MITTEILUNGEN Folge 1 (1986)

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Musikwissenschaftliche und theologische Perspektiven für die Zang-Forschung

Michael Heckmann

Kurzvortrag bei der Gründungsveranstaltung der Johann-Heinrich-Zang-Gesellschaft am 19. Januar 1986 in Mainstockheim

Lassen Sie mich, der ich das Vergnügen hatte, die ersten beiden öffentlichen Wiederaufführungen von Kantaten des Mainstockheimer Kantors Zang zu betreuen und zu leiten, einige Bemerkungen aus der Sicht des Musikers und Theologen zu diesem Thema anfügen.

In den letzten Jahren hat sich in der Musikwissenschaft der Blick geweitet, geweitet über die unmittelbare Erforschung des Lebens und Werkes des großen Thomaskantors Johann Sebastian Bach hinaus. Wir haben erkannt, dass ungeachtet seiner Einmaligkeit Bach nicht zu verstehen ist ohne die vielen Vorgänger, Zeitgenossen und Nachfolger. Die Verblüffung war nicht gering, als man neben der Rose Bach noch eine ganze Reihe schöner kompositorischer Blumen am Wegesrand entdeckte.

Zu diesen Entdeckungen der letzten Jahre zählen Namen wie Gottfried Heinrich Stölzel, Christoph Graupner in Darmstadt, Gottfried August Homilius in Dresden, auch die Bachsöhne, Carl Philipp Emanuel und der Altersgenosse Zangs, Johann Christoph Friedrich, der sog. Bückeburger Bach, dessen Werke, etwa das Oratorium „Die Kindheit Jesu“, verblüffende Ähnlichkeiten mit den Kantaten Zangs aufweisen. Ein Augenmerk gilt in neuerer Zeit auch Joh. Seb. Bachs Meininger Vetter Johann Ludwig Bach.

Was dabei herauskommen kann, wenn erst einmal gezielt nach bestimmten Komponisten gefahndet wird, zeigt ein Fall aus den letzten Jahren in Frankfurt am Main:1 Im Stadtarchiv wurde ein alter Schrank ausgeräumt und geordnet. Unter den Utensilien fand sich eine Menge handgeschriebener Notenblätter. Sie erwiesen sich als bisher unbekannte Kantaten des Meininger Kantors Johann Ludwig Bach.

So ähnlich könnte es auch der Zang-Gesellschaft ergehen. Man musste bei dem Frankfurter Fund fragen: Wie kommen Kantaten aus Thüringen nach Frankfurt? Die Erklärung ist, dass Johann Ludwig Bach sie entweder nach Frankfurt verliehen hat, oder sie jedenfalls in einer Abschrift, wahrscheinlich durch Telemann, nach Frankfurt gelangten. Auch von Zang wissen wir, dass er seine Kantaten an andere Kirchen, wohl vor allem im süddeutschen, südwestdeutschen Raum ausgeliehen hat.

Wo sind die 93 Kantaten geblieben, die wir bisher noch nicht gefunden haben? Ich schätze die Möglichkeit weiterer Funde nicht gering ein. Vielleicht liegen sie auf den Dachböden einiger Kirchengemeinden. Eine wichtige Aufgabe der Zang-Gesellschaft muss sein, die Spuren dieser Kantaten wieder zu finden und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Denn auch Johann Heinrich Zang gehört in das Umfeld des Thomaskantors Johann Sebastian Bach. Nach einer Nachricht war Zang sogar für kurze Zeit sein Schüler. Ich habe zur weiteren Klärung dieser Frage auf einem internationalen Symposium in Wien Kontakt mit einem Referenten der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätte Bach der DDR in Leipzig aufgenommen, die sich mit den Bachschülern beschäftigt. Eine Untersuchung der dort vorhandenen Quellen Zang betreffend wurde mir zugesagt.

Ungeachtet dieser Detailfrage weisen natürlich einige Auffälligkeiten in den Umkreis der Stadt Leipzig. Wer in die Kantaten Zangs hineinhört, der stellt fest, dass Zang noch in für seine Zeit erstaunlichem Maße über die Fähigkeit verfügt, Fugen zu schreiben. Wie bekannt ist, hat ja selbst Mozart die Fugentechnik an den Motetten Joh. Seb. Bachs studiert.2 Gleichwohl ist zu sagen, dass es sich bei Zang in keinem Fall um ein musikalisches Plagiat des Thomaskantors handelt.

Das faszinierende an der Musik Zangs ist ja gerade, wie er die alten kontrapunktischen Techniken verbindet mit der besonderen Kantabilität, der gefälligen Sanglichkeit im Sinne des zur Zeit Zangs aufgekommenen „empfindsamen Stils“, der ja auch an den Bach-Söhnen keineswegs spurlos vorübergegangen ist.

In die Nähe des Leipziger Thomaskantors weist auch die Behandlung der Rezitative bei Zang, Übergänge vom Secco-Recitativ zum Arioso. Das ausinstrumentierte Secco aus dem Ostertriumph: „Das Lamm ist nun ein Löwe worden“ weckt deutliche Anklänge an Bachsche Werke, wenngleich auch hier deutlich festzuhalten ist, dass Zang zu einem eigenwilligen Personalstil beim Komponieren gefunden hat.

Auf dem Gebiet der Werkanalyse sind dringend Untersuchungen der Zangschen Kantaten fällig, eine Aufgabe, der sich die Zang-Gesellschaft widmen sollte.

Aber auch auf theologischem Gebiet gibt es viel zu erforschen. Die Bachforschung hat in den letzten Jahren dabei Erstaunliches zutage gefördert, über das gottesdienstliche Leben zur Zeit Bachs, über die Frömmigkeit Bachs, schließlich auch über die Vorlagen der Texte zu den Kantaten Bachs. So konnten z.B. für die Bachsche Matthäus-Passion als Textvorlage Predigten eines Pfarrers entdeckt werden.3 Braucht es einen schlagenderen Beweis, dass Kantaten musikalische Predigten sind?!

