sagen, zu erzwingen? Möglich wäre es. Der Kantor Schneider aus Albertshofen, dem Ort auf der anderen Seite des Mains, hat aber vorsichtigerweise eine Erklärung abgegeben, er wolle sich nicht aufdrängen. Zang bleibt also noch weiter im Amt. Ob der Schulgehilfe angestellt wurde, ist nicht bekannt. Aber schon etwas mehr als ein Vierteljahr später legt Zang endgültig sein Amt nieder:

  • 1. = Gehilfen
  • 2. = Aufnahme
  • 3. = Stimmabgabe
  • 4. = einen Protokollauszug gemäß des Beschlusses

(14) „…bei seinem erreichten hohen Alter und zunehmender kränklichten Umständen…“ (1800)

Gemeinde-Archiv Mainstockheim, Bd. BII/17 S. 198ff

Actum Mainstockheim den 18. Dezbr. 1800
Rath.

1.) …

2.) Macht der nun 48. Jahr den hiesigen SchulDienst begleitete Herr Kantor Johann Heinrich Zang, mittels übergebener Schrifft denen Herrn Schultheißen und Bmstern und E. E. Rath bekannt, daß er bei seinem erreichten hohen Alter und zunehmender kränklichten Umständen, entschloßen seye, seine Stelle jedoch unter der Bitte und condition niederzulegen, wenn Ihme noch erlaubt sein solle bis Ostern sein Amt beyzubehalten.
So sehr man wünschen mögte, den Herrn Kantor Zang als einen sehr brauchbaren Mann, länger beybehalten zu können; So wird dessen Dimissions-Gesuch hiermit angenommen und zugleich zugesichert, bis zur verlangten Zeit Ihme gar gerne den gesuchten Nachsiz zu verstatten, welches demselben per Extractum protocolli, notificirt werden solle

actum ut supra
T. Traber

Anmerkung:

Der jetzt 67 ¾ Jahre alte Kantor Zang kann also bis Ostern 1801 sein Amt behalten. Er wird als „ein sehr brauchbarer Mann“ bezeichnet und seine Wünsche werden alle erfüllt.

Er ist jetzt allein. Er widmet sich seinen bisher schon begonnenen Arbeiten. Im Januar 1804 schreibt er das Vorwort der 2. Auflage seiner Büttner- und Küferlehre (1. Aufl. 1790). Im selben Jahr erscheint auch sein Buch „Der vollkommene Orgelmacher“. Sein Sohn Dr. Paulus Zang ist Arzt in Obereisenheim. Im Januar 1800 heiratet er eine Repperndorfer Weinhändlerstochter, 1801 wird die erste Enkelin geboren. 1806 wird Zang der Pate seines Enkels Carl Heinrich. Von 1807 kennen wir noch ein Musivbild Zangs, „Der Monat Dezember“, das im Mainfränkischen Museum in Würzburg hängt (vgl. Festschrift 1983, S. 23 und 24), die letzte uns bekannte Nachricht über Zang.
Eine Todesnachricht wird uns nur in dem Künstlerlexikon Meusel, „Das gelehrte Teutschland“, Lemgo 1827, angegeben: 18. Aug. 1811, im Juliusspital in Würzburg.

MITTEILUNGEN Folge 3 (1988)

Schlagworte: 

Einträge über Johann Heinrich Zang aus Kirchenbüchern, besonders von Mainstockheim

zusammengestellt und mit Anmerkungen versehen von Ludwig Ruf

A. Einträge die uns über Zangs Familie Aufschluß geben

Vorbemerkungen:

Pfr. Hecht gibt in seinen Matrikeleinträgen oft nicht nur das Datum sondern auch die Tages- bzw. Sonntagsbezeichnung an, z. B. beim Eintrag A 10: „d. 10. Oct. die Burcardi“, d. h. am 10. Okt., dem Tag Burkard, oder im Eintrag A 11: „freitags vor Dom. XXI p. Trin“ d. h. freitags vor dem 21. Sonntag nach Trinitatis. Diese Bezeichnungen wurden in den Texten nicht näher erklärt.
Bei den Geldmünzen bedeutet Rthl., rthl. oder Thl. immer Reichstaler, Bz heißt Batzen, Xr Kreuzer, fl ist die Abkürzung für Florenus = Gulden.

Die Kirchenbücher von Mainstockheim geben zwar ein lückenhaftes, aber doch anschauliches Bild über die Familie des Kantors Zang.

  • Nach seiner Hochzeit mit Anna Margaretha Balbierer am 18. 4. 1752 in Fröhstockheim wird er am 7. November 1752 als Kantor in Mainstockheim angestellt (vgl. Mitteilungen 1987).
  • Am 31. März 1753 wird das erste Kind, Marg. Barabara geboren, das aber nur ein Alter von 3 ½ Monaten erreicht.
  • Das 2. Kind Joh. Conrad wird am 24. Febr. 1755 geboren. Dieser Sohn stirbt als 18-jähriger junger Mann an „Lungensucht“ 1773.
  • Das 3. Kind Joh. Georg kommt am 17. Dez. 1759 zur Welt, erreicht aber nur ein Lebensalter von 3 ¾ Jahren (gest. 11. Sept. 1763 an der roten Ruhr).
  • Als 4. Kind wird am 7. Dez. 1761 Franz Conrad Ludwig geboren. Auch dieser Sohn stirbt nach nicht einmal 4 Monaten.
  • Ein Jahr nach dem Tod ihres 18-jährigen Sohnes stirbt Zangs 1. Frau einen Tag vor Zangs 41. Geburtstag nach nur 22-jähriger Ehe am 14. April 1774.
  • Sieben Monate später heiratet Zang zum zweitenmal am 22. Nov. 1774 die 21-jährige Prichsenstädter Bäckerstochter Margaretha Barbara Crämer.
  • Aus dieser Ehe gehen 2 Kinder hervor: Johann Paul, geb. am 11. Okt. 1775, das einzige Kind, das Zang überlebt. Dieser Sohn studiert später Medizin und wird Arzt in Obereisenheim, einem Ort am Main zwischen Kitzingen und Schweinfurt.
  • Das zweite Kind, Joh. Bernhard wird am 21. Okt. 1779 von seiner an der Ruhr erkrankten Mutter entbunden. Die Mutter stirbt 10 Tage später am 31. Okt. 1779 nach nur 5-jähriger Ehe und das Kind am 27. Dez. dieses Jahres, nur 9 Wochen alt.
  • Einundeinviertel Jahre später verehelicht sich Zang zum 3. Mal am 3. Jan. 1781: 47-jährig heiratet er die 23 Jahre alte Mainstockheimerin Maria Magdalena Rasp. Nachdem am 28. Dez. 1780 die Einkindschaftsabrede mit den Prichsenstädter Verwandten der 2. Frau Zangs, die die Versorgung seines Sohnes Paul sicherstellen sollte, abgeschlossen war (vgl. Mitteilungen 1987), wird die Ehe eine Woche später geschlossen. Siehe dazu die Anmerkung unter dem Heiratseintrag.
  • Aus dieser Ehe kommt nur ein Kind: Arnoldina Sybilla, geb. am 23. 11. 1781, das aber nach 18 Tagen am 11. Dez. schon stirbt.
  • Als am 8. Aug. 1800 auch seine 3. Frau, mit der er nicht ganz 19 Jahre verheiratet war, mit 42 Jahren verstirbt, ist Zang 67 Jahre alt.
  • Drei Wochen später stellt er den 1. Antrag, seine Stelle niederzulegen (Mitteilungen 1987). Er sucht noch um Erlaubnis nach, dass er bis Ostern 1801 sein Amt beibehalten könne (Mitteilungen 1987).
  • Der Sterbeeintrag seiner Frau in den Kirchenbüchern und das Dimmissionsgesuch v. 18. Dez. 1800 sind die letzten in Mainstockheim auffindbaren offiziellen Einträge mit dem Namen Zang. Weitere Erwähnungen Zangs und Todesnachricht siehe bei den Mitteilungen 1987 unten.

 

Einträge aus den Kirchenbüchern von Fröhstockheim und Walsdorf

(1) Hochzeitseinträge Johann Heinrich Zangs (18. 4. 1752)

Kirchenbuch Fröhstockheim (LK Kitzingen), heute zur Pfarrei Rödelsee gehörig:

J. Heinr. Zang, Kantor zu Walsdorf mit Jungfer A. M. Balbiererin, Cl1 Verwalter Balb. dahier nachgelassene Tochter, copuliert anno 1752

Kirchenbuch Walsdorf bei Bamberg (639/40)

1752:
Den 18. April sind zu Fröhestockheim copuliert, allhier aber zu Walßdorf ordentl. proclamieret worden der Edle und Kunstgelehrte Herr Johann Heinrich Zang, allhiesiger wolverordneter Cantor und Organist. Deß Hochedlen, Vorsichtig und Mannhaften Herrn Johann Georg Zang, Lieutenant unter einem hochfürstlich Gothaischen Infanterie-Regiment, und deßen Eheweibes Christiana Elisabetha, ehelicher Sohn:
Und Jungfer Margaretha Barbiererin, des weiland Hochedlen gestreng- und Rechtswolgelehrten Herrn Johann Ludwig Barbierers gewesenen Hochfreyherrl. Crailsheimischen treuverdienten Verwalters zu Fröhestockheim u. Rödelsee, u. deßen hinterlaßenen Frauen Wittwe, Ursula, eheliche jüngste Tochter.

Anmerkung:

Warum in Fröhstockheim, dem Ort der Eheschließung, nur eine so mangelhafte Eintragung ohne Tages- und Monatsangabe erfolgte, ist wahrscheinlich nicht zu ergründen. Dagegen erfreut der sehr ausführliche und überschwängliche Bericht aus dem damaligen Dienstort Zangs umso mehr.
Der junge, eben 19 Jahre alte Zang hat in Walsdorf sicher durch seine Kunstfertigkeit einen nachhaltigen Eindruck auf den Pfarrer gemacht. Walsdorf war wie Fröhstockheim Crailsheimischer Besitz und wir dürfen annehmen, dass die 20-jährige Anna Margaretha Balbierer dort in irgend einem Dienst stand und Zang kennenlernte, sicher in Zusammenhang mit seiner musikalischen Tätigkeit, vielleicht als Chor-Sängerin?
Die falsche Schreibweise Barbierer statt Balbierer ist sicher ein Hörfehler beim dortigen Pfarrer. In allen anderen Nachrichten wird immer der Geburtsnahme Balbierer angegeben.
Die Verbindung zu Fröhstockheim, wo die Mutter der jungen Frau als Witwe lebte, war sicher auch der Grund, dass die freigewordene Kantorenstelle in Mainstockheim dort bekannt wurde und Zang sich hier im selben Jahr noch bewerben konnte (vgl. MITTEILUNGEN 1987).

  • 1. = Crailsheimischer

Einträge in den Kirchenbüchern von Mainstockheim

Die Kirchenbucheinträge in Mainstockheim wurden mit einer Ausnahme von den jeweiligen Pfarrern getätigt:

 

1749 - 1757: Pfr. M. Joh. Sebastian Wittmann
1757 (1.8.) - 1768: Pfr. M. Jacob Ludwig Rudolph
1768 (23.7.) - Anf. Jan. 1785: Pfr. Joh. Georg Andreas Hecht
Anf. Jan. - Mitte März 1785: Kantor Zang
Mitte März 1785 - 1795 (14.1.): Pfr. Joh. Georg Kirchner
ab 1795 - 1833: Pfr. Christian Friedrich Lampert

 

Charakterisierungen Zangs von den verschiedenen Pfarrern:

 

Wittmann 1755: „wolverordneter Cantor“
Rudolph 1759: „treuverdienter Cantor“
  1762: „ehren-werten und wohlachtbaren Herrn Johann Heinrich Zang, wohlver- dienten Cantor und Schul-Diener“
  1762/63: „wohlverdienter und treuer Schul-Diener und Cantor“
Hecht 1773: „hiesiger braver Herr Cantor“
  1774: „geschickter, treufleißiger Cantor“
  1779: „wohlverdienter Cantor“
„bestverordeter, geschickt- und treufleißiger Cantor“
  1781: „lang- und wohlverdienten Cantor“
Lampert 1800: „vieljährigen Herr Kantor“

 

1753 - 1759

(2) 1. Kind Margaretha Barbara * 21. 3. † 5. 7. 1753

Kindtaufen 1753

13.
Marg: Barbara Zangin, ein Töchterl. ward Hn. Heinrich Zang, dermaligen Cantor dahier und seiner ehel. Haus Frau Marg. gebohren d. 21. Mart. et die seq1 getaufft. Tauff-Pathin war Margaretha Barbara Hn. Johann Friedrich Sattes, Pechtolsheimischen Schultheißen ledige Tochter

Verstorbene 1753

22.
Marg: Barbara Zangin, ein Töchterl. Hn. Joh: Hein: Zangens Cantoris dahier starb d. 5. Jul. und wurde d. 6. darauf begraben aet. 3 M. 2 Wch.

(3) 2. Kind: Johann Conrad * 24. 2. 1755

Kindtaufen 1755

4.
Johann Conrad Zang ein Söhnl. ward Hn Heinrich Zang wohlverordneten Cantori dahier und sr.2 ehl. Haus Frau Margaretha gebohren d. 24. Febr. und die seq: getaufft. Tauff-Path war Hr. Johann Conrad Schneider wohlverordeter anspach. Schultheiß dahier
† Ao 1773

(4) 3. Kind: Johann Georg * 17. 12. 1759

Taufen Anno 1759

Mensis et Dies:3
natus. Montags d. 17. ten Decembris, Mittags zwischen 11. und 12. Uhr
renatus.4 Dienstags d. 18. ten Decembr.
ob parentis, febri quarta na laborantis, morbum in aedibus privat.5
Infantes:6 Johann Georg (†)
Parentes:7 Herr Johann Heinrich Zang, treuverdienter Cantor und Schul-Diener allhier, Conjux:8 Frau Anna Margaretha, eine gebohrne Balbiererin, nemlich des weyl. S. T. Herrn Amts- und Gerichts-Verwalters zu Fröhestockheim hinterlaßene jüngste Tochter.
Patrini:9 S. T. Herr Johann Georg Balbierer, Hochfreyherrl. Creilsheiml. wohlverordneter Amtmann zu Fröhstockheim und Rödelsee, als der Frau Kindbetterin leibl. jüngster Herr Bruder

  • 1. = und am folgenden Tag
  • 2. = seiner
  • 3. = Monat und Tag
  • 4. = wiedergeboren, d.h. getauft
  • 5. = wegen der Krankheit der Mutter (des Vaters), die (der) an Wechselfieber (eigentlich an viertägig wiederkehrendem Fieber) litt, im Hause privat)
  • 6. = Spalte Kinder
  • 7. = Eltern
  • 8. = Ehefrau
  • 9. = Spalte Paten

1762 - 1763

(5) 4. Kind: Franz Conrad Ludwig * 7. 12. 1761, † 28. 3. 1762

Taufen Anno 1761

Mensis et Dies:
Natus Montags, d. 7. ten Decembris, Nachmittags zwischen 4 u. 5 Uhr.
renatus: Mittwochens, d. 9. ten Dezembris
Infantes: Frantz Conrad Ludwig Zang (†)
Parentes: Herr Johann Heinrich Zang wohlverdienter und treuer Schul-Diener und Cantor dahier
Coniux: Frau Anna Margaretha, eine gebohrene Balbiererin, nemlich weyl. S.T Herrn Amts- und Gerichts-Verwalters Balbierer in Fröhstockheim, hinterlaßene jüngste Tochter
Patriani: Herr Frantz Conrad Ludwig Sattes, Teutschherrischer Unterthan, Bürger und Büttner allhier

Defuncti Anno 1762 (28.3.62)

Frantz Conrad Ludwig Zang, des Ehren-vesten und wohlachtbaren Herrn Johann Heinrich Zangs, wohlverdienten Cantoris und Schul-Dieners allhier, ehelich erzeugtes Söhnlein, ist an einem starken Husten und Steckung deßelben, Sonntags Judica, d. 28  ten Martii, nachmittags zwischen 1. u. 2. Uhr, sanfft verschieden, und Dienstags, den 30. Martii christlich beerdigt worden, aetatis 3. Monath und 21 Tage
Text: 1. Joh. 3 V 1. Sehet, welch eine Liebe hat uns pp1 sollen heißen.

(6) 3. Kind: Johann Georg † 11. 9. 1763

Defuncti Anno 1763

Johann Georg Zang, Herrn Johann Heinrich Zang, wohlverdienten Cantoris und Schul-Dieners allhier, ehelich erzeugtes zweites-, oder jüngstes Söhnlein, ist an der rothen Ruhr, und endlich dazu gekommenen Gefraish Domin. XV. p. Trinitat. d. 11. ten Septembris, Mittags nach 12 Uhr seelig eingeschlafen, und Mittwochens, d. 14. eiusdem christlich beerdigt worden. aetatis 3. Jahre, 8. Monate und 24. Tage
Text:
Rom: 8. V. 28. Wir wissen, daß denen die Gott -p.p.- dienen

Anmerkung:

Von den 38 Beerdigten des Jahres 1763 sind 15 an der roten Ruhr verstorben. Diese in der Zeit vom 29. 8. bis 30. 9.! Am 29. 10. starb noch ein Mann nach überstandener Ruhr. Unter den an dieser Krankheit Verstorbenen sind alle Altersstufen vertreten, vom Kind mit 5 Monaten bis zum Mann mit 75 Jahren.

  • 1. = praemissis praemittendis = unter Weglassung des Wegzulassenden

1773 - 1774

(7) Sterbeeintrag des 2. Kindes, des 18-jährigen Johann Conrad † 1. 4. 1773

1773. Hier in Maynstockheim Gestorbene Begrabene (1. 4. 73)

Joh. Conrad Zang
ein Jüngling von 18. Jahren 1. Mon. 7 Tagen, der ein einziger Sohn und Kind seiner Eltern war, Herrn Johann Heinrich Zang, nun in die 21. Jahre dahier sizenden Schulbedienten, u. Frau Anna Margaretha, geb. Balbiererin von Fröhstockheim. Er war hier gebohren 1755. Ging bey mir zu Buchbronn, wo er auch das lateinische lernte, Ao 1764 das erstemal zum h. Nachtmal. Lernte die Zeichen- u. Kupferstecherkunst bey einem geschickten Graveur von Nürnberg, der sich in Kizingen aufhielt, u. brachte es darinnen zieml. weit. Seine Krankheit fieng sich seit 5/4 Jahren mit einer Lungensucht an, dabey sich eine gänzliche Auszehrung an… [?]. In der Mitte des Jan. muste er sich ganz zu Bett legen, comunicirt auf solchem d. 6. Martii, u. seüfzte um baldige seelige Auflösung, welche nach verschiedenen harten Stürmen, von der Art eines Gefraisches, nach meiner schon am Mitwoch früh um 1. Uhr geschehenen Einsegnung, endl. am Donnerstag abends um 6. Uhr d. 1. April sanfft kam; worauf sein dürr ausgesogener Leichnam Dom. Palmarum d. 4. April bei zahlreicher Versammlung von hier und der Nachbarschafft, mit einer Leichpredigt beerdigt wurde.

    Nun seelger Johann Conrad Zang
    Glück zu der Seeligkeit Empfang
    Zu welcher sich dein Glaube schwang
    Du schmachtetest nach solcher lang
    Wie war dem matten Herzen bang
    Da angst und sterben auf dich drang
    Das sich um deine Schläfe schlang
    Und dich von uns zu scheiden zwang!
    Nein, willig war dein Todes-Gang
    Wenn manche ungern bei dem Gang
    Zum Leben, mit dem Tode rang.
    Gottlob! des Leibes Fessel sprang,
    Zerrißen ist dein Leidens-Strang.
    Nun hörest du des Himmels Klang,
    der Palmenträger Lobgesang.
    Prang auch mit Palmen, siegreich prang.
    Wohl dir, du seelger Conrad Zang!

    Wohl dir, du Kind der Treue!
    Du hast und trägst davon &

Den Charfreytag habe ich, sprachst du auf dem Krankenbette
Deinen Ruhtag hast du nun dort in der Grabes-Stätte
Endlich kommt der Tag der Ostern, da der Donner Gottes kracht.
Schlaf wohl, entseelter Leichnahm! Ruhe Conrad! Gute Nacht!.

(8) Sterbeeintrag der 1. Frau Zangs Anna Margaretha † 14. 4. 1774

Ao 1774 Todten-Register

Frau Cantorin Anna
Margaretha Zangin

1732. d. 12. Febr. zu Rödelsee geborene Creylsheimische Verwalters Tochter Balbiererin, ehe- öffentl. copulirt 1752 d. 18. April cum praesente viduo1 Hn. Johann Heinrich Zang, hiesigem unserm geschickten treu-fleißigen Cantore, dortmals Cantor zu Walsdorf bey Bamberg, noch ledigen Standes, u. weyl. Hn. Joh. Georg Zang, gewesener Kayserl. Ober-Lieutenants unter dem löbl. Heysterischen Infanterie-Regiment, einzigem Sohn, mit welchem sie 22. Jahr in guter Ehe lebte, auch darinnen mit ihm 3. Söhne 1 Töchterl. erzielte, die aber all wieder in dem HEn2 seel. verstorben.
Ihr Leben war tugendhafft, denn sie war eine gute Christin; und ihr Ende war seelig, weil sie Gott fürchtete. So sagte Herr Cantor selbst im Lebenslauf.
Dieses letztere, ihr seel. Ende erfolgte, nachdem sie seit Advent 73. an der Hecktic darnieder lag, nach meinem öffteren Besuch u. wiederholter Einsegnung, auch 2. maligen Empfang des h. Nachtmals, endl. Donnerstags d. 14. April früh um 1. Uhr, und ihr dürr ausgesogener Leichnam wurde Samstags vor Miser. Domini d. 16. April die Aaronis nah an der Seite ihres Ao 73 d. 4. April begrabenen 18. jährigen Sohnes Joh. Conrad, unter einer von mir gehaltenen kurzen Grabrede super Num. XVI. 48. et XVII. 2. 3. 43 dann Leichpredigt super Textum a beata electum4 Christus ist mein Leben p. gelegt. Wobey sie ihr Leben auf 42 J. 2 Mon. 2 Tage bracht hatte.
Molliter osa cubent!5

(9) Hochzeitseintrag, 2. Ehe mit Anna Margaretha Barbara Crämer

1774 Procl. et Copulati (22. 11. 1774)

Herr Joh. Heinrich Zang, bestverordneter geschickt- und treufleißiger Cantor und Schuldiener dahier, viduus seit m. April l. Anni, ist cum virgine6 Anna Margaretha Barbara Crämerin, HEn. Joh. Caspar Crämers, Hochfl. Brandenb. Onolzbachischen Unterthans, Mitbürgers u. Viertelmeisters, auch Meisters E. E. Becker Handwerks in dem Anspachischen Amtsstädtlein Prichsenstadt, ehel. erzeugte einzige Tochter, Dom. XXV p. Trin. an unserem jährl. Dankfeste von mir proclamirt - darauf dienstags d. 22. Nov. zu gedachtem Prichsenstadt von dasigem HEn. Stadtpfarrer M. Benedickt Ferdinand Ebenauer, rev. Capit. Uffenh. Camerario, nach gehaltenem Kirchgang u. Hochzeitspredigt, copuliert worden. Wobey ich mit mehreren Mstockheimern, ein invitirter7 Hochzeitsgast gewesen bin, und mein gutes Quartier, in der großen Kälte bei dem rechtschaffenen renerable8 HEn. Stadtpfarrer, von Ihme selbst mir gütigst angetragenen, gehabt habe

Anmerkung:

Wir dürfen mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Zang seine 2. Frau schon vorher gekannt hat. Sicher hat sie bei seinen musikalischen Aufführungen auf irgend eine Weise mitgewirkt, weil der Mainstockheimer Kantor bestimmt auch auswärtige „Musikanten” zu seinen Kantaten gebraucht hat.

  • 1. = mit dem derzeitigen Witwer
  • 2. = Herrn
  • 3. = 4. Mose 16, V. 48 und Kap. 17, V. 2. 3. 4, nach der jetzigen Verszählung 4. Mose 17, V 13 und 17 - 19
  • 4. = über einen von der Seligen ausgewählten Text
  • 5. = sanft mögen die Gebeine ruhen
  • 6. = Witwer seit Mitte April dieses Jahres ist mit der Jungfer
  • 7. = eingeladener
  • 8. = ehrwürdigen

1775 - 1779

(10) 5. Kind: Johann Paul * 11. 10. 1775

1775 Kind-Taufen

32.
Joh. Paul Zang
Ein Erstling aus der 2ten Ehe hisigen HEn. Cantoris und Schuldieners, Johann Heinrich Zang in welcher er seit Ao praec. m. Nov1 mit Frau Anna Barbara, aus Prichsenstadt gebürtiger Crämerin, lebt. Es kam das Kind durch die leibl. Geburt glückl. zur Welt d. 11. Oct. die Burcardi Nachts nach 12 Uhr; darauf Donnerstag d. 12. Okt. zum Bad der neuen Geburt. Die Mittelsperson bey solcher heil. Taufbundes-Handlung war der Kindbetterin rechter ältester Bruder HE Joh. Paul Crämer, beliebter Bürger, Becker und Bierbräuer, auch Schild u. Gastwirth zu bemerkten [?] Prichsenstadt

(11) 6. Kind: Johann Bernhard * 21. 10. 1779

1779 Kind-Taufen

26.
Joh. Bernhard Zang
hiesigen wohlverdienten Cantoris und Schuldieners, Tit. HEn. Joh. Heinrich Zang, et uxoris2 Anna Margaretha Barbara, geb. Crämerin von Prichsenstadt, 2. tes Kind und Söhnl. ist d. 21. Oct. die Ursula früh ½ 10 Uhr von seiner kranken Mutter glücklich und geschwind gebohren, und d. 22. freitags vor Dom. XXI. p. Trin. media in vindemia3, von mir in öffentl. Kirche getaufft worden; dabei die Stelle des der Ruhr-Krankheit halber abwesenden rechten Gevatters, HEn. Joh. Bernhard Crämer, E. E. Gerichts und Becker-Meisters zu Abtswind, der Kindbetterin leibl. 2. Bruders, mit Red und Antwort vertrat HE Joh. Carl Wüst, Viertels- u. Schneider-Meister dahier

(12) Sterbeeintrag der 2. Frau Anna Margaretha Barbara † 31. 10. 1779

1779 Leichen

24.
Frau Cantorin Anna Margaretha Barbara geb. Crämerin von Prichsenstadt, daselbst Ao 1774 d. 22. Nov. copulirt cum nunc vir viduo4, HEn. Joh. Heinrich Zang, bestverordneten, geschickt und treufleißigem Cantore u. Schuldiener allhier, dem sie 2. lebende Söhnl. gebohren, leztes nur 10 Tage vor ihrem seel. Tod.5 Das leztemal communicirte sie öffentl. Dom. XIX. p. Trin. Ihre Krankheit fieng sich d. 10. Oct. mit der Ruhr an, u. endigte sich mit dem Ende Oct. Samstag auf Dom. XXII. p. Trin. d. 31. Oct. früh halb 5. Uhr, da sie unter meinem Gebeth und Einseegnung, wie ein Licht auslöschte. Das junge Weibe lebte nicht länger als 26. J. 9. Mon. 13 Tage. Sie war eine von den Stillen im Lande und hat mich nie betrübet. Mitwochs d. 3. Nov. wurde der entseelte Leichnam sehr Volkreich mit einer von mir abgelegten Leichpredigt über den vorgegebenen Text aus dem Schmolck6: Nun gute Nacht! es geht zu Ende p. und mit einer von T. HEn  Pfr. Jäger in Albertshofen gehaltenen Parentation, bethränt begraben. R. J. P.7

(13) Sterbeeintrag des 6. Kindes Johann Bernhard † 27. 12. 1779

1779 Leichen

27.
Joh. Bernhard Zang
hisigen HEn Cantoris Zang Söhnl. starb, aet. 9. Wochen und 3. Tage, Montags d. 27. Dec. u. wurde d. 29. Dez. die Jonathanis, Tags nach unschuldigen Kindlein, mit einer von mir gehaltenen Leichenpredigt, zu den Gebeinen seiner Fr. Mutter versammelt!
v. ante 24.8

  • 1. = seit dem vorhergegangenen Jahr im Monat November
  • 2. = und seiner Ehefrau
  • 3. = mitten in der Weinlese
  • 4. = mit dem jetzigen Witwer
  • 5. = Zang ist mit seiner 2. Frau nur 5 Jahre lang verheiratet. Ihr 1. Kind, der Sohn Joh. Paul (geb. 1775) ist das einzige Kind, das Zang überleben sollte. Wenn man bedenkt, wie viel Leid Zang in seiner Familie mit Krankheit und Tod erleben musste, ist es verständlich, dass dieser Sohn Paul später Medizin studierte und Arzt (in Obereisenheim) wurde. Bei der Entbindung vom 2. Kind Joh. Bernhard ist Zangs Frau an der Ruhr erkrankt. Sie stirbt 10 Tage nach der Geburt ihres Kindes und auch das Kind erreicht nur ein Alter von 9 Wochen und 3 Tagen.
  • 6. = Bei dem im Eintrag genannten „Schmolck” handelt es sich sicher um den Pfarrer Benjamin Schmolck (1672 - 1737); Geistlicher Liederdichter in Schlesien; weit über 1000 Lieder, z.B. „Was Gott tut das ist wohlgetan”.
  • 7. = lat. „Resquiescat in Pace” = „Ruhe in Frieden”
  • 8. = siehe vorher unter Nr. 24

1781 - 1800

(14) Hochzeitseintrag, 3. Ehe mit Maria Magdalena Rasp (3. 1. 1781)

1781 Procl. Copul.

Herr Joh. Heinrich Zang
Cantor dahier, viduus, ist cum virgine Maria Magdalena Raspin, des hiesigen Hochfürstl. Wirzb. Unterthans und Mitbürgers dahier, Joh. Michael Rasp älterer Tochter, auf d. 2. Jan. an mich gekommener Erlaubnis von Oberdorfsherrschaffts u. Conferenz wegen, von mir, ohne Proclamation, inter parietes privatos1, copuliert worden Mittwochs d. 3. Jan. Ich redete kurz super ♦ Sirach 37 V. 21 Wo man ♦ - folge2

(15) Geburts- und Sterbeeintrag des 7. Kindes Arnoldina Sybilla (* 23. 11. 1781, † 11. 12. 1781)

1781 Kind-Taufen

32.
Arnoldina Sybilla Zangin
Des hiesigen HEn. Cantoris Joh. Heinrich Zang, u. deßen heüer mit ihm copulirten 3ten Eheweibes, Maria Magdalena von hier geb. Raspin, Erstling, wurde glückl. gebohren Freitag die Clemens d. 23. Nov. früh gleich nach 5. Uhr, und Samstags d. 24. Nov. vor unserem Dankfest Dom. XXIV. p. Trin. auch vor gehaltener Beichtvesper von mir in öffentl. Kirche getaufft. Vice-Gevatterin war der Kindbetterin leibl. ledige Schwester, Elisabetha Dorothea Raspin, nomine absentis Tit. HEn. Johann Arnold Klusener, Hochfürstl. Bayreuth- u. anspachischer Comercien Raths, vornehmen Kaufmanns zu Rotenburg ob der Tauber; und dessen Frauen Eheliebste Johanna Sybilla, geb. Cantor Schmidt Tochter von Sommerhausen; mit denen HE Kindesvatter befreundet ist.

1781 Leichen (11. 12. 1781)

19.
Arnoldina Sybilla Zangin
hiesigen lang u. wohlverdienten HEn. Cantoris, Joh. Heinrich Zang, erstes Kind dritter Ehe, starb am Gefraisch Dienstags d. 11. Dec. abends um 5 Uhr, u. wurde Donnerstag d. 13. Dec. die Luciae mit einer Altar-Rede begraben, aet. 18 ½ Tage.

(16) Sterbeeintrag der 3. Frau Zangs † 8. 8. 1800

Leichen 1800

24.
Maria Magdalena Zang
des hiesigen vieliähigen HE Kantors Zang dritte Gattin starb unvermuthet u. plözl. am Gefraisch, wozu sich ein Schlag geselte, Freit. d. 8. Aug. nachts 10 Uhr, aet. 42 Jhr, 7 Mon. Die Eltern waren der weil. wirzb. Untert., Mitb. u. Häker dahier, Michael Rasp, u. Dorothea, e. g. Fraßin v. Sommerhausen.
Am Kirchweih-Mont. wurde sti sotann3begraben. HE. Pf. Hornschuch v. Albertsh. hielt eine Parentation4 und ich predigte. Möge es ihrem Geiste wohlgehen!

  • 1. = in seiner eigenen Wohnung
  • 2. = Die Stelle zwischen ♦…♦ ist gestrichen. Nach sorgfältiger Nachforschung bei guter Beleuchtung kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entziffert werden: „Sirach 37 V. 21 Wo man”.
    Der angegebene Text hat den ganzen Wortlaut: „Wo man was Neues vorhat, da muss der vier eines kommen: dass es gut oder böse werde, dass Leben oder Tod daraus folge”. Wie bei anderen Textangaben aus dieser Zeit üblich, wurde außer der Bibeltextstelle jeweils der Anfang und der Schluss des Textabschnittes aufgeschrieben. Die Bibelstelle wäre dann mit „Wo man … folge” eingegrenzt. Die mit einer völlig anderen Handschrift unter die Streichung geschriebene Textstelle „Buch der Richter 14. V. 3” dagegen hat den folgenden Inhalt: „Sein Vater und seine Mutter sprachen zu ihm: Ist denn nun kein Weib unter den Töchtern deiner Brüder und in allem deinem Volk, dass du hingehst und nimmst ein Weib bei den Philistern, die unbeschnitten sind? Simson sprach zu seinem Vater: Gib mir diese; denn sie gefällt meinen Augen.”
    Wer den Eintrag geändert haben könnte ist nicht mehr feststellbar. Alle in diesem und dem folgenden Kirchenbuch vorkommenden Handschriften sind mit der Schrift der Änderung keinesfalls identisch. Die Schrift der Änderung ähnelt der Handschrift Zangs, der nach dem Tod von Pfr. Hecht am 22. 1. 1785 bis zum Dienstantritt von Pfr. Johann Georg Kirchner im März 1785 die Kirchenbücher geführt hat. Es ist aber nicht anzunehmen, dass er selbst der „Täter” dieser Verhöhnung war.
    Zang war zum Zeitpunkt der 3. Eheschließung 47 ½ Jahre, seine Braut eben 23 Jahre alt. Sie war Schülerin des Lehrers Zang gewesen und sicher ein Mitglied des „Musikalischen Chors”.
    Der für den Pfr. Hecht eigenartigerweise kurze Heiratseintrag hat seine Ursache sicher darin, dass der Pfarrer verärgert darüber ist, dass Zang ohne die übliche dreimalige Proklamation und dazu nicht einmal in der Kirche sich trauen lässt.
  • 3. = sie sodann (?)
  • 4. = Totenfeier

B. Einträge, in denen Zang, der musikalische Chor usw. erwähnt werden oder die von Zang selbst stammen

Schlagworte: 

(1) Aus einem Sterbeeintrag 1763 (Pfr. Rudolph)

Es handelt sich um eine 25-jährige Dienstmagd, die nicht gerade den besten Leumund hatte:

Obgleich der Müller Winterlein, die Leiche hätte herein ins Dorf führen sollen, so praetendierte1 jedoch derselbe, daß wenigstens der H. Cantor mit der Schul-Jugend und Chor-Schülern, zu der ziemlich weit vor dem hiesigen Ort liegenden Mühle hinaus gehen, und die Leiche abholen müste, welches aber nimmermehr würde geschehen seyn, wann der dermahlige H. Cantor, Joh. Heinrich Zang, gesund gewesen: Weil er aber sehr Kranck, und in die Kirche zu gehen nicht einmal im Stand war; über das die Chor-Schüler nebst der Schule freywillig hinaus zu gehen sich erbotten hatten, so ließe ichs jedoch citra praeiudicium et consequentiam2 /: weswegen solches dahier notieren wollen.