Auch für Zangs Werk ist die Frage nach den Textvorlagen von Belang, weisen doch auch da einige Beobachtungen in das Leipziger Umfeld. So heißt es z.B. in der Bachkantate zum Osterfest BWV31: „Du musst geistlich auferstehen und aus Sündengräbern gehen“. Im „Ostertriumph“ bei Zang: „Lass uns geistlich auferstehen, aus dem Sündengrabe gehen“. Welches ist der gemeinsame Bezugspunkt in der Theologie zwischen Bach und Zang? Einer ist ja bereits deutlich: Bach schrieb über seine Partituren: „Jesu hilf“. Zang notiert zu Beginn des Evangelischen Zion zum Fest der Geburt Jesu, der Weihnachtskantate: „Im Namen Jesu“.4

Erstaunlich ist auch die theologische Richtung der Kantatentexte bei Zang und Bach: Günther Stiller hat in einer Untersuchung sehr schön gezeigt, wie in einer Zeit der beginnenden Aufklärung Leipzig als eine der ganz wenigen Enklaven der lutherischen Orthodoxie mit einem ausgeprägten Frömmigkeitsleben übrigbleibt. Ähnliches scheint für Mainstockheim zu gelten. Findet sich doch in einer Kantate Zangs ähnlich wie in den Bachschen Kantaten eine Warnung vor der zu hohen Bewertung der menschlichen Vernunft gegenüber dem Glauben.5

Was sind die gemeinsamen Wurzeln der Kantatentexte in Leipzig und in Mainstockheim? Die Zang-Gesellschaft sollte es erforschen.

Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal die Bedeutung des Wirkens des Kantors J. H. Zang in Mainstockheim unterstreichen.

Zu einer Zeit, in der der berühmte Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel Bach in Hamburg Musikdirektor der Hauptkirchen und damit für die Kirchenmusik in der Weltstadt zuständig ist, wirkt Zang in der Gemeinde Mainstockheim. Während Bach in Hamburg äußerste Mühe hat, einigermaßen anständige kirchenmusikalische Aufführungen in der Hansestadt zustande zu bringen, musiziert Zang in der kleinen Gemeinde Mainstockheim 14-tägig/monatlich seine Kantaten. Er wird gewusst haben, der Johann Heinrich Zang, warum er den Ruf einer Universität zum Schreiber genauso ausschlug wie einen Ruf an einen Fürstenhof als Hofmusicus und statt dessen Mainstockheim die Treue hielt.

Wir brauchen die Erforschung des Zangschen Werkes, wir brauchen dafür die Zang-Gesellschaft. Der Mainstockheimer Kantor Zang wird uns bereichern in unserem Musizieren, für unseren Glauben, für unser Leben.

  • 1. vgl. zum Folgenden Conrad Bund: „Johann Ludwig Bach und die Frankfurter Kapellmusik“ im Bach-Jahrbuch 1984, S. 117-125
  • 2. vgl. hierzu Wolfgang Hildesheimer: „Mozart“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt 1980, S. 256; Albert Schweitzer: „Johann Sebastian Bach“, Leipzig 1977, S. 209
  • 3. Diese Entdeckung verdanken wir der Forscherin Elke Axmacher. Vgl. die Würdigung ihrer Forschungsergebnisse durch Lothar und Renate Steiger in dem Aufsatz: „Die theologische Bedeutung der Doppelchörigkeit in Johann Sebastian Bachs ‘Matthäus-Passion’ ” in „Bachiana et alia musicologia, Festschrift Alfred Dürr zum 65. Geburtstag“, Kassel, Basel, London, New York 1983, S. 276
  • 4. Dass es sich bei der Voranstellung dieser Formel auch bei Zang nicht um eine bloße Formel handelt, zeigt ein kurzer Abschnitt aus der Vorrede Zangs zu seinem Orgelbaubuch: „Eben so wäre noch vieles von den Kirchen-Musiken zu sagen, die man in hiesigen Gegenden, so wohl in Landstädten, als auf Dörfern zu machen pflegt, wo man sich kein Bedenken daraus macht, eine Opernarie zu nehmen, und einen Text darüber zu schreiben, der oft der Composition als Poesie nach, wie eine Faust auf das Auge passt: allein ich will es andern Männern überlassen, welche Lust dazu haben, und nur noch bemerken, dass der Ausspruch des Titi Vespasiani: Wenn Tempel und Gottesdienst dahin sind, so bedarf man der Priester, mithin der Kirchen-Musik nicht mehr, bald in Erfüllung zu gehen scheint.“
  • 5. Günther Stiller: „Johann Sebastian Bach und das Leipziger gottesdienstliche Leben seiner Zeit“, Berlin (DDR) 1970

Aufsätze und Auszüge aus Aufsätzen und Lexika-Artikel über Johann Heinrich Zang

Zusammengestellt und mit Anmerkungen versehen von Ludwig Ruf

(1) Artistisch-Literarische Blätter von und für Franken. Eine Begleitschrift zur fränkischen Chronik. Hrsg. von Dr. Bartholomäus von Siebold, Würzburg, Jahrg. 1808, Seite 135-137

Würzburg's
Schriftsteller, Künstler und Sammlungen.
II. Künstler.
A. Lebende.
2. Ausländer.

11. Zang, Johann Heinrich, über 50 Jahre lang Cantor in Mainstockheim. Er wurde am 15ten April 1733 in der durch ihre Gewehrfabrik berühmten Herzogl. Sachsen-Gothaischen Stadt Zella St. Blasii geboren, wo sich sein Vater Johann Georg Zang, ehemaliger Königl. Ungarischer Oberlieutenant unter dem Regiment Heister, niedergelassen, und mit einer dasigen Bürgerstochter, Rosina Christina Schmidt, verehelichet hatte. Die Aeltern suchten ihrem Sohne die zweckmäßigste Erziehung zu geben, um sich frühzeitig zu einem brauchbaren Manne auszubilden, und sein gutes Fortkommen in der Welt zu finden. Zu Hause erlernte er die Anfangsgründe der lateinischen und griechischen Sprache, und dabey widmete er sich der Ton- und Zeichenkunst, wozu er vorzüglich einen natürlichen Hang hatte. Schon als ein siebenzehnjähriger Jüngling wanderte er nach Leipzig, wo er sich unter der Anleitung des berühmten Kapellmeisters, Johann Sebastian Bach, zwey Jahre lang in der Tonkunst besser ausbildete, und im Jahre 1749 kam er nach Koburg, und gleich darauf nach Kloster Banz als Kanzellist, weil seine gute Handschrift dem dasigen Abte besonders wohlgefallen hatte. Dabey ward ihm zugleich die Organisten-Stelle auf Hohenstein nächst Koburg übertragen, bis er im Jahre 1751 als Cantor nach Wallsdorf nächst Bamberg, und von da im Jahre 1752 ebenfalls als Cantor nach Mainstockheim befördert wurde. Auch hier erhielt er verschiedene ehrenvolle Anträge, nämlich als Schulkollega nach Schweinfurt, als Kapellmeister an einen benachbarten fürstl. Hof, und nach diesem als Schreibmeister auf eine der berühmtesten Universitäten. Aber aus Vorliebe zu Mainstockheim schlug er alle diese schmeichelhaften Einladungen ab, und bat seinen Fürsten bloß um Fortsetzung der ihm bisher bezeigten gnädigsten Zufriedenheit.