  • 1. = forderte
  • 2. = ohne Vorentscheidung und nur für einmal

(2) Der Kantor Zang und sein Pfarrer Hecht

Dass zwischen den beiden, Pfr. Hecht und Kantor Zang ein ausnehmend gutes, ja freundschaftliches Verhältnis bestand, kann aus verschiedenen Kirchenbucheintragungen erkannt werden:

(2a) Sterbe- und Beerdigungseintrag der 1. Frau des Pfarrers Hecht, Maria Clara Hecht und ihres totgeborenen Kindes vom 28.11.1771

Der auf 4 ½ eng beschriebenen Seiten lange Eintrag schließt mit der folgenden Bemerkung:

Hiesiger geschickter Cantor Zang hat mir zu dem Trauer-Gedicht1 ein Kupfer gestochen,2 vorstellend in der Mitte eine mit Cypreßen umwundene Urne, darinnen meine Kindbetterin im Brustbild, mit der lincken Hand das Kind im Arm haltend; zu beyden Seiten 2. kleinere Urnen, welche unsere zwei in Buchbronn begraben liegenden seel. Kinder bedeuten sollen; ferner zur rechten Seite ein Andreas-Creuz, an welchem ein Band in die Höhe fliegt, in dem das Chrongraphicon3 stehet: per hanC VXor beata Ibat aD LVCeM4 Zur lincken Seite der Glaube in Gestalt eines Frauenzimmers, das in der lincken einen Kelch, in der rechten ein gros Creuz mit einer Dornencrone hält, und aus deßen Mund die Worte: Ich weiß, an welchen ich glaube etc. 2. Tim. 1. 12. hinauf durch die Wolcken gehen. Diesen Worten gegenüber, auf der rechten Seite des Kupfers, ganz oben reichet eine Hand aus dem sich eröffnenden Himmel eine Sternen-Crone herunter, welches den Leichentext ganz exprimiert.

(2b) Sterbeeintrag 1773 (22. 4. 1773)

13. Frau Margaretha Helena Friderica
(Hecht, geb. Zinn)

Ebenfalls auf 4 ½ eng beschriebenen Seiten (!) beschreibt Pfr. Hecht den Lebenslauf, das Sterben und die Beerdigung seiner nicht ganz 35-jährigen 2. Frau Friederica. Daraus 2 Bemerkungen:

…nach vorhergegangenen gemeinem Läuten, …und nach einer vor dem Hauß gemachten Leich-Motette…

 

In der Kirche … tath Pfr. Jäger von Albertshofen eine … Leichpredigt … der Chorus musicus5 machte eine schöne Trauermusik…

(2c) Auch die 3. Frau Pfr. Hechts stirbt nach kurzer Ehe 1778

Aus dem ebenfalls langen (3 ½ Seiten!) Sterbeeintrag nur ein Satz:

…Tit. HEr Pfr. Jäger von Albertshofen war der Leichenprediger, u. Herr Rector Hahn in Kizingen Parentator, nach zuvor von HEn Cantor Zang dahier gemachten Musik…

(2d) Aus dem 13. Trauungseintrag des Jahres 1780

Joh. Mich. Künzel, Bürger, Kauf- u. Handelsmann aus Prichsenstadt heiratet die ältere Tochter des Pfarrers Hecht, Charitas Friederica Juliana:

…Dienstags d. 28. Nov. hier also copuliert worden, daß mein geliebter Bruder, Gevatter, Pfarr-Adjunct in Kizingen … nach dem theils gesungenen Liede: Befiehl du deine Wege p. eine Altar-Rede über diesen vorgegebenen Davidischen Text Y . 37.6 hielt; darauf HE Cantor Zang eine Musik aufführte, unter welcher den lieben Hochzeitsgästen, 25 an der Zahl …, ein von meinem in Erlangen studierenden Sohn verfertigtes Hochzeit-Carmen ausgetheilet wurde, dann ich selber mit Rührung den Copul. Actum verrichtete. HE Cantor wieder musizierte; und zuletzt mein lieber HE Nachbar, P. Jäger aus Albertshofen die collecte und Seegen sprach…

(2e) Zangs Nachruf auf Pfr. Hecht (24. 1. 1785)

In der Zeit kurz vor dem Tod von Pfarrer Georg Andreas Hecht am 24. 1. 1785 bis zum Aufzug des neuen Pfarrers Joh. Georg Kirchner, Mitte März dieses Jahres führte der Kantor Zang, wahrscheinlich in Auftrag des Pfarrers N. Jäger von Albertshofen, der die Gemeinde während dieser Zeit betreute, die Kirchenbücher. Das ist aufgrund ausführlicher Schriftvergleiche einwandfrei belegt. (1. Eintrag Zangs ein Heiratseintrag v. 11. Jan. 1785, ein Geburts- und Taufeintrag v. 21. Jan. und der Sterbeeintrag Pfr. Hechts vom 24. Jan. 1785). In dieser Eintragung lesen wir zunächst den Lebenslauf Hechts:

Geb. 29. 9. 1729 in Kitzingen
Studium in Jena und Erlangen
26. Sept. 1753 Pfarrer in Buchbrunn u. Repperndorf
1. Ehe: 3. 9. 54 in Widdern mit Maria Klara Eßenbeck (7 Kinder). Frau † 1771
2. Ehe 1772: Margaretha Helena Friederika Zinn in Mainbernheim. 7 Monate
später gestorben (22. 4. 73)
3. Ehe 22. 2. 74 in Mainbernheim mit der Schwester seiner 2. Frau Charlotte
Dorothea Friederike Zinn (1 Sohn) Frau † 1778
24. 6. 1768 Pfarrer in Mainstockheim bis zu seinem Tod.

Zang fügt dann noch folgenden Nachruf an:

Er führte sein geistlich Hirtenamt mit Treue und Fleiß, war sehr verträglich, doch auch wachtsam: Er predigte denen Gesetz, die es nötig hatten, und jenen Evangelium, die es bedurften. Endlich legte er, sehr erbaulich und mit standhafften Muth, an einer Brustwassersucht sterbend seinen Hirtenstab ab, mit Uebergebung seiner theuer erlösten Seele in die treuen Hände des Seelenbischoffs und Erzhirten Jesu Christi, den er fast 32. Jahre lang, nach reiner Evangelischer Lehre gepredigt hatte, und zwar am Tage Timotheus den 24. Januar des 1785. Jahres, unter dem Zuruff des Hochwürdigen HEn Pfarr N. Jägers zu Albertshofen, als seines gewesenen HEn Beichtvaters, welcher auch die Leichenpredigt über Psalm 37 V. 5 hielt. Hiebey erstreckt sich das Alter des seel. HEn Pfarrers auf 55 Jahre, 1 Mon. u. 25 Tage.

  • 1. = das vorher z. T. abgeschrieben und beschrieben wurde
  • 2. Hier wird ein leider nicht mehr auffindbarer Kupferstich Zangs beschrieben. Pfr. Hecht hat sich anscheinend vielfach dichterisch betätigt (siehe A7 und B6). Allerdings lässt die Qualität seiner etwas gefühlvollen Erzeugnisse darauf schließen, dass die Texte zu Zangs Kantaten nicht aus seiner (Hechts) Feder stammen.
  • 3. = eingeschriebene Zeitangabe
  • 4. = durch dieses (Band, Kreuz?) ging die Seelige zum Licht; die großgeschriebenen Buchstaben ergeben die römische Zahl 1771
  • 5. Hier wird der Vortrag des Zangschen Musikalischen Chores erwähnt. Sicher hat Zang bei familiären Ereignissen seiner Chormitglieder üblicherweise mit seinem Chor gesungen. Was aber normalerweise üblich war, wird gewöhnlich nicht aufgeschrieben.
  • 6. = Psalm 37

(3) „Den Herrn auch mit Trompeten und Paucken loben“

Auf den letzten Seiten des Pfarr- und Kirchenbuches Mainstockheim, das die Einträge von 1768 bis 1797 enthält, ist ein Abschnitt

Ehren Gedächtniß guter Freunde u. Freundinnen, welche zu unserer Maynstockheimer Evangelisch-Lutherischen Kirche, Schule u. Gotteshaus, etwas gestifftet haben, zum bleibenden Dank aufgerichtet u. auf die Nachkommen geschrieben. Angefangen von mir Johann Georg Andreas Hecht, Pfarrer dahier.

Ao. 1773.
An unserem jährlichen Danck- und Erndefest, welches am lezten Sonntage im Kirchenjahr Dom. XXIV. p. Trin. gefeyert wurde, hat unser dahiesig-musikalischer Chor sich zum erstenmal mit neüen Paucken und Trompeten hören laßen. Hiesiger braver HE Cantor Zang componierte dazu eine schöne Musik,1 wozu ich das initial-Recitativ fertigte:
    Gebt her die Paucken Y  81.32
    Lobt ihn mit Paucken Y 150.43
    Den Herrn in seinem Heiligthum,
    Und in der Veste seiner Macht.
    Also erweckt ein David uns zu Gottes Ruhm.
    Die Heldin Judith hat Davidisch auch gedacht: O 16 V. 24

    Spielet dem Herrn mit Paucken
    Drum sollen sie bei uns auch schallen.
    Dir Gott! hat es gefallen,
    Daß man an Festen fröhlich war,
    Und mit Drommeten bließ. Num. X.10.5
    Wir blasen sie denn auch in diesem Jahr,
    An unserm Erndefest zum erstenmahle,
    In deinem Kirchen ò Saale,
    Uns zur Erweckung, Dir zu Ehren.
    Auf Paucken! auf! Trompeten! auf.
    Laßt euch zusammen hören.

Eben genannt unser geschickter HE Cantor gab sich die Mühe, auf Trompeten und Paucken dahier zu collectieren, u. die und jene Freunde der Musik aufzusuchen, welche sich auch also finden liesen, daß ich sie auf sein Begehren, ex capite gratitudinis p6 am Danckfest in meiner Frühe- und Amts-Predigt nach dem V. unser, quod nomen et quantum also e cathedra sacra7 abgelesen habe, wie sie hier in diesem Ehrengedächtnis, nach meinem dabei gethanen Versprechen stehen.

Rthl. Bz Xr  
3 - - Die 3 Oberdorfherrschafftl. Herrn
Schultheisen
         Anspachischer Brückner
   Bechtolsheimischer Schloßnagel
   Ebrachischer Sterzbach, jeder 2 Rthl.
       
      Nachfolgende Herrn des Raths
1 - - Joh. Georg Nees. Senior
1 6 - Joh. Christoph Sterzbach. Subsenior
- 15 - Georg Henftling
- 12 - Friedrich Nees
- 15 - Michael Bach
- 12 - Georg Andreas Sterzbach
1 - - Wolfgang Sterzbach, dato Oberbürgermeister
- 12 2 Daniel Bermuth
1 - - Franz Sattes, dermalen Gotteshaus-Pfleger
- 9 3 Caspar Braun
1 7 - Caspar Schneider, deutschherrischer Schultheiß
1 1 1 Martin Sattes
- 15 - Jacob Schneider
- 12 - Georg Dant
----------------------------------------------
15 11 1  

[neue Seite]

Rthl. Bz Xr  
1 - - Wirzburgl. HE Schultheiß Leonhard Sterzbach
       
      Nachfolgende HEn des Gerichts
1 - - Conrad Dorsch. Chyrurgus
- 8 - Jacob Gschwind
- 7 - Georg Sachs, Centschöff
- 15 - Wilhelm Keßelring, Gotteshausmeister
1 1 - Albrecht Sattes, Unterbürgermeister
       
      Zween auswärtige Freunde; von hier geb.
- 15 - Friedrich Sattes von Repperndorf
- 10 - Friedrich Diez von Kitzingen
       
      Mitglieder einer löbl. Bürgerschaft dahier
- 15 - Leonhard Bär
1 - - Andreas Dorsch
- 15 - Valentin Sattes
- 15 - Johann Schmidt Chyrurgus
1 - - Friedrich Schneider
- 15 - Matthäus Rödel
- 15 - Christoph Friedrich Schranckenmüller
- 15 - Michael Schwarz
- 15 - Conrad Schenk
- 4 4 Georg Keßelring
- 9 - Friedrich Sattes dahier
- 15 - Georg Paul Steinbach
- 6 - Ein Freund, schon unter den vorigen
- 15 - Christian Bär, ledig
- 9 - Conrad Vogler, auch ledig
1 12 - Verwittibte Anspach. Frau Schultheiß Schneiderin
- 9 - Vidua8 Margaretha Barb. Diezin
1 - - Maria Barbara Bär
- 4 4 Eva Ickelsheimer, Wittwein, Wittwe
1 - - Jgfr. Anna Margaretha Schneiderin
1 - - Jgfr. Susanna Barbara Krackertin
----------------------------------------------
22. 11. 4  
15. 11 1  
----------------------------------------------
38 5 -  

[neue Seite]

Summa aller Einnahmen
38 rthl. 5 Bz

Hiervon sind ausgegeben
30 Rthl. für die Paucken
3 Rthl. 10 B 4 Xr für Unkosten, Botten-
lohn und verschiedene Douceurs

Summa 33 rthl 10 Bz. 4 Xr

Diese von obiger Summa abgezogen
bleiben übrig
4 Thl. 12 Bz. 1 Xr. zu Verwendung an Instrumenten

Den Bezug der Paucken hat der achtbare Mstr. Matthäus Gilcher, Pergamentmacher dahier, u. deßen Tochtermann Löhlein, an 2. verfertigten schönen Kalb-Häuten, freywillig dazu verehrt, welcher insgemein 5 fl. frk. kostet.
Die Trompeten betreffend, hat solche der achtbare Mitbürger Georg Nicolaus Wünterlein, und deßen Ehefrau, ganz allein bezahlet, welche mit samtl. Unkosten sich belaufen auf

8. Rthlr. 3. Bz. 4. Xr

Dieses ist von mir geschrieben auf die Nachkommen, und das Volck, das geschaffen werden soll, und wird den Herrn (auch mit Trompeten und Paucken) loben.Sancta Simplicitas9
Ihm sey alle Ehre in alle ewige Ewigkeit
Amen! Amen!

Joh. Georgius Andreas Hecht. per XX. et quodt excurrit, annos, A. C. addictus Pastor in Episcopatu Herbipolensi10

1774

Am neuen Jahr von öffentl. Canzel vermeldet, daß noch ein Freund (Bierwirth Andreas Röder) 1 thlr. zu Paucken nachgegeben, und ein anderer Freund (Melchior Rasp) was von Holz dazu gehört…“

  • 1. Dieser Eintrag ist für uns besonders interessant. Zang wollte für sein Kammer-Ensemble auch Pauken und Trompeten. Also führt er eine Sammlung durch. Die Unkosten, fast 50 Reichstaler, waren sicher ein sehr hoher Betrag. Aber die Mainstockheimer Rats- und Gerichtsherrn und viele Bürgerinnen und Bürger helfen mit und so wird die Summe erreicht. Am letzten Sonntag des Kirchenjahres, der als Dank- und Erntefest gefeiert wurde, erklingt eine (leider verschollene) Kantate Zangs mit Pauken und Trompeten.
  • 2. = Psalm 813
  • 3. = Psalm 1504
  • 4. = Judith 162
  • 5. = 4. Mose 1010
  • 6. = vor allem wegen der Dankbarkeit etc.
  • 7. = was für ein Name und Betrag also von der Kanzel aus
  • 8. = Witwe
  • 9. Wer die Randbemerkung „Sancta Simplicitas” (=heilige Einfalt, andere Handschrift) nach der Bemerkung Pfr. Hechts, dass die Nachkommen nun Gott auch mit Trompeten und Pauken loben werden, eingefügt hat, ist nicht mehr feststellbar. (Vgl. dazu den Artikel in der Festschrift 1983, S. 25).
  • 10. = J. G. A. Hecht, seit 20 und einigen durchlaufenden Jahren verordneter Pfarrer Augsburgischen Bekenntnisses im Bistum Würzburg

(4) Die Messingplatte im Turmknopf der St. Gumberts-Kapelle

Annus 17781

Appono: Hoc Ao 1778. mense Sept.2 wurde in den Thurm-Knopf der oberen Kirche eine auf eine meßinge Platte vom hiesigen geschickten HEn Cantore Zang gestochene Inscription gelegt, worauf ich, der 10. hiesige A. C. Pfarrer, die Nahmen meiner HEn Amts-antoceforum suppeditiret habe, welche post pacem Westphalicam3 hier gestanden sind.

  • 1. Die Messingplatte mit der von Pfr. Hecht verfassten und von Zang gestochenen Inschrift wurde vor einigen Jahren bei der Renovierung des Türmchens der St.-Gumbert-Kapelle gefunden. Der Text wird in einer späteren Folge der MITTEILUNGEN veröffentlicht werden.
  • 2. = Anfügung: dieses Jahr 1778 im Monat September
  • 3. = nach dem Westfälischen Frieden

(5) Sterbeeinträge 1779 und 1784

(5) Beerdigungseintrag 8./10. 11. 17791

Joh. Matthäus Dorsch …
Bechtolsheim. Unterthan, Mitbürger u. Büttner, auch Weinhändler und Gehülfe des musikalischen Chors dahier, gebohren 1749 … (verh., 4 Kinder) … War dienstfertig u. bescheiden, nahete öfters zum Gnadenstuhl … aet. nur 30 J. 6 M. 10. Tage

Der folgende, ein Orgelschüler Zangs, wird von Pfr. Hecht - wie so oft mit einem Gedicht - herzbewegend betrauert, für uns eine besonders wichtige Nachricht aus dem Leben Zangs kurz vor dem Tod von Pfr. Hecht.

(6) Sterbeeintrag: 5. Sept. 1784

HE. Johann Daniel Nees, seit 822 hier Closter Ebrl. Raths- u. Gerichts-Verwandter, mein lieb und schäzbar gewesenes geschwistericht-Pfarr u. Beicht Kind. Gebohren 1740 d. 10. May. Wurde bei hiesigen HEn Cantor Zang besonders gut im general Baß. Nachdem er bei seinem Ao. 74 m. Sept. begrabenen HEn Vatter die Büttnerey … gelernt hatte, ging er nach Braunschweig, wo er im Rathskeller 7 ½ Jahre als unter - dann als Oberkellner mit Ruhm stund. Kam wieder in patriam Ao. 71 m. Sept.3 … Schade daß wir den braven Mann so bald und so schnell verlohren haben … hat gelebt 44 J. 3 Mon 3 Wochen … gest. 5. Sept.4
    Komm, alte Mutter                    |: auf nächsten 11. Sept. 84 J. alt :|
    Witwe! Komm mit zweyen         |: das 1. Söhnl. 8 Jahr, das 2. ein Säugling :|
    Kommt 5 Geschwister! Freunde, Schwägerschaft!
    sein frühes Grab mit Blumen zu bestreuen,
    des lieben Mannes, den uns der Tod gerafft.
    In Engels-Chören
    spielt er, zu Ehren
    dem Herrn, im Himmelstempel nun mit Krafft

Der Seelige ein des genoßenen Unterrichts in dankbarer Dienstfertigkeit ohnvergessener Schüler hiesigen HEn. Cantoris, löste ihn oft auf der Orgel ab, und sublevirte [?] ihn also im general Baß, daß er ihn wehmuthsvoll mißet. Es hat auch defunct.5 seinen öffentl. Gottesdienst mit seinem frommen Hauß Gottesdienst, mittels Gottes Wort u. seiner Hauß-Orgel verbunden

  • 1. Dies ist der einzige Eintrag, den ich gefunden habe, in dem ein Mitglied von Zangs musikalischem Chor erwähnt wird.
  • 2. = 1782
  • 3. = ins Vaterland im Monat September
  • 4. = 1784
  • 5. = der Verstorbene
Schlagworte: 

C. Aus den Gotteshaus-Rechnungen während der Amtszeit Zangs

Herr Karl Appold, Mainstockheim, war so freundlich die „Gotteshausrechnungen" in Mainstockheim durchzusehen. Aus der Zeit, in der Zang hier amtierte, konnte er aber nur zwei Rechnungen finden, die mit dem Kantor Zang in Verbindung stehen. Beide stammen aus den beiden letzten Dienstjahren Zangs.

(1) 1800

Gotteshauß Rechnung Pro Termino Weyhnachten 1800

Ausgaben auf die St. Jacobi Kirche.

1 fl 3 Bz     Herrn Kantor Zang für Violin Seiten und
1 fl 1 Bz. 3 für Baumöhl Lt. Zettel.

Ausgaben auf die Schul.
20 fl         Dem Herrn Kantor Zang, für diesjährige Besoldung auf 4. Quartal

Ausgaben Insgemein.
6 Bz.        Herrn Kantor Zang wegen dieser Predigt

(2) 1801

Gottes Hauß Rechnung des Abtey Ebrachischen Rathsverwandten
H: Johann Andreas Rauchbar, wie auch deßen Consorten des Gemeinschftl.
Unterthanen und Bürgers Wilhelm Rauchbar dahier zu Mainstockheim pro
Termino Weyhnachten 1801

Ausgaben auf die St. Jacobi Kirche.
1 fl 3 Bz. H.     Kantor Zang für Violin Seiten
1 fl 6 Bz. 8 ½   demselben für Baum Öhl
2 fl 5 Bz. 10     Violinsaiten und die Reperatur der Violinen
                          dem neuen H. Kantor Hübscher bez.

Ausgaben auf die Schule.
20 fl                 Dem abgegangenen Herrn Kantor Zang und dem dermaligen Herrn
                        Kantor Hübscher für disjährige Besoldung aufs 4. Quartal.

8 fl 5 Bz. 7       Dem abgekommenen H. Kantor Zang folgendes bezahlt um solches
                        aus eigenem Beutel bezahlt, bey der Schul zu laßen:
                        3 fl für ein Choralbuch
                        4 fl für 1 marmornen …[?]
                        45 Bz. für 2 Trompeten Mundstück
                        1 fl 12 Bz. für 1 Eisen an der Stubenthür
                        20 Kr. für 2 Eisen vorm Fenster am Blumenbrett

Schlagworte: 

D. Was ist geblieben?

Wenn man im Archiv der Kirchengemeinde nach weiteren Nachrichten über den Kantor Zang sucht, muss man bis ins Jahr 1864 gehen. Dort findet sich in der Pfarrbeschreibung des Pfarrers Popp nur folgender Eintrag:

Von den Kantoren und Lehrern sind uns folgende bekannt:
Heinrich Zang, welcher in den beiden letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts das Amt eines Kantors und Lehrers mit Eifer und Geschick führte, aber im hohen Alter das Amt aufgab, und wie es scheint, auf Abwege kam.…

Randbemerkung, nach der Schrift von Pfr. Brühler (1893 - 1900 in Mainstockheim):

hat 1790 in 1. und 1808 in 2. Auflage ein Buch herausgegeben »Der Vollkommene Küfer oder Büttner« mit 38 Kupfertafeln

In einem Inventarverzeichnis der Kirchenstiftung von 1864 (Pfr. Popp) findet sich unter „C) Gerätschaften“ noch folgender Eintrag:

lauf.
Nr.
Vortrag Wert
fl. Xr.
28 Eine gelbe Violine mit Bogen 1,-
29 Eine kleine do     " -,24
30 Eine Viola           " 1,24
31 Ein Violoncello   " 1,45
32 Zwei kupferne Pauken
mit eisernem Schlüssel
und hölzerne Schlägeln
2,-
33 Acht Stockpulte für den
Chor
4,-
   
35 Ein Wandschrank zur Auf-
bewahrung der Instrumente
2,-
36 Ein Paukenkasten 2,-
   

In der Pfarrbeschreibung 1912/14 des Pfarrers Luttenberger wird der Eintrag des Pfarrers Popp von 1864 fast wörtlich wiederholt. Derselbe Pfr. Luttenberger hat 1914 noch eine „Allgemeine Pfarrbeschreibung des Kirchenwesens in Mainstockheim" verfasst. Er hatte sich unterdessen etwas genauer mit den Kirchenbucheinträgen befasst, übernimmt aber größtenteils die Angaben von 1864:

Ihm [Anm: dem Kantor Lorenz Brückner] folgte als Lehrer dahier Johann Heinrich Zang, Sohn des gewesenen kais. Oberleutnants Zang, bis 1752 Lehrer in Eckalsdorf bei Hamburg,1 dann kam er hierher (cf. Totenmatrikel 1774 Nr. 5). Er wirkte dahier mit Eifer und Geschick. 1773 komponierte er (cf. Matrikel 1768 S. 9 von hinten) eine schöne Musik, als der hiesige musikalische Chor sich zum erstenmal mit Pauken und Trompeten hören ließ. Als 1778 bei der Renovierung eine Messingplatte in den Turmknopf der Gumpertskapelle gelegt wurde, hatte der hiesige Cantor Zang die Inschrift auf diese Messingplatte selbst gestochen (cf. S. 5 der Matrikel 1768 von hinten). Im Jahr 1790 u. 1808 gab er ein Buch heraus »Der vollkommene Küfer oder Büttner« mit 38 Kupfertafeln. In hohem Alter, nachdem ihm 1800 auch seine 3. Frau gestorben war, gab er sein Amt auf und kam, wie es scheint, auf Abwege. Weiteres ist nicht bekannt.

Joh. Heinrich Zang gibt krankheitshalber 1801 sein Amt auf. Sicher hat sein Nachfolger, Kantor Hübscher, auch musikalisch gewirkt; aber anders als Zang. Und dann war in der Kirche und Theologie auch einiges anders geworden. Pfr. Popp schreibt dazu 1864 in seiner Pfarrbeschreibung: „Die lutherische Lehre - so viel lässt sich aus einzelnen Andeutungen in den Kirchenbüchern schließen - wurde von den früheren Geistlichen gemäß ihrer symbolischen Feststellung streng festgehalten, bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eine rationalistische Führung der Kirchenlehre sich geltend machte, welche in neuerer Zeit wieder der bekenntnistreuen Lehre gewichen ist“… und später: „Religions-Kenntnisse: Insbesondere die älteren Glieder der Gemeinde, nämlich diejenigen, deren Jugend in die ersten 30 - 35 Jahre dieses Jahrhunderts fällt, haben einen rationalistischen Unterricht empfangen und fehlt es daher bei Vielen an Kenntnis und richtiger Würdigung der kirchlichen Lehre“… Ein schlechtes Zeugnis für den Pfr. Lampert, der von 1795 - 1835 40 Jahre hier amtierte. Aber sicher war das ein Hauptgrund über Zang nicht mehr zu reden, ihn totzuschweigen. Die Texte der Zangschen Kantaten und die Musik Zangs zeugen von einem biblisch gegründeten und in der Lehre Luthers verwurzelten Glauben des Meisters. Das passte nicht in die Zeit der Aufklärung. Vielleicht liegt hier auch die Wurzel der Legende, dass er „wie es scheint, auf Abwege kam“. Denn womit hat er sich in seinem Ruhestand beschäftigt? 1804 erscheint die erste Auflage seines Orgelmacherbuches, aus dem selben Jahr ist das Vorwort zur 2. Auflage seines Büttnerbuches datiert, die 1808 erscheint. Von 1807 haben wir ein Musivgemälde Zangs im Mainfränkischen Museum in Würzburg. Die letzte Kunde von ihm, bis er 1811 starb. Abwege - oder Missgunst? Ein Nicht-verstehen-wollen der damals „unmodern“ gewordenen Musik, die uns heute so anspricht? Wir sind überzeugt, dass Zang zu den bedeutenden Komponisten nach Bach im süddeutschen Raum gezählt werden muss. Eine der Aufgaben unserer Zang-Gesellschaft ist, dass das Werk Zangs auch erkannt und anerkannt wird.

  • 1. Der falsch angegebene Wirkungsort Zangs „Eckalsdorf bei Hamburg”. Pfr. Luttenberger hat die barocke Form der Großbuchstaben Pfr. Hechts nicht lesen können. Es muss natürlich heißen: Walsdorf bei Bamberg!

Die Textvorlage zu J. H. Zangs „Ostertriumph“

Michael Heckmann

Der heutige Hörer geistlicher Kantaten des 18. Jahrhunderts - und als eine späte Blüte an diesem Baume haben wir Zangs Kantaten anzusehen - gerät meistens in ein Dilemma: Er hört die Musik, ist davon angetan, schaut genauer auf die Texte der Musik - und ist enttäuscht, zumindest verwirrt. Was soll man bei all der schönen Musik mit Texten anfangen, die uns schwülstig, zumindest aber verworren erscheinen. Bilder und Wortformeln treten oft in einer Dichte auf, die uns ratlos bis aggressiv machen, weil wir sie in dieser Fülle ohnehin schwer verdauen können. Solche Gefühle der Ratlosigkeit oder des Unmuts begegnen Hörern nicht nur in Kantaten Bachs, ähnliches kann uns auch etwa in der Nr. 2 des „Ostertriumphs“ von J. H. Zang widerfahren.

Bei genauerem Hinsehen freilich offenbart sich: Die Probleme, die wir heute mit Kantatentexten haben, hatten die Zuhörer damals nicht. Der Grund dafür liegt darin, dass die zeitgenössischen Kantatenhörer wie selbstverständlich zu einer Sprache Zugang hatten, die uns heute schon fast verlorengegangen ist: Die Sprache der Bibel.

Wer sich die Mühe macht, Kantatentexte des 17. und 18. Jahrhunderts zu untersuchen, stellt bald fest, dass die Textdichter der Kantaten in ihren geistlichen Dichtungen keineswegs freischwebend-kreativ verfuhren, sondern dass sie ihre Werke in für uns kaum vorstellbarem Umfang aus dem Schatz biblischer Sprache speisten. Wer auch immer die Textdichter waren, Theologen - bei Zang vielleicht Pfarrer Hecht? -, die Komponisten selbst oder Gelegenheitsdichter, alle verband zu ihrer Zeit der in den Alltag hineinreichende, überaus lebendige Umgang mit dem Wort Gottes, der Bibel. Die Heilige Schrift war den Menschen von den ersten Leseübungen in der Schule bis über Bibel- und Katechismus-Examina für Erwachsene in den Kirchengemeinden gegenwärtig. Eine lebendige Sprache, von vielen gesprochen, verträgt Kürzel, verträgt Abkürzungen. So brauchte der Textdichter von Zangs „Ostertriumph“ eben nur die Worte „Lamm“ oder „Löwe“ zu benutzen, und die Anspielungen auf bestimmte Kapitel in der Bibel wurden verstanden, Anspielungen, die wir uns heute erst in mühsamer Arbeit wieder entschlüsseln müssen.

Das interessante an den Kantatendichtungen der Zang-Kantaten ist, dass wir hier einem theologischen Umgang mit der Bibel begegnen, der eigentlich schon aus der Mode gekommen war. Genauer gesagt, das Selbstverständnis der Theologie selber begann sich zu ändern. Je mehr die Wissenschaften auch in die Theologie Einzug hielten, (und das war zu Zangs Zeiten bereits so) desto mehr wurde die Bibel zu einem Objekt über das man redete, desto weniger war die Bibel Wort Gottes, das zu den Gläubigen sprach.

Eine solch „veraltete“ Sicht der Bibel spricht aber noch aus den Kantatentextdichtungen, die Zang vertonte. Die Tatsache, dass diese Texte voll sind von biblischen Anspielungen, zeigt, dass sich der Textdichter noch als einer verstand, der die Bibel nicht durch eigene originelle Ideen für die Gegenwart retten wollte, wie es in der beginnenden Zeit der Aufklärung üblich wurde. Das Anliegen des Textdichters des „Ostertriumphes“ ist vielmehr, das Wort Gottes zur Sprache zu bringen, indem er die Bibel zum Ausleger ihrer selbst macht: Er bezieht biblische Texte ohne Rücksicht auf ihre Entstehungszeit aufeinander, wenn sie sich nur thematisch annähern lassen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Auslegungsprozess im Satz 2 des „Ostertriumphs“ zu der Textstelle: „Ihr Rachen ist gesperrt“ (vgl. Kantatentext). Die Meinung, dass zur Bibel nichts Äußeres mehr hinzukommen muss, sondern dass die Heilige Schrift ihre eigene Auslegerin ist, stammt aus der Reformation und erlebte ihren Höhepunkt in der lutherischen Orthodoxie des angehenden 18. Jahrhunderts. Es ist schon beeindruckend - auch im Text des „Ostertriumphs“ - mit welcher profunden Bibelkenntnis die Textdichter damals aufwarten konnten.
Wenn die biblischen Grundlagen mancher abgekürzten Formulierung erschlossen werden, sehen wir plötzlich auf die Tiefe mancher Kantatendichtung.

Dieser Aufsatz will ein bescheidener Versuch einer solchen Erschließung sein. Indem Kantatentext und Vorlage unmittelbar nebeneinander gedruckt werden, wird deutlich, dass es kaum eine Formulierung gibt, die der Dichter ohne Anlehnung an die Bibel geprägt hat.

Die Auswahl der biblischen Texte

Die biblischen Texte, die der Textdichter des „Ostertriumphs“ quasi als Folie für seine Dichtungen herangezogen hat, haben ihren Bezug zum Thema Ostern einerseits durch ihre Funktion als Lesungen, die in den Gottesdiensten der Osterzeit gehalten wurden (etwa Mk. 16, Lk. 24, die Emmausgeschichte, oder auch 1. Kor. 15, die Auseinandersetzung des Apostels Paulus mit Tod und Auferstehung), andererseits durch den erweiterten Kontext, den es damals für einen biblischen Theologen beim Thema Auferstehung zu bedenken galt. Worin besteht dieser erweiterte Kontext?

Jesu eigenes Auftreten, sein Sterben und Auferstehen ist in der Bibel im Zusammenhang mit der Endzeit der Geschichte gesehen. In dieser Endzeit wird es zum Kampf zwischen göttlichen und widergöttlichen Mächten kommen, wobei die göttlichen Mächte für (ewiges) Leben stehen, die widergöttlichen (Hölle, Satan) für Tod und Verdammnis.
Mit Jesu Tod und Auferstehung ist der Sieg Gottes über die widergöttlichen Mächte grundsätzlich errungen, der Christ aber wird mit seinem Leben noch hineingestellt in diesen Kampfplatz zwischen Heil und Sünde, zwischen Leben und Tod; denn der Kampf währt bis zum Ende der Zeit. Darüber nachzudenken, wann dieses Ende der Zeit kommt, das ist Aufgabe der sog. „Apokalyptik“. Sie versucht zeichenhaft, d. h. mit Bildern wie Lamm und Löwe usw. vorwegzunehmen, was sich am Ende der Tage in der Welt ereignen wird. Wenn mit der Auferstehung Jesu Christi dieses Ende der Zeit angebrochen ist, erklärt sich, warum auch der Textdichter des „Ostertriumphs“ sich mit Vorliebe auf Bilder und Vorstellungen der „Apokalyptik“ bezieht, wie sie im biblischen Buch der Offenbarung niedergelegt sind.

 

1. Arie „Flageolet“ (Sopran):

Kantatentext Biblische Vorlagen Bemerkungen/Hinweise
Halleluja! Der Sieg ist da. Mein Held behält das Feld. Die Feinde sind bezwungen. Es wird in aller Welt des Lammes Lied gesungen: Halleluja! 1. Kor. 1517: Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
Eph. 613: Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr … alles überwinden und das Feld behalten könnt.
1. Kor. 1526: Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
Offb. 152a+3: Und ich sah, und es war wie ein gläsernes Meer mit Feuer vermengt; und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.
Herkunft des neutestament-lichen Bildes vom Lamm:
Jesaja 537: Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

 

Man kann schon bei den ersten Beispielen beobachten, wie die Zang die vorliegende Kantatendichtung biblisch „durchtränkt“ ist. Aus der Formulierung „den Sieg behalten“ (Offb. 15) wird abgespalten: Der Sieg ist da. Der Held behält das Feld.
Formulierungen durchdringen sich gegenseitig. Das ist ein schönes Beispiel für den lutherischen Grundsatz der Schriftauslegung, dass eine Bibelstelle durch die andere ausgelegt wird!

 

 

2. Rezitativ (Bass):

Kantatentext Biblische Vorlagen Bemerkungen/Hinweise
Das Lamm ist nun ein Löwe worden, das vor erwürget war. Offb. 55: Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel. 
Offb. 512: die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet* ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.
* zu Zangs Zeit übersetzt mit „erwürget“!
 
Hier ist sein Mordaltar. Möglicherweise einfach Deutung auf den Altar in der Kirche, wo ja jeden Sonntag das Opfer Christi durch das am Altar befestigte Kruzifix zu schauen ist. Nicht auszuschließen ist auch eine Anspielung auf die Opferung Isaaks 1. Mose 22, wo Gott das Opfer „einfacher“ Menschen durch ein Tieropfer ersetzt. Das ist mit ein Grund, warum das tierische Bild des „Lammes“ für Christus so bedeutsam geworden ist.  
Da liegt der Mörder selbst darnieder. Joh. 844: Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Nach apokalyptischer Weltsicht gehören Tod und Teufel zusammen; der, der uns (durch die Sünde) in den Tod treibt, ist Satan.
O schöner Ritterorden, der Christi Kreuz uns zum Paniere macht: aus diesem finstern Grabe lacht die allerschönste Sonne wieder. Eph. 611+12a: Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen.
Mk. 162: Und sie kamen zum Grabe sehr früh, als die Sonne aufging.
Der Christ ist als „Ritter“ in die letzte Schlacht zwischen Gutem und Bösem, zwischen Tod und Leben hineingestellt.
Wo ist der Tod? Wo ist die Hölle? 1. Kor. 1555: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?  
Ihr Rachen ist gesperrt, Jes. 514: Daher hat das Totenreich den Schlund weit aufgesperrt und den Rachen aufgetan ohne Maß, daß hinunterfährt, was da prangt und lärmt, alle Übermütigen und Fröhlichen.
¯
David 623: Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, so daß sie mir kein Leid antun konnten; denn vor ihm bin ich unschuldig.
¯
Hesekiel 3410: So spricht Gott, der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, daß sie Hirten sind, und sie sollen nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, daß sie sie nicht mehr fressen sollen.
Die drei Texte wurden zur Zeit Zangs so aufeinander bezogen, dass am Ende der Engel, der vor dem Totenreich schützt, zum Hirten, schließlich zu Christus, dem guten Hirten, wird. Dies geschieht unter Zuhilfenahme von Joh. 1011: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.“ Ein schlagendes Beispiel für diesen Interpretationsprozeß ist der Text der Bachkantate BWV 85. Dort heißt es unter anderem: „Ja, wenn der Höllenwolf droht einzudringen, die Schafe zu verschlingen, so hält ihm dieser Hirt [=Christus] doch seinen Rachen zu.“
Ihr Stachel stumpf. 1. Kor. 1555:…Tod, wo ist dein Stachel? Der Textdichter ist ehrlich: Der Stachel ist schon noch da, er ist aber schon „stumpf“ geworden, hat damit nicht mehr so viel zerstörende Macht.
Nun hat es keine Not. Triumph, Triumph. Kol. 215: Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.  
Das Leben tritt schon an die Stelle, Lk. 2436: Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Die Emmaus-Geschichte gehört zu den Lesungen an Ostern.
wo es die Siegesfahne schwingt   Ein Motiv aus der bildenden Kunst, vgl. auch Paul Gerhardts Lied „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“, EKG 86, V. 2*: „…schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held…“
* Anm: EG 112
und Honig aus des Löwen Rachen bringt.   In Richter 14 wird berichtet, wie Simson einen Löwen tötet. Nach Tagen entdeckt er im Aas des Löwen Honig. Diese Geschichte wird in unserer Kantate im übertragenen Sinne gedeutet: das einst Todesbedrohliche verwandelt sich in lebensspendende Kraft; der Tod Christi verhilft uns zum Leben.

 

 

 

3. Arie (Bass):

Kantatentext Biblische Vorlagen Bemerkungen/Hinweise
Held im Streite! Deine Beute Lk. 1122: Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute.  
wird im Glauben unser Teil. Röm. 322: Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die allen zuteil wird, die glauben.  
Laß uns geistlich auferstehen, aus dem Sündengrabe gehen, das erfordert unser Heil.   Die Deutung der Auferstehung in dem Sinne, dass der Christ aufzustehen und die Stätte seiner Sünde zu verlassen habe, ist Leistung des Textdichters, der freilich dafür eine Vorlage gehabt haben dürfte, nämlich die Bachkantate BWV 31, eine Osterkantate! Vgl. dazu meinen Hinweis in Mitteilungen 1986!
Weck uns heute, Jes. 504: Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, daß ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, daß ich höre, wie Jünger hören. Mit dem Traditionsbezug zu Jesaja 50 verdeutlicht der Kantatendichter, was er unter „aus dem Sündengrabe gehen“ versteht, nämlich auf Gottes Wort zu hören.
Held im Streite! Jes. 95: „…und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held…“  

 

 

 

4. Rezitativ (Sopr.):

Kantatentext Biblische Vorlagen Bemerkungen/Hinweise
Wir kommen hier zu deinem Grabe, vergrabe du, was uns betrübt. Die Spezerei, die unsre Liebe gibt und unsres Glaubens Morgengabe ist unser Herz und unsre Treu. Mk. 161+2: Und da der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, des Jakobus Mutter, und Salome Spezerei, auf daß sie kämen und salbten ihn. Und sie kamen zum Grabe am ersten Tage der Woche sehr früh, als die Sonne aufging.  
Nun wollen wir dir leben und dir sterben, Röm. 148: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.  
weil du, Herr Jesu Christ, für uns gestorben bist, 1. Thess. 510: der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.  
und uns im Sterben läßt das Leben erben. 1. Kor. 1550: Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können;  

 

 

 

5. Chor:

Kantatentext Biblische Vorlagen Bemerkungen/Hinweise
Christus lebt, so leben wir!
Unser Grab lag im Staube; doch in uns ist Hiobs Glaube und sein Grab ist unsre Tür. 
Er wird uns ein ander Leben nach dem Tode wiedergeben, folgt nur nach, er geht uns für*. Christus lebt, so leben wir.
* =
voran
Hiob 1925: Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben.  

 

 

Wer den Zusammenhang zwischen biblischer Vorlage und dem Text des „Ostertriumphes“ beleuchtet, stellt fest:
Wir haben im Textdichter für Zangs Osterkantate einen lutherisch-orthodox geschulten Poeten von hohem theologischen Niveau vor uns.
Ihm gelingt es, in einer 15-minütigen Predigt alle wesentlichen biblisch-theologischen Bezugspunkte zum Thema Ostern abzuhandeln und dies in der Form des tröstenden Zuspruchs zu tun („Deine Beute wird im Glauben unser Teil“ - „Vergrabe du, was uns betrübt“ - „doch in uns ist Hiobs Glaube, folgt nur nach, er geht uns für“ [= voran]).

Die Stimmigkeit, mit der Zang diesen Text musikalisch dramaturgisch in Musik setzt, legt die Vermutung nahe, dass er den Textdichter mindestens gut gekannt haben muss. Die musikalische Anlage des Werkes jedenfalls unterstreicht den seelsorgerlich tröstenden Ton, den der Textdichter anschlägt. Doch von der musikalischen Substanz des „Ostertriumphs“ wird beim nächsten Mal zu reden sein.

MITTEILUNGEN Folge 4 (1989)

Schlagworte: 

Orgeln und Organisten in Mainstockheim

von Otto Selzer

in: »Im Bannkreis des Schwanbergs 1972 Heimat-Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen«
herausgegeben von Landrat und Kulturausschuß des Landkreises Kitzingen, S. 110-120
(Abdruck mit freundlicher Erlaubnis des Landkreises Kitzingen)

»„... ohne die Org'l it a Kerch wia a Supp'n ohna Salz“ meinte lakonisch ein Kirchenvorstand in einer Gemeinde des Maingrundes, als mit dem jungen Lehrer ein neuer Organist gewonnen war. Mit diesen Worten faßte der Bauer seine Ansichten über die Bedeutung der Orgel für die Geschlossenheit des Gottesdienstes, für die Wertschätzung des größten Ausstattungsstückes seiner Kirche und für die Repräsentation seiner Gemeinde zusammen.

Aus solchen Anschauungen heraus strebten die größeren Orte des Landkreises Kitzingen schon früh nach dem Besitz einer Orgel.1 Gleichzeitig bemühten sie sich um möglichst gute Kirchenmusiker und um sorgfältige Pflege der wertvollen Instrumente. Dadurch wurde auch die Niederlassung von Orgelbauern in Kitzingen und Marktbreit begünstigt.

Organisten unserer Landschaft haben mit eigenen Werken die große Orgelliteratur nicht bereichert. Sie blieben im Hinblick auf die Kirchenmusik auf Grund ihrer Ausbildung reproduzierend. Doch spiegeln sich die markanten Leitlinien der Gesamtentwicklung mehr oder weniger in der Geschichte der einzelnen Orgeln wider. Wie weit diese Feststellungen zutreffen, ist auch an der Orgel der Jakobskirche in Mainstockheim deutlich geworden.

Das Gumbertuskirchlein im älteren, nördlichen Siedlungskern des Dorfes besaß nie eine Orgel. In ihm erklang nur Choralgesang, wie er im mittelalterlichen Gottesdienst bei geringer Beteiligung der Gemeinde allgemein gebräuchlich war.

Als aber in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts in dem südlichen Siedlungskern des Ortes die St. Jakobskirche errichtet worden war, erfreute sich dieser Neubau großen Interesses und außerordentlicher Schenkungen2 von Ortseinwohnern und Fremden. Sogar ein päpstlicher Ablaßbrief gehörte zur Ausstattung.3 Aber die Frühform einer Orgel, ein Positiv, war mit keinem Wort erwähnt, ebenso wenig wie in der Urkunde von 1482, in der Bischof Rudolph von Würzburg die Vereinigung der beiden Kirchen empfohlen hatte. Vielmehr muß nach dem Stiftungsbrief der Marianischen Kongregation in Mainstockheim 1487 angenommen werden, daß der musikalische Teil des Gottesdienstes weiterhin von Schulmeistern und Schulkindern geführt oder bestritten wurde.4 Doch dürften Kenntnisse von Orgeln und Orgelmusik durch den Verkehr mit Kloster Kitzingen, Kloster Ebrach und Bischofsstadt Würzburg schon vorhanden gewesen sein. Allein die wirtschaftliche Lage des kleinen ganerbschaftlichen Häckerdorfes Mainstockheim erlaubte in jener Zeit die Anschaffung eines solch kostspieligen Instrumentes nicht. Auch die erneuerte Dorfordnung von 15405 enthält in der Pflicht des Schulmeisters, der damals noch zu den Gemeindebediensteten wie Hirt, Gemeinbeck oder Flurer zählte, keinen Hinweis auf Orgelspiel, sondern nur den Passus: „...auch alle Feiertage dem Pfarrherr in der Kirchen helfen singen“.

Mit dem Gesang der Gemeinde und der Schüler war es in den folgenden Jahrzehnten nicht immer gleich gut bestellt. Die Schulmeister dagegen mußten vor ihrer Anstellung in der Kirche zur Probe singen. Pfarrer Pankratius Müller weist zwar 1578 erfreut auf den äußeren Zustand des Ortes „als einem ziemlichen Städtlein nicht ungleich“ hin, bedauert aber gleich darauf, „daß keine Knaben in der Schule seien, die einen deutschen Psalm oder die Litanei singen könnten“, ja, daß überhaupt kein „absolutus praezeptor“, also ein nicht zum Nebenerwerb gezwungener Schulmeister vorhanden sei.6 Vielleicht könnte eben dieser Zustand zur Bildung eines ständigen Kirchenchores geführt haben, der schlecht und recht seinen Dienstzweck erfüllte, den Gottesdienst musikalischer zu gestalten. Dieser Chor wurde erst 1607 wieder einmal aktenkundig, weil eine Neuaufstellung nötig geworden war. Leider erfahren wir nichts über die Zusammensetzung, Ordnung und Tätigkeit dieses Chores.

Dann kamen die Schreckenszeiten des 30jährigen Krieges, angefüllt von Feldgeschrei, Not und Elend, Unsicherheit mit Landflucht und Verminderung der Bevölkerung durch schlechte Ernährung und Seuchen (Pest). Alle kulturellen Einrichtungen einschließlich des Kirchengesanges gingen ein. Die Worte Gesang, Choradstanden, Probesingen u. ä. schwanden aus den gemeindlichen Niederschriften. Erst nach langen Jahren religionspolitischer Kämpfe (Mainstockheim als Zankpfarrei!), bei neugefestigter staatlicher Ordnung und allmählichem wirtschaftlichen Wiederaufbau hörte man wieder etwas von Kirchenmusik. Anfangs stand noch der Gesang im Vordergrund. Noch 1661 wurde eine „remotion“ = Besoldungserhöhung des Schulmeisters wegen „mangelhaften Singens“ vom Rat verweigert.

Jedoch 1668 las man es anders. Da bekam Schulmeister Joh. Heinrich Babel7 wegen eifriger Pflege der Musik eine Zulage von einem Eimer Most (60 Maß = 64 Liter). Anscheinend hatte die Gemeinde inzwischen eine kleine Orgel, ein Positiv (mlat. organum positivum = stellbares Werk) erworben. Solch kleine Orgeln8 mit festem Standort, einem Manual und ohne Pedal, waren damals für kleinere Kirchen in Gebrauch. Die Claves oder Tasten waren so groß, daß sie nur mit großem Kraftaufwand einzeln zu spielen waren und die Tätigkeit des Organisten mit dem Ausdruck „die Orgel schlagen“ bezeichnet wurde. Gewöhnlich bestand die Disposition eines Positivs aus den Registern: Gedackt 8’(Fuß), Flöte 4’, Prinzipal 2’, Aliquodstimmen (Quint 1 1/3’ , Regal, Krummhorn u. a.) sowie Zimbel.

Wegen „verschleissung des örgeleins“ kam es 1673 in der Kirche zwischen Schulmeister Babel und Gerichtsschreiberssohn Joh. Simeon Sachs zu einem handfesten Streit, der mit der Entlassung Babels endete. „...ist dem Gerichtsschreiberssohn Joh. Simeon Sachs das Positivörgelein in der Kirchen zu schlagen anvertraut worden“ entschied 1673 der Rat.9 Das Positiv scheint aber durch die beiden „Orgelschläger“ tatsächlich über Gebühr beansprucht worden zu sein, so daß der Gedanke an eine Neuanschaffung bereits in der Luft hing, als sich im Frühjahr 1673 Gelegenheit zum Erwerb eines anderen Instrumentes bot. Im Mai 1675 kaufte die Gemeinde von Pfarrer Mag. Pistorius (Beck) in Kitzingen ein Positiv10, gab ihr altes Instrument dagegen und legte noch 22 Rtlr. oder 33 fl frk., 1 Eimer firne (alten, ausgebauten) Wein und einen Eimer Most (neuen) Wein dazu.

Weil aber der Nachfolger von Babel namens Johann Eisen trotz erfolgreichem Probesingen auf die Dauer nicht genügen konnte, hatte der Rat den damaligen Gerichtsschreiber (Gemeindeschreiber) Kilian Sachs und dessen Sohn Joh. Simeon Sachs mit dem Kirchendienst betraut und 1676 folgende Besoldungsregelung11 getroffen: Kilian Sachs und Joh. Simeon Sachs sollten zusammen 40 fl für ihre Bestallung als Gerichtsschreiber, Schulmeister und Orgelschlager erhalten. Gemessen an der verlangten Leistung war dies eine ungenügende Entlohnung. Als darum 1677 Joh. Simeon Sachs wegen des Orgelschlagens auf eine bessere Bezahlung drängte, verlangte man von ihm, sich „deswegen bis auf das Jahr künftiger besserer Herbstzeit zu gedulden“. Die Frage der Besoldung wurde jeweils nach der Finanzlage der Gemeinde entschieden. Seltener waren Neuzugänge zum Chor oder zur Musik (kleine Kapelle, wahrscheinlich mit Blasinstrumenten) Gegenstände der Beratung.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte sich die Gemeinde Mainstockheim wirtschaftlich wieder emporgearbeitet und war verhältnismäßig vermögend geworden. Das kam vor allem 1717 in der Vollendung des Turmneubaues und 1720 in einem Neubau der Jakobskirche zum Ausdruck.12 Mit gewissen Seitenblicken auf die Nachbargemeinden (Dettelbach, Buchbrunn u. a.) wünschte die Gemeinde nun auch die Anschaffung einer größeren oder richtigen Orgel. Zu diesem Zweck hatte das Ehepaar Jörg Starck ein Legat in Höhe von 200 fl vermacht.

Am 27. 4. 1727 befaßte sich der Rat in einer Sondersitzung mit den Vorbereitungen zum Orgelkauf, „damit der Bürgerschaft ein gewisser Argwohn genommen werde“. Innerhalb der nächsten 8 Tage sollten Michael Sterzbach und Christian Nees auf Reisen gehen und den Orgelbauer in Windsheim13 aufsuchen, der für Geiselwind gerade eine neue Orgel fertiggestellt habe. Sie sollten ihren Weg zunächst über Rothenburg o.d.Tb. nehmen und dort ein wohlfeiles, also verkäufliches Orgelwerk in der Pfarrkirche in Augenschein nehmen, dann erst „ihren Kurs auf Windsheim setzen und zusehen, welches Werk das beste für die hiesige Gemeinde sei“. Ferner solle der Schweinfurter Orgelmacher Nöth zu Verhandlungen hierher gebeten werden. Allein alle diese Absichten scheinen zu keinen greifbaren Ergebnissen geführt zu haben. Es blieben nur zwei in Einzelheiten verschiedene Vertragsentwürfe vom 13. 6. 1727, mit der typischen Disposition einer Barockorgel, aber ohne Verfasserangabe.14

Ein Vierteljahr später kam die Gemeindevertretung am 27. 9. 1727 in Anlehnung an die Vorverträge doch zu einem Abschluß mit dem Schweinfurter Orgelmacher Voit.
Der Vertrag15 hat folgenden Inhalt:

Vertrag
mit dem Orgelbauer Johann Rudolph Voit
von Schweinfurt vom 27. September 1727

Zu wissen sei hiemit, daß heute dao den 27. Septembris 1727 ein aufrichtig beständiger Kontrakt, Abrede und Accord geschehen und bewilliget zwischen denen Oberdorfsherren Schultheißen, Bürgermeister, Rat und ganzen Gemeind des Fleckens Mainstockheim an einem: und dem Wohl Ehrn Vesten und Kunsterfahenen Herrn Johann Rudolph Voiten, Bürgern und berühmten Orgelmacher in der Kayserl. Freien Reichsstadt Schweinfurth, am andern Theil, nachfolgender Gestalt und also, dass genannter Orgelmacher Voit, nach seiner Kunst, gewissenhaft, treu und fleißig, verfertigen solle, in unsere Kirche nachbeschriebenes Orgelwerk:

1. Prinzipal 8 Fuß, von gutem Zinn 9 Teil und 1 Teil Blei
in 7 Thürne nach seinem Abriß (siehe Abb.)
2. Solational 8 Fuß  
3. Viol di Gamb 8 Fuß  
4. Oktav 4 Fuß mit geblatteten Labien, prinzipal Art intoniert
5. Quint 3 Fuß  
6. Superoktav 2 Fuß  
7. Sesquialter    
8. Mixtur 1 ½ Fuß, dreifach. Dieses Register von gemischter Materi,
½ und ½
9. Großgedackt 8 Fuß  
10. Block- oder Hohlflöt 4 Fuß. Diese zwei Register von gutem Holz.
  Pedal    
11. Violonbaß 8 Fuß  
12. Subbaß 16 Fuß, gedackt
13. Posaunbaß 16 Fuß. Diese drei Bässe von guten fährnen Holz.

Hier fügte der Orgelbauer am 17. 3. 1728 ein Bemerkung ein.16

Ferner dazu 4 Bälge, jeder mit einer Falten und eingefaßten Tafeln, neuester Manier nach, 10 Schuhe lang und 5 Schuhe breit, auch mit starken Stricken durchzogen, und mit Roßadern und Pergament auch mit doppelten Leder an gehörigen Orten überzogen.
Im übrigen solle das Manual oder Clavier bestehen in 48 Clavibus, und von indianischem Holz, das Pedal aber in 24 Clavibus unter die lange Oktav, wie es nach jetziger Manier bei dem Orgelwerk erfordert wird;
ingleichen die Register auf Walzen gehen, damit sie leichtlich und geschwind aus- und einzuziehen seien.
Und hat er Herr Voit Orgelmacher fordersamst bei dem ganzen Werk saubere und zierliche Arbeit von guter Dauerhaftigkeit, inclusive die Schreiner, Schlosser und Bildhauerarbeit, soviel um das Pfeifenwerk gehöret, was sonderlich das Gehäuse betrifft von gutem Holz, nach Proportionen der Kirchen, worinnen alles Pfeifenwerk zu stehen kommt, betrifft, zu praestiren, Auch daß NB. der geringste Fehler daran nicht auszusetzen sein möge fideliter versprochen.
Gleichwie er Orgelmacher nun sich nochmalen verpflichtet, mehrberührtes Orgelwerk völlig aufzustellen und in guten ohnmangelhaften Stand zu richten, auch auf seine eigenen Kosten hieher zu liefern, nicht minder aber die erforderliche Gewährschaft auf Jahr und Tag (ein Jahr Garantie), vor die Hauptfehler aber sein Lebtag sich verpflichtet, sollte in Jahr und Tag sich etwan was mangelhaftes befinden, verspricht er, solches umsonst zu reparieren.
Also hat man ihme Herrn Voit vor die überschriebene Orgel zu zahlen versprochen

330 fl frk., 1 Eimer Wein, 1 Speciesdukaten als Trankgeld,17
welche er auch sogleich empfangen; das übrige auf folgende Termin zu bezahlen:

Nemblich sobalden er Caution von der Canzelei allhier eingelegt, 100 fl
Innerhalb Jahreszeit wieder 65 fl
Wenn das völlige Werk in guten Stand gestellet (was 14 Tage
vor der Kirchweih 1728 unfehlbar geschehen sein soll)
65 fl
Rest von 100 fl läßt Herr Voit Jahr und Tag auf Gewährschaft
stehen (=Garantiesumme).
 

Die Befestigung des Orgelwerkes durch den Schmied und die Zimmererarbeit mußte die Gemeinde bezahlen. Der Orgelbauer hatte sie nicht mit einbedungen.

Der Vertrag in zwei Ausfertigungen wurde durch Schultheißen, Bürgermeister und Rat nebst den besonders zugezogenen Viertelmeistern als Vertretern der Gesamtgemeinde einerseits und dem Orgelbauer Joh. Rudolph Voit andererseits unterzeichnet. Die Bezahlung erfolgte termingemäß, doch die Anfertigung der Orgel verzögerte sich über Kirchweih 1728 hinaus. Als Begründung fügt Voit in seinem Entschuldigungsschreiben vom 9. 2. 1728 an: „Es wäre noch mehrers verfertigt worden, so habe ich bald da bald dorten in denen Kirchen zu verrichten gehabt, welches man, weilen es in der Nachbarschaft ist nicht gerne fahren läßt.“

Das vorhandene alte Orgelwerk konnte inzwischen an die Gemeinde Zeubelried bei Ochsenfurt um 54 Tlr. verkauft werden. Der dortige Schultheiß Johann Jörg Schmith und als Zeuge Adamus Matthäus Schraud unterzeichneten dieses Abkommen und handelten die Zahlungsbedingungen aus.

Am 10. Jan. 1729 luden Schultheißen, Bürgermeister und Rat von Mainstockheim den damaligen Pfarrer von Hohenfeld Joh. Martin Braun, gebürtig in Mainstockheim, zu einer Probe der teilweise aufgestellten Orgel ein. Braun bat um Verschiebung des Termins, da auch die beiden Bürgermeister von Hohenfeld bei der Probe zuhören wollten. Ein Bericht über das Ergebnis scheint nur mündlich gegeben worden zu sein. Wahrscheinlich verflossen wieder Monate bis zur Fertigstellung des Werkes. Der genaue Zeitpunkt der Vollendung wurde nicht festgestellt. Dagegen erstattete am 15. 6. 1730 der eingeladene Orgelbauer Johannes Hoffmann von Sylbach bei Haßfurt folgenden Bericht über die Prüfung der Orgel:

  1. Die 2 unteren Oktaven des Prinzipals 8’ gehen zu schwach.
  2. Die Gamba muß besser gestimmt werden.
  3. Das Salicional sollte anmutiger und lauter gehen.
  4. Die Mixtur sei nur 1’; sollte nach Vertrag 2’ sein.
  5. Die Flöte sollte etwas „duser“ gehen.
  6. Der Posaunbaß habe nur 8’; sollte aber vertraglich 16’ Ton sein.
  7. Die Posaunenpfeifen sollten besser verwahrt werden, da sie sonst leicht umfallen könnten.
  8. Die Blasbälge seien ganz und gar untauglich und daher zu verschlagen.

So viele Ausstellungen hatten natürlich weitere Verhandlungen zur Folge. Die vier Blasbälge lieferte Voit erneut, aber nicht ohne Aufschlag von 20 fl frk. und ½ Eimer Wein. Auch mit den nachgelieferten Bälgen enttäuschte Voit. Der Kantor Brückner stellte bald wieder Schäden an den Bälgen fest und außerdem seien die Beanstandungen von 1730 noch nicht beseitigt. Es scheint sich hier um Kasten- oder Zylinderbälge gehandelt zu haben, da von einem Orgel- oder Blasbalgzieher die Rede ist.

So wandte man sich wieder an den Orgelmacher Johannes Hoffmann von Sylbach. Dieser verlangte nun 6 fl neben freier Unterkunft für alle restlichen Reparaturen, wobei Zimmerer, Schreiner, Schmiede und Fröner von der Gemeinde besonders bezahlt werden sollten. Er versprach für seine Arbeit sogar 10 Jahre Gewährschaft und zum Abschluß noch eine neue Stimmung des ganzen Pfeifenwerkes.18 Schon vor der Fertigstellung des ganzen Werkes scheint die Orgel in Benützung gewesen zu sein, denn 1728 wird als „Schulbedienter, Kantor und künstlicher Organist“ Ernst Jakob Müller genannt. Auch hatte man 1728 Georg Hayne als Calkanten mit 2 Rtlr. an Geld neben Wache- und Fronfreiheit angestellt. Wenige Jahre später wurde der „Bälg-Tretter“ sogar vereidigt und damit unter die Gemeindebediensteten eingereiht. Über die Einweihung der neuen Orgel finden sich keine Berichte. Dagegen hielt es der Rat für notwendig, die Schulmeisterspflicht19 1730 neu zu fassen. Darin hieß es: „...in der Kirche auch mit Singen fleißig, richtig und wohl verhalten; die Jugend, welche dazu lust und geschickt, in der Musik treu eifrig und fleißig unterrichten; das Orgelwerk sowohl als die Uhr in Obacht nehmen und besorgen.“ Der erste Kantor, der auf diese Ordnung verpflichtet wurde, hieß Johann Lorenz Brückner und stammte aus Rodach bei Coburg.

In der Folge hören wir von keinen Veränderungen an der Orgel, außer der einen, daß vor 1752 als Moderegister ein Zymbalstern der Disposition hinzugefügt wurde. Gelegentlich einer Eingabe wegen Besoldungserhöhung kam zur Sprache, daß Kantor Brückner den neugestifteten Stern bei Kindtaufen laufen lasse und dafür Geld verlange. Daraufhin wurde folgende Regelung getroffen: „Von dem Stern aber von niemand nur das geringste abfordem oder annehmen, sondern vielmehr besagten Stern auf alle Sonn-, Fest- und Feiertage bei jedesmaligem Auftritt des Herrn Geistlichen auf die Kanzel - des Liedes letzten Vers durchlaufen lassen solle.“

Unter dem Nachfolger für Kantor Brückner, dem Kantor Johann Heinrich Zang, konnte die neue Orgel beweisen, was in ihr steckte, denn dieser begabte Organist führte in den nächsten 45 Jahren die Kirchenmusik in Mainstockheim auf ihren Höhepunkt. Zang kam von Walsdorf bei Bamberg hierher. Er war Thüringer, am 13. 4. 1733 in Zella-St. Blasii (Zella-Mehlis) geboren, und hatte seine Ausbildung bei Joh. Caspar Heller in Saalfeld erhalten. Die Behauptung, er sei ein Schüler Joh. Sebastian Bach’s gewesen, ist nicht bewiesen. 1752 bewarb er sich in Mainstockheim und erhielt nach bestandenen Prüfungen im Schreiben, Rechnen und der Musik durch Rat und Ortspfarrer seine Anstellung. Bei der Bestallung wurden ihm jährlich 62 fl fest zugesagt. Der Kirchendienst trug von einer Hochzeit 6 btz (1 Batzen = 4 krz), eine Brautsuppe 6 btz, eine große Leich 6 btz, eine kleine Leich und eine Kindstaufe je 4 btz frk. An Schulgeld sollte jedes Kind vierteljährlich 1 btz frk. bringen, das Clavier aber sei mit 1 Rtlr. pro Vierteljahr zu bezahlen. Dazu kamen noch 3 Reif Scheitholz und 300 Schulwellen.

Die Anfangsschwierigkeiten, die ihm der bisherige Kantor Joh. Lorenz Brückner bereitet hatte, waren bald überwunden. Besonders seine musikalische Tüchtigkeit gewann ihm das Vertrauen seiner neuen Gemeinde. 1755 komponierte er die Musik zum Religionsfriedensfest (Augsburger Religionsfriede 1555) und nach einigen Jahren hatte er einen guten „musikalischen Chor“ zusammengestellt. Für den Ankauf zweier neuer Pauken hatte Kantor Zang persönlich gesammelt.20 Nikolaus Wünterlein und Frau trugen die Kosten für neue Trompeten. So konnte „die Musik“ am 21. 11. 1733 bei dem örtlichen Dank- und Erntefest erstmals mit Pauken und Trompeten an die Öffentlichkeit treten. In den folgenden Jahren erlebten noch manche eigene Tonschöpfungen des Kantors ihre Erstaufführung in der Jakobskirche.

In jener Zeit war in Franken die Besoldung der Lehrer unzureichend. Sie mußte deshalb durch Gemeindeschreiberei und Landwirtschaft im Nebenerwerb aufgebessert werden. Zang bewirtschaftete zwar auch einige Dienstgründe, doch suchte er seinen Vorteil mehr auf anderen Gebieten. So gab er 1762 ein Lehrbuch der Schreibkunst heraus, „Calligraphia oder selbstlehrende Schreibkunst“21 genannt. Auch als Kupferstecher erwarb er sich rasch Kundschaft. So kennen wir die Umarbeitung der beiden Stiche der Stadt Kitzingen im Auftrag des Joh. Valentin Schmid 1770,22 dann die Gravierung der Messingplatte im Turm der Gumbertuskirche. 1786 vergoldete er den Turmknopf der Jakobskirche und fertigte in Abwesenheit des Gerichtsschreibers eine weitere Turmknopfurkunde an. Erst 1969 wurde auch ein Ölgemälde von ihm bekannt mit der Aufschrift: „Nr. 32 Ein Vulkan, gefertigt von Joh. Heinrich Zang in Maynstockheim bey Würzburg am 22. Martii 1796“.23

Daneben entwickelte Zang seine Fähigkeiten als Komponist von Kirchenmusik und als Orgelbau-Sachverständiger. Als solcher erfand er ein Instrument zum Stimmen einer Orgel,24 besser als das damals gebräuchliche Monochord. Von seinen Schriften erschienen „Der vollkommene Büttner oder Küfer“, 1804 in Nürnberg und „Der vollkommene Orgelmacher“, 1829 in Nürnberg in zweiter Auflage. Beide Werke sind mit Stichen, wohl von der Hand des Verfassers selbst, versehen und können in der Stadtbibliothek Nürnberg und in der Bibliothek des Deutschen Museums in München eingesehen werden.

Das musikalische Werk Zangs besteht aus

  1. zwei Jahrgängen Kirchenkantaten, wahrscheinlich ungedruckt;
  2. zwölf Trios für Orgel mit 2 Manualen und Pedal, wahrscheinlich ungedruckt;
  3. „Singende Muse am Main“, wahrscheinlich unter dem Pseudonym Forceps (lat. Zange) 1776 in Würzburg und Ihgnaz 1776 in Nürnberg erschienen.

Schon in diesen wenigen Angaben spiegelt sich das Bild des musisch veranlagten, geistig regsamen, gebildeten Menschen jener Zeit wider.

Mit den Jahren wurde den Einwohnern des Dorfes Mainstockheim das künstlerische Wirken und Leben Zang's lästig. Zu lange Vor- und Nachspiele nahmen den Bürgern zuviel von der kostbaren Zeit des Sonntagvormittags. Manchmal schien der Kantor auch vergessen zu haben, die Kirchturmuhr aufzuziehen oder das hintere Kirchhoftor zu schließen. Dann mußte der Pfarrer die Beschwerden der Bürger an den Kantor weitergeben, was sicher nicht zur Verbesserung des gegenseitigen Verhältnisses beitrug. 1789 erwuchsen Streitigkeiten wegen der Kirchenmusik zwischen beiden, mit der Folge, daß dem Kantor Gehaltskürzung angedroht wurde. Als sich Zang gar noch über die althergebrachte Kirchstuhlordnung hinwegsetzte, gerieten die Meinungsverschiedenheiten sogar vor das Dorfgericht. Zang fühlte sich dadurch anscheinend wenig berührt, denn seine wirtschaftliche Lage machte ihn unabhängig. Neben einer Vermögensübersicht von 178025 ist die Bemerkung des Büttners und Landwirts Joh. Peter Schneider in seinem Aufschreibbuch26 von 1817 sehr aufschlußreich, wonach Zang von dem Zaren Paul I. (ermordet 1801) eine Uhr mit 454 Diamanten besetzt erhalten habe.

Im Jahre 1800 gab Zang im Alter von 67 Jahren den Schuldienst auf und wandte sich vorwiegend dem Orgelbau zu. Mit dem Orgelbauer Joh. Michael Voit in Schweinfurt stand er in dauernder Verbindung. Von Voit ließ er sich auch seine Erfindung einer neuartigen Stimmpfeife für Orgelstimmungen ausführen. Nach dem Tode seiner 3. Frau und dem frühzeitigen Hinscheiden seiner Kinder war Zang zuletzt völlig vereinsamt. Er zog sich gänzlich zurück und geriet bald in Vergessenheit. Von seinem Lebensende wissen wir nur, daß er am 18. August 1811 im Juliusspital zu Würzburg gestorben sein soll. Ob diese aus zweiter Hand stammende Angabe27 stimmt, konnte bis jetzt noch nicht urkundlich bestätigt werden.

Auch im 19. Jahrhundert wurde der Organistendienst in Mainstockheim durch den jeweiligen 1. Knabenlehrer versehen. In der Reihe der wenigen Personen trat kein überragender Musiker hervor. Es wird sich auch niemand an die Werke von Grell, A. Becker, J. Rheinberger und Reger gewagt haben, viel weniger an die Klassiker der Orgelmusik oder gar an Joh. Sebastian Bach. Doch ist nicht ausgeschlossen, daß an den Feiertagen der örtliche Gesangverein als Kirchenchor auftrat.

Im August 1899 wurde die Orgel durch die Firma G. F. Steinmeyer, Öttingen, überholt und ein neues Gebläse eingesetzt. Hierbei dürfte ein Magazinbalg anstelle des alten Kastenbalges verwendet worden sein. Durch die zwei neuen Register Gamba und Salicional wurde die Disposition der Orgel verbessert. Die Kosten der Erneuerung beliefen sich auf rund 1000,-- Mark.28 Kantor war damals Johann Sauter. Bis Juli 1911 unterstützte ihn der Verweser der 1907 errichteten 3. Schulstelle, Otto Steiner. Die Erinnerung an diesen musikalisch hervorragend begabten Lehrer und späteren Stadtkantor in Schweinfurt ist heute noch lebendig.

Im ersten Weltkrieg waren 1917 die Zinnpfeifen der Orgel, wie auch die Bronzeglocken, von der Beschlagnahme bedroht. Da die Pfeifen aber aus einer Zeit vor 1826 stammten, fielen sie nach dem Gesetz nicht unter diese Maßnahme, sondern konnten im Prospekt bleiben.

Die letzte Instandsetzung erfolgte im Jahre 1957. Ein elektrisches Gebläse wurde eingebaut. Außerdem scheint das Gehäuse der Orgel dem Gesamtfarbton der Kirche angepaßt worden zu sein. In dieser Zeit wurde wohl auch der Zimbelstern entfernt, das Manubrium aber an seiner Stelle belassen.

Die Orgel der St. Jakobskirche Mainstockheim; Foto: L. RufSo präsentiert sich das Instrument heute mit dem originalen Prospekt, der barocken, reichvergoldeten Holzbildhauerei mit den Akanthusmotiven, in der Mitte von farbigen Putten gekrönt, von denen links der Gesang, in der Mitte die Kesselpauken, rechts die Trompeten dargestellt werden. Die Zwischenräume darunter sind ebenfalls von singenden Putten ausgefüllt, während in der linken Randverzierung (Flügel) eine Putte mit Violine, in der rechten eine Putte mit Flöte Platz gefunden haben.29 Den Hauptteil des Prospektes beherrschen die Gruppen der Zinnpfeifen, von denen die Baßpfeifen außen, die Diskantpfeifen nach innen angeordnet sind.

Die Disposition der Orgel ist allerdings nach dem Originalvertrag von 1727 geändert. Die Register sind in zwei Reihen rechts und links vom Spieltisch angeordnet. Die linke Reihe wird gebildet von:

Gamba Baß 8’, Flöte 4’, Gedeckt Baß 8’, Mixtur 1’ dreifach, Oktave 2’, Oktave 4’, P. Oktavbaß 8’, Sesquialtra,

zusammen also 8 Register. In der rechten Reihe finden sich:

Gamba Diskant 8’, Prinzipal 8’, Quinte 2 2/3; Gedeckt Diskant 8’, Salicional 8’, Subbaß 16’,

zusammen 6 Register. Rechts oben, außerhalb der Reihe, ist noch der leere Registerzug für den verschwundenen Zymbelstern zu sehen.R1

Der Spieltisch mit einem Manual, 29 schwarzen Unter- und 20 weißen Obertasten ist an den Prospekt angebaut, zwingt also den Organisten, mit dem Rücken gegen die Gemeinde zu sitzen und sich durch einen Spiegel zu orientieren. Das Pedal weist 15 Untertasten und 9 Obertasten auf.

Die Magazinbälge sind von der Orgel getrennt und werden jetzt elektrisch betrieben. Der Tritt für den einstigen Blasbalgtreter blieb wohl für Notfälle erhalten.