Im Jahre 1762 gab Zang seine selbstlehrende Kalligraphie in 33 Quart- und 6 Folio-Blättern heraus, welche er selbst in Kupfer gestochen hat, und die in ganz Deutschland wohl aufgenommen, besonders aber in dem Ansbacher und Nassau-Dillenburgischen Lande eingeführt wurde. Zehn Jahre später erschienen auch seine von ihm selbst gestochenen Schulvorschriften.

Nebst vielen aufs Klavier gesetzten Sachen sind seine Singende Muse am Main, die er 1776 in Kupfer herausgab, mit 6 Sonaten und 12 Trio, auf die Orgel mit zwey Clavieren und obligatem Pedal bekannt. - Auch hat er zwey vollständige Jahrgänge auf alle Fest- und Sonntage über die Evangelien durchs ganze Jahr, mit Tutti, Fugen, Arien und Duetten, für vollständige Chöre komponiert, welche noch jetzt in vielen ansehnlichen Kirchen aufgeführet werden. Im Jahre 1793 sah Zang unsers Hrn. Professor Blank's weltberühmtes Kunstkabinet in Würzburg, und machte sogleich den Versuch in Verfertigung ähnlicher mosaischer Kunstgemählde. Es gelang ihm so gut, daß einige seiner Arbeiten durch verschiedene Offiziere Sr. Russisch-Kaiserlichen Majestät gerühmt wurden, und er erhielt daher den allergnädigsten Befehl, einige Stücke nach St. Petersburg zu senden. Diesem zu Folge sandte er das aus Samen und Schmetterlingsflügeln verfertigte Russisch-kaiserliche Wappen, nebst noch 5 andern Stücken, welche aus allerley Naturalien von den drey Naturreichen zusammengesetzt waren, und er erhielt dafür nicht nur ein Kaiserliches allergnädigstes Belobungs-Schreiben, sondern auch eine goldene Uhr sammt massivem Bande mit 454 großen und kleinen Brillanten, und mit 24 Perlen besetzt.

Da nun seine oben erwähnten kalligraphischen und musikalischen Werke Beyfall gefunden hatten, so entschloß er sich, für junge Künstler und Handwerker ein Buch herauszugeben, in welchem alles enthalten seyn soll, was künstlich ist, und was mancher Lehrherr oder Meister selbst nicht weiß, oder seinen Lehrlingen neidisch vorenthält. Von diesem Werke erschien also im Jahre 1790 der erste Theil, welcher den Weinhändlern, Küfnern oder Büttnern, Kellerern, Branntwein- und Liqueurmachern etc. gewidmet ist, in der Oberdeutschen allgemeinen Literatur-Zeitung, und anderwärts so vollkommenen Beyfall erhielt, daß die Schneider- und Weigelische Kunsthandlung in Nürnberg schon eine dritte Auflage davon machte, und zugleich den zweyten Theil dieses Buches mit herausgab. Dieser ist für Liebhaber der Musik, Orgel- und Instrumentenmacher geschrieben. Er enthält sehr viel Neues, besonders von der Temperatur, wie nach einer von Zang nach der Rationalrechnung neu erfundenen Stimmpfeife eine Orgel auf das reinste zu stimmen; wie eine neue Orgel zu probiren, und wie die Windprobe zu machen ist. Auch wie Liebhaber der besaiteten Instrumente, Claviere, Fortepiano u. d. gl. sehr leicht und in weniger Zeit stimmen können; wie die Register einer Orgel zu ziehen sind, und dergleichen mehreres. Diesem folget noch ein dritter Theil, der aus 5 Abschnitten bestehet. Der erste Abschnitt ist für Schönschreiber bestimmt, welche darin alles finden, was sie nur verlangen können, nämlich alle möglichen Tinten von allen Farben zu machen; mit allen Metallen zu schreiben; auf Gold, Silber und alle Metalle zu schreiben; auch auf Glas ohne Schnitt, und doch geschnitten zu schreiben; Bücher in Geschwindigkeit abzudrucken etc. - Der zweyte Abschnitt lehret, alles große Zugwerk mit dem Reißzirkel und aus freyer Hand zu machen; große Capital-Buchstaben zu Urkunden zu entwerfen; alle große Frakturschriften sehr nett und geschwind zu machen etc. - Der dritte Abschnitt lehret den in Metall arbeitenden Künstlern alles, was sonst große Künstler geheim halten, nämlich den Damase zu machen; alle Metalle zu parfumiren; große und kleine Glocken zu Glockenspielen just nach verlangtem Ton zu gießen; Metalle ohne Feuer zu löthen etc. - Der vierte Abschnitt lehret Künstlern, die in Holz arbeiten, eine Thüre zu verfertigen, die man vorn und hinten aufmachen kann; eine ganz neu erfundene Sägemühle, wo ein Mensch mit halber Arbeit ein Bloch zu Brettern schneiden kann; eine Maschine, welche etwa 50 Kreuzer kostet, um damit einen großen Baum auszureißen, welches ein Mann mit einem Kinde verrichten kann; ein Instrument, mit welchem man von einem Original zugleich vier und mehrere Abrisse machen kann etc. - Der fünfte Abschnitt lehret endlich eine Hose zu machen, mit welcher man durch das größte Wasser gehen kann; eine Hirsch- oder Bockshaut in 2 Tagen sämisch gar zu machen, die jedoch 2mal länger hält, als jene, die vom Gärber gar gemacht sind; eine große Waldung durch Wurzeln und Aeste der Bäume anzulegen, welche in Zeit von 4 Jahren in schönerem Wachsthum stehet, als durch den Anflug in 20 Jahren nicht bewirkt werden kann; Obstbäume durch Wurzeln und Aeste anzulegen, die schon im zweyten und dritten Jahre tragen; durch Blätter von exotischen Bäumen junge Bäume zu ziehen; ein Bild mit erhabenen Knörzchen auf ein glattes Brett zu bringen, welche Knörzchen in Zeit einer Minute aus dem Brette hervorwachsen; eine Maschine für Müller, eine Mühle in einem Augenblick stille stehend zu machen, ohne daß sich dabey das geringste Unglück ereignen kann. - Der vierte Theil dieses Buches wird eine vollständige Beschreibung der Kunst liefern, welche man Mosaik nennet, nämlich wie ein Bild, eine Landschaft regelmäßig zu entwerfen, zu zeichnen, und dann mit dazu schicklichen Naturalien ausgeführt werden kann, sammt den dazu erforderlichen Wissenschaften der Geometrie und Architektur. Dabey wird die Perspektive so vorgetragen, daß auch ein Lehrjunge dieselbe, ohne Kenntnis der Geometrie zu haben, ohne weiteren mündlichen Unterricht gründlich erlernen kann. Hr. Zang hat den Lambertischen Proportional-Zirkel zum Grunde geleget, womit alle Aufgaben sehr leicht gemacht werden können. Auch lehret er in diesem Theile, solchen Proportional-Zirkel selbst zu machen.1

Anmerkung:

Wenn man diesen Artikel aufmerksam liest, kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, dass Zang ihn initiiert, wenn nicht gar selbst verfasst hat. Handelt es sich doch im zweiten Teil um eine massive Werbung für seine Arbeiten.
Da dieser Aufsatz die Quelle für fast alle folgenden Artikel und Lexika-Einträge ist, muss einiges näher erklärt werden:
Im Satz: „Schon als siebenzehnjähriger Jüngling…“ ist mit Sicherheit ein Übertragungsfehler. Was der Drucker als „17-jährig“ gelesen hat, war bestimmt ein „15-jährig“ in der Handschrift, nachdem die Zahlen 15 und 17, etwas flüchtig geschrieben, verwechselt werden können. - Nur so stimmen danach die weiteren Angaben:

1748/49 (also mit 15/16 Jahren) bei J. S. Bach in Leipzig
1749/50 (mit 16/17 Jahren) in Coburg, Kloster Banz, Hohenstein bei Coburg
1751 (mit 18 Jahren) Kantor in Wallsdorf bei Bamberg
1752 (mit 19 Jahren) Heirat und Kantor in Mainstockheim (vgl. auch unter (7), Eitner).

Leider werden der benachbarte „fürstl. Hof“ (Antrag als Kapellmeister) und „eine der berühmtesten Universitäten“ (Angebot als Schreibmeister) nicht namentlich genannt.

Ob es sich bei „seinem Fürsten“ um den Markgrafen von Ansbach gehandelt hat?

Die „Singende Muse am Main“ ist - trotz unserer Nachforschungen - bis heute noch nicht aufgetaucht. Vielleicht führt uns aber eine jetzt aufgenommene Spur dazu, daß möglicherweise wenigstens Teile des Nachlasses Zangs und hoffentlich auch seine Kantaten entdeckt werden können.

Die Erwähnung seiner Musivbilder und des Zarengeschenks ist durch eine Notiz eines Mainstockheimer „Aufschreibbuches“ belegt (siehe Festschrift 1983).

Die beiden Bände seines „Kunst und Handwerkbuches“ („Die vollkommene Büttner- oder Küferlehre“ und „Der vollkommene Orgelmacher“) sind im Original im Besitz der Gemeinde Mainstockheim.

Im Vorwort zu seiner in 2. Auflage 1808 in Nürnberg gedruckten Büttner- und Küferlehre erwähnt er sowohl den beschriebenen 3. wie den angekündigten 4. Band unter dem Datum vom 25. Jan. 1804. (Abgedruckt in der Festschrift zum 250. Geburtstag Zangs 1983). Vielleicht tauchen sie eines Tages doch noch irgendwo auf. Alle unsere bisherigen Nachforschungen hatten allerdings ein negatives Ergebnis.

(2) Joh. Georg Meusel: „Teutsches Künstlerlexikon“, 3 Bde., Lemgo 1808-1814, Bd. 3, Seite 575f

ZANG (JOHANN HEINRICH). Kantor und Komponist zu Maynstockheim, einem Bayrischen Pfarrdorfe im Würzburgischen Amte Kitzingen: geb. zu Zella St. Blasii im Gothaischen am 15ten April 1733.
Sein Vater, ehemaliger Ungarischer Oberlieutenant, gab ihm eine gute Erziehung, wobey die Ton- und Zeichnungskunst, wozu der Sohn einen natürlichen Hang hatte, nicht verabsäumt wurde. Schon als 17 jähriger Jüngling wanderte er nach Leipzig, wo er sich unter Anleitung des berühmten Kapellmeisters, Joh. Seb. Bach, 2 Jahre lang in der Tonkunst weiter ausbildete. Im J. 1749 kam er nach Coburg und gleich darauf nach Kloster Banz, als Kanzlist, weil seine gute Handschrift dem dortigen Abte besonders wohl gefallen hatte. Dabey ward ihm zugleich die Organistenstelle auf Hohenstein unweit Coburg übertragen, bis er 1751 als Kantor nach Wallsdorf bey Bamberg, und von da 1752 ebenfalls als Kantor nach Maynstockheim befördert wurde. Dort gefällt es ihm so wohl, daß er einige Ehrenvolle Anträge zu bessern Stellen ausschlug.
Im J. 1762 gab er seine Selbst lehrende Kalligraphie in 33 Quart- und 6 Folio-Blättern heraus, welche er selbst in Kupfer gestochen, und die in vielen Teutschen Ländern wohl aufgenommen und besonders in den Ansbachischen und Nassau-Dillenburgischen Schulen eingeführt wurde. Zehen Jahre später erschienen seine, auch von ihm selbst gestochenen Schulvorschriften.
Ausser vielen für das Klavier gesetzten Sachen sind seine Singende Muse am Mayn, die er 1776 in Kupfer herausgab, mit 6 Sonaten und 12 Trio, für die Orgel mit 2 Klavieren und obligatem Pedal, bekannt.
Auch hat er zwey vollständige Jahrgänge auf alle Fest- und Sonntage über die Evangelien durch das ganze Jahr, mit Tutti, Fugen, Arien und Duetten, für vollständige Chöre komponirt, die noch jetzt in vielen ansehnlichen Kirchen aufgeführt werden.
Im J. 1793 sah Z. das allbekannte Blankische Kunstkabinet zu Würzburg, und machte sogleich den Versuch mit Verfertigung ähnlicher musivischer Kunstgemählde. Damit gelang es ihm so gut, daß einige seiner Arbeiten von verschiedenen Officieren dem Kaiser von Rußland gerühmt wurden; worauf er den Auftrag erhielt, einige Stücke nach St. Petersburg zu senden. Diesem zu Folge überschickte er das aus Saamen und Schmetterlingsflügeln verfertigte Russisch-kaiserliche Wappen, nebst 5 andern Stücken, die von allerley Naturalien aus den drey Naturreichen zusammengesetzt waren. Dafür erhielt er nicht nur ein kaiserliches Belobungsschreiben, sondern auch eine goldene Uhr, sammt massiven Bande, mit 454 großen und kleinen Brillanten und mit 24 Perlen besetzt.
Vergl. B. v. Siebold's Artistisch-litter. Blätter von und für Franken 1808. Nr. 23; wo auch Nachricht gegeben wird von seinem, schon dreymahl aufgelegtem Buche für junge Künstler und Handwerker, ‘worin alles enthalten seyn soll, was künstlich ist, und was mancher Lehrherr oder Meister selbst nicht weiß, oder seinen Lehrlingen neidisch vorenthält.’ Schade, daß Hr. v. S. den Titel dieses außerordentlichen, Schreiber'n dieses ganz unbekannten Buches nicht mittheilt, auch nicht meldet, ob es mit oder ohne Namen des Verfassers erschienen ist!