Nach 1935 wurde der Organistendienst nicht mehr durch den Lehrer ausgeübt. In den folgenden Jahren spielten Diakonisse Schwester Kunigunde Philipp und Fräulein Loni Sauter. Jetzt wechseln sich Frau Neubert und Fräulein Oll im Kirchendienst ab.R2 Von älterer Orgelliteratur, in der J. G. Herzog und Karl Wolfrum stark vertreten waren, ist nur noch ein musikalischer Anhang zur Agende, Nürnberg 1832 erhalten. Ältere Inventare in Pfarrarchiv und Pfarrbeschreibung sind nicht vorhanden. Die Orgel in der Jakobskirche zu Mainstockheim verdient wegen ihres hohen Alters und ihres stilreinen Aufbaues alle denkmalspflegerische Betreuung. Sie könnte sogar nach einer neuen Stimmung zur Gestaltung kleinerer Kirchenkonzerte unter besonderer Berücksichtigung der Barockmusik dienen.

Quellen: Urkunden- und Archivalien aus Staatsarchiv Würzburg - Staatsarchiv Nürnberg - Pfarrarchiv Mainstockheim (Pfarrbeschreibung, Kirchenbücher) - Gemeindearchiv Mainstockheim (Protokollbücher, Gerichtsbücher) - Familienchronik Joh. Leonhard Bär, Mainstockheim -Aufschreibebuch Joh. Peter Schneider, Mainstockheim 1817.

Literatur: Joh. Heinrich Zang, Der vollkommene Orgelmacher, Nürnberg, 21829. - Walter M. Brod, Fränkische Schreibmeister, Mainfränkische Hefte Nr. 51, Würzburg 1968. - Eduard Krauß, Hohenfeld, Würzburg 1933. - Mainlande, Beilage zur Main-Post 1956-1967.


Anmerkungen des Verfassers (1 - 29) und redaktionelle Anmerkungen (R1, R2):

  • 1. Albertshofen 1779 Buchbrunn um 1700, Dettelbach um 1659, Hoheim um 1707, Hohenfeld 1715/16, Mainbernheim um 1750 (nach Kunstdenkm. Bayerns, Bd. I, Heft 2, Kitzingen, München 1911).
  • 2. Staatsarchiv Würzburg, Standbuch 631 a.
  • 3. Staatsarchiv Würzburg.
  • 4. Staatsarchiv Würzburg, Urk. 113/95; gleichzeitig früheste urkundliche Erwähnung einer Schule in Mainstockheim.
  • 5. Gemeinbuech ime dorff Mainstockheim, 1549, S. 15.
  • 6. Staatsarchiv Nürnberg, 6123, Mainstockheim Schul.
  • 7. Ratsprotokolle Mainstockheim 1668.
  • 8. Originalpositiv aus Krommenthal/Spessart, aufgestellt in Nilkheim bei Aschaffenburg, in: Mainlande, Beilage zur Main-Post, 15. Jahrg. (1964), Nr. 1, S. 3
  • 9. Ratsprotokolle 1673, 29. 5.; Lohn jährlich 1 Dukaten, von einer Hochzeit 2 btz.
  • 10. Ratsprotokoll 1675, 27. 5.
  • 11. Ratsprotokoll 1676, 25. 5.
  • 12. Familienchronik Bär: 1717 Beginn des Turmbaues, 1719 Grundsteinlegung der neuen Kirche.
  • 13. Ratsprotokolle 1727, 27. 4.
  • 14. Gemeindearchiv Mainstockheim, Akt Orgelbau in St. Jakob.
  • 15. Gemeindearchiv Mainstockheim, Akt Orgelbau in St. Jakob, 27. 9. 27.
  • 16. Bemerkung des Orgelbauers Voit Schweinfurt vom 17. 3. 1728: „Stat des angesetzten Posaunenbass von Holz accort, ist also der bemeldte von Metal accortirt worden, mit vorbehaltung, dass derselbe ohne eines einzigen Fehlers, er habe namen, wie er woll, restatuiret werden, und ist Herrn Volt von ermelten Zehen gülten frk zugelegt worden.“
  • 17. Ausdruck durch „Leykauff“ ersetzt.
  • 18. Hoffmann stimmte 1735/36 auch die Orgel in Hohenfeld; vgl. Krauß, Eduard, Hohenfeld, Würzburg 1933, S. 248.
  • 19. Einsetzungsprotokoll Extrarat 3. 8. 1730, Protokollbuch S. 433.17
  • 20. Kirchenbuch Mainstockheim 1755 u. 1768, S.1035.
  • 21. Walter M. Brod, Fränkische Schreibmeister, Würzburg 1968, Mainfränkisches Heft Nr.51, S.31-34, Abb. 15 und 16.
  • 22. Selzer, Otto, Kitzinger Stadtansichten im 18. Jahrhundert, in: Mainlande, Beilage zur Main-Post 18. Jhrg. (1967), Nr. 18 und 19, mit 5 Abb.
  • 23. Privatbesitz
  • 24. Joh. Heinrich Zang, Der vollkommene Orgelmacher, Nürnberg 21829; § 23 Eine Stimmpfeife zu machen, S. 103 - 108, § 24 Eine Orgel nach der Stimmpfeife zu stimmen, S. 109 - 110.
  • 25. Gemeindearchiv Mainstockheim B 11/11 Gerichtsbuch ab 1731.
  • 26. Aufschreibbuch von Joh. Peter Schneider: „Anno 1801 in der Nacht des 23. Mertz wurde der Rußische Keyser Paul Petrowitz von einem Fürsten in seinem Zimmer Erdroßelt, von welchen der Kantor Zang eine Uhr mit 454 Diamanden besetzt bekam.“
  • 27. Aus: Joh. Georg Meusel, Das gelehrte Teutschland, Lemgo 1827, S.753.
  • 28. Pfarrbeschreibung Mainstockheim ab 1907, verfaßt von Pfr. Karl Luttenberger.
  • 29. Der Nachweis, daß der Bildhauer Michael Becker von Dettelbach die Holzbildhauerarbeiten am Prospekt der Orgel ausgeführt hat, kann nicht mehr erbracht werden, da die Rechnungen der Gemeinde 1831 beim Brand des Rathauses vernichtet wurden.
  • R1. Bei der Orgelinstandsetzung 1975 wurde ein neuer Zymbelstern angebracht und funktionstüchtig gemacht.
  • R2. Seit 1970 versorgen Frau Roswitha Neubert und Frau Margarethe Haeffner abwechselnd die Organistenstelle. Nach dem Tod von Frau Haeffner ist Frau Neubert alleine Organistin.

In Memoriam Otto Selzer

zusammengestellt und mit Anmerkungen versehen von Ludwig Ruf

Otto SelzerDer als Heimatforscher überaus tüchtige Oberlehrer Otto Selzer starb am 2. April 1989 in Marktbreit im 92. Lebensjahr. Nachdem wir ihm und seinen Forschungen die ersten wichtigsten Nachrichten über den Kantor Johann Heinrich Zang verdanken, möchten wir hier sein Leben und Werk dankbar würdigen.

Otto Selzer wurde am 3. Februar 1898 in Stuttgart geboren. Seine Jugend- und Schulzeit verbrachte er in Ochsenfurt am Main. 1911 bis 1916 bereitete er sich in der Präparandenschule in Marktsteft und im Lehrerseminar Altdorf auf seinen Beruf vor. 1917 bis 1919 wurde er als junger Soldat im 1. Weltkrieg an der Westfront eingesetzt und dabei verwundet. Nach seiner Aushilfslehrerzeit 1919 - 20 kam er 1921 zunächst als Hilfslehrer nach Mainstockheim, verheiratete sich 1922 und blieb dort bis 1935 als Lehrer. In diesem Jahr wurde er als 1. Lehrer und Schulleiter nach Obbach (Landkreis Schweinfurt) berufen. Den 2. Weltkrieg machte er als Artillerieoffizier 1939 bis 1945 mit (Frankreich, Balkan, Rußland 41/42) und erlitt dabei wiederum eine Verwundung. 1945/46 war er in Kriegsgefangenschaft, wurde durch die Regierung von Unterfranken aus dem Schuldienst entlassen und musste sich als landwirtschaftlicher und Bauhilfsarbeiter durchschlagen. 1947, nach dem Entnazifizierungsverfahren der Spruchkammer in Schweinfurt kam er nach Hammelburg in Internierungshaft. Ab Mai 1948 war er als Hilfsarbeiter im Freileitungsbau der AEG, Bauabteilung Nürnberg tätig. 1954 wurde er arbeitslos und 1955 als Erzieher in der Privaten Realschule Marktbreit eingestellt. In diesem Jahr kam es endlich auch zu einem Wiederaufnahmeverfahren in München in dem die Fehlurteile der Spruchkammer und der Berufungskammer aufgehoben und die Verfahren eingestellt wurden. Am 1. September 1956 konnte er seinen Dienst an der Volksschule Marktbreit wieder aufnehmen und wurde wieder verbeamtet. 1963 war dann seine Ruhestandsversetzung wegen Erreichung der Altersgrenze, er arbeitete aber bis 1965 im Angestelltenverhältnis in Marktbreit in seinem Beruf weiter. 1975 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

In über 150 Arbeiten veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse, die sich durch sein hervorragendes umfassendes Wissen der heimatgeschichtlichen Zusammenhänge und Hintergrunde auszeichneten. Er musste im Laufe seines Lebens schwere Schicksalsschläge und Ungerechtigkeiten hinnehmen. Sein Wesen war aber von Bescheidenheit und vornehmer Zurückhaltung geprägt.

Als wir 1975 bei der Renovierung der Kirche in Mainstockheim die ursprüngliche Disposition der Orgel suchten, gab uns die vorstehend abgedruckte Arbeit Otto Selzers erschöpfende Auskunft. Sie war aber auch der Anlass, uns mit dem Kantor Zang weiter zu beschäftigen. Mit Erfolg: Unser Mitglied Dr. Gustav Ringel, Nürnberg, damals wissenschaftlicher Assistent an der Universität Erlangen - Nürnberg, suchte auf meine Veranlassung hin nach Werken Zangs und fand in der Bayerischen Staatsbibliothek in München die sieben Kantaten Zangs, die bis jetzt einzigen wiederaufgefundenen musikalischen Werke des Mainstockheimer Kantors.

Bei Selzers Aufsatz muss man beachten, dass er nur die bis 1971 von ihm erforschten Ergebnisse verwenden konnte. Für uns gibt es z. B. kaum noch Zweifel, dass Zang ein Schüler Joh. Seb. Bachs war (vgl. MITTEILUNGEN 1986). Obwohl die sieben Kantaten Zangs in der Zeit, als Otto Selzer in der Bayerischen Staatsbibliothek in München nachforschte, dort schon vorhanden waren, konnte er sie nicht finden, da sie erst später inventarisiert wurden. Und dass er nicht erwähnt, dass er während seiner Dienstzeit in Mainstockheim als Organist die Orgel geschlagen hat, zeugt von seiner Bescheidenheit.

Ludwig Ruf

„...die von dem H. Cantor zu Mainstockheim selbst combinirte Music, welche 1 ½ Stunden dauerte...“

Vor kurzem ging uns ein Bericht zu, der einen weiteren interessanten Zug zum Bild des Kantors Zang darlegt und in unserer Zusammenstellung aller Nachrichten über Zang nicht fehlen sollte. Er kommt aus dem Dorf Mönchsondheim, das etwa 15 km (Luftlinie) südöstlich von Mainstockheim liegt und heute ein Ortsteil der Stadt Iphofen ist. Der Verfasser, der Schultheiß Johann Matthäus Krackhart war ein sehr vielseitiger Mann, der in seinem Dorf als Chirurg, Schultheiß, Gemeindevorsteher und Wirt tätig war. In Mönchsondheim hatte das sehr reiche Kloster Ebrach ebenso wie in Mainstockheim Besitzungen und Untertanen. Wahrscheinlich nach der Wahl eines neuen Abtes oder Prälaten wurde die Erbhuldigungs-Veranstaltung für alle Untertanen des Klosters im Amt Mainstockheim im sog. Ebracher Hof in Mainstockheim abgehalten. Wir bringen den aufschlussreichen Bericht aus dem Band B3 (hintere Blätter) des Gemeindearchivs Mönchsondheim, der uns vom Leiter des Stadtarchivs Iphofen, Herrn Rektor i. R. Andreas Brombierstäudl, dankenswerterweise übersandt wurde, in einer gekürzten Fassung.

Ludwig Ruf

Erbhuldigungs-Beschreibung welche den 6. Octobr. 1777 zu Mainstockheim Soleniter1 vollzogen worden.

Die Gnädig vestgesetzten Erbhuldigungs Veranstaltungen wurden von einem Hochlöbl. Amt Mainstockheim denen sämtlich Ebrachischen Schultheißen übertragen, und zwar mit dem Zusatz, was sämtliche treuen Unterthanen in dem Amt Mainstockheim ihrem Gnädigen Regenten und Landes Vatter vor eine Ehr-Bezeugung veranstalten würden, Hochdieselben auch Gnädig ansehen wolten. Man hat so dann die Abrede beschloßen, daß man von Kitzingen 6 Stück2 bestellen, von Würzburg 8 Mann Bande Musicanten3 zur Tafel Music, und nach Tisch eine von H. Cantor zu Mainstockheim combinirte4 schöne Music, Nachts aber ein Feuer Werck veranstaltet werden solte, welches auch alles wie nachfolgend ins Werck gerichtet worden.

Wie nun der 6. Octobr. als der Huldigungs Tag anbrach, wurden die sämtlichen hiesigen Unterthanen früh um 4 Uhr reißfertig mit sauberer Kleidung, das hiesige Gericht aber mit Mändeln auf das Rathhauß bestimmt, sämtliche alda nach der aufgesetzten Listen verleßen und vermahnet, daß sie sich Ehrbar und Brav aufführen und unterwegens keine Zänkereyen anfangen solten, mithin nun nach Mainstockheim abgehen und bey dem Ebrachischen Wirthshauß daselbst bis auf weitere Ordre5 versammeln sollen.…

Im Folgenden wird nun sehr ausführlich der Zug zum Ebracher Hof beschrieben: Musikanten mit blasenden Instrumenten, die Schultheißen der verschiedenen Dörfer und die Zahl der Untertanen. Dann die Messe in der Kapelle des Ebracher Hofes, danach Trompeten und Pauken, der Ehrensalut der „6 Stück“, die Aufstellung des Abtes, der Amtleute und der Ehrengäste beim aufgebauten Thron im Hof, Rede des Hofrats und Antwort des Mainstockheimer ebrachschen Schultheißen, die Pflicht und Angelobung und Nachsprechen des Eides und die Ansprache des neuen Abtes.

…Hierauf tratten Sie, unter lautem Vivat ruffen vom Throne ab, und wir Schultheißen begleideten Hochdieselben in der Ordnung wiedrum hinauf bis an ihr Zimmer. Wir besorgten hierauf unsere Gemeinden und machten Anstalten, daß sie aus dem Herrschaftl. Keller ein jeder Bürger eine Maß Wein und 2 Weck oder einen doppelt Weck bekommen, welchen Wein auch die Gnädigste Herrschafft samt denen Wecken frey und ohn entgeldlich hergaben, auch die Unterthannen mit deren Güte wohl vergnügt waren. Es war ein 73 er Jahrgang, welcher die Unterthannen auch recht lebhafft und munter machte. Wie wir Schultheißen dieses besorgt gehabt, so giengen wir mit dem H. P. Hofmeister Hochwürd. in seinem Zimmer zu Tisch und bekamen eine propere Mahlzeit, auch zur Gesundheit einen 48 er Wein, so viel man wolte. Sr. Hochwürden und Gnaden speisten oben mit 22 vornehmen Gästen, worunter der H. Prälat von Kloster Schwarzach begriffen, in dem ordinairen6 Tafelzimmer unter einer annehmlichen Tafel Music, auch bey Gesundheit Trincken unter Abfeuerung deren Stucken und Trompeten- und Paukenschall; Wie nun die Confecturen7 aufgetragen wurden, so wurden wir durch den Laquai8 in das Tafelzimmer gerufen und geführet, und genaßen also daselbst unter Hoher Gesundheit Trincken den besten Wein; Unter währender Mahlzeit verfügten sich die sämtlichen Unterthannen nochmals in den Ebrachischen Hof und rufften überlaut unter Aufwerffung ihrer Hüthe aus: „Vivat! Es leben Ihro Hochwürden und Gnaden, unser allerseits Gnädiger Herr Prälat!" Welches dem ganzen Hohen Assemblee9 insonderheit dem Gnädigen Herrn wohl gefiel, und daraus der Unterthannen Treue und aufrichtige Herzen abnahmen. Wie nun um 5 Uhr der Herr Prälat zu Schwarzach sich beurlaubet und abgereißt war, so gieng die von dem H. Cantor zu Mainstockheim selbst combinirte Music oben in dem großen Saal an, welche 1 ½ Stunden dauerte und lhro Hochwürden Gnaden großes Wohlgefallen darüber bezeiget; Der Gnädige Herr saßen in der Mitte, Hochdenenselben zur Rechten saßen die zwey Geistlichen Ebrachischen Herren und der Herr Pfarrer von Großen Lanckheim mit etlichen Capucinern, und zur Lincken der Herr Hofrath und Sindicus Freybott, H. P. Amtmann und wir Schultheißen. Wie nun die Music, welche noch zu lezt wegen hereinbrechender Nacht mit Lichtern geendiget worden, so verfügten sich Ihro Hochwürden hinunter auf den Gartengang, um das veranstaltete Feuer Werck mit anzusehen, welches auch schön und bey ¾ Stunde gedauert und worüber Seine Hochwürden Gnaden ein besonderes Wohlgefallen bezeiget haben. Nach Endigung dessen giengen Hochdieselben zur Tafel, und wir Schultheißen hatten auch die Gnade, ebenfalls an die Tafel darzu gezogen zu werden, welche bis Nacht gegen eilff Uhr dauerte; Nach Aufhebung der Tafel verfügten sich lhro Hochwürden Gnaden zur Ruhe in Ihr Zimmer, und wir Schultheißen begleideten Hochdieselben bis dahin und empfahlen uns unter Anwünschung Hoher angenehmer Ruhe Hochdenenselben zu Gnaden....

Der Schlussabschnitt befasst sich schließlich noch mit der Berechnung und Bezahlung der Kosten für dieses Fest.

  • 1. feierlich
  • 2. Geschütze
  • 3. Musikkapelle
  • 4. wörtlich: zusammengestellt, der Verfasser meint aber sicher komponiert!
  • 5. Befehl
  • 6. gewöhnlichen
  • 7. Süßspeisen
  • 8. Diener in Livreé
  • 9. Gesellschaft
Schlagworte: 

Daten aus dem Leben von Johann Heinrich Zang

In der folgenden Aufreihung wurden sämtliche Daten aus dem Leben des Johann Heinrich Zang, soweit sie uns bekannt sind, zeitlich geordnet. Sie geben so eine gute Vorstellung über sein Leben. Natürlich fehlt - leider - ein ganz wichtiger Teil: Wir kennen nur sieben seiner über einhundert Kantaten, die er im Laufe seiner Kantorenzeit in Mainstockheim komponiert hat. Wir wissen nichts von seinen „vielen für Klavier gesetzten Sachen“, den Sonaten und Trios für Orgel und seiner „Singenden Muse am Mayn“. Auch von seinen sonstigen Aufführungen gibt es nur ganz selten Nachrichten. Was wäre das für ein Reichtum, wenn sein Nachlass gefunden würde!

In der nachfolgenden Zusammenstellung ist nach dem Datum das Lebensalter Zangs angegeben und in der letzten Spalte die Stelle, wo Einzelheiten nachlesbar sind. Dort sind auch die genauen Quellen angegeben. - M26 (2) z.B. bedeutet MITTEILUNGEN der Zang-Gesellschaft, Seite 26, Punkt 2; F22 = Festschrift zum 250. Geburtsjahr Zangs, Seite 22; KB = Kirchenbücher.

Ludwig Ruf

Datum Lebensalter Ereignis im Leben Zangs Fundstelle
15.04.1733 0 Johann Heinrich Zang in Zella-St. Blasii geboren MITTEILUNGEN 1987 (1)
16.04.1733   Zang getauft MITTEILUNGEN 1987 (1)
05.08.1743 10 Bericht über eine Schulvisitation in Zella mit den Noten des Schülers Zang MITTEILUNGEN 1987 (2)
1748/49 15/16 Schüler bei Johann Sebastian Bach in Leipzig von Siebold, Artistisch-Literarische Blätter für Franken mit Anmerkung
und Handbuch der historischen Stätten Deutschlands
1749/50 16/17 Kanzlist in Kloster Banz und Organist in Hinterstein bei Coburg von Siebold, Artistisch-Literarische Blätter für Franken mit Anmerkung
1751/52 18/19 Kantor in Walsdorf bei Bamberg von Siebold, Artistisch-Literarische Blätter für Franken mit Anmerkung

18.04.1752

19

1. Ehe Zangs mit Anna Margaretha Balbierer in Fröhstockheim, Braut 20 Jahre alt

MITTEILUNGEN 1988 (A.1)

07.11.1752

 

Prüfung und Einsetzung als Kantor in Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1987 (3)

20.12.1752

 

Verpflichtung als Kantor in Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1987 (4)

21.03.1753

20

Geburt und 

MITTEILUNGEN 1988 (A.2)

05.07.1753

 

Tod des 1. Kindes Margaretha Barbara (3 Mt. 2 Wch. alt)

 

24.02.1754

22

Geburt des 2. Kindes Johann Conrad

MITTEILUNGEN 1988 (A.3)

27. / 28.09.1755

 

Feier des 200. Jahrestages des Augsburger Religionsfriedens, mit der 1. Nachricht über die Aufführung einer „Musik" (=Kantate) Zangs

MITTEILUNGEN 1987 (5)

09.07. bis Nov. 1756

23

Komposition der Kantate zum 2. Pfingsttag „Also hat Gott die ganze Welt geliebet"

Partitur

Nov. 1756

 

Komposition der Weihnachtskantate „Mache dich auf, werde licht"

Partitur

25.12.1756

 

1. Aufführung der Weihnachtskantate

 

1757

24

1. Aufführung der Pfingstkantate

 

Okt./Nov. 1757

 

Wiederholung der Pfingstkantate mit einem Parodietext („Altar und Kanzel sind ganz neu erbauet") zur Kanzel- und Altareinweihung in St. Jakob, Mainstockheim

Partitur

10.11.1757

 

Beschwerde des Rates über lange Orgelvorspiele

MITTEILUNGEN 1987 (6)

06.03.1759

26

Komposition der Kantate „Ostertriumph" „Halleluja, der Sieg ist da!"

Partitur

15.04.1759

 

1. Aufführung des „Ostertriumphs"

 

09.10.1759

 

Komposition der Kantate zum 1. Advent „Machet die Tore weit"

Partitur

02.12.1759

 

1. Aufführung der Adventskantate

 

17.12.1759

 

Geburt des 3. Kindes Johann Georg

MITTEILUNGEN 1988 (A.4)

07.12.1761

28

Geburt und 

MITTEILUNGEN 1988 (A.5)

28.03.1762

 

Tod des 4. Kindes Franz Conrad Ludwig (3 Mt. 21 Tg. alt)

 

1762

29

Druck der Schönschreibschule „Calligraphia" in Hildburghausen

F9

11.09.1763

30

Tod des 3. Kindes Joh. Georg (3 J. 8 Mt. 24 Tg. alt)

MITTEILUNGEN 1988 (A.6)

1770

37

Kupferstichreihe von Kitzingen

F10

1771

38

Komposition der Kantate zum Trinitatisfest „Es ist ein Gott"

Partitur

26.05.1771

 

Trinitatisfest, Aufführung der Kantate

 

1772

39

2. Schönschreibbuch „Schulvorschriften"

von Siebold, Artistisch-Literarische Blätter für Franken

01.04.1773

40

Tod des 2. Kindes, des 18jährigen Sohnes Johann Conrad

MITTEILUNGEN 1988 (A.7)

22.04.1773

 

„Trauermusik" bei der Beerdigung der 2. Frau von Pfarrer Hecht, Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1988 (B.2b)

1773

 

Sammlung Zangs für Pauken und Trompeten

MITTEILUNGEN 1988 (B.3)

21.11.1773

 

„Musik" (=Kantate) des „Musikalischen Chores" zum ersten Mal mit Pauken und Trompeten (Text: „Gebt her die Pauken")

MITTEILUNGEN 1988 (B.3)

14.04.1774

41

Tod der 1. Frau Anna Margaretha, geb. Balbierer nach 22jähriger Ehe (42 J. 2 Mt. 2 Tg. alt)

MITTEILUNGEN 1988 (A.8)

22.11.1774

 

2. Ehe Zangs mit Anna Margaretha Barbara Krämer in Prichsenstadt (Braut 20 ¾ Jahre alt)

MITTEILUNGEN 1988 (A.9)

07.12.1774

 

Komposition der Kantate zum Sonntag Jubilate „Nach dem Ungewitter lässest du die Sonne wieder scheinen"

Partitur

07.05.1775

42

1. Aufführung der Jubilate-Kantate

 

11.10.1775

 

Geburt des 5. Kindes (1. Kind 2. Ehe) Johann Paul

MITTEILUNGEN 1988 (A.10)

07.04.1776

43

Wiederholung der Kantate „Ostertriumph"

Partitur

27.05.1776

 

Wiederholung der Kantate „Also hat Gott..."

Partitur

1776

 

Herausgabe der „Singenden Muse am Mayn" mit 6 Sonaten und 12 Trios für Orgel mit 2 Klavieren und obligatem Pedal

von Siebold, Artistisch-Literarische Blätter für Franken

28.05.1777

44

Komposition der Kantate zum 3. Sonntag nach Trinitatis „Denen zu Zion wird ein Erlöser kommen"

Partitur

15.06.1777

 

1. Aufführung der Kantate „Denen zu Zion"

 

06.10.1777

 

Eineinhalbstündige „Musik" zur Erbhuldigung des neuen Abtes von Ebrach im Ebracher Hof in Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1989

1778

45

Trauermusik bei der Beerdigung der 3. Frau von Pfarrer Hecht, Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1988 (B.2c)

Sept. 1778

 

Messingplatte als Turmknopfurkunde in der Kapelle St. Gumbert in Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1988 (B.4)

24.05.1779

46

Wiederholung der Kantate „Also hat Gott..."

Partitur

20.06.1779

 

Wiederholung der Kantate „Denen zu Zion"

Partitur

21.10.1779

 

Geburt des 6. Kindes Johann Bernhard

MITTEILUNGEN 1988 (A.11)

31.10.1779

 

Tod der 2. Frau Anna Margaretha Barbara geb. Krämer (Ruhr, Alter: 26 J. 9 Mt. 13 Tg.)

MITTEILUNGEN 1988 (A.12)

27.12.1779

 

Tod des 6. Kindes Johann Bernhard (9 Wch. 3 Tg. alt)

MITTEILUNGEN 1988 (A.13)

28.11.1780

47

„Musik" (Kantate?) zur Hochzeit einer Tochter von Pfarrer Hecht

MITTEILUNGEN 1988 (B.2d)

20.12.1780

 

Einkindschaftsabrede und Vermögensaufstellung

MITTEILUNGEN 1987 (8)

03.01.1781

 

3. Ehe Zangs mit Maria Magdalena Rasp in Mainstockheim (Braut 23 Jahre alt)

MITTEILUNGEN 1988 (A.14)

15.04.1781 (Ostern)

48

Wiederholung der Kantate „Ostertriumph"

Partitur

04.06.1781 (2. Pfingsttag)

 

Wiederholung der Kantate „Also hat Gott"

Partitur

23.11.1781

 

Geburt und

MITTEILUNGEN 1988 (A.15)

11.12.1781

 

Tod des 7. Kindes Arnoldina Sybilla (181/2 Tg. alt)

MITTEILUNGEN 1988 (A.15)

11.04.1784 (Ostern)

51

Wiederholung der Kantate „Ostertriumph"

Partitur

24.01.1785

 

Nachruf Zangs auf den Pfarrer Hecht

MITTEILUNGEN 1988 (B.2e)

Juni 1786

53

Vergoldung von Turmknopf, Hahn und Stern des Kirchturms St. Jakob in Mainstockheim

F19

06.07.1786

 

Turmknopfurkunde St. Jakob, Mainstockheim

F16 - F21

08.04.1787

54

Wiederholung der Kantate „Ostertriumph"

Partitur

08.06.1788

55

Wiederholung der Kantate „Denen zu Zion"

Partitur

09.07.1789

56

Streit wegen der Kirchenmusiken Kantor Zang - Pfarrer Kirchner

MITTEILUNGEN 1987 (9) und F22

1790

57

1. Auflage: „Der vollkommene Büttner oder Küfer" im Selbstverlag

Buch

1793

60

Zang sieht in Würzburg „Musivgemälde"

von Siebold, Artistisch-Literarische Blätter für Franken, F23

03.07.1794

61

Versöhnungsversuch des Rates zwischen Kantor Zang und Pfarrer Kirchner

MITTEILUNGEN 1987 (11)

24.03.1799

66

Wiederholung der Kantate „Ostertriumph"

Partitur

15.10.1799

 

Datierung des Musivbildes „Der Monat Oktober" (Mainfränkisches Museum, Würzburg)

F23

07.01.1800

 

Hochzeit des Sohnes Dr. Paul Zang, Arzt in Obereisenheim mit Maria Margaretha Sattes in Repperndorf

KB in Obereisenheim

08.08.1800

67

Tod der 3. Frau Maria Magdalena geb. Rasp (Alter: 42J.7 Mon.) in Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1988 (A.16)

01.09.1800

 

1. Entlassungsgesuch Zangs

MITTEILUNGEN 1987 (13)

18.12.1800

 

2. Entlassungsgesuch Zangs

MITTEILUNGEN 1987 (14)

April 1801 (Ostern)

68

Beendigung des Dienstes als Kantor und Lehrer in Mainstockheim

MITTEILUNGEN 1987 (14)

25.01.1804

70

Datierung der Vorrede zur 2. Auflage des Büttnerbuches

Buch

1804

 

1 Auflage des Buches „Der vollkommene Orgelmacher" (Nürnberg)

Buch, F14

1805 71 Datierung des Musivbildes "Die Geschichte des Propheten Elia" (Privatbesitz)  

24.04.1806

72

Geburt des Enkels Carl Heinrich in Obereisenheim. Zang ist Pate

KB in Obereisenheim

23.03. - 30.04.1807 73 Datierung des Musivbildes "Der Monat Maÿ" (PELHAM Galleries, Paris)  

08.05.1807

73

Datierung des Musivbildes „Der Monat Dezember" (Mainfränkisches Museum, Würzburg)

F23

1808

74

2. Auflage des Buches „Der vollkommene Büttner oder Küfer" erscheint in Nürnberg

Buch

1808

 

Aufsatz über Johann Heinrich Zang erscheint in den „Artistisch-Literarischen Blättern von und für Franken", Würzburg, der wahrscheinlich von Zang selbst verfasst wurde

von Siebold, Artistisch-Literarische Blätter für Franken

18.08.1811

78

Johann Heinrich Zang stirbt im Juliusspital in Würzburg

Hamberger/Meusel, „Das gelehrte Teutschland“

 

Schlagworte: 

Auf der Suche nach dem Nachlaß Joh. Heinrich Zangs...

…bin ich beim Ordnen des Gemeindearchivs Mainstockheim auf eine Kriegskosten-Rechnung, „Magazins-Beiträge“ aus dem Jahr 1807 gestoßen (Akt R080/3). Dort ist als Bewohner des Hauses Nr. 46 der Kantor Zang aufgeführt (Zang wurde nicht veranlagt!). Im Anlagebuch von 1806 (Akt B XII/7) wird das Haus Nr. 46 als Gerichtsschreiberei aufgeführt. Bei der neuen Straßenbenennung und der Neunummerierung, die in den Fünfziger Jahren hier durchgeführt wurde, taucht im Vergleichsverzeichnis diese Hausnummer nicht mehr auf. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird unsere Vermutung stimmen, dass der damals benachbarte Landwirt im 19. Jahrhundert dieses Haus gekauft und seinen Betrieb dort durch einen Scheunenneubau vergrößert hat. Somit ist es sehr unwahrscheinlich, dass in Mainstockheim noch etwas vom Nachlass des Kantors Zang gefunden wird.

Bei den Nachforschungen in Kitzingen konnte ich in den Kirchenbüchern der Stadtkirche die Familie des Zang-Enkels Karl Heinrich Zang zusammensuchen. Mir war bekannt, dass dessen Vater, der Arzt Dr. Paul Zang, 1828 im Mai in Obereisenheim verstorben war, und dass der Enkel Karl Heinrich im August 1828 in Zeilitzheim (Eintrag im Obereisenheimer Kirchbuch) die Kitzinger Kaufmannstochter Maria Friederike Schmidt geheiratet hatte. Am 18. April 1829 wurde in Obereisenheim das erste Kind dieser Ehe geboren: Friedrich Bernhard. Im Jahr 1830 verlegte diese junge Familie ihren Wohnsitz nach Kitzingen. Karl Heinrich Zang erwarb das Bürgerrecht und die Handelskommission. Dort wurden noch drei Kinder geboren: am 18. 7. 1830 Elisabeth Charlotte, am 12. 7. 1832 Johann Michael Eduard und am 28. 5. 1837 Margaretha Barbara. Der nächste in den Kitzinger Kirchenbüchern gefundene Eintrag stammt vom 3. 12. 1867. An diesem Tag heiratete die jüngste der Töchter dieser Familie, Margaretha Barbara Zang, in Kitzingen den ledigen Gastwirt Philipp Martin Johann Emil Stadler aus Frankfurt am Main, der aus Gießen stammt. Nur noch zwei Eintragungen über diese Familie waren auffindbar: Am 13. 5. 1884 der Sterbeeintrag des 78-jährigen Enkels des Kantors, Karl Heinrich, als dessen Berufsbezeichnung Privatier angegeben ist und der Sterbeeintrag seiner ältesten Tochter am 9. 4. 1909: „Charlotte Zang, ledige Privatiere, gestorben in Frankfurt/Main, wurde nach Kitzingen überführt, Alter 78 Jahr 8 Monate und 21 Tage“.

Meine weiteren Erkundigungen im Stadtarchiv Kitzingen hatten folgendes Ergebnis: Im Verzeichnis sämtlicher Bewohner der Stadt Kitzingen von 1838 ist unter der Hausnummer 445 in der Vorderen Oberen Bachgasse der Kaufmann Karl Heinrich Zang aufgeführt. Diese Hausnummer war übrigens schon in den Geburtsvermerken der Kinder angegeben. Im Sterbeeintrag Karl Heinrichs lautete die Wohnungsanschrift Kaiserstraße 445. Im Kitzinger Adressbuch von 1900 findet sich der Eintrag: „Zang, Charlotte, Frl., Privatiere, Würzburger Thorstr. 394“. Und im Adressbuch von 1906 derselbe Name mit der Adresse „Würzburgerstr. 16“. Auf einer Karte im Stadtmuseum konnte ich beide alten Hausnummern finden. Die beiden bei Charlotte Zang angegebenen Adressen sind identisch. Anscheinend wurde zwischen 1900 und 1906 die neue (heute noch zutreffende) Straßen- und Nummernbezeichnung eingeführt. Bei einer „Ortsbesichtigung“ stellte ich fest, dass das Haus des Kaufmanns Karl Heinrich Zang (früher Nr. 445) beim Bombenangriff vom 23. Februar 1945 vollständig zerstört wurde, während das Haus der Charlotte Zang heute noch steht. Beide sind übrigens nur etwa 150 Meter voneinander entfernt. Meine Überlegungen waren nun folgende: Falls der Zangsohn Dr. Paul Zang nach dem Tod seines Vaters (1811) dessen Nachlass nach Obereisenheim gebracht hat und falls dessen Sohn Karl Heinrich, der ja der Patensohn des Kantors war, nach dem Tod des Dr. Paul Zang (1828) und bei der Übersiedelung nach Kitzingen (1830) diesen Nachlass seines Großvaters nach Kitzingen mitgenommen hat, könnte dieser in dem Haus 445 gelegen haben. Nach dem Tod Karl Heinrichs (des Enkels) im Jahre 1884 könnte die Urenkelin Charlotte bei der Auflösung des Haushalts ihres Vaters den Nachlass des Kantors, ihres Urgroßvaters, in ihr nur wenig entferntes Haus gebracht haben. Nachdem seither aber das Haus mehrmals den Besitzer gewechselt hat, ist es unwahrscheinlich, dass auf dem Dachboden noch etwas zu finden ist. Mit dem jetzigen in Nürnberg wohnenden Besitzer habe ich trotzdem Verbindung aufgenommen. Er hat mir versprochen, dass er im Oktober, wenn er wieder nach Kitzingen kommt, mit mir den Dachboden durchschauen will.