Anmerkung:

(2) und (3) sind jeweils stark gekürzte Fassungen des unter (1) besprochenen Artikels.

(3) Hamberger/Meusel: „Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller“, Lemgo 1811, 15. Band, Seite 296f

ZANG (Johann Heinrich) Kantor zu Mainstockheim im Würzburgischen seit 1752 (vorher seit 1751 Kantor zu Wallsdorf unweit Bamberg, und vordem Kanzlist zu Kloster Banz und zugleich Organist auf Hohenstein unweit Coburg): geb. zu Blasienzell im Gothaischen am 15ten April 1733.
§§. Barthol. von Siebold, der in den Artistisch- litterarischen Blättern von u. für Franken 1808. Nr. 23. Nachricht von diesem in seiner Art merkwürdigen Manne ertheilt, welche auch von Meusel in der 2ten Ausgabe des Teutschen Künstlerlexikons gehörig benutzt wurde, erzählt auch von einem Buche desselben für junge Künstler und Handwerker, das zum erstenmahl 1790 und hernach noch zweymahl aufgelegt wurde, ohne den Titel desselben anzugeben, ob er gleich den Inhalt anzeigt. "Es soll darin alles enthalten seyn, was künstlich ist, und was mancher Lehrherr oder Meister selbst nicht weiß, oder seinen Lehrlingen neidisch vorenthält."

Anmerkung:

(2) und (3) sind jeweils stark gekürzte Fassungen des unter (1) besprochenen Artikels.

(4) Hamberger/Meusel: „Das gelehrte Teutschland“, Lemgo 1827, 21. Band, Seite 753

16B. ZANG (Joh. Heinr.) starb im Juliushospital zu Würzburg am 18 August 1811.

Anmerkung:

Die einzige uns erhaltene Nachricht über den Tod Zangs.

(5) Ernst Ludwig Gerber: „Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, welches Nachrichten von dem Leben und den Werken...”, Bd.: 4, Leipzig, 1814

Zang (Johann Heinrich) Kantor, Komponist, Schriftsteller, Chemiker, Instrumentenmacher, Maschinenmeister, Zeichner, Schönschreiber u.s.w. in Mainstockheim, geb. zu Zella St. Blasii im Gothaischen, am 15. April 1733. Unter diesem Namen lehrt uns ein unbekannter Referent in des Hrn. Dr. Barth. von Siebolds Artistisch-Literar. Blättern von Franken, Jahrg. 1808, S. 135, einen Mann kennen, der bey allen diesen mannichfachen Talenten, Geschicklichkeiten und Kunstkenntnissen, die er zum Theil selbst durch gedruckte und gestochene Werke beurkundet hat, und bey der Menge unserer literarischen Flug- und Intelligenzblätter dennoch funfzig Jahre lang vollkommen unbemerkt und im Dunkeln geblieben ist. Selbst der aufmerksame Meusel übergeht ihn in seiner vierten Ausgabe und den dazu gehörigen 7 Nachträgen mit Stillschweigen. Vielleicht sind aber seine Werke anonym gedruckt. Vorausgesetzt also, daß Wahrheitsliebe dem Referenten die Feder geführt hat und daß keine Charlatanerie dabey zum Grunde liegt; so ist es Pflicht, diesem kunst- und erfindungsreichen Landsmanne Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und auch noch hier das Wesentlichste aus jener Biographie beyzubringen. Sein Vater, Joh. Georg Zang, ehemaliger königl. Ungarischer Oberlieutenant, hatte sich zu Zella niedergelassen und verehelicht. Der Sohn wurde frühzeitig zur Erlernung der lateinischen und griechischen Sprache angehalten, wobey er aus eigenem warmen Triebe die Ton- und Zeichenkunst übte. Im 17. Jahre ging er nach Leipzig und genoß daselbst noch zwey Jahre den Unterricht des großen J. Sebast. Bach in der Tonkunst. Im J. 1749 kam er zuerst nach Koburg und gleich darauf als Kanzellist nach Kloster Banz wegen seiner schönen Handschrift, wobey ihm zugleich die Organistenstelle nächst Koburg übertragen wurde. Im J. 1751 wurde er als Kantor nach Wallsdorf bey Bamberg, und von da 1752 an dieselbe Stelle nach Mainstockheim befördert. Seitdem hat man ihn noch als Schulkollegen nach Schweinfurt, als Kapellmeister an einen benachbarten fürstl. Hof und zuletzt noch als Schreibmeister auf eine berühmte Universität verlangt, er ist aber seinem Mainstockheim getreu geblieben. Von seinen musikalischen Werken werden angegeben: 1) Zwey vollständige Jahrgänge von vollstimmigen Kirchenkantaten auf alle Fest- und Sonntage, in Musik gesetzt. Mst. 2) XII Trio's für die Orgel mit 2 Manualen und Pedal. Mst. 3) VI Klaviersonaten, nebst vielen anderen Klaviersachen. Mst. 4) Singende Muse am Main, 1776 von ihm selbst in Kupfer gestochen. 5) Zweyter Theil seines technischen Werks: Für Orgel- und Instrumentenmacher, gedruckt zu Nürnberg in der Weigelschen Kunsthandlung ums Jahr 1798.1

Anmerkung:

Auch Gerber, der das seiner Zeit maßgebliche Musikerlexikon geschrieben hat, stützt sich auf den unter (1) abgedruckten Aufsatz, beschränkt sich aber auf die musikalischen Werke.

(6) F. J. Fétis: „Biographie universelle des musiciens et Bibliographie générale de la Musique“, Paris 1865, S. 506

ZANG (JEAN-HENRI), cantor, compositeur, écrivain, chimiste, facteur d'instruments, mécanicien, dessinateur, calligraphe, etc., naquit, le 13 avril 1733, à Zella-Saint-Blaise, dans le duché de Gotha. Son père, lieutenant hongrois, s'était retiré dans ce lieu. Zang était destiné à cultiver les lettres grecques et latines, mais la musique avait tant d'attraits pour lui, qu'il négligea les autres études pour se livrer uniquement à celle de cet art. Ayant élé envoyé à Leipsick, il y reçut, pendant deux ans, des leçons de clavecin et d'orgue. En 1740, il accepta un emploi civil à Cobourg, puis il occupa quelque temps celui d'organiste à Hohenstein, près de cette ville. En 1751, il fut appelé, comme cantor, à Wallsdorf près de Bamberg, et, dans l'année suivante, il alla occuper une position semblable à Stockheim sur le Mein, en Bavière, ou il eut une longue carrière. Il y mourut le 18 août 1811, à l’âge de soixante-dix-huit ans. Gerber cite de lui les compositions suivantes: La Muse chantante du Mein, gravée par lui même sur des planches de cuivre. 2⊦dm; Deux années complètes de cantates d'église pour tous les dimanches et fêtes, en manuscrit. 3⊦dm; Douze trios pour l'orgue à deux claviers et pédale, idem. 4⊦dm; Six sonates pour le clavecin, avec d'autres pièces, idem. Zang avait travaillé pendant presque tonte sa vie à une collection de manuels des arts et métiers, sous le titre: Des Kunst und Handwerks- Buchs, etc.; il en publia la première partie contenant l'art du tonnelier, à Nuremberg, chez Schneider et Weigels, en 1798, un volume petit in-8⊦dm;, avec des planches dessinées et gravées par lui-même. La seconde partie est intitulée: Der Vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe (Le Parfait Facteur d'orgue, ou science de l'examen de l'orgue et de la soufflerie), Nuremberg, chez les mêmes, 1804, petit in-8⊦dm; de 175 pages, avec une préface et deux planches. Une deuxième édition de cette seconde partie a paru chez les mêmes, en 1810, et une troisième, en 1829, toutes in-8⊦dm;. Ce livre est un bon ouvrage, ou l'on remarques des principes de construction plus certains que les tâtonnements et la routine des facteurs ordinaires.1

Übersetzung: OStR G. Weber, Armin-Knab-Gymnasium Kitzingen:

„Zang (Johann Heinrich), Kantor, Komponist, Schriftsteller, Chemiker, Instrumentenbauer, Kalligraph, etc. wurde am 13. April 1733 in Zella-St.Blasien, im Herzogtum Gotha geboren. Sein Vater, ungarischer Leutnant, hatte sich an diesen Ort zurückgezogen. Zang sollte griechische und lateinische Philologie studieren, aber die Musik zog ihn so sehr in ihren Bann, daß er die anderen Studien vernachlässigte, um sich ganz dieser Kunst zu widmen. Er wurde nach Leipzig geschickt und erhielt dort 2 Jahre lang Cembalo- und Orgelunterricht. 1749 nahm er eine Beamtenstelle in Coburg an, dann hatte er eine Zeit lang die Stelle eines Organisten auf Hohenstein nahe dieser Stadt inne. 1751 wurde er als Kantor nach Wallsdorf bei Bamberg berufen, und im folgenden Jahr nahm er eine ähnliche Stelle in Stockheim am Main, in Bayern, an, wo er eine lange Karriere hatte. Dort starb er am 18. August 1811 im Alter von 78 Jahren. Gerber zitiert von ihm die folgenden Kompositionen: 1. „Die singende Muse am Main", von ihm selbst in Kupfer gestochen. 2. Zwei komplette Jahreszyklen von Kirchenkantaten für alle Sonn- und Feiertage, als Manuskript. 3. 12 Triosonaten für zweimanualige Orgel und Pedal, ebenso als Manuskript. 4. 6 Cembalosonaten mit anderen Stücken, ebenso als M. Fast während seines ganzen Lebens hatte Zang an einer Sammlung von Handbüchern über Kunst und Handwerk gearbeitet, unter dem Titel „Kunst und Handwerksbuch" etc.; den ersten Teil über die Kunst des Küfners veröffentlichte er in Nürnberg bei Schneider und Weigels 1798, ein Bändchen im Oktavformat, mit von ihm selbst entworfenen und gefertigten Kupferstichen. Der zweite Band hat den Titel „Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe", Nürnberg, gleiche Verleger, 1804, Oktavband von 175 Seiten, mit Vorwort und 2 Kupferstichen. Eine 2. Ausgabe dieses 2. Teils erschien bei den gleichen Verlegern 1810, und eine dritte 1829, alle im Oktavformat. Dieses Buch ist ein gutes Werk, in dem sicherere Konstruktionsprinzipien als die tastenden Versuche und die Routine der gewöhnlichen Orgelbauer zu erkennen sind.“

Anmerkung:

Der Verfasser dieses Artikels stützt sich in erster Linie ganz auf das Lexikon von Gerber, hat sicher aber auch andere Quellen gehabt, da er den Todestag Zangs nennt und auch das Orgelmacherbuch kurz bespricht. Druckfehler beim Geburtstag: 13. statt 15. April 1733!