Ich weiß sehr wohl, dass bei meinen Überlegungen sehr viele „falls“ und „möglicherweise“ stecken. Trotzdem gibt es noch eine Möglichkeit: Von den beiden Söhnen Karl Heinrich Zangs (Friedrich Bernhard und Joh. Michael Eduard) finden sich in den Kitzinger Kirchenbüchern weder Heirats- noch Todesnachrichten, auch von dessen Frau kein Sterbeeintrag. Dagegen heiratet seine jüngste Tochter 1867 nach Frankfurt und seine älteste Tochter stirbt, sicher bei einem Verwandtenbesuch, 1909 in Frankfurt. Liegt da nicht die Vermutung nahe, dass der sicher zu einigem Wohlstand gekommene Kaufmann Karl Heinrich Zang (der als Privatier in Kitzingen lebt und dessen Tochter Charlotte ebenfalls als Privatiere in Kitzingen ein Haus besitzt) seine beiden Söhne in die Handelsmetropole Frankfurt schickt und dass sich diese dort niedergelassen haben? Dort lernt ihre Schwester Margareta Barbara ihren zukünftigen Mann kennen, dort lebt ihre Mutter nach dem Tod des Vaters bei ihren Kindern, dort stirbt die älteste Tochter Charlotte bei einem Besuch. Ich weiß, dass diese Vermutungensehr gewagt sind, sie werden aber wahrscheinlicher, wenn man weiß, dass die uns bekannten sieben Kantaten Zangs aus dem württemberg-badischen Raum südlich von Frankfurt stammen. Hoffen und suchen wir weiter!

Ludwig Ruf

Schlagworte: 

MITTEILUNGEN Folge 5 (1990)

Schlagworte: 

Johann Heinrich Zang: Ostertriumph

Beobachtungen zur Musik von Michael Heckmann

„Und wenn gleich alle die heutigen Tongattungen nur aus der Tonleiter (C)Dur und (A)moll versetzet zu seyn scheinen...: Woher kömmt es denn, daß ein Stück, welches z. E. von (F) ins (G) übersetzt wird, nimmer so angenehm läßt, und eine ganz andere Wirkung in dem Gemüthe der Zuhörer verursachet?“

(Leopold Mozart)

Das obige Zitat auf der Seite 61, Anmerkung (b), der „Violinschule“ Leopold Mozarts wollen wir mitbedenken, wenn wir jetzt nach der Musik des Ostertriumphes fragen. Immerhin bezeugen die Ausführungen Mozarts, dessen Buch 1756, also 3 Jahre vor der Komposition von Zangs Ostertriumph, erschien, dass auch die Komponisten des mittleren und ausgehenden 18. Jahrhunderts noch um die besondere Bedeutung der Tonartenwahl für die Komposition wussten. Die amerikanische Musikwissenschaftlerin Rita Steblin hat in ihrer Dissertation von 1981 gezeigt1, wie sich Komponisten und Musiktheoretiker des 17. und 18. Jahrhunderts immer wieder mit der Frage nach der Bedeutung der Tonarten auseinandergesetzt haben. Dass sie dabei zu durchaus unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Charaktereigenschaften einzelner Tonarten gelangten, soll hier nicht verschwiegen werden.2 Auch Leopold Mozart kleidet seine Gedanken über die Wirkung von Tonarten in eine vorsichtige Frage.
Für die Musik Zangs haben wir bei der Tonartenwahl mit 2 Komponenten zu rechnen: 1) Mit der Übernahme von Tradition und 2) mit persönlichem Geschmack.

  • 1. Rita Steblin: A History of Key Characteristics in the Eighteenth and Early Nineteenth Centuries, Studies in Musicology, No. 67, Michigan 1981 & 1983
  • 2. So verzichtet der französische Musikschriftsteller Charles Masson in der 2. Auflage seines „Nouveau traité“ von 1697 im Jahre 1699 auf die 2 Jahre frühere Beschreibung von Tonartencharakteristika, und J. Ph. Rameau meint 1722 in seinem „Traité de l'harmonie“ daß Erfahrung der sicherste Weg sei, die Eigenschaften der Tonarten kennenzulernen. Vgl. bei Rita Steblin die Seiten 37 und 41.

Der 1. Satz des Ostertriumphes

Der erste Satz, von Zang mit „Flageolet“ überschrieben, hat einen auffallenden Charakter. Die Überschrift „Flageolet“ für einen musikalischen Satz ist mir bisher sonst nirgends begegnet. Vor Zang ist es wohl nur der französische Komponist Mondonville, der die Geigentechnik des Flageolet in seinen 6 Violinsonaten „Lessons harmoniques“ op. 4 um das Jahr 1738 fordert. Erste Ausführungen zum Flageolet lesen wir dann wieder bei Leopold Mozart, drei Jahre vor Entstehung des Ostertriumphs:

„Jeder, der die Singkunst ein bißchen versteht, weis, daß man sich eines gleichen Tones befleissigen muß. Denn wem würde es gefallen, wenn ein Singer in der Tiefe oder Höhe bald aus dem Hals, bald aus der Nase, bald aus den Zähnen u.s.w. singen, oder gar dazwischen falsetiren wollte?... Wenn nun auch das beständige Einmischen des sogenannten Flascholets noch dazu kömmt; so entstehet eine recht lächerliche, und, wegen der Ungleichheit des Tones, eine wider die Natur selbst streitende Musik...“3

Eine „wider die Natur selbst streitende Musik“ entstehe bei dem Gebrauch des Flageolets, sagt Mozart. In der Tat, auch die ersten Hörerlebnisse von Zangs Musik bestätigen Mozarts Charakterisierung, das Flageolet im 1. Satz wirkt unnatürlich, verfremdend, auch ein wenig entrückt, ätherisch.
Ich kann nur glauben, dass Zang hier diese „wider die Natur streitende“ Geigentechnik einsetzt, weil das Thema des Ostertriumphes auch ein widernatürliches ist. Der Ostertriumph handelt von dem Sieg der himmlischen Welt Christi über die Todesverfallenheit der natürlichen Welt.
Diese, unsere natürliche Wahrnehmungsfähigkeit irritierende, verfremdende Glaubensaussage wird von Zang in Klang umgesetzt! Vielleicht haben den Komponisten dazu die Osterberichte der Evangelien angeregt, die von einem Christus berichten, den die Jünger zwar wiedererkannten, der ihnen aber trotzdem seltsam entrückt war. Die Töne, die die 1. Geige im Flageolet zu spielen hat, sind vertraute Töne: Es erklingen bei ihr die Töne des G-Dur-Dreiklangs, der den Themenkopf des Anfangs bestimmt.

Bild 1: G-Dur-Dreiklang

Die Partien der normalen Instrumente und die Flageoletpartie „sprechen“ gleichsam „eine gemeinsame Sprache“. Aber in der klanglichen Realisierung unterscheiden sie sich: Natürlicher und „widernatürlicher“ - wir sollten hier jetzt vielleicht sagen: übernatürlicher - Klang erklingen nebeneinander, ein schönes Klangsymbol für die Doppelexistenz, die der an den auferstandenen Christus gläubige Mensch führt.
Diese Doppelexistenz führt Zang freilich nicht nur klanglich, sondern auch thematisch vor Ohren. Neben dem schlichten melodischen 1. Thema

Bild 2: 1. Thema

begegnet uns zwischendurch ein stark rhythmisch geprägtes 2. Thema, das in Anlehnung an die musikalische Form der „Battaglia“, einer Schlachtmusik, gestaltet ist. In der 1. Geige erklingen wilde Zweiunddreißigstel-Arpeggien:

Bild 3: Arpeggien

und in der 2. Geige und Bratsche hören wir ständige Tonwiederholungen, die möglicherweise das Zittern und die Angst vor dem Kampf abbilden:

Bild4: Tonwiederholungen in 2. Geige und Bratsche

In diese Schlachtmusik vokal eingebaut findet sich ein Trompetensignal in der Sopranstimme ab Takt 33:

Bild 5: Trompetensignal in der Sopranstimme

Die beiden sich im Verlauf des Stückes mehrfach abwechselnden Instrumentalthemen zeigen sehr ehrlich, wie die Erfahrung des Christen immer wieder zwischen Frieden und Kampf hin- und herschwankt.
Aber trotzdem strömt uns aus dem Gesamten des Eingangssatzes heitere Gelassenheit, Schönheit entgegen. Ein Mittel, dies zu erreichen, ist die zwischenzeitliche Einführung eines triolischen, besonders anmutigen 3. Themenmotivs:

Bild 6: triolisches 3. Themenmotiv

Dieses Thema taucht ab Takt 58 zu den Worten auf:

„Es wird in aller Welt des Lammes Lied gesungen.“

Diese Zeile des Kantatentextes erklärt den insgesamt eher gesanglichen, melodischen, schlichten Charakter des 1. Satzes. Allem Streit, allem Kämpfen zum Trotz gilt für den Christen: Dieses Lied vom siegreichen Lamm wird schon gesungen, und durch die Schlichtheit, mit der Zang es anstimmen lässt, scheint er uns sagen zu wollen:
Schau, so einfach ist das, mitzusingen bei diesem Lied des Lammes, bei dem Lob des Siegers über den Tod.
Dass Zang wirklich das Ziel vor Augen gehabt hat, dass alle Welt, wie es der Kantatentext sagt, das Lied des Lammes singt, das belegen für mich auch die Takte 25 und 142 der Komposition: Im Takt 25 erklingt der G-Dur-Dreiklang wirklich in dem gesamten Ensemble einstimmig, alle stimmen in den Dreiklang ein:

Bild 7: G-Dur-Dreiklang

Der Schlusston im letzten Takt des Stückes erklingt ebenfalls einstimmig. Dieser Schluss ist wohl auch als Klangbild eines „einhelligen Jubelns“ gemeint.
Es ist uns schon aufgefallen, dass der schlichte G-Dur-Dreiklang im Eingangssatz des Ostertriumphes eine konstitutive Rolle spielt. Bei seiner Verwendung erscheint Zang wiederum als ein der Tradition verpflichteter Komponist:
Nach Offenbarung 15 wird das Lied des Lammes im Himmel von den siegreichen Engeln als Lobpreis Gottes angestimmt. Einen Lobpreis Gottes konnte man sich nach der dogmengeschichtlichen Lage der Barockzeit selbstverständlich nur vorstellen als Lobpreis des dreieinigen Gottes.
Bei dem Erfurter Organisten, Musikschriftsteller und Bach-Zeitgenossen Heinrich Buttstedt findet sich in seiner 1716 veröffentlichten Schrift

UT, MI, SOL, RE, FA, LA, tota Musica et Harmonia AEterna

der Hinweis, dass „der Dur-Dreiklang Gott-Vater bzw. die göttliche Natur Jesu Christi4 darstelle. „Entsprechend deutet der Moll-Dreiklang mit seiner erniedrigten(!) Terz auf die Menschwerdung und Erniedrigung.“5
Dass Zang hier nicht „einfach“ Gott-Vater, sondern tatsächlich den dreieinigen Gott meint, dafür spricht neben der fast schon penetranten Dreiklangsanwendung z. B. auch die Phrasengliederung in der Orchester-Einleitung:

Takt 1 - 6:     2 * 3 Takte Thema 1
Takt 7 - 12:   3 * 2 Takte Flageolet-Kadenz
Takt 13 - 15: 3 Takte „Battaglia“ (Thema 2)
Takt 16 - 18: erweiterte Kadenz
Takt 19 - 21: Flageolet-Kadenz, Schlusston in Takt 22

Fassen wir zusammen: Zang verwendet im 1. Satz seines Ostertriumphs zur Charakterisierung einer unnatürlich-übernatürlichen Sphäre das Flageolet. Er baut das Hauptthema aus dem G-Dur-Dreiklang und 3 oft dreigliedrig verwendeten Themenmotiven auf und musiziert damit das Lob der göttlichen Dreifaltigkeit.
Nach Offenbarung 15 wird das im Kantatentext erwähnte „Lied des Lammes“ von Engeln im Himmel gesungen. Der Gesamtcharakter des Stückes erweckt - trotz der eingeschobenen Kampfesmotive des 2. Themas - im Zuhörer eine heitere Seligkeit.
Nun wollen wir noch fragen, ob die Tonart G-Dur hier von Zang rein zufällig oder mit Bedacht gewählt worden ist.

Nach den bisher angestellten Überlegungen kann es kaum eine andere Erklärung geben, als dass Zang die Tonart G-Dur im Eingangssatz benutzt, um mit uns einen Blick in den Himmel zu tun, um uns mitzunehmen an den Ort, von dem das Gotteslob seinen Ausgang nimmt, und von woher wir überhaupt die Kraft und Lust erhalten, - nicht aus „eigener Vernunft noch Kraft“ - mit in dieses Lied einzustimmen. Die Oberstimmendominanz durch Sopran und Geigenflageolet unterstützen unsere Annahme, dass im 1. Satz des Ostertriumphs ein Engel vom Himmel her - in der Tonart des Himmels - den Menschen den Sieg des Lammes verkündigt und sie zum Einstimmen in den Lobpreis des dreieinigen Gottes ermuntert.
Auch hier - bei dem Einsetzen von G-Dur als „Himmelstonart“ befindet sich Zang in guter Tradition. Ich brauche nur an das „Ehre sei Gott“ der Engel in Bachs Weihnachtsoratorium erinnern, oder an das „Domine Deus, Rex coelestis(!)“ der h-moll-Messe. Außerdem mag ein besonders unverdächtiger Zeuge bürgen: Gustav Mahlers 4. Sinfonie endet mit einem Solo für Sopran und Orchester in G-Dur über den Text:

„Wir genießen die himmlischen Freuden“!

  • 4. Zitat aus: Lothar und Renate Steiger, Zeit ohne Zeit. Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 20 „O Ewigkeit, du Donnerwort“ I, in Das protestantische Kirchenlied im 16. und 17. Jahrhundert, herausgegeben von Alfred Dürr und Walter Killy, Wolfenbütteler Forschungen, Band 31, S. 213
  • 5. a.a.O. Anmerkung 67

Der 2. Satz des Ostertriumphes

Mit der von Zang stammenden Überschrift „Recitativo con Instrumenti“ hebt der Komponist selbst den Rang dieses Satzes gegenüber einem auch bei Zang üblicherweise nur mit Basso continuo begleiteten Rezitativ hervor.
Die Funktion der Streichinstrumente erschöpft sich im 2. Satz nicht im Aus- und Durchhalten von Akkordblöcken, vielmehr greifen die Streicher bei den Kadenzierungen motivisch in das Geschehen ein. Die stärkste Bewegung, mehrere Sechzehntel, tritt zum Abschluss der Worte auf:

„Aus diesem finstren Grabe lacht die allerschönste Sonne wieder“,

wobei sich die Tonrepititionen in den beiden Violinen als Imitation des Lachens deuten lassen:

Bild 8: Tonrepititionen der Violinen

Wir werden einer ähnlichen Stelle noch einmal begegnen.
Besonders gelungen ist in den Takten 11 und 12 die Diktion der Bassstimme. Bei der Frage „Wo ist der Tod?“ wird die Stimme gehoben, bis sie auf dem Wort „Tod“ am Ziel angelangt ist. Bei der Frage „Wo ist die Hölle?“ ist Zang weniger an deklamatorischer Stimmigkeit als an Bildhaftigkeit gelegen: Die Hölle befindet sich eben tief unten:

Bild 9: Wo ist der Tod? Wo ist die Hölle?

Von Takt 16 zu 17 begegnen wir einer bemerkenswerten Modulation: Aus einem G-Dur-Sextakkord wird durch Vermittlung eines C-Dur-Sekundakkords ein F-Dur-Sextakkord; d. h. innerhalb von 1 ½ Takten findet ein Übergang vom Kreuztonartenbereich in den b-Tonartenbereich statt, und zwar bei den Worten:

„Das Leben tritt schon an die Stelle“

Der Text redet vom Ersatz des Grabes durch das Leben, Zang ersetzt dabei einen Tonartenbereich durch den anderen und verleiht durch diese unerwartete Modulation der Überraschung gegenüber dem wunderbaren Ostergeschehen Ausdruck.
Dass Zang auch hier an kompositorische Traditionen anknüpft, soll nun gezeigt werden. Beginnen wir dazu mit einem weiteren Zitat aus Leopold Mozarts „Violinschule“:

„Einem Violinisten wird diese meine Lehre von den Tonarten unfehlbar nützlicher sein, als wenn ich ihm vieles von den Alten ihrem Dorius, Phrygius, Lydius, Mixolydius...vorschwätze. In der Kirche genießen sie das Freyungsrecht; bei Hofe aber werden sie nimmer gelitten.“6

In den Worten Leopold Mozarts spiegelt sich ein Streit der Musiker, der besonders im 18. Jahrhundert um die Geltung der mittelalterlichen Musiklehre geführt wurde. Buttstedt z. B. stritt für die Beibehaltung der mittelalterlichen Lehre, der Hamburger Musikkritiker Mattheson verhöhnte sie. Der Streit betraf vor allem die sogenannten „Kirchentonarten“, die Mozart zitiert, und das von Guido von Arezzo nach den Versanfängen eines Hymnus über Johannes den Täufer entwickelte Benennungssystem der Tonschritte, die sogenannte „Solmisation“. Man nannte dabei unser heutiges

C = Ut
D = Re
E = Mi
F = Fa
G = Sol usw.

Bachs Leipziger Amtsvorgänger, der gelehrte Thomaskantor Johann Kuhnau, veröffentlichte im Jahre 1710 eine Abhandlung, in der er vorführte, unter welchen Überlegungen er einen Psalmtext in Musik setzte.7
Kuhnau empfiehlt z. B. beim Auftreten des Wörtchens „sondern“, das ja einen neuen, andersartigen Gedanken nach sich zieht,

„gantz aus einem anderen Tono zu gehen, um das Mi in Fa, oder das Fa in Mi (zu) verwandel(n).“8

Wir erinnern uns:
„Mi“ bedeutet E und wird mit Kreuztonarten verbunden (E-Dur oder e-moll)
„Fa“ bedeutet F und wird mit b-Tonarten verbunden (B-Dur oder b-moll)

Johann Heinrich Zang wendet im 2. Satz seines Ostertriumphes genau das Verfahren an, das Kuhnau in seiner Abhandlung beschrieben hat:
Das Rezitativ beginnt in e-moll, also in Mi, und es endet, mittels der weiter oben beschriebenen Modulation, in F-Dur, also in Fa.
Zang hat also, angeregt von der im Text anklingenden Verwandlung von Tod in Leben („Das Leben tritt schon an die Stelle“) nach Kuhnaus „Rezept“ Mi in Fa verwandelt!

Mag die mittelalterliche Musiklehre „bei Hofe nimmer gelitten“6 sein, dass sie „in der Kirche das Freyungsrecht genießt“6 scheint dem wissenschaftlich aufgeschlossenen Zang nicht entgangen zu sein.
Das legt darüber hinaus auch der Beginn des Rezitativs in e-moll nahe, repräsentiert nach Buttstedt doch die Mollterz als erniedrigtes Intervall den menschgewordenen und erniedrigten Christus9 und 10, von dessen göttlicher Existenz der folgende Satz zu reden hat.
Können wir aber erst einmal annehmen, dass Zang die mittelalterliche Musiklehre für die Kirchenmusik gekannt und angewandt hat, so lässt sich noch für eine weitere Stelle unseres Rezitativs eine traditionsorientierte Erklärung finden:

Schon weiter oben haben wir die Textzeile zitiert:

„Aus diesem finstren Grabe lacht die allerschönste SONNE wieder“

Sollte es tatsächlich Zufall sein, dass Zang an der Stelle nach G-Dur moduliert, wo von der Sonne die Rede ist, wo doch das Wort Sonne im Lateinischen genau wie die mittelalterliche Bezeichnung für G lautet, nämlich: Sol?
Dass jedenfalls auch dieser Zusammenhang den alten Komponisten bekannt gewesen ist, bestätigt der Wiener Musikwissenschaftler Hartmut Krones.11

  • 6. a. b. c. Leopold Mozart, a.a.O. S. 61, Anmerkung (b)
  • 7. Texte zur Leipziger Kirchenmusik, auf das mit Gott angefangene Kirchenjahr vom ersten Adventssonntage dieses zu Ende lauffenden 1709ten Jahres bis wieder dahin Anno 1710, geliebt es Gott. / Leipzig, gedruckt bey Imanuel Tietzen. Abgedruckt in: Bernhard Friedrich Richter, Eine Abhandlung Joh. Kuhnau's, Monatshefte für Musikgeschichte, XXXIV. Jahrgang, Nr. 9, Leipzig 1902, S. 147 - 154
  • 8. a.a.O. S. 152
  • 9. siehe Fußnote 4 zum 1. Satz
  • 10. siehe Fußnote 5 zum 1. Satz
  • 11. Hartmut Krones, Tonartenwahl und Bedeutung, Die „Dispositiones Modorum“ bei Heinrich Schütz, in: „Österreichische Musikzeitschrift“ Nr. 40, 1985, S. 508 - 514. Zum Thema Sol/Sonne vgl. S. 514

Der 3. Satz des Ostertriumphes

Der mit „Aria“ überschriebene Satz beginnt mit einer menuettartigen Orchesterexposition von 30 Takten, die gut in einer „Sinfonia“ zeitgenössischer Komponisten stehen könnte.
Das Stück hat als Grundtonart D-Dur, in Solmisationsterminologie: „Re“. Auch hier scheint Zang der Tradition zu folgen, unzählige Herrscherhuldigungsmusiken der Musikgeschichte stehen in D-Dur, wohl auch, um den entsprechend gestimmten „Herrscherinsignien“, den Trompeten, Gelegenheit zum Einsatz zu geben. Darüber hinaus aber waren sich die Komponisten auch der Tatsache bewusst, dass „Re“ die beiden ersten Buchstaben des Lateinischen Wortes Rex, König, sind.12
Und so finden wir im Thema auch punktierte Rhythmen, die, der französischen Ouvertüre entlehnt, dort ursprünglich das Kommen des französischen Sonnenkönigs herrschaftlich begleiteten:

Bild 10: Herrschaftsmotiv, z.B. Takt 13
z. B. Takt 13

Bei Zang ist auch ein Herrscher gemeint, das Lamm, das zum Löwen wurde, zum „Held im Streite“. Wie sich beim Einsatz der Gesangsstimme in Takt 31 zeigt, setzt schon der Aufbau des Orchestervorspiels Akzente für den Text:
Die Worte

„Held im Streite“ dauern musikalisch 3 Takte lang.
„deine Beute“ dauern musikalisch 2 Takte lang.
„wird im Glauben unser Teil“ dauern musikalisch 4 Takte lang.

Dementsprechend sind die Worte „Streit“ und - besonders lang - „unser“ melismatisch ausgeziert - eine bemerkenswerte Wortauslegung!
Zang betont in der Gesangsstimme den Streit, den Christus fechten musste, mit der Beute wird kurzer Prozess gemacht, das „pro nobis“ aber wird in gut-lutherischer Tradition über alle Maßen betont. Im Unterschied zu dem 1. Durchgang des Gesangspartes wird dann ab Takt 57 das Wort Glauben melismatisch gedehnt, wobei in den Geigen dazu in Takt 61 ein triolisches Melisma musiziert wird, das für Lebendigkeit („Das Leben tritt schon an die Stelle“!) stehen könnte:

Bild 11: triolisches Melisma

Dramaturgisch hat sich Zang etwas ganz Besonderes einfallen lassen:

An drei Stellen, nämlich in den Takten

47 - 51
96 - 103
123 - 129

lässt Zang noch einmal das Flageolet erklingen. Als klanglicher Interpret stellt es die Worte

„unser Teil“ und „unser Heil“

in himmlischen Kontext, bekräftigt erinnernd die Verheißung des Engels aus dem 1. Satz. Solches Bekräftigen und Erinnern ist Seelsorge.
Seelsorge ist auch, den Menschen ein Lächeln abzuringen. Schon bei den ersten Hörerfahrungen dieses Satzes hatten wir den Eindruck, dass die hier in den Takten 98, 100 und 125 gespielten Tonrepititionen im Flageolet so etwas wie „Kichern“ oder Lachen darstellen könnten.
Wie schrieb doch Leopold Mozart in seiner „Violinschule“:

„Wenn nun auch das beständige Einmischen des sogenannten Flascholets noch dazu kömmt; so entstehet eine recht lächerliche...Musik...“13

Sollte Zang etwa noch die altchristliche Tradition des Ostergelächters gekannt haben, das man in der Kirche anstimmte um zu dokumentieren, dass Hölle, Tod und Teufel sich mit Christi Sieg unsterblich blamiert hatten?

Einen weiteren dramaturgischen Effekt erreicht Zang in Takt 129 auf 130: Dem zarten Flageolet wird durch den unerwarteten Einsatz der Trompeten und Pauken das Wort abgeschnitten, die Singstimme erläutert den Vorgang mit den Worten:

„Weck uns heute, Held im Streite“.

Den Trompeten überträgt Zang neben der Funktion des Herrscherlobs noch die Aufgabe des „Weckdienstes“ (zum jüngsten Gericht?). Der entsprechende ethische Osterimpuls in dieser Arie spricht ja von der Notwendigkeit, „geistlich aufzuerstehen und aus dem Sündengrabe zu gehen“. Bei Johann Sebastian Bach finden wir in der Kantate BWV 20 eine Arie für Bass und konzertierende Trompete mit dem Textanfang:

„Wacht auf! Wacht auf, verlorne Schafe,
Ermuntert euch vom Sündenschlafe
Und bessert euer Leben bald,
Wacht auf, eh die Posaune schallt.“

Allein durch die Instrumentation also, angeregt vom Text, predigt Zang hier das Lob des Siegers, die Möglichkeit, über den Tod zu lachen und sich auf die himmlische Seligkeit zu freuen - das Flageolet spielt in dieser D-Dur-Arie grundsätzlich nur in der Himmelstonart G-Dur! - wie die Mahnung vor der Posaune des Jüngsten Gerichtes. Hier wird deutlich, dass nicht nur die textliche Sprache des Ostertriumphes - wie in meinem Aufsatz über die textlichen Grundlagen der Komposition ausgeführt - vielfältige konkordante biblische Bezüge aufweist, sondern dass Zang auch durch die musikalische Sprache der Instrumentierung solche konkordanten Bezüge herzustellen vermag.

  • 12. vgl. Krones, a.a.O. S. 514
  • 13. Leopold Mozart, Violinschule, a.a.O. S. 108

Der 4. Satz des Ostertriumphes

Ein schlichtes Seccorezitativ bildet die Brücke zum Schlusschor. Die Singstimme beginnt in der bequemen Mittellage, dem hörenden Ohr nahelegend, dass man mit dem Gesprächspartner vertraut ist. Nur die Ortsbestimmung „hier“ wird als höchster Ton etwas hervorgehoben. Während die Singstimme deklamiert:

„Wir kommen hier zu deinem Grabe“,

erklingen im Continuo drei ruhige, behutsame Schritte im Halbenoten-Wert. Und sie erklingen in G-Dur. Und sie stellen genau den G-Dur-Dreiklang dar, mit dem der Ostertriumph im 1. Satz eröffnet wurde:

Bild 12: G-Dur-Dreiklang

Der Sänger selbst beginnt mit diesem Dreiklang, nur leicht variiert, in der Folge h-d-g. Darin liegt der Grund für die Vertrautheit beim Hören. Im Rezitativ Nr. 4 spricht jemand, der sich mit der himmlischen Botschaft des Engels aus Satz 1 vertraut gemacht hat, er spricht - jedenfalls auch - diese Sprache, er stimmt ein in das Lied des Lammes. Dass in dem Bild des Lammes aber nicht nur der Sieg mitgedacht wird, sondern auch das Leid, das macht Zang in diesem Rezitativ mit mehreren Mitteln deutlich:
1) Der Schluss des Satzes endet in der affektgeladenen Tonart h-moll, wobei in Takt 11 auf dem Wort „Sterben“ zwischen Continuo und Singstimme der hässliche, kompositorisch geächtete „Tritonus“-Akkord e-ais erklingt.
2) Von Takt 5 - 6 schreibt Zang eine chromatische Halbtonkette, die damals als „passus duriusculus“, als „harter Gang“ bezeichnet wurde. Im Text ist von der Gabe der Liebe und der Morgengabe des Glaubens die Rede, die also nach der Meinung Zangs für die Christen manchmal ein „harter Gang“ sind. Verblüffend ist, dass dieser „passus duriusculus“ ein Zitat aus dem Rezitativ Nr. 2 darstellt, wo damit, wie ich meine, in anderer Zielrichtung, die Verwandlung von Mi in Fa erreicht wird.

Bild 13: Der passus duriusculus
Der passus duriusculus Takt 5 - 6

3) Da Zang dem Stück, obwohl es in G-Dur beginnt und in h-moll endet, keine Kreuzvorzeichnung am Anfang gegeben hat, ist es interessant zu verfolgen, zu welchen Textsilben der Komponist die entsprechenden Noten der Singstimme direkt mit Kreuzvorzeichen ausstattet. Dass dem musikalischen Kreuzzeichen ein theologischer Symbolwert zugemessen wurde, davon können wir für die Zeit Zangs ausgehen. Die Worte, denen Zang Noten mit Kreuzvorzeichen zugeordnet hat, sind unterstrichen.

Wir kommen hier zu deinem Grabe,
vergrabe du, was uns betrübt.
Die Spezerei, die unsre Liebe gibt
und unsres Glaubens Morgengabe
ist unser Herz und unsre Treu.
Nun wollen wir dir leben und dir sterben,
weil du, Herr Jesu Christ,
für uns gestorben bist
und uns im Sterben
läßt das Leben erben.

Im Johannesevangelium bezeichnet das Kreuz Jesu seine Erhöhung, wie das musikalische Kreuzzeichen ein Erhöhungszeichen ist. Hinter der Erhöhung verbirgt sich sowohl die schreckliche Qual der Kreuzigung wie die Herrschaft Christi als Sieger und Heilsmittler. Es ist schon beeindruckend, wie Zang in diesem Rezitativ die Ambivalenz des Kreuzgedankens, die jeder Christ an sich erfährt, musikalisch sinnbildhaft dokumentiert.

Der 5. Satz des Ostertriumphes

Bevor wir uns dem Schlusschor des Ostertriumphes zuwenden, wollen wir einer Auffälligkeit innewerden:
Der Auffälligkeit, dass Zang die Sätze 1 - 4 nur für jeweils eine solistische Singstimme geschrieben hat und dabei sogar in der Nr. 1 auf den üblichen Eingangschor verzichtet hat.
Die Vorgehensweise des Komponisten lässt sich meines Erachtens nur dadurch erklären, dass Zang aus den Ostergeschichten des Neuen Testamentes die richtigen Schlüsse gezogen hat. Dort begegnet ja der Auferstandene zunächst nur einzelnen Personen, Maria aus Magdala (Mk. 169; Joh. 20), den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus (Lk. 24), Petrus (1. Kor. 155) und nachträglich dem Jünger Thomas (Joh. 20) sowie dem Apostel Paulus (Apg. 9; 1. Kor. 158).
Mit anderen Worten: Das Erkennen und Erfassen der Osterbotschaft vollzieht sich mit Vorliebe in einem persönlichen, intimen Rahmen. Nicht um allgemeine Evidenz scheint es dem Auferstandenen in erster Linie zu gehen, sondern um persönliche Beziehung und Erfahrung - und um das persönliche Bezeugen derer, die die Osterbotschaft, nachdem sie ihr begegnet sind, zu den Menschen tragen.
Bei aller individueller Erfahrung, bei aller individueller Verkündigung des Osterevangeliums, bleibt es sein Ziel, dass die Gemeinde als Ganzes sich diese Botschaft sagen lässt und zu eigen macht, indem sie dem Lamm, das zum Löwen wurde, durch das Dunkel des Todes in das sonnige Licht des Sieges folgt.
Die Aneignung des von einzelnen verkündigten „Ostertriumphes“ durch die Gemeinde ist das Thema des letzten Satzes von Zangs Kantate. Eine einzelne Stimme beginnt mit dem Bekenntnis, das Zang in übergroßen Lettern in seine Partitur eingetragen hat:

„Christus lebt, so leben wir“!

Bild 13: "Christus lebt, so leben wir"!

Zang aber formuliert das Thema des Chorsoprans so, dass es auf der Dominante, als offene, unfertige Aussage, innehält und nicht für sich alleine stehen kann. Das Thema muss vom gesamten Chor und den Instrumenten zu Ende, zu seinem Ziel gebracht werden:
Erst da, wo aus dem Bekenntnis des Einzelnen das Bekenntnis der ganzen Gemeinde wird, kommt das Ostergeschehen zu seiner Erfüllung!

Bild 14: Christus lebt, so leben wir!

Die darüber hinaus in den Takten 13 - 15 und 17 - 19 imitatorische Satzstruktur, in der der Sopran jeweils als Vorsänger agiert, ist sicherlich von der Textzeile der 2. Strophe inspiriert:

„Folgt nur nach, er geht uns für“.

Bemerkenswert ist der an diesen Stellen extrem hoch, bis zum zweigestrichenen h bzw. a geführte Sopran, eine Stelle, die zumindest den Sängerinnen und Sängern die Erfahrung vermittelt, dass Christus nicht ohne Anstrengung nachgefolgt werden kann.

Bild 15: folgt nach!

In seiner Vollstimmigkeit mit Pauken und Trompeten, in der Tonart D-Dur komponiert, verknüpft Zang instrumental den Schlusschor mit der Arie Nr. 3. Damit verdeutlicht der Komponist:
Der auferstandene, lebendige Christus ist niemand anders als das „Lamm, das nun ein Löwe wurde“ (vgl. das zu Satz 3 hinführende Rezitativ Nr. 2), ist der Held, der für uns streitet, der der christlichen Gemeinde als ihr Herr an seinem Sieg Anteil gibt und als Richter wiederkommen wird. Die Fülle christologischer Gedanken wird im Schlusschor musikalisch zusammengefasst und auf die christliche Lebensführung (Nachfolge!) ausgeweitet. Um aber auf jeden Fall einer irgendwie gearteten „Werkgerechtigkeit“ zu entgehen, benutzt Zang die Verheißung „Christus lebt“, wie schon erwähnt, als Rondo, also als Rahmen, der - gut lutherisch - die ethische Anweisung zur Nachfolge mit der Zusage des lebendigen Christus umschließt. Außerdem bekräftigt er diese Verheißung im Schlussteil durch ein kurzes Nachspiel aus 7 Tönen.

In meinem Aufsatz über die textlichen Grundlagen des Ostertriumphes hatte ich von der beeindruckenden theologischen, vor allem aber seelsorgerlichen Leistung des Textdichters gesprochen. Dem steht - sofern es sich nicht sowieso um denselben Verfasser handelt - der Komponist, wie wir sahen, um nichts nach. Text und Musik sagen im Ostertriumph gemeinsames, jedoch ergänzen sie einander oft: Was der Text schon sagt, muss die Musik nicht in jedem Fall auch noch ausschließlich betonen. Sie kann das Gesagte stattdessen in größere Zusammenhänge stellen und kommentieren.
Ein besonders schönes Beispiel bietet der Schlusschor: Im Mittelteil (!) spricht der Text (Vers 2) vor der ethischen Anweisung zur Nachfolge von ihrer Ermöglichung, nämlich:

„Er wird uns ein ander Leben nach dem Tode wieder geben.“

Ein guter lutherischer Komponist, der ein Menschenkenner ist, weiß, dass es für alles, was Gott von den Menschen erwartet, zuerst einer vorausgehenden Ermöglichung durch Gott bedarf.
Was sonst hat der lutherische Komponist Zang schon vor dem Schlusschor getan, als den ganzen Ostertriumph hindurch musikalisch von dieser Ermöglichung durch die Verheißung eines anderen Lebens zu erzählen?
Warum sonst hätte er das Flageolet eingesetzt und „Mi in Fa verwandelt?

Samsons Kampf mit dem Löwen

Quelle: Link zur Internetseite der University of Oklahoma (http://www.ou.edu/class/ahi4263/byzslides/021.jpg)
Samsons (=Simsons) Kampf mit dem Löwen, darunter die Bienen im und um das Löwenmaul, Wandgemälde aus der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts, Rom, aus der Katakombe an der Via Latina.1

Schon in den Armenbibeln begegnen uns alttestamentliche Geschichten als „Typos“, Vorbild, Muster für weitergehende Gedanken und Sachverhalte. In der Handschrift werden der Samson-Erzählung noch die Geschichte von David und Goliath und die Illustration von 1. Petr. 3, 18-22 an die Seite gestellt: Christus befreit die Seelen aus der Unterwelt.

Miniatur aus der Handschrift Cpg 148 der Universitätsbibliothek Heidelberg2

  • 1. ursprüngliche Quellenangabe: Entnommen dem Lexikon der Christlichen Ikonographie, hrsg. von Engelbert Kirschbaum SJ, Rom, Freiburg, Basel, Wien 1972, S. 33 im vierten Band
  • 2. ursprüngliche Quellenangabe: Entnommen aus dem Buch von Maurus Breve: Die Armenbibel. Herkunft, Gestalt, Typologie, Beuroner Kunstverlag, Beuron 1989, Tafel 8, nach Seite 72

Johann Heinrich Zang: Schreibmeister und Kupferstecher

Johann Heinrich Zang - Schreibmeister und Kupferstecher

1. Zang scrips: et sculps:

Ludwig Ruf

Wenn wir diese Zeile so in abgekürzter Form oder ähnlich auf vielen Blättern der „Calligraphia oder Selbstlehrenden Schönschreibkunst“ lesen, dann erkennen wir zunächst einmal, dass der Kantor Zang der Verfasser ist. Dass Zang dies nicht nur geschrieben, sondern auch die Kupferstiche dazu gefertigt hat, wird uns erst beim näheren Betrachten bewusst: „Zang hat es geschrieben und gestochen“.