(7) Robert Eitner: „Biographisch-Bibliographisches Quellenlexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts“, Leipzig 1900-1904, Bd. 10, Seite 324f

Zang, Johann Heinrich, geb. zu Zella St. Blasii im Gothaischen am 15. April 1733. Im 17. Lebensjahre ging er nach Leipzig und soll Seb. Bach's Unterricht genossen haben (das wäre 1750 in Bach's Todesjahre gewesen). 1749 soll er aber nach Koburg gegangen sein und Kanzelist geworden, wo er auch nebenbei Organist auf dem Hohenstein bei Koburg wurde. 1751 erhielt er die Kantorei zu Wallsdorf bei Bamberg und 1752 die zu Mainstockheim, dann wurde er Schulkollege in Schweinfurt und zugleich Kapellmeister am nahe gelegenen fürstl. Hofe.
Gerber 2 führt mehrere Jahrgänge Kirchenmusik u. a. an, bez. ihn auch als einen praktischen und erfindungsreichen Instrumentenmacher. Bekannt ist von ihm nur ein schriftstellerisches Werk: Der vollkommene Orgelmacher, oder Lehre von der Orgel und Windprobe, der Reparatur und Stimmung der Orgeln und anderer Saiten-Instrumente von … (Des Kunst- und Handwerks-Buchs zweyter Theil.) Nürnberg 1804 A. G. Schneider und Weigel. 8⊦dm; mit Taf. [B.B. B. Lpz. Brüssel. Musikfr. Wien. Einsiedeln.]1

Anmerkung:

Hier wird zum erstenmal auf den bei (1) besprochenen Fehler (im 17. Lebensjahr...) hingewiesen. Die in (1) und (5) angeführten Angebote an Zang werden fälschlicherweise als Tatsachen angegeben.

(8) Hermann Abert: „Illustriertes Musik-Lexikon“, Stuttgart 1927, Seite 527

Zang, Joh. Heinrich, * 13. 4. 1733 in Zella St. Blasii (Gotha), † 18. 8. 1811 als Kantor in Mainstockheim in Bayern. Schrieb Kirchenkantaten, Orgeltrios u.a. und gab heraus »Singende Muse am Main« (1776), ferner »Der Vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe« (1804).

Anmerkung:

Die Quelle dieses kurzen Abschnittes ist anscheinend das franz. Lexikon (6), da der Geburtstag Zangs wie dort falsch angegeben ist.

(9) H. Löffler: „Die Schüler Bachs und ihr Kreis“ in Zeitschrift für evangelische Kirchenmusik, Nürnberg 1930, Nr. 5, Seite 130

53. Johann Heinrich Zang * 1733 (15. 4.) in Zella St. Blasii am Thüringer Wald, Sohn des ehem. ungarischen Oberleutnants, lernte Sprachen, Zeichnen und Musik; in Zella lebten J. Chr. Schmidt, Chr. Jakob Schmidt und J. G. Schübler, der Kupferstecher, die wohl alle drei Beziehungen zu Seb. Bach hatten. Zangs Lehrer in der Komposition war der Kapellmeister J. Kaspar Heller in Saalfeld. 1748/9 war Zang in Leipzig „und genoß daselbst noch 2 Jahre den Unterricht des großen J. S. Bach in der Tonkunst" (Gerber). Zang selbst erwähnt im „Vollkommenen Orgelmacher" (1804) Seb. Bach als Vorbild für das Choralspiel und nennt ihn unter den größten Musikern in Deutschland als Beförderer einer reinen und gleichschwebenden Temperatur, an erster Stelle. - 1749 in Coburg, Kanzellist im Kloster Banz und Organist auf Hohenstein bei Coburg, wurde er 1751 Kantor in Wallsdorf, 1752 bis 1811 ebenso in Mainstockheim, wo er 1811 am 18. August starb, 79 Jahre alt. - Er war Komponist, Kantor, Instrumentenmacher, Schönschreiber, Schriftsteller, Zeichner, ja auch Maschinenmeister und Chemiker. Seine „Lehre von der Orgel" war ein Vorläufer von Töpfers Orgelbuch; Zang war ein Gegner der Mixturen.

Anmerkung:

Hier wird zum erstenmal der Fehler für den Unterricht bei Bach richtig gestellt. Der Verfasser kennt anscheinend Zangs Orgelmacherbuch.

(10) W. Schumann, Zella-Mehlis: „Bach-Erinnerungen aus Zella-Mehlis“ in: Bach in Thüringen, Berlin 1950, S. 91f

Und Johann Georg Schübler ist nicht der einzige Bachschüler aus Zella St. Blasii. Von einem Coburger Musikhistoriker P. Peters-Marquardt kam mir die Nachricht über Johann Heinrich Zang, der nach Ausweis unseres Taufbuches am 15. April 1733 in Zella St. Blasii geboren ist als Sohn des Weißgerbermeisters Johann Georg Zang. Nach Peters Angaben soll dieser Johann Georg Zang ein ungarischer Oberleutnant gewesen sein und sich in Zella niedergelassen haben. Sein Sohn sei durch Schübler (oder durch Schmidt …) zu Bach gekommen und in Leipzig sein Schüler gewesen. 1749 soll er bereits in Coburg als Kanzlist tätig gewesen sein, daneben aber auf Schloß Banz und auf Schloß Hohenstein, wo die Orgel aus der Zeit von 1700 noch erhalten sein soll, als Organist gewirkt haben.
Ferner machte mich Dr. Günther Kraft darauf aufmerksam, daß die ebenfalls in unsrer oben erwähnten Matrikel verzeichneten Vorgänger Johann Heinrich Schüblers im hiesigen Organistenamt Bachschüler gewesen seien, nämlich Johann Schmidt, geboren 1674 zu Remstedt, von 1694 bis 1746 … - Und schließlich Johann Jacob Schmidt (1707 bis 1768), Nachfolger seines Vaters im hiesigen Organistenamt, nach Kraft möglicherweise der „Faber“, dem Bach 1749 einen Canon widmete. Er soll mit Zang in Verbindung gestanden haben.

Anmerkung:

Da dieser Aufsatz, den wir im Auszug, der J. H. Zang betrifft, bringen, sich auf ganz andere Quellen stützt, ist er für uns besonders interessant. Hier erfahren wir auch, dass Zangs Vater sich als Weißgerbermeister in Zella St. Blasii niedergelassen hat.

(11) „Encyclopédie de la Musique“, Paris 1961, S. 932

ZANG Johann Heinrich. Mus. allem. (Zella St-Blasii 13. 4. 1733 - Mainstockheim 18. 8. 1911). Elève de J.-S. Bach à Leipzig, il fut org. et cantor à Cobourg, Walsdorf près Bamberg, Mainstockheim et Schweinfurt; il édita Singenden Muse am Main (1776) et rédigea Der vollkommene Orgelmacher… (1804); on connaît de lui des sonates d'église et de p., des trios av. orgue. F.W.R.