Wir wollen die Wurzeln der Vielfachbegabung Zangs ausgraben. Dabei dürfen wird nicht fragen: Wo hat er das gelernt? Nein, Zang war ein Autodidakt. Er sieht etwas, er probiert es aus, er erkennt sofort die Techniken, er hat Erfolg. Das wird, um ein Beispiel zu nennen, bei seinen „Musivgemälden“ (= Collagen) einmal so beschrieben: „Im Jahre 1793 sah Zang das allbekannte Blankische Kunstkabinet zu Würzburg und machte sogleich den Versuch mit Verfertigung ähnlicher musivischer Kunstgemälde. Damit gelang es ihm so gut...“1 Was hier von dem 60-jährigen gesagt wird, gilt sicher auch für den jungen Zang. In Zella-St. Blasii hatte dieser bestimmt Beziehungen zu dem Kupferstecher Schübler2, der mit J. S. Bach in Verbindung stand (die sog. „Schübler-Choräle“ wurden in Zella-St. Blasii gestochen und gedruckt).3 Zang hat mit großer Wahrscheinlichkeit hier die Handhabung des Kupferstechens gesehen und auch ausgeführt. In seiner Vermögensaufstellung von 1780 sind seine „Kupferstecher-Instrumente nebst Preß“ sowie „Druck und Schreib Pappier“ aufgeführt.4

Zang hat sie oft gebraucht, nicht nur zu seiner „Schönschreibkunst“ (1762). Er scheint zu seiner Zeit als Kupferstecher bekannt gewesen zu sein. Die bis heute noch verschollene „Singende Muse am Main“ hat er 1776 „selbst in Kupfer gestochen“5. 1770 bringt er im Auftrag des Kitzinger Bürgers Johann Valentin Schmid die aus den Jahren 1705 und 1706 stammenden Kupferstiche der Stadtansichten von Kitzingen auf den damals aktuellen Stand6. Seine „Küfer- oder Büttnerlehre“ (1790) hat er mit 38 Kupfertafeln ausgestattet7. Im „Vollkommenen Orgelmacher“ (1804) fügt er zwei Kupferstiche an8.

Otto Selzer schließt im Jahr 1967 seine Arbeit über die o. g. Kitzinger Stadtansichten: „Der Lebenslauf des Mainstockheimer Kantors Johann Heinrich Zang und das hinterlassene Werk lassen erkennen, daß er eine Künstlernatur war, vielseitig und vor allem musisch überdurchschnittlich begabt und durch wechselvolle Lebensschicksale geformt. Er nützte seine Gaben rechtschaffen, übte seinen Beruf als Lehrer und Kantor 'treueifrig' aus und schuf sich durch Geschick und Fleiß eine solide wirtschaftliche Grundlage. Die Qualität seiner Arbeit legt nahe, die Forschungen über Zang und sein Werk fortzusetzen“.6

Wenn im folgenden Buchauszug der Schreibmeister Zang gewürdigt wird, so ist das Titelblatt des Mainstockheimer Kirchenbuches von 1768, bei dem Zang seine „Anweisungen zur Calligraphia“ selbst anwendet, eine passende Überleitung.

  • 1. Meusel, Teutsches Künstlerlexikon, 3 Bde., Lemgo 1808 - 14, Bd. 3, S. 575ff; MITTEILUNGEN 1986
  • 2. H. Löffler, Die Schüler Bachs und ihr Kreis in: Zeitschrift für evang. Kirchenmusik, Nr. 5, S. 130, Nürnberg 1930, MITTEILUNGEN 1986
  • 3. W. Schumann, Bach-Erinnerungen aus Zella-Mehlis in: Bach in Thüringen, zum Bach-Gedenkjahr 1950, Evang. Verlagsanstalt Berlin, teilweise in MITTEILUNGEN 1986
  • 4. Gemeindearchiv Mainstockheim, B II/11, MITTEILUNGEN 1987
  • 5. Ernst Ludwig Gerber, Lexikon der Tonkünstler, Leipzig 1814, Bd. 14, S. 625ff, MITTEILUNGEN 1986
  • 6. a. b. Otto Selzer, Kitzinger Stadtansichten aus dem 18. Jahrhundert in: Die Mainlande, Beilage zur Main-Post, Würzburg 18. Jg., S. 69ff, vom 30.9. und 7.10.1967, abgedruckt in: Festschrift zum 250. Geburtsjahr Joh. Heinrich Zangs, Mainstockheim 1983
  • 7. Festschrift zum 250. Geburtsjahr Joh. Heinrich Zangs, Mainstockheim 1983, S. 11ff
  • 8. Festschrift zum 250. Geburtsjahr Joh. Heinrich Zangs, Mainstockheim 1983, S. 14ff

2. Der Schreibmeister Johann Heinrich Zang

von Dr. Walter Michael Brod

Titelblatt des Mainstockheimer Kirchenbuches von 1768

Titelblatt des Mainstockheimer Kirchenbuches von 1768

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Zeit des ausklingenden Rokoko und des Klassizismus, treffen wir in Franken auf eine Reihe hervorragender kalligraphischer Werke. Die Reihe der letzten großen Schreibmeister eröffnet Johann Heinrich Zang, Kantor in Mainstockheim bei Kitzingen. Zang war eine außergewöhnlich vielseitige Persönlichkeit, deren erste Würdigung wir schon 1808 Professor Dr. Johann Barthel von Siebold im ersten Jahrgang seiner »Artistisch-Literarischen Blätter von und für Franken«1 verdanken. Von Siebold gibt einen kurzen Lebenslauf des Künstlers und berichtet eingehend über sein künstlerisches und schriftstellerisches Werk. Nach von Siebolds Angaben stammte Johann Heinrich Zang aus Zella St. Blasii (heute: Zella-Mehlis) in Thüringen, wo er am 15. April 1733 als Sohn eines Offiziers geboren wurde2. In Leipzig war Zang schon in sehr jungen Jahren Schüler von Sebastian Bach; 1749 wurde er wegen seiner guten Handschrift Kanzlist in der Abtei Banz, gleichzeitig versah er auch die Stelle eines Organisten in Hohenstein (Gemeinde Schafhof, Landkreis Coburg) bei Coburg; 1751 wurde er Kantor in Walsdorf bei Bamberg, 1752 übersiedelte er nach Mainstockheim, wo er über 50 Jahre als Kantor, Organist und Schulmeister segensreich wirkte. Zang hat ein besonders schönes und vielseitiges Schreibmeisterbuch hinterlassen. Seine Anweisungen zum Erlernen der Schönschreibkunst wenden sich an die Eltern, die Kinder und auch die fortgeschrittenen Schüler.

Das Buch trägt in einer kalligraphischen Schnörkelumrahmung den Titel: »Calligraphia / oder / Selbstlehrende / Schönschreibkunst. / Herausgegeben von / Johann Heinrich Zang, Cantor / in Maynstockheim bey Würzburg« Zang baut in seiner Anleitung den Unterricht systematisch zum Selbstlernen auf. Von den bekannten Schreibmeisterbüchern dieser Zeit ist das des Cantors Zang das umfangreichste. Es umfaßt 38 Blätter, davon 7 Falttafeln. Die Bayerische Staatsbibliothek München besitzt das einzige vollständig erhaltene Exemplar dieses Lehrbuches3. Zang hat dieses Buch nicht nur vefaßt, sondern auch selbst gestochen, wie vielfache Signaturen »Zang scrips. et sculps.« erweisen. Fast jedes Blatt ist mit Zugwerkumrahmung und symbolischen Figuren geschmückt. Im einzelnen werden Anweisungen und Alphabete der Kurent-, Kursiv-, Kanzlei- und Frakturschrift geboten, ferner Initialalphabete und Zahlenreihen, dann bildliche Darstellungen und auf den Falttafeln Urkundenmuster. Zang war ein durchaus ernst zu nehmender Lehrer, dem aber auch der Sinn für Humor nicht abging. Dies zeigt sich bei den Mustern der Urkunden in den erfundenen Namen. So treten z. B. auf: der »Hof- und Feldtrompeter Blasius Clarini« der »Revierjäger Wolf Schiessgern zu Hirschfeld« der »Instrument- und Orgelmacher zu Pfeifersheim« und der »Kauf- und Handelsmann Leo Pard«. Das Lehrbuch Zangs steckt so voller Schönheiten und Kunstfertigkeit, daß es wirklich verdient, so ausführlich hier erwähnt zu werden. Wo und von wem das Werk Zangs gedruckt wurde, ließ sich bis jetzt nicht feststellen. Die Datierung Doedes auf die Zeit um 1740 ist nicht haltbar. Das Wappen des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim, der von 1755 bis 1779 regierte, auf einem der Urkundenformate weist auf die Zeit der Regierung dieses Fürstbischofs hin; denn das Werk setzt einen reifen Lehrer und einen geschulten Künstler voraus, was für Johann Heinrich Zang zutrifft. Nach von Siebold erschien diese »selbstlehrende Kalligraphie« im Jahre 1762.
1792 erwähnt Georg Fr. Kasimir von Schad Zang in seiner brandenburgischen Pinakothek4 als Schulmeister und »zugleich mittelmäßigen Kupferstecher«; er nennt von ihm die Neuauflage eines Kupferstich-Prospektes der Stadt Kitzingen aus dem Jahre 17055 und einen Prospekt des 1555 abgebrannten Schlosses Dachsbach. Thieme-Becker übernimmt Zang ohne Angabe des Vornamens als »Vedutenstecher« mit der falschen Datierung 17056. Zang war dreimal verheiratet; seine dritte Frau starb am 8. August 1800 in Mainstockheim. Bald nach dem Tode seiner Frau hat er wohl sein Amt als Lehrer und Kantor aufgegeben; an einer Stelle heißt es: »weil er auf Abwegen gegangen war«; dabei können seine vielseitige Korrespondenz, seine Schriftstellerei oder seine Reisetätigkeit gemeint sein. Sicher zeigt sich, daß sein stets tätiger Geist im Rahmen der einfachen Kantorstelle nicht ausgefüllt war. Seiner vielseitigen Feder verdanken wir noch ein Werk über die Büttner- und Küferlehre, sowie über den Orgelbau. Die Büttner- und Küferlehre erlebte drei Auflagen. Die zweite und dritte Auflage des Werkes konnte ich selbst einsehen7. Aus der Vorrede zur zweiten Auflage erfahren wir noch, daß Zang ein Werkchen, »Die Kunst Mosaische oder Musivbilder von puren Naturalien aus den drey Reichen der Natur zu verfertigen, für Maler, Schreiner, Zeichner, Zimmerleute und Maurer, mit 18 Zeichnungen«, geschrieben hat8. Zang hat sich auch selbst in dieser Kunst versucht und dabei Beachtliches geleistet. Ein weiteres Werkchen wurde von ihm verfaßt, »für Holz- und Metallarbeiter, in gleichem für Gerber, Färber und andere Künstler bestimmt, mit 21 Kupfern«. Auch als Komponist ist Zang in Mainstockheim hervorgetreten. Es werden von ihm verschiedene musikalische Werke erwähnt, u. a. »Die singende Muse am Main« mit Melodien. Leider konnte ich von diesen Veröffentlichungen keine Exemplare nachweisen9.
Johann Heinrich Zang starb am 18. August 1811 im 79. Lebensjahr, nach Meusel10 im Juliusspital zu Würzburg.

Abdruck aus Dr. Walter M. Brod, Fränkische Schreibmeister und Schriftkünstler, Mainfränkische Hefte, Heft 51, Würzburg 1968 mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

 

  • 1. Erschienen als »Begleitungs-Schrift zur fränkischen Chronik« (= Bonaventura Andres: »Neue Fränkische Chronik«, Drittes Jahr, Würzburg, 1808, Würzburg bei Carl Philipp Bonitas). Der Bericht über Zang findet sich in dem in Fortsetzungen erschienenen Aufsatz: »Würzburgs Schriftsteller, Künstler und Sammlungen«, S. 135/37 in Nr. XXIII, Würzburg, den 18. Juni 1808. Leider ist die angekündigte Fortsetzung nicht mehr erschienen, da sowohl die Neue Fränkische Chronik wie die Artistisch-Literarischen Blätter ihr Erscheinen mit dem Jahrgang 1808 einstellten.
  • 2. Der Vater Johann Georg Zang, ehemaliger königl. ungarischer Oberliutenant im Regiment Heister. Zang hatte sich in Zella niedergelassen und die Bürgerstochter Rosina Christina Schmidt geheiratet.
  • 3. Sign. Chalc. 164. Ein weiteres Exemplar, jedoch unvollständig - es fehlen die Falttafeln - besitzt die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg: Sign. W 1011 m quer - 8°. Im letzten Jahr erwarb die Universitätsbibliothek in Würzburg aus dem Kunsthandel ein Exemplar. Vgl. Doede »Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher...« [149], S. 92. Nach einem Vermerk im Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek München wird als Druckort »1766 Hildburghausen Hanisch« angegeben. Anmerkung der Redaktion: Die Gemeinde Mainstockheim erwarb im Jahre 1998 ein weiteres, vollständiges, Exemplar aus dem Kunsthandel. Dieses wurde für die Wiedergabe der folgenden Seiten verwendet.
  • 4. »Versuch einer brandenburgischen Pinacothek oder Bildergallerie ... der beiden Fürstenthümer in Franken Anspach und Bayreuth«, Nürnberg und Leipzig 1792, S. 216
  • 5. Es handelt sich um die Stadtansicht von Laurenz Schmid. 1770 fertigte Zang die neue Kupferplatte. Die Herausgabe der Ansicht besorgte Johann Valentin Schmid, der Sohn des Laurenz.
  • 6. Thieme-Becker, 36. Bd., Leipzig 1947, S. 406
  • 7. Titel der 1. Auflage: »Vollkommene Büttner- und Küferlehre«, herausgegeben von einer Gesellschaft zur Förderung der Künste. Vorrede unterschrieben von Johann Heinrich Zang. Erschienen 1790 im eigenen Verlag (Mainstockheim). - 2. Auflage: »Der vollkommene Büttner oder Küfer« = Des Kunst- und Handwerksbuchs Erster Teil, welcher die vollkommene Büttner- oder Küferlehre nebst Aufgaben für Weinhändler, Kellner ingleichen für Wein- und Bieressigsieder, Brandwein- und Liquerbrenner enthält ... mit 38 Kupfertafeln. Des Kunst- und Handwerksbuchs zweyter Theil von der Orgelbaukunst... »Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe, der Reparatur und Stimmung der Orgeln und anderer Saiten-Instrumente« von Johann Heinrich Zang. Mit zwey Kupfertafeln, Nürnberg ... Adam Gottlieb Schneider und Weigel 1804. Fundort: Würzburger Privatbesitz. - 3. Auflage: »Die vollkommene Büttner- oder Küferlehre«. Dritte Auflage von einem praktischen Technologen durchaus verbessert und vermehrt. Mit 38 Kupfertafeln, Frankfurt am Main in der Jägerschen Buch-, Papier- und Landkartenhandlung, ohne Jahr; (jedoch nach 1813 oder später). Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg Sign. 8° V. 3365.
  • 8. Das Mainfränkische Museum hatte vor kurzem das Glück, aus Würzburger Privatbesitz zwei signierte Musivgemälde Zangs zu erwerben. Es handelt sich um Stücke aus einem Cyclus von Monatsbildern, und zwar um die Darstellung des Monats Oktober (Sign. S. 49 309), datiert 15. Oct. 99, und des Dezembers (S. 49 308), datiert 9. Mai 1801, Größe ca. 61,5 x 47,5 cm. Über die sogenannten Musivbilder vgl. u.a. F. G. Benkert: »Joseph Bonavita Blanks Beschreibung seiner Musivgemälde«, 2. Ausgabe, Würzburg 1820.
  • 9. Mit der Bedeutung Zangs auf dem Gebiet der Musik befaßt sich zur Zeit Professor Dr. Johannes Heinrich, Pädagogiche Hochschule Westphalen-Lippe; seine Biographie Zangs wird in der Enzyklopädie »Die Musik in Geschichte und Gegenwart«, die in Lieferungen im Bärenreiter-Verlag, Kassel, erscheint, veröffentlicht. Über Zang als Musiker und Komponist finden sich schon Notizen in Robert Eitner: »Biographisch-Bibilographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten«, 9. Bd., Leipzig 1903, S. 325; und in Riemanns »Musik-Lexikon«, 12. Auflage, herausgegeben von Willibald Gurlitt, Mainz 1961, S. 959/60. Ich danke auch an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. Heinrich für seine Hinweise und den bereitwilligen Austausch der Forschungsergebnisse.
  • 10. Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, Lemgo 1827, Bd. 16, S. 296/297 und Bd. 21, S. 753 und Teutsches Künstlerlexikon, Lemgo 1808-14, Bd. 3, S. 575/576.

MITTEILUNGEN Folge 6 (1991)

Schlagworte: 

Akt über den Pfarrer Johann Georg Kirchner in Mainstockheim

Gemeindearchiv Mainstockheim - Inv. Nr. A 332/2

von Ludwig Ruf

I. Entwurf des Protokolls der Vorgänge vom Peter-und-Pauls-Feiertag, Samstag, 29. Juni 1793 für die Oberdorfherrschaftlichen Ämter vom 4. Juli 1793, verfaßt vom Gerichtsschreiber Johann Friedrich Traber

Actum Mainstockheim, den 4. Julij 1793.

In Gegenwart
Deren Oberdorfherrschaftl. Herren Schultheisen, BMstr.1 und Rath.
Mein Actuani (?) Trabers

P.P.P.P. Nachdeme der hiesige derzeitige Herr Pfarrer Johann Georg Kirchner, sich wider die hiesige Verfassung und die Ihren (?) zustehende Gebühr..- de (?), unterfangen hat, letztverwichenen Petri Pauli Feyertag2 öffentl. von der Kanzel, nach geendigter Vormittags Predigt zu verkünden, daß die sämtl. Bürgerschafft, die Erlaubnis habe Heu zu machen und Einzuführen, somit an diesem Feyertag wercktägliche Arbeit zu verrichten, ohne disfalls nach hergebrachter Gewohnheit und Ordnung von Schultheisen BMstr und Rath entweder Erlaubnus zu solcher Publication, erhalten zu haben; So hat man zu Abwendung dieses nach der hiesigen Verfassung beträchtlichen Praejudizes3 für nothwendig angesehen aus dem Rathauß, der aus der Kirche gehenden Gemeinde, verkünden zu laßen, daß Niemand bey Vermeidung 1. Rthl.4 Strafe, sich unterstehen solle, an dem Feyertag auf das Feld zu gehen und Heu zu machen. Es haben zwar sämtl. Bürger, diesem Verboth sich gefüget, und Niemand ist zur Arbeit gegangen. Nur Herr Pfarrer Kirchner hat für gut finden können, seinen Vatter, seine Frau und Dienst-Magd zum Spott und Ärgernis christl. und jüdischer Zuschauer und zum Truz oberdorffherrschafftl. Polizey-Verordnungen, auf die Wiese zu schicken und Heumachen zu lassen, den darauffolgenden Sonntag aber, mit den boshafftesten Ausdrücken in s. Früh-Predigt, zu entheiligen, in welchen Er nachfolgende persönlichen Anzüglichkeiten, vorkommen zu lassen, sich nicht gescheuet hat:

    "Er selbst habe ein Königl. Preusisches Edict im
    "Hause, in welchem die Arbeit an Feyertagen befoh-
    "len seye. Es seye diese Erlaubnis, auch den göttl.
    "Gesetzen nicht entgegen. Hier in Mainstockheim
    "seye es aber nicht so, sondern man wolle lauter
    "Müßiggänger und Faullenzer ziehen. Der mit gutem
    "Beyspielen vorangehen solle, mahne die Leute vom
    "Arbeiten selbst ab, und handle also dadurch
    "schnurstracks, gegen seine Herrschafftl. Befehle.
    "Weil er selbst ein Müßiggänger und Faullenzer
    "seye und nichts arbeiten möge; So ernähre er sich
    "auf Nebenwegen, und halte die Unterthanen vom
    "Arbeiten ab.

Sodann wandte Er sich gegen die Gerichts Stühle, schlug auf sein Pult, mit Ungestüm, und rief auf die Herren Schultheisen und Raths-Glieder, mit seiner gewöhnl. Heftigkeit herab:

    "Ihr Herren da! Warum verbiethet Ihr denn das Kegeln
    "an Feyertagen nicht? Müssiggang und Liederlichkeit
    "worzu die Feyertage angewendet werden, verbiethe
    "man nicht, denn man liebe selbst das Faullenzen
    "und Müssiggehen. Aber das Arbeiten verbiethe man.
    "Man lebe nicht im Schlaraffen-Land, wo die gebrate-
    "nen Tauben in das Maul fliegen. Es heise bethe und
    "arbeite. Er habe es auf seiner Seele die Leute zum
    "Guten und zur Arbeit anzumahnen. Arbeitet und laßt
    "Euch durch das Verbott nicht abhalten!

Mit diesen und ähnlichen Ausfällen war die ganze Predigt angefüllt.
Des Nachmittags in der Betstunde übte er seine Bosheit noch weiter aus. Weil seine Nachmittags-Kirchen nicht die anziehendsten sind, so war eben nur 1. Raths-Glied in der Kirche.
Zur Beschimpfung rief Er mitten unter seinem Kirchen-Gebeth hinunten: "Buben weckt die Raths-Herren auf!" Als er ging von der Kanzel, sagte Er zu denen Jungen: Geht hinein in die Raths-Stühle, darinnen habt ihr besser Plaz!
Aus dieser Erzählung seye nun ganz deutlich zu ersehen, daß Er nicht nur den ganzen Ehrsamen Rath und die drey Oberdorfsherrschafftl. Herrn Schultheisen überhaupt, sondern auch insbesondere den Königl. Preusischen Herrn Schultheisen Sterzbach in dem Angesichte der ganzen Kirchenversammlung, schimflich und injurieux5  behandelt und heruntersezt, daß Er nicht nur in die hiesige Polizey-Verfassung, einen empfindlichen Eingriff gewagt, sondern auch sogar die Bürgerschafft von der Beobachtung des ertheilten Verbots, abzumahnen und sie zum Ungehorsam zu reizen, sich nicht gescheut habe.
Da sich Herr Pfarrer Kirchner überhaupt sehr unruhig beweist und aller bisherigen Ordnung zu widerstreben stets geneigt seye, auch sich könnt einfallen lassen inskünftige, auf gleiche Art zu handeln; So wären sie sämmtl. höchst vermüsigt gegen ein so auffallendes Betragen, Beschwerde zu führen, und um erforderl. Remedur6  allerunterthänigst und unterthänig anzusuchen.
Es wurde daher beschlossen, an die Oberdorffsherrschafftl. hochwohllöbl. Aemtern, sich diesfalls zu wenden und denenselben gegenwärttig abgehaltenes Protocollum gehorsamlich einzusenden.

Actum ut supra7
In fidem8
S. Joh. Fried. Traber

  • 1. BMstr = Bürgermeister
  • 2. Petri Pauli Feyertag: 29. Juli, war 1793 ein Sonntag
  • 3. Praejudicium = Vorurteil, Vorentscheidung
  • 4. Rthl. = Reichstaler
  • 5. injurieux = beleidigend
  • 6. Remedur = Abhilfe
  • 7. Actum ut supra = gehandelt wie oben (gesagt)
  • 8. In fidem = für die Richtigkeit, beglaubigt

II. Entwurf des ProMemoria an das Königliche Kastenamt Mainbernheim über die Angelegenheit Pfarrer Kirchner vom 4. Juli 1793, verfaßt vom Gerichtsschreiber J. Fr. Traber

Mainbernheim

Gehorsamstes ProMemoria!

P.P. Es ist zwar schon mehrmalen geschehen, daß in der Ernde- und Herbstzeit zu Begünstigung der nothwendigen - und durch üble Witterung verzögerte Ernde- und HerbstGeschäfte, an Feyertagen, denen hisigen Bürgern die Erlaubnis ertheilet worden ist, solche unverschiebliche Arbeiten zu verrichten.
Weil aber, nach der hiesigen Verfassung nicht in den Mächten des zeitl. Pfarrers stehet, für sich, in dergleichen Sachen zu dispensiren; So wurde jederzeit auf Ansuchen der Bürgerschafft von Seiten der Oberdorfsherrschafftl. HErrn Schultheisen, BMstr. und Rath das Pfarramt requiriret9, von der Kanzel herab zu verkünden, daß mit Obrigkeitl. Erlaubnus, jedermann nach seinem Belieben, Feldarbeiten verrichten dürfe.
Wenn man nun an dem leztverflossenen Petri-Pauli Feyertage, von der Bürgerschafft, ebenfalls um diese Erlaubnus angegangen worden wäre, oder man hätte sich von der unumgänglichen Nothwendigkeit an diesem Feyertage Heuzumachen, selbsten überzeugen können, oder es hätte Herr Pfarrer davon Eröffnung gemacht, so würde diese erforderl. Dispensation10, ebenfalls, ohne allen Anstand, ertheilt worden sein.
Da aber dieselbe, Pfarrer Kirchner, eigenmächtiger Weise zu ertheilen, wider alle Vermuthung, sich unterfangen; So hat er allerdings in die Oberdorfsherrschaftl. Gerechtsame und besonders in die hiesige PolizeyGeseze einen nachtheiligen Eingriff gewagt, und man ist dahero zu Abwendung dieses Praejudizes vermäsiget gewesen, mittels Abkündung eines gegenseitigen Verbotts vom Rathaus, demselben zu contradiren11, und die wider Recht und Befugnus, erlaubte Feld-Arbeit, blos dieser widerrechtl. Anmasung wegen, mit Nachdruck zu verbiethen.
Man würde es bey dieser Salvirung12 diesseitiger Gerechtsame haben bewenden lassen. Da aber der unruhige Pfarrer Kirchner vermög abgehaltenen und hier beyliegenden Protocolli hierüber an denen hiesigen Hhl. Ortsvorstehern, in einer vergallten Predigt, auf das boshaffste und unanständigste sich zu rächen bemüht gewesen; und sozusagen die sämmtl. Herrn Schultheisen sowohl als den ganzen Rath überhaupt, sodann den Königl. Preusischen Herrn Schultheisen Sterzbach, wie aus dem Zusammenhang der Predigt leicht erhellt, insbesondere, öffentl. Kirchen-Buß thun lassen, sofort von diesem boshafften Mann, ohne erhaltene Zurechtweisung, eine öfftere Wiederholung dergleichen Aufführung, wohl zu befürchten wäre;
So sehen sich dieselben vermüsiget, gegen denselben Klage zu führen, und um erforderl. hinlängliche Satisfaction13 den gehorsamsten Antrag zu machen, zugleich aber auch dieser Klage noch mehrere Punkte zu zusezen, über welche man sich allerdings um so mehr zu beschweren Ursache hat, als sie wider denjenigen Recess14 anstoßen, welchen Pfarrer Kirchner, mit dem hiesigen Rathhaus, bey seinem Aufzug, unterm 26. May 1785. wie bey allen vorherigen Pfarrern ebenfalls geschehen ist, errichtet hat.

1.

Nach dessen 7. § ist er schuldig, alle 4. Wochen eine Betstunde, in der sonst ungebraucht stehenden St. Gumbrechts-Kirche zu halten. Er entsprach aber dieser ausdrücklichen Verbindlichkeit so wenig, daß er bey 6. Monate verstreichen ließ, ohne einmal eine Betstunde zu halten.
Man lies ihn zur fleisigern Beobachtung derselben auf das freundschafftlichste ermahnen, da es aber vergeblich war, Ihme bedeuten, daß man an seiner Besoldung, für jede ohne gegründete Ursache versäumte Betstunde, 1. fl fr.15 abziehen würde.
Als er auf beedes nicht geachtet, sondern dagegen in den anzüglichsten Ausdrücken sich gesezet; So hat man diese Drohung durch Abzug 2. fl für 2. Stunden, zwar in Erfüllung gebracht, solche aber nachhero, zu Erschöpfung aller Güte, seines Trozes ohnerachtet, Ihme wieder zurückgegeben, jedoch unter der Aeuserung, daß diese Bestrafung in Zukunfft bey abermaliger Widerstrebung um so zuverlässiger erfolgen sollte.
Einige Monate hat Er dann zwar seine Schuldigkeit gethan, aber in 11. Monaten sie wieder 5. mal unterlassen, ohne daß Er die geringste Entschuldigung anzugeben im Stande war.

2.

Als Parochus absolutus et ordinarius16 hat Er das Recht und die Verbindlichkeit alle Actus parochiales17 auch in den hiesig wenig Catholischen Haushalten zu verrichten, folglich auch über die Beständer18 des hiesigen - dem hohen condomino19 Freyherrn von Bechtolsheim eigenthümlich zustehenden Main-Fahr-Hauses. Weil solches mehrentheils mit Catholischen Beständern bewohnt war und selbige stets der hiesigen Parochie20 sich zu entziehen suchten; So entstunden viele Differenzien, und man mußte bemüht sein, solche immer dem hiesigen Kirchspiel zu unterwerffen. Je mehr man also Ursache hätte, auf Ausübung dieser Gerechtsame den sorgfältigsten Bedacht zu nehmen; Je weniger ist Herr Pfr. Kirchner darum bekümmert, sondern als lezthin ein im Fahrhaus verstorbenes Kind begraben worden, lies er sich behaglicher sein, unter dem Main Thor stehen zu bleiben, und den Kantor, mit denen Chor Schülern und Sing Buben, ohne seine Begleitung, allein an das kaum 100 Schritte vom Thor entlegene FahrHaus zur Abholung der Leiche zu schicken, und Ihnen sogar das Singen zu untersagen.

3.

Seit 6. Wochen unterläßt Er für die Feldfrüchte zu bethen, weil er vermutlich glaubt, bei dem erlittenen Frostschaden, seye es nun ganz unnöthig.

4.

Nach dem 3. § ........ Reverses21, soll ein zeitl. Pfarrer alle 14. Tage eine Kinder Lehre Sonntags Nachmittags halten. Weil er aber zuweilen erst in 5. Wochen Kinder Lehre hält und im Winter gar sehr wenig diese so nothwendige Amts-Pflicht ausübet; So erfolgt, da die Kinder in der Lehre der christl., Evangel. Religion sehr seicht sich finden lassen, um nicht zum gänzl. Abgang des Christenthums, den Grund zu legen, eine disfallsige Einschärfung äuserst nothwendig seye.

5.

So ist Ihme auch nach dem 18. § dieses Reverses, vorgeschrieben, die Pfarr-Schule mit Fastnacht anzufangen und bis Ostern zu schliesen, sodann die Catechumen22 am Sonntage Quasimodogeniti zum Genuße des Heil. Abendmahls zu lassen. Heuer aber hat er sie erst am Johannis-Feyertag vorgestellet, und an Petri Pauli zur Communion gelassen, weil Er öfters mit denen Kinder Pfarr-Schulen willkührlich ausgesezt und dadurch armer Leute Kinder bey dem weiten hinaus verschiben in der nothwendigsten Zeit von der Arbeit abgehalten; Vorm Jahr aber mit äusester Mühe sich persuadiren23 lassn, PfarrSchulen zu halten. indeme er sich anfangs deswegen geweigeret, weil nur wenige zur Confirmation angenommen werden könnten, folgl. etlicher wegen es nicht der Mühe werth seye, ohne zu Bedencken, daß, wenn sie heuer nichts lernen, sie im folgenden Jahr noch weniger Fähigkeiten zeigen könnten zur Communion zugelassen zu werden.

6.

Gehört unter die gerechten Beschwerden, daß er über die vorgeschriebene Norm, seine Gebühren zu erhöhen trachtet und mit dem Herkommen nicht zufrieden sein will, sondern z. B. für das Aufschlagen des Tauf-Buches, bey einem hiesig-Verstorbenen, eine besondere, ganz ungewöhnliche Vergütung von 3. Batzen fordern will, ohne die auffallendste Undankbarkeiten zu erwähnen, womit Raisonnable24 Zahlungen belohnt werden.
Es erprobt sich schon aus diesen wenigen Punkten, wie wenig den Herrn Pfarrer Kirchner, an Erfüllung seiner Amts-Pflichten gelegen seye, und wie laulicht es mit dem Christenthum in einer Gemeinde aussehen müße, die mit so wenigem Eyfer unterrichtet wird, wenn man noch seinen boshafften und unüberlegten Vorsaz dazu addirt, den größten Theil seiner Beicht-Kinder, auf das gröblichste und injurieuseste, aller Wohltätigkeit ohnerachtet, zu beleidigen, in Predigten auf sie die empfindlichsten Anzüglichkeiten auszugeifern, und sie dadurch aus seinen Gottesdienstlichen Handlungen zu verscheuchen und sogar vom Genuß des heiligen Abendmahls zurückzudrängen, somit also dadurch die schädlichste Lauichkeit im Christenthume zu veranlasen.

Da nun, um diesen unruhigen Mann in seine gehörige Schranken zu weisen, und allem ferneren Unheil vorzubauen, eine nachdrücklichere Krafft erforderlich sein will, als welche das hiesige RathHaus in Bezug auf die Art dieses Mannes, zu vermögen scheint. So will man ein Hochwohllöbl. KastenAmt Mainbernheim ganz gehorsamlich gebethen haben, solche Mittel und Weege einzuschlagen, wodurch der gesuchte Endzweck nach allseitigen Wünschen erreicht werden möge.

Mainstockheim, den 4. July 1793
Johann Friedr. Traber im Namen sämtl. Oberdorfherrschaftl. Herren Schultheisen, BMstr und Rath dahier.

  • 9. requirieren: hier: ersucht
  • 10. Dispensation: Dispens, Ausnahmebewilligung
  • 11. contradieren: widersprechen
  • 12. Salvierung: Heilung, Wiederherstellung
  • 13. Satisfaction: Genugtuung
  • 14. Receß: Endresultat gepflegter Verhandlungen
  • 15. fl.fr.: Florenus = Gulden, fränkisch
  • 16. Parochus absolutus et ordinarius: uneingeschränkter und ordentlicher Vorsteher eines Pfarrsprengels
  • 17. Actus parochiales: kirchliche Handlungen
  • 18. Beständer: Inhaber, Bewohner
  • 19. condominus: Mit-Herr, vgl. condominat
  • 20. Parochie: Kirchspiel, Pfarrsprengel
  • 21. Revers: Anerkennung
  • 22. Catechumen: Teilnehmer am Vorbereitungsunterricht
  • 23. persuadiren: überreden
  • 24. raisonabel: vernünftig

III. Abschrift der vom Königl. Preußischen Kastenamt Mainbernheim an das Pfarramt Mainstockheim erlassene kirchenherrschaftlichen Weisung vom 15. Nov. 1793

An
Die Oberdorfherrschaftl Schultheisen
Bürgermeister und Rath
zu
Mainstockheim

pr: Mainstockheim den 18ten Nov. 1793; Wegen Beschwehrte von hiesigen Schultheisen, BürgerMeister und Rath, über Herrn Pfarrer Kirchner alhier und hier über von seiten Anspach erhaltene Allergnädigste Resolution

(Siegel als Verschluß)

Abschrift der von dem Königl. Kasten-Amt Mainbernheim an das Pfarramt zu Mainstockheim erlassene Kirchenherrschaftl. Weisung.

Nachdeme die Oberdorfherrschaftl. Schultheisen, Bürgermeister und Rath zu Mainstockheim bey diesseitiger Kirchenherrschaft beschwerend angebracht, wie das dermalige Pfarr-Amt daselbsten gegen alle Ordnung

1.) die Observanzmaesige25 Haltung der Bet-Stunden in der St. Gumbrechts Kirche, unterlasse,
2.) Bey Beerdigung des in dasigen Fahrhauß verstorbenen Kindes eine auffallende Nachlässigkeit zu Schulden gebracht habe, nicht minder
3.) nicht mehr vor die Feld-Früchte bete, auch
4.) nur selten an denen Sonntägen Nachmittags Kinderlehren halte, dann
5.) die sogenannten Pfarr-Schulen nicht zur gehörigen Zeit anfange und schliese, ferner
6.) sich eigenmächtig erlaube, die Gebühren zu erhoehen, somit um gänzl. Abstellung dieser Unordnungen gebetten haben;

Als wird in Gemaesheit allerhöchsten Auftrags, belobtem Pfarr-Amt, das gerechte Mißfallen über diese auffallende Dienst Negoten26, von Kirchenherrschaftswegen zu erkennen gegeben, und sich zu selbigen billigversehen, daß es vor die Zukunft seiner Dienst-Pflicht eifriger und gewissenhafter nachkommen und die Neglecte27 um so weniger mehr zu Schulden kommen lasse, als man bey wiederholten Klagen der Gemeinde, eine strenge Untersuchung, und nach Befund, die verdiente Ahndung vorkehren wird.

Mainbernheim, den 15. Nov. 1793

Carl Meyer

Aus der Abschriftl. Anlage, haben Schultheisen, Bürgermeister und Rath zu Mainstockheim, zu ihrer Beruhigung zu ersehen, was auf ihre bey diesseitiger Kirchenherrschaft, unterm 4. July h.ai.28 gegen das dasige Pfarr-Amt, auf allerhoechste Verordnung erlassen worden,

Mainbernheim, den 16. Nov. 1793.

Carl Meyer

  • 25. Observanz: Gewohnheit, Regel
  • 26. Negoten: Aufgaben, Tätigkeiten
  • 27. Neglecte: Dienstversäumnisse
  • 28. h.ai.: huius anni: dieses Jahres

IV. Abschrift der von der Kondominatsherrschaft an Pfarrer Kirchner, Mainstockheim, erlassenen Signatur vom 16. Nov. 1793

Auf allerhöchst und hohen Befehl der Mainstockheimer Oberdorfherrschaft, wird dem Herrn Pfarrer Kirchner, wegen der am heurigen Petri Pauli Feiertag, ohne erhaltenen Oberdorfherrschaftl. Auftrag, der dasigen Gemeinde eigenmächtig ertheilten Dispensation zum arbeiten, hierdurch zu erkennen gegeben, wie er sich nicht nur durch diesen arroganten Eingriff in die Condominat29-Herrschaftl. Gerechtsame und Zustaendigkeiten, sondern auch die sich bey dieser Gegebenheit gegen die Condominat-Herrschaftl. Schultheisen, und unter diesen, besonders den Königl. Preusischen, ohne allen Anlaß, bey dem öfentl. Kanzel-Vortrag, gegen alle Pastoral-Klugheit, erlaubten persönlichen Anzüglichkeiten und groben Ausfällen, verfehlet, und eine ernste Rüge, in doppelter Beziehung, gar wohl verdient hätte, die man Jhm zwar noch vor diesmalen, jedoch unter geschärfter Verweissung dieser Ungebühr, in der billigen Erwartung eines künftig bescheideneren - vernünftigeren - seinem Stande und Würde angemessenem Benehmen, nachsetzen wolle; Dagegen derselbe, da er sich zu Eludirung30 des vorgelegenen Oberdorfsherrschaftl. Verbots, dennoch beigehen lassen, seine Angehörige, an den genannten Feiertag auf einer Wiese zur Arbeit anzuhalten, die hierauf gesezt gewesene und verwürkte Strafe von 1. Rthl. um so unnachläsiger erlegen müse, als er sich den Policey-Anstalten und Verordnungen der Oberdorfsherrschaft, gleich jeden sonstigen Mitglied der Gemeinde zu Mainstockheim, unbedingt zu unterwerfen habe, und folglich jede seiner Seits dagegen verschuldet werdende Contravention31 nach gleichen Maas-Stab geahndet werden müsse.
Wir gewärtigen also die Erlegung vorbemerkt verwürkter Strafe binnen Acht Tagen, um so zuverläsiger, als wir auserdem in die unangenehme Nothwendigkeit versezet würden, mißliebigere Maas Regeln zu ergreifen.

Sigl. Mainbern- Mainsond- und Mainstockheim, den 16. Nov. 1793

Meyer
Ambs
Bauer

Denen Oberdorfsherrschaftl. Schultheisen zu Mainstockheim, wird auf deren unterm 4. Julij l.J.32, wegen die von dem dasigen Pfarr-Amt der Gemeinde am Petri Pauli Feiertag eigenmächtig erteilten Erlaubnis zum arbeiten, erstattete Anzeige, Revolutionis loco33 anliegend eine Abschrift von der an den Herrn Pfarrer Kirchner diesfalls erlassenen Sign. zu ihrer Beruhigung mitgettheilet.

Mainbernheim, Mainsond- und Mainstockheim, den 16. Nov. 1793

Carl Meyer
J. Matth. Ambs
Bernadinus Bauer
Nebr. Cria.“

(Verschlusssiegel am Rand)

  • 29. Condominat: Mehrherrengebiet
  • 30. Eludierung: Umgehung
  • 31. Contravention: Übertretung
  • 32. l.J.: laufenden Jahres
  • 33. revolutionis loco: anstatt einer Rückgabe

V. Entwurf des Berichts des Gerichtsschreibers Traber an die Kondominatsherrschaft vom 20. Febr. 1794

Mainbern-
Mainsond-
und
Mainstockheim

Gehors. ProMemoria!

P.P.P.

Weil Herr Pfarrer Kirchner die Ihm von OberdorfsHl. wegen, andictirte Polizey-Strafe nicht aus eigenen Mitteln bezahlt; So hat man solche aus dem Bürgermeisteramt von dessen Besoldung bezahlen lasen. Ich ermangle nicht, solches denen Hochwohl. Aemtern zur gleichheitl. Repartition34
mit 1. fl 30 xr35 Pl
hirmit gehorsaml. zu übersenden.

Mainstockh. den 20. Febr. 1794

Traber.

  • 34. Reparation: Verteilung
  • 35. 1. fl 30 xr: 1 Gulden 30 Kreuzer

VI. Anzeige des Kantors Johann Heinrich Zang an die Schultheisen, Bürgermeister und den Rat von Mainstockheim gegen den Pfarrer Kirchner, seine Lehre und seinen Wandel betreffend vom 22. Februar 1794

Denen Wohlehrenvesten und Vorachtbaren
Oberdorfsherrschaftlichen Herrn Schultheisen,
Bürgermeister und Rath dahier zu Maynstockheim,
meinen hochgeehrten Herren,

vermüßigte Anzeige
mein
Johann Heinrich Zang
Cantoris dahier,
entgegen den Herrn Pfarr
Johann Georg Kirchner,
Seine Lehre und Wandel
betr.

Wohlehrenveste und Vorachtbare inbesonders hochgeehrte Herren Schultheisen, Bürgermeister und Rath!

Daß ein jederzeit von Wirzburg neu hierher gesetzt werdender Pfarrer, bey seiner Verpflichtung dortselbst hauptsächlich schwören muß, daß er nicht nur der heil.n Schrifft, sondern auch besonders der unverändert Augsburgl.n Confession conform predigen und lehren soll, hoffe ich, wird Denenselben allerseits bekannt seyn: Und noch nie wird solg ein Beyspiel dahier gefunden worden seyn, daß ein Geistlicher dieser seiner Pflicht so wohl, als auch jener die er vor einem Evangelischen Altare, seinen Consecranten36, auf das heil. Evangelium schwören muß, Ehr und Pflicht vergeßen entsaget, und sich eigenmächtig beygehen laßen, wider besagte Evangelische Lehre zu predigen und zu lehren, deßhalb auch der hiesige Ort, Mainstockheim, in der lauteren Milch des heil.n Evangelii, unter dem reinen Vortrag vormaliger Pfarrer und Seelenhirten, zum Preise unseres Gottes, fortgepflanzet worden.

Ob nun auch gegenwärtiger, seit ao 1785. von Wirzburg dahier gesetzter Hl. Pfarr Johann Georg Kirchner, alldorten auf obbeschriebene Art, der heil.n Schrifft und unveränderten Augsburgl.n Confession gemäß zu lehren und zu predigen, ist verpflichtet worden, solte man fast bezweifeln; Doch - da derselbe seine, seinem ehemaligen Consecranten vor dem Evangelischen Altare zu Kitzingen geleisteten Pfarrpflicht, wider beßer Wißen und Gewißen, entsaget, so wird ihm diese mit jener Pflicht wohl einerley seyn, und es läßt sich wohl aus folgenden der unbezweifelt richtige Schluß machen, daß derjenige Mensch, besonders ein Pfarr, der die Frechheit und Unverschämtheit hat, sich selbst vor seiner Gemeinde, und zwar noch in öffentlicher Kirchenversammlung, als einen s. h.37 öffentlichen Lügner zu declariren und darzustellen |: wie dieser Hl. Pfarr Joh. Georg Kirchner ao 1790. an denen beyden Sonntagen: Jubilate und Cantate, in öffentlicher Kinderlehre that :| daß ein solcher Mensch auch gar wohl seinen Gott und seiner Herrschaft abgelegten Eyd, Gewissen und Ehrlos verachtet, und zum größten Seelenschaden seiner ihm anvertrauten Gemeinde hinten an setzet, und solchen als eine blose Ceremonie ansiehet, die ihm zu seiner Mastung hilft, im Uebrigen aber ihm ein Kinderspiel ist.

Wie nun solcher Gott und seiner Herrschaft geleisteten Pflicht vergeßen, schon benanndte dahiesige dermalige Hl. Pfarr Kirchner, sich bishero mit Lehren und Predigen, und dann auch in privatDiscursen, wider die heil. Schrifft und unveränderte A. C.38 betragen, wodurch er nichts suchet, als seine ihm anvertraute Gemeinde, hauptsächl. aber die Jugend, von dem rechten Weg der reinen Evangelischen Lehre ab- und durch lauter, der heil.n Schrifft so wohl als der gesunden Vernunft widersprechende Lehrsätze, zu ihrem grösten Seelenschaden, ins Verderben zuführen; solches wird, ohne Zweifel, Denenselben schon einigermaßen wißend seyn. Bey diesem allen aber, da solche Bekanntwerdung nur gleichsam Obiter39 geschehen, finde ich mich als nun 42. jähriger Schullehrer dahier, verbunden, Ihnen das Betragen dieses Mannes schrifftlich zu schildern, welche Schilderung mit dem Zeugniße der ganzen Gemeinde begleitet, Dieselben reiferer Ueberlegung ziehen, nach welchen Dieselben bey Einem Königlich Höchstpreißl.n Consistorio zu Ansbach, sich Raths und gnädigsten Beystands erhohlen können, ob es rathsam sey, daß ein solcher mit ganz verkehrten Lehrsätzen geschwängerter Irrlehrer, bey einer solchen grosen Gemeinde, ferner hin zu dulden seye? Von deßen Gott und Gewissenloser, der Evangelischen Religion und der gesunden Vernunft gerade zu widersprechenden Lehre, wie auch einiger maßen von seinem dahier geführten Lebenswandel Sie in folgenden §.§. mehreres finden werden.

Er verwirft demnach
1.) Die Beicht, wider den 11. und 12. Art. der Augsburgl.n Confession, und sagt: Sie seye zu nichts nutz; es wäre kein Befehl dazu da, da doch solches aus drückl. wider die Worte unseres Heylandes ist, Joh. 20. Nehmet hin den heil.n Geist, welchen ihr die Sünde erlaßet p40 und wider 4. B. Mos: 5.7. Sie sollen ihre Sünde bekennen. deshalb der verstorbene Hl. Oberpfarr Hecht von Kitzingen, in Beyseyn noch lebender Männer, sich scharf wider ihn gesetzet, und auch Hl. Pfarr Jäger zu Albertshofen, die ihn beyde einen Verführer und Irrlehrer schalten.

2.) Verwirft er die Psalmen, welche nichts weniger als Weissagungen von Christo in sich faßeten, und ist denen selben so feind, daß er nun schon seit etlichen Jahren keine mehr, wie sonst gebräuchlich war, zu Anfang des sonntägl.n Frühgottesdienstes, verließt; sondern statt solchen verließt er mehrentheils die Geschlechtsregister des alten Testaments, um die Gemeinde die mehrentheils solche Psalmen auswendig kan, von dem Mitbeten abzuhalten.

3.) Verwirft er das göttliche Gesetz der 10. Gebote, wie er denn am Sonntage Cantate 1793. in der Frühpredigt frey sagte, und solches Mittags in der Kinderlehre wiederhohlte: Die 10. Gebote taugten zu nichts mehr, Christus hätte sie aufgehoben; Die Leute solten am Sonntage arbeiten, die Weibsbilder nähen und stricken, und die Mägde die Löcher zuflicken, pp dabey ein groser Lerm |: und wie leicht zuerachten :| ein auserordentliches Gelächter in der Kirche entstunde. Hiemit lehrte er klärlich wider den Ausspruch Jesu, Matth: 5.17. Ich bin nicht kommen das Gesetz aufzulösen; sondern zu erfüllen, Und wider die Worte Pauli Röm: 3.31. Wie? heben wir denn das Gesetz auf durch den Glauben? Das sey ferne! Sondern wir richten das Gesetz auf. Diesen schwärmerischen Lehrsatz muste er sich gefallen laßen, daß ihm solchen eine Frau auf einer Hochzeit widersprach, welche diese Worte dazu setzte: Wenn das Gesetz nichts mehr taugt; so sind auch solche Pfarrer, die solches lehren zu nichts mehr nütze und man kan solche entbehren. Welches er mit einem Glas Wein hinunterschluckte, und stille schwieg.

4.) Seine theologische Gelehrsamkeit, als auch seine Wißenschaft in der griegischen Sprache verrieth er am 1. Weyhnachtfeyertage 1793. als er seiner Gemeinde zum Christgeschenke in der Frühpredigt, und zum Troste des neu gebohrnen Heylandes, das Anathema Maharam Motha des Apostels Pauli, 1. Cor. 16.22.41 wollte geben, da er sagte: Anathema = = = motti poletschka. Was nun sein motti poletschka auf gut schlabakisch heist, weiß er vermuthlich selbst nicht, doch wäre er schuldig solches zu erklären. Wie man sich nun öffentlich und laut in der Kirche über sein motti poletschka auf hielt, und er solches hörte und sahe, wolte er gleich folgend 2ten Feyertag die Worte Anathema erklären, und laß solche das erste-mal aus dem Buch; als er aber dieselben noch 2 mal excapite42 wieder hersagen wolte, fieng er beide mal wieder an zu Poletschken, doch - |: wie ein Taschenspieler :| auf eine andere Manier. Darüber als man es belachte, und er solches sahe, laß er die Worte noch ein mal aus dem Buche.

5.) Am Sonntage nach den neuen Jahre 1794. sagte er Mittags in der Kinderlehre: Nun wollen wir ganz andere Kinderlehren halten, als bishero und fieng an vom Sabbath zu fragen; Ist der Sabbath um des Menschen willen gemacht? oder ist der Mensch um des Sabbaths wegen gemacht?
Wie nun von denen Kindern keine Antwort erfolgte, lehrte er ganz wider alle Vernunft, der Mensch wäre um des Sabbaths wegen gemacht, ließ sich auch die Worte Christi herlesen, Marc: 2.27 Der Sabbath ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbaths willen. Damit er aber nun Recht behalten wolte, sagte er: Es ist zwar der Mensch eher gemacht und gewesen, als der Sabbath, jedennoch aber ist der Mensch um des Sabbaths willen gemacht, wobey er auch, Trutz dem Ausspruch Jesu, aller gesunden Vernunft zu wider, zum grosen Ärgernis der Gemeinde, unverändert darauf beharrte.

6.) Als er Dominica II. post Epiphaniae43 1794. Kinderlehre hielt, verwarf er den hier eingeführten und erst wieder ao 1793 neu aus sonderbaren Befehl auf gelegten Ansbachischen Catechismus fast ganz, und das zum grösten Ärgerniß der anwesenden Gemeinde; wobey er sonderlich die Fragen hönisch durchhechelte: So bist du ein Gotteslästerer Mörder, Dieb? = Ist auch ein junges Kind des ewigen Todes werth? Das waren ihm lauter Unwahrheiten.
Bey der Antwort auf die Frage: Was ist Gott? schüttelte er den hochgeleerten Kopf, und sagte: Diese Antwort ist gar nichts nutz.
Bey denen Fragen und Antworten: Was wilt du thun, daß du seelig werdest? und = Womit wilt du für deine Sünden büsen und genug thun? sagte er: Das was hier stehet ist eben der rechte Köhlers Glaube, da soll das Verdienst Christi alles thun: Nein! die guten Werke müßen es thun, durch diese müßen wir seelig werden. Bey der Hersagung des Spruchs Pauli, Röm. 3. Wir halten dafür, daß der Mensch gerecht werde durch den Glauben, ohne die Werke des Gesetzes, sagte er: Paulus hätte da nicht die 10. Gebote gemeynet, sondern andere jüdische Werke, als die Beschneidung und dergleichen. Wir müßten gute Werke thun, das Verdienst Christi mächte es nicht aus, sondern durch die guten Werke müßten wir seelig werden. Hier prieß er nun das Gesetz und die Erfüllung deßelben durch gute Werke an, welch Gesetz er doch § 3. ganz verworfen. Mithin macht er solchen Mischmasch, daß nicht nur die Kinder, sondern auch alte Leute irre gemacht werden, da er selbst nicht vest gegründet ist, und nicht weiß was er lehret.
Jeder halbgelehrte Evangelische Christ weiß, daß der Glaube ohne die Werke tod ist, deßhalb aber machen ihn diese, die er zu thun verbunden ist, nicht gerecht vor Gott, denn: Aus Gnaden sind wir seelig worden, durch den Glauben: Nicht aus den Werken, und Jesus sagt selbst: Ich bin der Weg p niemand kommt zum Vater denn durch mich. Joh.14.
Die im Catechismo folgende Antwort auf die Frage: Ist der Glaube allein in eines Christen Herz? verwarf er ganz |: ohne dieselbe zuverstehen :| blieb er auf seiner Jesuitischen Lehre, daß die guten Werke mehr thäten als der Glaube an das Verdienst Christi: Welch Verdienst Christi er auf alle mögliche Weise zu unterdrücken sucht.
Das dritte Hauptstück des Ansbachischen Catechismi verwarf er ganz, und war ihm darinnen nach seinem hochgeleerten Kopfschütteln, alle Auslegung nicht recht und nichts nutz.
Die Antwort auf die Frage im 5ten Hauptstück: Ist das Abendmahl eine leibliche oder eine geistliche Speise? verdammte er mit diesen Flüchen vor der ganzen anwesenden Gemeinde: Das is a Donners=Blitzzeuch!
Ferner bey der Frage: Weshalben bist du ein Christ? schalt er die Antwort mit dem schändlichen Ausdruck: Das is a Lüge! p ohne zu überlegen, was der Wandel in Christi Fusstapfen heiset und ist. Und so mit beschloß er seine schwärmerische, allen Anwesenden zum grösten Argerniß gehaltene Kinderlehre.

7.) Wie er im Sommer mit dem grösten Unverstand für die Feldfrüchte betet, ist jedermann bekannt, Ich will nicht gedenken wie er um warmen Sonnenschein und naßen Regen bittet, aber nur dieses will ich gedenken, daß er Dienstags den 13. Jun: 1786. in der Bethsunde mit diesen unverständigen einem Geistlichen gar nicht zustehende Worte ausbrach, Gott möge doch ein warmes Donnerwetter schicken, das auch gleich am darauf folgenden Freytage, den 16. Jun: nach seiner Forderung kam, in unseren Thurm einschlug und daran viele Verwüstung machte. Hier durfte man wohl sagen: Irret euch nicht; Gott läßt sich nicht spotten. Wenn es auch mit Unverstand geschicht.
So wird auch jedermann bekannt seyn, daß er bey regnerischem Wetter betet, daß die schwarzen trüben regnerischen Strichwolken unsere Sünden von dem schwarzen Erdboden sollen abwaschen, statt zu beten, daß solche Sünden Christi Blut an uns soll abwaschen.
Man würde einen Wagen voll dieses ungeschickten, verkehrten und offt lästerhafften Gewäsches können aufladen, wenn man die Zeit damit verderben wolte.

Dieser Mann, der ganz und gar keinen Funken von Ehre, noch weniger wahre theologische Känntniß in sich hat, sondern ein bloser Empiricus44 = voller Barthischen Betrugs = voller Gott und gewissenloser Lehrsätze, hingegen ein wohlgelehrter Diffamiste45 ist, der auf der Kanzel und in Kinderlehren, und auch sonsten in privat Discursen |: ohne rein deutsch reden - recht lesen - noch orthographisch schreiben zu können :| weiter nichts kan, als ehrliche Leute wider alle Warheit, mit purem Lug und Betrug zu prostituiren46, sie vor Unehrlich, ja selbsten für Centmäßig zu declariren, weßhalb auch, und besonders seiner mehr als baurenmäßig groben Conduite47 und aufgeblasenen Stolzes wegen, kein einziger HE. Geistlicher unserer Nachbarschafft, Umgang mit ihm haben mag, wovon Sie allerseits selbsten Zeugen sind, wenn ich Sie in folgenden §.§. daran erinnere.
Von diesem allen hat sein eigener Vater, schon bey seinem Einzuge dahier, mit diesen Worten geweissaget: = Mein

    =Hanns Jörg ist gar grob, laßt ihn nur erst hier warm
    =werden: Er ist auf keine Universität kommen und kan
    =doch recht predigen=

Welche nämlichen Worte mir dieser Mann auch frey gesaget, daß er auf keine Universität kommen wäre. Solchem nach wird er auch schwerlich ein academisches Zeugniß haben, welches ein jeder der studiret hat muß vorzeigen können, wo und wie lang er studiret hat? Und wenn ein solcher dergleichen nicht vorzeigen kan, so steigt er als ein bloser Empiricus in den Schaafstall Jesu ein.

Wie er nun vorgibt er hätte unter dem ketzerischen Dr. Bahrdt studirt und wäre deßen Famuly48 gewesen; so ist dieser sein vorgeblicher Lehrmeister von Kayserl.r Majestät des Röml.n Reichs verwiesen worden, und darauf von Ihro jetzt glorwürdig regieren Königlich Preußischen Majestät zu Ketten und Banden verdammt, und im Gefängniß seiner ketzerischen Schwärmerey wegen, gestorben. demnach darf man hier der Worte Jesu Luc: 6.40. wohl denken: Wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Nur ist zu bedauern und zu beklagen daß ein solch verkehrter Jünger einer so ansehlichen Gemeinde aufgedrungen ist, durch welchen endl. alle Seelen in die abscheulichsten Irrthüme geführet, und durch deßen bösen Lebenswandel zu der schlimmsten Nachfolge verleitet werden.

Da nun dieses verkehrten Irrlehrers, der sich weder schämet, so wohl auf öffentlicher Kanzel als in Kinderlehren vor der ganzen Gemeinde S.R.49 zu lügen, zu trügen und Unwahrheiten aus zukramen, seine gottlose Lehrart mit seinem Lebenswandel vollkommen übereinstimmet; so wird solcher sein bisher dahier geführter Lebenswandel, in folgenden §.§. bey Ihnen hiemit wieder zu einem frischen Andenken aufgeruffen: Allerdings wird bei Ihnen noch nicht in Vergeßenheit gekommen seyn, wie er sich auf die allerstrafbarste Art vergieng.

a.) Wider unsere 3. Allerhöchst und Hohen Oberdorfsherrschafften; daß nach dem er einigen Vergehens wegen, von denen Dreyen S. Titl.50 hiesigen Herren Beamten mit einiger Strafe beleget worden, er sich freventlich und boshafftig unterstunde

b.) Solch unserer Allergnädigst und Gnädige Herrschafften aus dem Kirchengebet, an einem Sonntage frühe nach gehaltener Predigt, aus zuschliesen, für welche doch solches von undenklichen Jahren her sehen (?) mußte. Welch ein Frevel von einem Dorfpfarr!

c.) Sein Betragen auf öffentlicher Kanzel mit eitel S. h. Lug und Betrug gegen die Herren Schultheisen, und zwar haupt sächlich gegen den dermalig Königlich Preußischen, HEn. Schultheisen Dom. V. post Trinitatis 1793. ruhet mit seinem, eine ganze Woche hindurch in seinem Hause getriebenen Schänden und Schmähen, welches offt bis Nachts 11. 12. Uhr gewähret, gewiß noch in frischem Gedächtniß bey Ihnen, und dann wie er sich

d.) Tags vorher, als am Petri Pauli Tage eigenmächtig wider das Verbot eines Rthlrs. Strafe erlaubte seine Magd und Frau, zum Ärgernis der ganzen Gemeinde, ins Heu machen zu schicken

e.) Auf welche ganz infame Art er die beyde ansehlich ehrlich und tugendhaffte Jungfern, Sattesin und Keßelringin dahier, samt einem Ehemann, vor öffentlicher Gemeinde in der Kirche, S.h. Hurerey und Ehebruchs, den er vorgab, selbsten an- und zugesehen zu haben, bezüchtigte, und dieselben auf das Äuserste vor dem ganzen Ort und vor der ganzen nachbarschafftlichen Gegend, am Sonntage Jubilate 1791. beleidigte: Solches wird noch jedem in der Kirche damals Anwesenden, bekannt seyn. Und solches that er aus keiner anderen Ursache, als sich an denen selben zurächen, nach dem er, als damaliger Wittwer um jede derselben gefreyet, von jeder aber einen Korb bekommen hatte. Wie nun aber diese auf Beweis andrungen, kam er

f.) Am darauf folgenden Sonntage Cantate wieder vor ganz versammelter Gemeinde, in öffentlicher Kirche, und wiederrief alles das, was er vor 8. Tagen gesagt hatte, mit dem Ausdruck: Er wäre unrecht berichtet worden, da er doch vorher bezeugte, daß er solche Schande selbsten mit Augen angesehen hätte, hätte auch sein Kind bei sich gehabt, dem er solche Schandthat nicht hätte wollen zusehen laßen, und hätte dahero solches bei Seit geschickt, und so mit stellte er sich als Pfarrer, Seelenhirte und Beichtvater der hiesig ansehlichen Gemeinde auch noch, und zwar in eigener Person unter dem ihme eigenen Character als ein S.h. Schandvoller Lügner dar.

g.) Mit welchen Flüchen, die auch wohl der Roheste seinem Mitmenschen nicht anfluchen wird, er den dermaligen HE.n Bürgermeister Röder - seine Familie - sein Haus und Gütter beleget, als der selbe am 2tenPfingsttage 1789. Abends, nach verstrichener Betstunde, nach dazu gehabter Herrschafftlicher Erlaubniß, Musikanten gehalten, ist wohl jedermann erinnerlich. Ob nun ein solcher Mensch, der sich gleichsam als ein Pabst mit dem Bannstral brüstet, nicht viel mehr zu bestrafen, als seines ganz wütend Eyfers halben, der nur aus bloser Bosheit gegen diese Leute brannte, zu loben seye? überläßt man dem Judicio vernünftiger Leute. In dieser Wuth seiner Bosheit würde er wohl gleich haben Feuer vom Himmel fallen laßsn um dieses Haus mit seiner Familie zu verbrennen, wenn ihm die Macht dazu wäre eigen gewesen. Der Ausspruch Jesu Luc. 9. hätte ihn nicht gerührt, der zu seinen Jüngern sagte: Wißet ihr nicht weß Geistes Kinder ihr seyd? Hiedurch gab er deutlich zu erkennen, weß Geistes Kind er ist.

h.) Wie er privat Ursachen wegen den Königl. preußischen Unterthan Franz Keßelring mit seiner Frau, eigenmächtig mit der Excommunication erst kürzl. prostituirt, ist hinlänglich bekannt. Ob aber solche eigenmächtige Excommunication ihme als einem Dorfpfarrer zustehet? überlaße ich einem höheren judicio.51

i.) Die Art und Weise mit der er sich gegen den Hochfreyherrl. von Romannischen titl. Herrn Amtmann und Gerichtsschreiber Traber dahier, dann gegen HE.n Senator Johann Georg Henftling seines Sohnes wegen, HE.n Kleinfelder des Herbsttrunks halber, und erst wieder neuerlich deßen verstorbenen Söhnleins Abendleiche wegen, ferner gegen HE.n Ramann, gegen die Vogler- und Hofmannischen Kinder pp auf das niederträchtigste betragen so wohl mit groben Undank, als mit Schänden und Schmähen; und wie er sich fast mit jedermann, auf die schändlichste, dem geistl.n Stand ganz auf die tiefste herabwürdigende Art abwirft, ist ohne weiteres Berühren, sattsam bekannt. Hiezu kommt noch daß er sich

k.) auf eine dem geistlichen Stande sehr schandvolle Art beträgt, wenn er denen Weibern die Waden mißt; wenn ihn die Leute grüßen, ihnen nicht danket. Ferner daß er

l.) denen ihm auf dem Rathhause vorgeschriebenen Regeln im Wenigsten nach lebet, da er, nach dem er sich nun durch aufgelegte Strafe genöthiget siehet, auf höheren Befehl, in der St. Gumbertskirche dahier Bethstunden zu halten, er, aus purer Bosheit, solche auf denen Aposteltagen zuhalten sucht, damit, weil die Kirche sehr klein ist, die Leute nicht da hinein - sondern ohne Gottesdienst verrichten zu können, wieder nach Hause gehen müssen. Sodann

m.) Die zuhaltende Leichen, besonders an Sonntagen, nicht zu der ihme vorgeschriebenen Zeit hält, und blos seiner Bosheit wegen, sich nicht zur rechten Zeit, wenn die Zeichen zum Fortgehen gegeben sind, einfindet, damit sehr offt die Leute, die besonders von fremden Orten kommen, an ihrer Nachhauskunft gehindert, und die hiesigen Leute in Kälte und Hitze, vor den Leich-hausthüren stehen und seiner faulen Ankunft erwarten müßen.

n.) Da er das heil. Abendmahl nach vorgeschriebener Ordnung, alle 14. Tage halten soll; ist Ihnen seine Unordnung deßhalb allerseits wohlbekannt, und müßen seiner Faulheit wegen, mehrmals die Leute die zur Beichte gehen wollen, wieder leer nach Hause gehen: Davon der Fall erst am letztlichen heil.n Weynachtsfeste sich ereignet, daß er, nach dem die Zeichen zur Beichte gegeben waren, solche absagte, und an solch hohen Festtage keine Communion hielte. Wie auch

o.) Daß er der Passionshistorie in den Fasten, da von denen ältesten Zeiten her, wie an allen Orten, so auch dahier, Sonntags früh ein Stück zuverlesen verordnet ist, gar nicht mehr gedenkt, sondern solche, der von seinem verruchten Meister Bahrdt erlernten Lehre nach, aus der Kirche zu verbannen sucht.

p.) Wie er seine Accidencien52 bey Leichen, Hochzeiten und so fort, zu steigern sucht, da er besonders einen Lohn verlanget, wenn er das Pfarrbuch, der Geburt eines Verstorbenen wegen, soll aufschlagen, ist bekannt, aber niemals hier gebräuchlich gewesen.

q.) Auch ist zu bemerken, da er anderen Leuten das 39. Cap. Sirachs zu lesen rekommendiret53, daß er solches als Pfarrer, für den hauptsächlich solch Capitel gehört, um darnach zuthun, sehr wenig befolget, indem er sich mehr mit Pfuschen in der Doktorey, als mit seiner Bibel beschäfftiget. Ein Beweis davon ist, daß er in vorig 1793. Jahre, im ganzen Lande als ein Kinderabtreiber renommirt54 wurde, darüber ihm von dem Kitzinger Amte, Büttel oder Amt-knechte samt einem Schreiber ins Pfarrhaus gesendet und seine herrliche Medicin versiegelt und weggenommen worden, welche auch endlich zur Untersuchung soll kommen seyn, und wofür er seine Bestrafung soll erhalten haben.

r.) Nicht minder entblödet er sich nicht, im ganzen Orte, bey ergebender Gelegenheit sich selbst als einen der geschicktesten Zauberer und Hexenmeister zu erklären, mit der Versicherung, daß er Menschen und Vieh bezaubern und bannen, und ihnen dieses und jenes Böse anzuthun, vermögend seye, wie er sich denn

s.) seinem geistl.n Amte höchst strafbar entgegen in einem hiesig ansehlichen Hause, ohne dazu aufgefordert zu werden, von selbsten frey willig angebotten, bey einer entwendet seyn sollender Sache das Sieb zudrehen, dabey er den Namen einer ganz unschuldigen Person heraus gedrehet und solche als Diebin, unfehlbar angegeben hat. Der Beweis aber daß die von ihm genanndte Person ganz unschuldig, und daß der HE. Pastor, als ein Hexenmeister S.h. gelogen hatte, war dieser, daß man nach wenigen Tagen die ver lohren gegangene Sache, wohlverschloßen, in einem Schranke wieder funde, wobey unmögl. gewesen, daß die von dem HE.n Teufelsbanner genanndte Person, die verlohren gegangene Sache, in den verschloßen gewesenen Schrank hat bringen können. Ferner

t.) Wie er sich, gleich einem Zigeuner, mit der Chiromantie55 abgibt und denen Leuten aus den Händen wahrsagt, darüber eine hiesig ansehliche Frau, der er wahrgesagt, als sie hochschwanger war, bey nahe in Melancholie gerathen wäre.

Ein solches alles, und noch mehreres das allerseits Denenselben wißend ist, wie er sich besonders mit seinem unerträglichen Hochmuth auch gegen nachbarschafftliche Orte beträgt, deßhalb man ihm von dorten her, nebst seiner Ungezogenheit, ihre Kanzel fernerhin zu betretten, untersaget: Von solchem allen wird wohl höchstnöthig seyn bey Einem Königlichen Hchstpreistl.n Consistorio zu Ansbach die allerunterthänigste Anzeige zu machen, weil durch dieses Mannes Gott und gewißenlose Irrlehre die Jugend in das äuserste Seelenverderbniß gestürzet wird: wie auch besonders von seinem der ganzen Gemeinde zum grösten Ärgerniß gereichenden Lebenswandel, wodurch er seine im Sinne habende Lehre bestättiget, und sich dadurch zu einem Prostibulo56 der sämtlich fränkischen Geistlichkeit darstellet, wider welch alles die äuserste Gefahr erfordert, bey solch höchsten Tribunal sich allerunterthänigst Hülfe und Beystand deßhalb zuerbitten, wenn man anderst nicht gesonnen ist, dieses Mannes Bauchpflegen wegen, so wohl des ganzen Orts, als besonders der Jugend Seelen Heyl und Wohlfahrth hinten an zu setzen.

Wie nun, schon gedacht alle innen benanndte Punkte Ihnen allerseits schon hinlänglich bekannt und Orts kundig, auch alle der Warheit gemäß sind; so konnte ich nicht entstehen auf das Andringen eines grosen Theils hiesiger Bürger, Ihnen solche schrifftlich vorzu legen und Ihren Entschluß, gehörigen Orts Gebrauch davon zu machen, nach dem Wunsch vieler Bürgere, darüber zu erwarten, als der ich mit geziemender Hochachtung bin,

Deroselben

Maynstockheim                                                                         gehorsamster Diener
den 22. Febr. 1794.                                                                  Johann Heinrich Zang.

  • 36. consecrant: Geweihter
  • 37. s. h..: salvo honore: unbeschadet der Ehre
  • 38. A. C. = Augsburgische Confession
  • 39. obiter = gelegentlich, nebenbei
  • 40. p oder pp = praetermissis praetermittendos = unter Weglassung des Wegzulassenden
  • 41. 1. Kor. 16,22 in der 1794 gebräuchlichen Fassung: „So jemand den HErrn JEsum Christum nicht lieb hat, der sey Anathema, Maharam Motha!“ Spätere Fassung: „...der sei anathema. Maran atha!“ (d. h.: der sei verflucht. Unser Herr kommt!)
  • 42. excapite: aus dem Kopfe
  • 43. Dominica II. post Epiphaniae: 2. Sonntag nach Epiphanias
  • 44. Empiricus: jemand, der auf Grund von Erfahrung denkt und der die Erfahrung als einzige Erkenntnisquelle gelten lässt
  • 45. Diffamiste: Beschimpfer, Verleumder
  • 46. prostituieren: bloßstellen
  • 47. Conduite: körperliche Verfassung
  • 48. Famuly: Gehilfe
  • 49. S. R.: salvo respectu = mit Verlaub
  • 50. S. Titl.: ohne Titel
  • 51. Judicio: Gericht, Urteil
  • 52. Accidencien: Nebeneinkünfte
  • 53. rekommendieren: empfehlen
  • 54. renomiert: berühmt, angesehen, namhaft
  • 55. Chiromantie: Wahrsagen aus Handlinien
  • 56. Prostibulo: Hurer

Texte der Kantaten Johann Heinrich Zangs

kommentiert von Hellmut Hertel

Anmerkung:

Es wurde versucht, den Text in Orthographie und Interpunktion dem Original entsprechend wiederzugeben.
Inhaltlich wurden, insbesondere bei den Arien, Textwiederholungen gestrichen.
Zusätze des Bearbeiters sind in [ ] eingeschlossen.
Die Kantaten sind nach der Reihenfolge ihres Entstehens geordnet.

CANTATA in F dur. In Festo Pentecoste le Giorno 2do. (1756)

CANTATA in F dur.
In Festo Pentecoste le Giorno 2do1.

    

    a 12,
    due Corni du Chass2
    due Violini,
    una Viola,
    due Bassoni
    Soprano
    Alto
    Tenore
    Basso, et
    Basso Fondamento.3

    Von
    Joh: Heinrich Zangen
    Componirt in Mense
    9bris 1756.4

INJ. Init: d. 9. 7br. 1756.5

 

Allegro má non tanto.

Also hat Gott die ganze Welt geliebet; in dem er seinen Sohn für uns hingiebet, der uns von Sünd und Tod erlöst. So daß wer an ihn glaubt, ihm nichts das Leben raubt.

Recit.

Drum auf, geliebte Christen Schaar! Die weyland Adams Sündenfall verderbet, und dessen Jammerstand, auch Gottes Zorn auf sich geerbet, daß alle Welt durch Fluch und Bann, von Gott verstoßen war. Hier siehe seinen Sohn in seinem Wort und Lehre, mit Glaubens Augen an. Den hat er von des Himmelsthron du dir gesandt auf Erden, daß alle welche glauben selig werden.

 

Aria, Larghetto, à. due Corni, due Violini, Viola, due Bassoni, et Fond:6

Wir rufen: Abba! Vater höre! Laß Jesum uns mit seiner Lehre allstets in Mund und Herzen seyn. Finis.7

Allegro non tanto
Laß uns ihn vor der Welt bekennen, und uns nach Christo Christen nennen und an ihn glauben nur allein. Da Capo dal Segno.8

Duetto, a due Soprani. Andante

Jesus, und die Seele
[Seele]: Ich will an dich mein Jesu! glauben, ich halte dich und laß dich nicht!
[Jesus]: Dich soll o Seele! mir nichts rauben: Ich halte dich und bin dein Licht!
[beide]: Ich schließ dich in mein Herz hinein, so bist du mein und ich bin dein.

 

Recitativ.

Geheimnisvolle Liebe! die unermeßlich groß, und unbegreiflich ist! Der Glanz der Herrlichkeit ist stets bereit sich durch die allerreinsten Triebe, mit Staub und Erde zu verbinden. Wo kan man wohl noch solche Liebe finden? Gott selbst hat seinen Sohn zum Gnadenthron und Mittler dargestellt. So brünstig liebet Gott, und Gottes Sohn die Welt! Drum auf! Drum auf!

Finale, Tutti, forte.

Vereinigt die Lieder, versammleten Söhne, auf! treibet die freudig wetteyfernden Thöne im ungehemmten Lauf hervor. Füllt Berge und Thäler, füllt Felsen und Klüffte, durchrauschet die Kreyse befestigter Lüffte und singet mit vereinten Chor.

Choral. vid. Nom: 504.9 V.4. Also liebt vons Himmels Thron, Gott10

[Rückseite]

Dieses ware bey der Einweihung unseres neuen Altars und Kanzel dahier zu Maynstockheim, die Musik, wozu der Text hier unten stehet:

 

Tutti

Altar und Kanzel sind ganz neu erbauet, die man anheut zum ersten male schauet und sie dir großen Schöpfer weyht drum singen wir erfreut

Rec:

Die Kanzel ist der Ort von welcher man das Wort des wahren Gottes den ein Christ verehret so lehret als auch höret. Dort an dem heiligen Altar deckt Jesus selbst uns einen Tisch bewirth uns sonderbar speist uns mit seinem Leib tränkt uns mit seinem Blute und thut uns segnend alle Gute.

 

Aria.

Wir rufen Abba, Vater höre verbanne alle falsche Lehre von unsrer Kanzel ewiglich. Fine.
Ein jedes Feur so wir nicht kennen laß nicht auf dem Altare brennen. Auf dich verläßt das Herze sich. Da Capo.

Duetto.

Sopr. 1. Mein Gott es ist zu deinen Ehren die Kanzel auferbaut.
Sopr. 2. Das Altar wo wir Jesum hören und wo man ihn im Glauben schaut.
Tutti 1mo/2do Und/das stehet hier zu deinem Ruhm in deinem werthen Heiligthum.

 

Recit:

Die neue Kanzel und Altar erwecken uns fürwahr auch neue Freude. Die Augen haben eine Weyde. Die Geistes Augen noch viel mehr die auf der Kanzel und Altare Jesum sehen. Die Ohren nicht viel weniger die auf der Kanzel und Altare Jesum hören. Und beyde stehn o Gott! Zu deinen Ehren.

Tutti Finale

Vereinigt die Lieder, versammleten Söhne, auf! treibet die freudig wetteyfernden Thöne im ungehemmten Lauf hervor. Füllt Berge und Thäler, füllt Felsen und Klüffte, durchrauschet die Kreyse befestigter Lüffte und singet mit vereinten Chor.

Diese Poesie ist von HErrn Hecht, Pastor in Buchbrunn.

ao 76
79
8111

  • 1. In Festo Pentecoste le Giorno 2do = zum 2. Pfingsttag
  • 2. Corni du Chass. = Jagdhörner
  • 3. Basso Fodamento = Continuo
  • 4. Componirt in Mense 9bris 1756 = komponiert im Monat November 1756
  • 5. INJ. Init: d. 9. 7br. 1756 = In Nomine Jesu (= im Namen Jesu) begonnen am 9. September 1756
  • 6. et Fond. Fond. = Fondamento = Continuo
  • 7. Finis = Ende
  • 8. Da Capo dal Segno = Wiederholung bis zum Zeichen (Finis).
  • 9. vid. Nom: 504 = siehe Nummer 504
  • 10. „Also liebt vom Himmels Thron, Gott die Welt, daß er gegeben seinen eingebohrnen Sohn, und wir alle möchten leben. Muß ich heute gleich davon, liebet mich doch Gottes Sohn“ zu singen nach der Melodie „Meinen Jesum laß ich nicht“, zitiert nach „Geistliche Herzens=Messe Oder vermehrtes Schleusingisches Gesang=Buch...“, Schweinfurt 1794
  • 11. Angaben zu Wiederaufführungen der Kantate

Evangelisches Zion! In Festum Nativ: Christi (1756)

Evangelisches Zion!
In Festum Nativ: Christi12

    

    à
    due Corni,
    due Violini,
    una Viola,
    Sorpano,
    Alto,
    Tenore
    Basso, et
    Basso Fondam:13

 

    Dict: Esaia 60.14
    Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt

    

    Von
    Joh: Heinrich Zang
    Compon. in Mens: 9br
               175615

I.N.J16

Vivace.

Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt

Allegro Fuga.
Und die Herrlichkeit des HErrn gehet auf über dir.

 

Aria, andante.

Stern aus Jacob, Licht der Heyden, Sonne mitten in der Nacht. Du sollst unsre Augen weiden, daß das Herze wieder lacht. Finis. Ja wir wollen selbst auf Erden, durch dich Sonne, Sonne werden. Da Capo dal Segno.

Recit:

Der alten Väter heises Sehnen ist nun erfüllt. Ihr Glaubens Durst ist längst gestillt; gestillt sind ihre Hoffnungsthränen. Des Himmelsriegel bricht. Der Heyden Trost verziehet länger nicht. Er kommt ins Fleisch, es zu erneuren.

Arioso.
Kommt laßt uns sein Geburtsfest feyren.17

 

Finale Tutti.

Adagio piu
Willkommen Erlöser der Erden,

Allo.18
Dir jauchzet entgegen die sehnende Welt. Die Lüfte durchdringet ein Freudengethöne. Es schallen die Lieder der himmlischen Söhne, weil Gott sich zu sterblichen Menschen gesellt.

  • 12. In festum Nativ: Christi: Zum Fest der Geburt Christi
  • 13. für 2 Hörner, 2 Violinen, 1 Viola, Sopran, Alt, Tenor, Bass und Continuo
  • 14. Dictum Esaia: aufgeschrieben in Jesaja 60
  • 15. Compon. in Mens: 9br 1756: komponiert im Monat November 1756
  • 16. I.N.J: In Nomine Jesu = Im Namen Jesu
  • 17. feyren: feiern
  • 18. Allo: Allegro

Domin: 1. Advent (1758)

Domin: 1. Advent:19

Init: 29.8br.58.20

Evangelisches Zion am 1. AdventSonntage.
Componirt von Johann Heinrich Zang, Cant:21 in Maynstockheim.
Dictum22 Ps: 24, 7 - 8.

Composta ao 58, mese 8br.23

Machet die Thore weit! machet die Thore weit! weit, weit, Machet die Thore weit!

Recit: Basso.

Was für ein starker Schall wird überall in der entfernten Luft gehöret? Der alle Welt aus ihrer Ruhe stöhret? Was ist es? Das der Himmel jetzt gebeut?

Tutti all. NB. Dieses Tutti wird zum Beschluß repedirt.24

Machet die Thore weit! weit, weit, die Thore weit, daß der König der Ehren einziehe.

Recit.

Was mag das für ein König seyn, daß man ihm soll die Thore weiter bauen? Sein Staat ist allzu klein, es ist an ihm kein Gold zu schauen, man sieht kein Purpurkleid, man sieht kein Zepter keine Krone, nichts von dem elfenbeinern Throne, zu Salomonis Zeit. Er zieht auf einem Füllen ein: Was mag das für ein König seyn?

Tutti con Fuga introdutto, Allabreve.

Es ist der HErr, der HErr, stark und mächtig, der HErr mächtig im Streit.

Rec: Tenore

Sein Reich ist nicht von dieser Welt, Er achtet kein Gepränge, das eitlen Augen wohl gefällt, sonst hat er Gold in großer Menge: Er theilt zwar Kronen aus, will aber jetzt selbst keine tragen. Es müssen neben seinem Wagen zwölf Legionen Engel gehen und ihm zu Dienste stehen. Nein! Es beliebt ihn nicht zu prangen, Er kommet arm, und machet reich: Drum auf und schicket euch, ihn jauchzend und posaunend zu empfangen.

Basso Solo. Vivace.

Willkommen! großmächtigster König der Ehren! du Schöpfer, du Schöpfer der Welt! Du unüberwindlicher Held! Du, du wirst die Pforten der Höllen zerstören. Willkommen großmächtigster König der Ehren!

Recit: Tenore.

Da alles sich jetzt fertig macht, mein König! Dich zu ehren: So bin ich auch darauf bedacht. Verschmähe nicht den guten Willen, den ich nicht kann nach Wunsch erfüllen. Hier ist die offne Brust, bewohne sie nach aller Lust; Zeuch ein, durch die erhöhten Thüren. Verachtet Dich die Welt, die nur auf Pracht und Reichthum hält, so kann ich doch was edlers an dir spüren. Es sieht mein Sinn, durch deiner Armuth Vorhang hin, und kann in deine Gottheit dringen; Drum huldget meine Seele dir; auf Töchter Zions! Helfet mir. Zu seinem Ruhm das Hosianna singen.

Duetto, andante.

Hosianna, Gnadensonne, Hosianna Lebenslicht. Komm beglücke, komm und schmücke deine Welt mit neuer Wonne, hemme deine Strahlen nicht. Hosianna, Gnadensonne, Hosianna Lebenslicht!

Annotatio.25

Zum Beschluß kann das zweyte Tutti, Machet die Thore weit, daß der König der Ehren einziehe, wiederhohlet werden.

  • 19. Domin: = Dominica = Sonntag
  • 20. Init: 29. 8br.58: Beginn 29. Oktober 1758
  • 21. Cant: Kantor
  • 22. Dictum: geschrieben
  • 23. Composta ao 58, mese 8br: zusammengestellt (komponiert) im Jahre 1758, im Monat Oktober
  • 24. wird zum Beschluß repedirt: wird am Ende wiederholt
  • 25. Annotatio = Anmerkung

Ostertriumph (1759)

Ostertriumph

 

von 10. Stimmen,

                2. Waldhörner oder Trompetten
                2 Geigen,
                1 Bratsche,
                Discant,
                Alt,
                Tenor,
                Baß und
                Orgel, auch
                Pauken

        |: Das innen vorkommende Flageoletgen
        spielet die erste Geige.:|

Comp
Von
Joh: Heinrich Zang.

Oster-Triumph. von Joh: Heinrich Zang
Comp. den 3. = 6. Apr. 59.

Flageolet.

Halleluja! der Sieg ist da. Halleluja! Mein Held, behält das Feld. Die Feinde sind bezwungen. Es wird in aller Welt des Lammes Lied gesungen. Halleluja!

 

Recit. con Stromenti.

Das Lamm ist nun ein Löwe worden, das vor erwürget war. Hier ist sein Mordaltar. Da liegt der Mörder selbst darnieder. O schöner Ritter Orden! Der Christi Kreuz uns zum Paniere macht: aus diesem finstern Grabe lacht die allerschönste Sonne wieder. Wo ist der Tod? Wo ist die Hölle? Ihr Rachen ist gesperrt, ihr Stachel stumpf. Nun hat es keine Noth. Triumph! Triumph! Das Leben tritt schon an die Stelle, wo es die Siegesfahne schwingt, und Honig aus des Löwen Rachen bringt.

Aria.

Held im Streite! Deine Beute wird im Glauben unser Theil. Laß uns geistlich auferstehen, aus dem Sündengrabe gehen, das erfordert unser Heyl. Weck uns heute, Held im Streite!

 

Recit:

Wir kommen hier zu deinem Grabe, vergrabe du, was uns betrübt. Die Specerey, die unsre Liebe gibt, und unsres Glaubens Morgengabe ist unser Herz und unsre Treu. Nun wollen wir dir leben und dir sterben, weil du HErr Jesu Christ für uns gestorben bist, und uns im Sterben läßt das Leben erben.

Chor.

Christus lebt so leben wir! Christus lebt, so leben wir! Unser Grab lag im Staube; doch in uns ist Hiobs Glaube und sein Grab ist unsre Thür Christus lebt! so leben wir.
Christus lebt so leben wir! Christus lebt, so leben wir! Er wird uns ein ander Leben nach dem Tode wiedergeben. Folgt nur nach er geht uns für. Christus lebt! so leben wir.

ao. 76
81
84
87
99

Der wohlgegründete Glaube Am Feste der h. Dreyfaltigket, Musikalisch vorgestellet von Joh: Heinrich Zang. (1771)

Der wohlgegründete
Glaube
Am Feste der h. Dreyfaltigket,

Musikalisch vorgestellet
von
Joh: Heinrich Zang.

Chor. Grand.

Es ist ein Gott nur ein Gott: Doch drey Personen, die in dem hohen Himmel wohnen, und auch bey uns auf Erden hier. Finis. O unbegreiflichs hohes Wesen! das uns sich ihm hat auserlesen, das uns zu Kindern nimmet auf, durch einen Glauben, eine Tauf und unser Gott und HErr ist für und für. Da capo.

 

Rec:

Ein Gott in drey Personen: Das kann unmöglich seyn! Das gehet die Vernunfft nicht ein, Warum? Es läßt sich nicht begreifen. Allein, Gott macht sich doch in seinem Wort dreyfältig offenbar, Das ist ohnsichtbar32 wahr. Drum traue man nur der Vernunfft nicht allzu viel. Der Glaube wählt ein bessers Ziel, wann er bey Gottes Worte veste stehend bleibt, und diesem sicher gläubt. Denn wir sind ja von Gott dem Vater all erschaffen, in Gott des Vaters, Sohn und heilgen Geistes Namen all' getauft, durch Christi Blut und Tod erkauft, vom Heilgengeist geheiliget. Und so ists klar, daß drey Personen in einer Gottheit seyn.

Aria

Nur immer hin, Vernunft mit deinem Dichten, Du kannst dich nicht in Gottes Weisheit richten: Wo Gott dich selbst nicht unterweisen wird, so bleibest du verlohren und verirrt. Drum lehr uns, Herr! o lehre uns ohn Trennen in Einem Drey, in Dreyen Eins erkennen! Ach lehr uns doch, Gott Vater Sohn und Geist! Daß du ein Gott in drey Personen heißt.

 

Soprano Solo col Tutti.

Solo: Gott! ewger Geist! in drey Personen, dich ehrt der Himmel heilges Heer. Die Menschen unter allen Zonen; was Leben hat dient deiner Ehr.
Chor: Heilig heilig heilig ist Gott!
Solo: Beym Tageslicht, beym Graun der Nacht, auch durch der Elemente Macht muß ewig Herr! Dein Lob erschallen, durch Ewigkeiten wiederhallen.
Chor: Heilig heilig heilig ist Gott der Herrscher Zebaoth.

Product ao 71

  • 32. ohnsichtbar = unsichtbar

Evangelisches Zion, Am dritten Sonntage nach Ostern Jubilate. Dictum Tobia 3.23. (1774)

Evangelisches Zion,
Am dritten Sonntage nach Ostern
Jubilate.
Dictum Tobia 3.23.26

    

                            Von 8. Stimmen
                            2. Violinen
                            1. Viola
                            S. A. T. B.27 und
                            Orgel
                            zusammengesetzt
                            von
                            Joh: Heinrich Zang
                            in
                            Maynstockheim.

 

d. 7. 2br. 74.28

 

Chor.

Nach dem Ungewitter läßest du die Sonne wieder scheinen, und nach dem Heulen und Weinen überschüttest du uns mit Freuden. Deinem Namen sey ewiglich Ehre und Lob, du Gott Israel.

Recit: Basso

Eh' Joseph steigt auf der Egypter Thron muß er zuvor den schwarzen Kerker sehen. Eh' David kommt zu der verheißnen Kron, muß er mit Schmach im Elend gehen. Hiskias wird, erst nach der Sterbens Noth, befreyt vom Tod.

 

Aria Tenore allegro non tanto.

Die Zeit ist noch nicht da, daß Zion triumphieret, da ihrer Kinder Hand ein güldner Palmzweig zieret. Sie sind noch nicht gekrönt, sie werden noch vom Feind gequälet und verhöhnt.

Soprano Solo. arioso. Violini Stoccato.

Die stille SabbathsFeyr ist noch nicht angebrochen für Gottes werthes Volk, ihr Blut ist noch gar ungerochen. Man sieht die Arche noch auf Ararath nicht stehen: Die Fluth will, wie es scheint, noch nicht vergehen, sie wächst, sie wächst und dürft noch manches Leid dem Noah machen mit den seinen: Vor Lachen gehet her das Weinen.

 

Aria Alto.

Nach Weinen hören wir die Sabbaths Lieder schallen und nach dem Heulen muß das Trübsals Wasser fallen. Nach Trauren29 erben wir das Land das uns alsdann den güldnen Stand der Freuden dort wird schenken, wo uns kein Leiden mehr wird kränken.

Chor.

Die Ernde rückt herbey der Streit geht nun zu Ende: Man singt, Victoria und streckt aus Haupt und Hände mit frohem Jubelschall und sagt schon überall, daß wir nach Gottes Rathe bald singen Jubilate! Jubilate!

  • 26. Tobia = Tobias
  • 27. S.A.T.B = Sopran, Alt, Tenor, Bass
  • 28. d. 7. 2br. 74 = den 7. Dezember 1774
  • 29. Trauren = trauern

Evangelisches Zion, Am dritten Sonntage nach Trinit. Dict: Jes. 59. 20. (1777)

Evangelisches Zion,
Am dritten Sonntage nach Trinit.
Dict: Jes. 59. 20.30

 

                    Von 8. Stimmen
                    2. Violinen
                    1 Viola
                    S. A. T. B. und
                    Orgel.
                    Zusammengesetzt von
                    Joh: Heinrich Zang
                    in
                    Maynstockheim.

 

d. 28. May 77.

 

Chor. amoroso.

Denen zu Zion wird ein Erlöser kommen, und denen, die sich bekehren von den Sünden in Jakob.

Recit: Alto

Vor mehr als siebzehn Hundert Jahren ist dieses Heyl den Menschen wiederfahren. Der Welterlöser kam und nahm die größten Sünder gnädig an. Heut nimmt er noch die Sünder an, die sich mit Buße zu ihm nahen; Wann sie mit Glauben angethan, so will er sie mit Lieb umfassen.

 

Aria Tenore, andante.

NB. Auf Ersuchen eines Freundes sollte diese einige
Violin Passagen aus einem Concert von HEn. Enderlein30a
zu dieser Aria nehmen, weil er sie gerne spielte.

Mein Hirt! ach! ich bin ganz verirrt ein Schaaf, ein Schaaf von deiner Herde: Komm eyl! Such finde mich, mein Heyl! Auf daß ich seelig, seelig werde. [Fine] Ich schmiege mich in deine Wunden, wann du mich als den Groschen funden vom Kehricht dieser Erde. Da Capo.

 

Rec: Soprano.

Es flieht der Mensch. Gott geht ihm stündlich nach. Wie Gott, dort einst, Wo bist du, Adam? sprach. Ihr Sünder! hört! eylt! es ist hohe Zeit: Denn jeder Schritt führt nach der Ewigkeit.

Aria Basso, vivace

Mein Heyland nimmt die Sünder an: Drum will ich freudig zu ihm wallen, das wird den Engeln wohlgefallen. Der Hoffnung bin ich zugethan: Mein Heyland nimmt die Sünder an.

d. 10. Jun: 77.
178831

  • 30. Trinit. = Trinitatis
  • 30a. Hierbei handelt es sich offenbar um den zu seiner Zeit bekannten Wilhelm Gottfried Enderle (in manchen Quellen auch Enderlein genannt): * 21.5.1722 in Bayreuth, 1738 Umzug nach Nürnberg, 6.2.1748 Eintritt in die Würzburger Hofkapelle als Violinist und Kammermusikus, ab 1753 am Darmstädter Hof und dort als Konzertmeister unter Graupner und Endler tätig. (nach Elisabeth Noack: “Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte” Nr. 8, Mainz 1967)
  • 31. Datum einer Wiederholung der Aufführung

MITTEILUNGEN Folge 7 (1992)

Schlagworte: 

Beobachtungen bei der Übertragung von Zangs Kantate zum Trinitatisfest „Es ist ein Gott“

von Hellmut Hertel

Bei dieser Kantate „Am Feste der heiligen Dreyfaltigket“ benutzt Zang, wie auch schon in früheren Kantaten, welche großen Festtagen gewidmet sind (1. Advent, Weihnachten, Ostern, 2. Pfingsttag) ein Instrumentarium, welches durch Hörner und Pauken verstärkt ist.

Die Kantate hat vier Sätze; neben dem 4-stimmigen Chor sind Solostücke für Bass, Tenor und Sopran vorhanden.

Der Text der Kantate mutet uns heute recht fremd an. Das Thema ist die Auseinandersetzung zwischen dem christlichen Bekenntnis der Dreieinigkeit Gottes und dem rationalistischen Einwand, eine Person (Gott) könne nicht gleichzeitig aus drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) bestehen. Diesen Widerspruch versucht Zang in der vorliegenden Kantate textlich - und wie ich meine - auch in musikalisch bemerkenswerter Weise zu bearbeiten und zu einer Antwort für die christliche Gemeinde zu führen.

Die folgenden Beobachtungen machte ich bei der Übertragung der Kantate aus dem Original; es handelt sich dabei keineswegs um eine fundierte musikalische Qualifizierung des Werkes - dies bleibt einem Berufenerem vorbehalten. Aber vielleicht können die Anmerkungen zum Weiterdenken Anstoß geben.

1. Chor. Grand.

Der 1. Satz der Kantate ist mit „Chor. Grand.“ überschrieben. Was immer dieses „Grand.“ auch bedeuten mag, es weist darauf hin, dass hier etwas „Großes“ vorgestellt wird.

Die Kantate beginnt im 3/4-Takt (3!) unisono in allen Stimmen mit einem mächtigen D-Dur Akkord, welcher sich in aufsteigenden Terzen (3!) fortsetzt. Bemerkenswert ist weiter, dass auch der Generalbass überwiegend in der Terz geführt wird, so dass sich schon hier musikalisch das Thema der Kantate zeigt: die Dreieinigkeit Gottes. Das Anfangsmotiv findet seinen Abschluss in einer Triolenphrase (3!) in der 1. Violine. Hier nimmt nun der Chor unisono das Thema auf. Während der Sopran verweilt, bestätigen die beiden Unterstimmen: „nur ein Gott“; schließlich betonen Alt und Bass nochmals das Wort „ein“, indem sie zusammen den ganzen D-Dur-Tonraum durchschreiten. Nun erfolgt die Auseinandersetzung mit der Dreieinigkeit, indem alle Stimmen gemeinsam bestätigen „doch drei Personen“, während die Violinen durch ihre alternierenden Achtel-Bewegungen die Aussage gleichsam auf den D-Dur Grund („ein Gott“) zurückführen.

Diesem ersten Teil folgt eine Schilderung von Gottes Wohnen „im hohen Himmel und auf der Erde“. Sie wird beendet durch ein Triolenmotiv, welches nochmals die Anfangsaussage zusammenfasst.

Der folgende Teil beschäftigt sich mit dem „unbegreiflich hohen Wesen“ Gottes, welches in einer Reihe von Modulationen und großen Tonsprüngen dargestellt wird, die schließlich bei der Interpretation der Annahme als Kinder Gottes durch die Taufe in einem von oben nach unten sich niederbeugenden Motiv ihren Ausdruck findet.

Die nun folgende Fuge (Allegro) zeigt musikalisch, dass die Annahme in der Taufe nicht nur die Christenheit insgesamt, sondern auch jeden Einzelnen betrifft.

Schließlich wird durch Wiederholung des 1. Teils Gott als Drei-Einer erinnert.

2. Recit.:

Das folgende Bass-Rezitativ versucht sich intellektuell mit dem Widerspruch zwischen Dreieinigkeit und der Existenz eines Gottes auseinander zusetzen. Besonders bemerkenswert ist die musikalische Ausgestaltung der Aussagen „nicht allzuviel“ und das „beßre Ziel“ und weiter, wie anschließend der Grund der Erlösung durch Vater Sohn und heiligem Geist als Grund für die Dreieinigkeit Gottes dargestellt wird.

3. Aria. Andante

Die folgende Tenorarie wird als Besonderheit von einem Flageolet begleitet. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die Besprechung des „Ostertriumphs“, welcher ebenso diese Art der Besetzung der 1. Violine vorsieht. Zang versucht wohl mit diesem Kunstgriff nochmals den Widerspruch zwischen Vernunft und Glauben darzustellen. Diese Arie ist mit ihren 151 Takten das längste Stück der Kantate und steht somit im Zentrum. In ihr geschieht die Umkehr vom rationalistischen Weltbild zum christlichen Glauben, welcher ein Geschenk Gottes ist.

Auch diese Arie steht im 3/4-Takt und weist wieder häufig den Gebrauch von Triolen auf. Deutlich wird die Verlorenheit der Vernunft musikalisch interpretiert, welche aus der Höhe in den Abgrund fällt und alleine bleibt. Entsprechend der Erfahrung, dass der Glaube von Gott geschenkt wird, schließt die Arie mit der Bitte um Erkenntnis der Dreieinigkeit, welche Zang mit einer Reihe von Oktavsprüngen unterstreicht, als wolle er sagen: Es ist der gleiche Ton, und doch sind es verschiedene Töne.

4. Soprano Solo col Tutti

Der letzte Satz, eine Sopran-Arie mit Choreinwürfen, steht schließlich im 2/4-Takt. Die Violine stimmt ein liebliches Motiv an, welches sich in Triolenläufen fortsetzt und gleichsam das Lob Gottes vom Himmel her anstimmt. Der Eindruck wird noch unterstrichen durch den Einsatz der Hörner und Pauken. Es ist eine königliche Musik, welche hier erklingt.

In sie hinein singt der Sopran, wie Engel vom Himmel das Lob des Dreieinigen Gottes. Dieses Lob nimmt die christliche Gemeinde in Form des Chores mit dem „Heilig ist Gott“ auf, welches Zang in großen Klangblöcken in der Dominante (A-Dur) in das „Engelslob“ hineinkomponiert hat.

Und weiter noch, die ganze Schöpfung lässt das Lob Gottes erschallen, selbst „der Elemente Macht“ muss ewig Gott loben. Fast meint man, den „Hall durch die Ewigkeiten“ zu hören.

Nochmals erklingt das Lob Gottes, des Herrn der Heerscharen (jetzt in der Subdominante G-Dur), bevor die Kantate überraschend durch eine kurze Modulation zur Anfangstonart D-Dur endet, als wolle Zang zum Ausdruck bringen, dass es nichts mehr gibt, was man diesem Lob zufügen könne.

Die Partitur der Kantate zum Trinitatisfest „Es ist ein Gott“

Es ist ein Gott nur ein Gott

Der wohlgegründete Glaube

Am Feste der h. Dreyfaltigket,

Musikalisch vorgestellet

von

Joh: Heinrich Zang.

S, A, T, B, V1mo, V2do, Vla, Timp, Violone, Bc

Deckblatt der Kantate zum Trinitatisfest

- Text
- Beobachtungen bei der Übertragung von Zangs Kantate zum Trinitatisfest „Es ist ein Gott“
- Partitur (500kB)

 

MITTEILUNGEN Folge 8 (1993/94)

Der Kantor Zang und die Büttner

Ludwig Ruf

Aus dem Jahr 1780 besitzen wir eine Vermögensaufstellung1 des Kantors Zang. Bei den Einzelsummen fällt auf, dass der größte Betrag, nämlich 550 Gulden, unter dem Stichwort „Weine“ aufgeführt ist. Dazu kommen noch 140 Gulden für Fässer und drei Gulden für Gelten und Butten. Diese im Verhältnis sehr hohe Summe lässt darauf schließen, dass Zang Wein nicht nur für den eigenen Bedarf eingelagert, sondern dass er auch mit Wein gehandelt hat. Dass sein damals fünfjähriger Sohn 20 Jahre später als Arzt Dr. Paul Zang in Obereisenheim eine Repperndorfer Weinhändlerstochter heiratet, ist in diesem Zusammenhang auch interessant.

Zang hatte aber nicht nur mit Winzern und Weinhändlern zu tun, sondern auch mit den Büttnern (=Küfer, Böttcher), die ja die Lager- und Transportgefäße für den Wein, die Fässer, herstellten. Und Büttner gab es in Mainstockheim in einer Anzahl, die wohl in keinem anderen Ort mit vergleichbarer Größe vorkam. Aus dem 18. Jahrhundert, also zu Zangs Zeiten, gibt es eine Nachricht2, dass in Mainstockheim 70 Büttner (!), 30 Essigsieder und etwa 15 Weinhändler lebten. Im Jahre 1830 werden in Mainstockheim im Gewerbekataster u. a. 42 Büttner, 3 Gaststätten, 1 Apotheke, 7 Metzgereien und 6 Bäckereien aufgeführt.3 Diese Zahlen machen die Bedeutung des Büttnerhandwerks für Mainstockheim deutlich.

Die Büttner benutzten bei der Fassherstellung meist den Platz vor ihren Häusern auf oder neben der Straße als „Werkstatt“. Außerdem stellten sie am Kirchweihfest Proben ihrer Erzeugnisse als Muster vor ihren Häusern auf und nahmen Bestellungen entgegen. So kam Zang fast täglich, nicht nur beim Kauf eines neuen Fasses, mit ihnen in nähere Berührung. Und weil er für alle technischen Vorgänge immer Interesse zeigte, befasste er sich sehr eingehend mit der Fassherstellung. Die verschiedenen Zahlentafeln und Tabellen in seinem Buch „Der vollkommene Büttner oder Küfer“ belegen, dass dieses Buch das Ergebnis seiner Bemühungen war. Bei seinen genauen Beobachtungen und Erkundigungen bei den Mainstockheimer Büttnermeistern kommt er auch mit dem Meister Karl Bock in Verbindung. Dieser hatte einen „Faßtür-Reißer“ erfunden. In der 46. Aufgabe lässt Zang ihn seine Erfindung beschreiben.

Vor kurzem (1993) wurde der Gemeinde Mainstockheim für ihre Sammlung von Geräten und Werkzeugen einer Büttnerwerkstatt ein solcher Fasstür-Reißer Geschenkweise überlassen.

Der Mainstockheimer Büttner Johann Nikolaus Müller, der aus Heinrichs bei Suhl in Thüringen stammte, kaufte 1816 ein Exemplar des Zangschen Buches (2. Auflage von 1808). Er schrieb auf ein Vorsatzblatt: „Alle die Künste und Wissenschaften in diesem Büchlein sind richtig und unverwerflich. Aber nur die Übung macht den Meister; denn viele lesen, verstehen aber nicht, was sie lesen.“

  • 1. Ausführliche Darstellung in MITTEILUNGEN, 2. Folge 1987
  • 2. aus R. Worschech und B. Weisensee: "Weinland Franken", Würzburg 1990
  • 3. aus einer Arbeit von Willy Brussig, Mainstockheim
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Johann Heinrich Zang - ein Bach-Schüler

Vor etwa einem Jahr erhielt ich eine Nachricht von Kantor Peter Schmeiß aus Zella-Mehlis, dem Leiter der dortigen Johann-Heinrich-Zang-Kantorei, dass er auf einen weiteren Hinweis gestoßen war, dass Zang ein Schüler von Johann Sebastian Bach gewesen sei. Nach verschiedenen Versuchen ist es ihm gelungen, die Quelle dieses Hinweises in der Forschungs- und Landesbibliothek in Gotha ausfindig zu machen. Im Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 9. Band, Thüringen, herausgegeben von Dr. Hans Patze, Krämer Verlag Stuttgart4, findet sich unter dem Stichwort Zella-Mehlis u.a. die folgende Nachricht:

Der 1674 in Remstädt (bei Gotha) geborene Zellaer Organist Joh. Schmidt führte Joh. Sebastian Bach mehrere Schüler zu, u.a. Georg Schübler, der in Zella Verleger und Kupferstecher von Bachs Kompositionen wurde, und Johann Zang, den Verfasser des Buches „Der vollkommene Organist"5; er war Komponist zahlreicher Kantaten und Motetten.

Obwohl wir zur Zeit der Fertigstellung dieser Mitteilungen noch nicht bis zur ersten Quelle vorgestoßen sind, werden wir aufgrund der Literaturangaben zu diesem Artikel und der noch fälligen Nachfragen beim Verlag und Verfasser dieses Buches herausfinden, woher diese Nachricht stammt.

Da uns verständlicherweise sehr daran gelegen ist, die Richtigkeit der Nachricht zu belegen, dass Zang Bachschüler war, führen wir die bisher erschlossenen Quellen hier nochmals auf:

a. Artistisch-Literarische Blätter von und für Franken, Herausg. Dr. Bartolomäus von Siebold, Würzburg, Jahrgang 1808, S. 135ff6: „Schon als siebzehnjähriger Jüngling wanderte er nach Leipzig, wo er sich unter der Anleitung des berühmten Kapellmeisters Johann Sebastian Bach, zwey Jahre lang in der Tonkunst besser ausbildete."

In den damaligen Anmerkungen zu diesem Artikel habe ich auf den wahrscheinlichen Übertragungsfehler hingewiesen: Die Zahlen 15 und 17, etwas flüchtig geschrieben, können leicht verwechselt werden. Sicher wurde vom Drucker im Satz: „Schon als siebzehnjähriger Jüngling…" das „15-jährig" der Handschrift als „17-jährig" gelesen. Nur so stimmen die weiteren Angaben.
Sämtliche uns bekannten Einträge über Zang in den seither erschienenen Musiklexika fußen auf dieser Nachricht, bzw. auf Abschriften oder Bearbeitungen von Einträgen jeweils vorher erschienener Lexika (Meusel, Gerber, Eitner) bis zum MGG (= Die Musik in Geschichte und Gegenwart).

b. Schumann, Zella-Mehlis: „Bach-Erinnerungen aus Zella-Mehlis" in: Bach in Thüringen, Berlin 1950, S. 91f7:
„Johann Peter Schübler ist nicht der einzige Bach-Schüler aus Zella-St. Blasii. Von einem Coburger Musikhistoriker P. Peters-Marquardt kam mir die Nachricht über Johann Heinrich Zang, der nach Ausweis unseres Taufbuches am 15. April 1733 in Zella St. Blasii geboren ist als Sohn des Weißgerbermeisters Johann Georg Zang. … Sein Sohn sei durch Schübler (oder durch Schmidt) zu Bach gekommen und in Leipzig sein Schüler gewesen."
Der Informant des Verfassers, der Musikhistoriker P. Peters-Marquardt, scheint die Quelle, die auch der neu aufgefundenen Nachricht von Dr. Patze zugrunde liegt, gekannt zu haben. Wir hoffen, dass unsere Buch-Anforderungen und dann noch zu führende Briefwechsel demnächst die erhofften Bestätigungen erbringen.

Es ist für uns von großer Wichtigkeit, dass es in Zukunft nicht mehr heißt, „Zang war 1748/49 möglicherweise ein Schüler von Johann Sebastian Bach in Leipzig"8, sondern: Zang war ein Schüler Bachs. Vielleicht hilft es dann doch, das Ansehen Zangs zu verbessern, wie es all denen geht, die sich mit der Musik Zangs eingehend beschäftigen. Das ist z. B. Anfang des Jahres geschehen, als Professor em. für Musikwissenschaft Boetticher in Göttingen durch unser Mitglied Pfr. i.R. Haeffner einige Partituren von Zang-Kantaten und einiges aus unserer Literatur zur Kenntnis erhielt. Er schreibt: „Diese Stücke [Zangs] haben Substanz und verdienen Beachtung, weil sie von der ländlichen Kirchenmusikpflege Mainfrankens Zeugnis ablegen." Und: „Zang war ein trefflich geschulter Musiker."

Ludwig Ruf

MITTEILUNGEN Folge 9 (1995/96)

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MITTEILUNGEN Folge 10 (1997/98)

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