Anmerkung:

Die beiden kurzen Einträge (11) und (12) in den französischen und italienischen Musiklexika geben beide den Geburtstag Zangs falsch an, (11) übernimmt zudem den Fehler von Eitner (Schweinfurt!). Druckfehler in (11): 19(!)11.

(12) „Enciclopedia della musica“, Mailand 1964

ZANG Johann Heinrich (Zella St. Blasii presso Gotha 13 IV 1733 - Mainstockheim 18 VIII 1811). Organista e compositore. Dopo essere stato per due anni allievo di Bach a Lipsia, fu nel 1751 Kantor a Wallsdorf (Bamberg) e dal 1752 a Mainstockheim.
PUBBL.- Singende Muse am Main (Würzburg 1776); Kunst- und Handwerksbuch (la 2⊦df; parte con il tit. Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe, Norimberga 1798; rist. 1804, 1810 e 1829).
COMPS.- Cantate; trii con org.; sonate per pianoforte.

Anmerkung:

Die beiden kurzen Einträge (11) und (12) in den französischen und italienischen Musiklexika geben beide den Geburtstag Zangs falsch an, (11) übernimmt zudem den Fehler von Eitner (Schweinfurt!). Druckfehler in (11): 19(!)11.

(13) Dr. Friedrich Blume (Hrsg.): „Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik“ (MGG), Kassel 1968, Bd. 14, Seite 1004f

Zang, Johann Heinrich, * 16. April 1733 in Zella St. Blasii, † 18. Aug. 1811 in Würzburg. Zang war 1748/49 möglicherweise Schüler von J. S. Bach in Leipzig, anschließend weilte er in Coburg und war dort Schüler von J. K. Heller, sodann Kanzlist am Kloster Banz und Org. auf Schloß Hohenstein b. Coburg. 1751/52 wirkte er als Kantor in Walsdorf b. Bamberg, vom 7. Nov. 1752 an als Kantor und Lehrer in Mainstockheim. Er betätigte sich auch als Schriftsteller, Schreibmeister und Kupferstecher.
Werke. A. Schriften: Calligraphia oder Selbstlehrende Schönschreibkunst, o. O. u. J., wahrscheinlich 1762, Selbstverlag; Vollkommene Büttner- oder Küferlehre, Mainstockheim 1790, Selbstverlag, Schweinfurt 2/1794, J. S. Fr. Riedel, m. dem Titel Des Kunst- u. Handwerksbuchs erster Theil als 2. Aufl. Nürnberg 1804, A. G. Schneider u. Weigel, u. ö.; Des Kunst- u. Handwerks Buchs zweyter Theil… Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre v. der Orgel u. Windprobe, Nürnberg 1804, Schneider u. Weigel, 2/1810, 3/1829. ¤ B. Kompositionen: Singende Muse am Mayn, Nürnberg u. Würzburg 1776. - Laut Gerber ungedr., nicht mehr nachweisbar: 2 Jge. Kirchenkant.; 6 Kl.-Son.; 12 Trios f. Org. m. 2 Kl. u. obl. Ped.
Von Zangs mus. Arbeiten hat lediglich das Kunst- und Handwerksbuch Bedeutung und weitere Verbreitung erlangt. Die von ihm dargestellten Prinzipien der Dispos. und Registrierung sind bezeichnend für das Klangideal der Orgel um die Jh.-Wende; Zang bevorzugt grundtönige St., lehnt Quint- und Terzchöre ab, auch in zusammengesetzten St., gibt das Werkprinzip weitgehend auf und disponiert das Ped. ausschließlich als Baßklavier.
Literatur: Artistisch-Literarische Bl. v. u. f. Franken I, Würzburg 1808, 135-137; GerberNTL; EitnerQ; G. Ch. Hamberger - J. G. Meusel, Das gelehrte Teutschland 21, Lemgo 1827, 753; H. Löffler, Die Schüler J. S. Bachs u. ihr Kreis in Zs. f. ev. KM. VIII, 1930, 130; W. M. Brod, Nulla dies sine linea in Mainfränk. Hefte 51, Würzburg 1968; Persönliche Mitt. an den Verf. v. Bach-Arch. Leipzig, W. Plesch, O. Selzer, Chr. Stroux. Johannes Heinrich

Anmerkung:

Das MGG ist das derzeitig umfassendste Musiklexikon. Der Verfasser des Artikels über Zang hat sich sehr gründlich mit den ihm zugänglichen Quellen beschäftigt. Von den erst später in der Bayer. Staatsbibliothek aufgefundenen sieben Kantaten Zangs konnte er noch nichts wissen. Leider gibt er den Geburtstag Zangs falsch an.

© 1968 by Prof. Dr. Johannes Heinrich; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

(14) The New GROVE - Dictionary of Music and Musicans, London 1980

Zang, Johann Heinrich (b Zella St Blasii, nr. Gotha, 13 or 16 April 1733; d probably Würzburg, 18 Aug 1811). German composer, organist and writer. He may have been a pupil of J. S. Bach in Leipzig in 1748-9; he spent some time in Coburg and took lessons from J. K. Heller before working as a government official in Banz and organist at Hohenstein Castle, near Coburg. In 1751-2 he was Kantor at Walsdorf near Bamberg, and then Kantor in Mainstockheim. All his music is lost; but his own writings (as well as Gerber and Eitner) make clear that he composed two complete cycles of cantatas for the church year, six keyboard sonatas and 12 trios for two-manual organ with obligato pedal parts. He edited the collection Singende Muse am Mayn under the pseudonyms 'Forceps' in Würzburg and 'Ighnaz' in Nuremberg (both 1776). His Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe, published in Nuremberg in 1798 as the second part of Des Kunst- und Handwerksbuchs (the first part was originally published in 1796 as Vollkommene Büttner- oder Küferlehre), provides an interesting insight into the preferred organ sound at the turn of the century. Zang favoured fundamental stops, rejecting Quint and Tierce stops alone or in combination; he largely abandoned the Werkprinzip and used the Pedal organ exclusively to provide bass support.

BIBLIOGRAPHY

EitnerQ; GerberNL
Artistisch-literarische Blätter von und für Franken, i(1808), 135
H. Löffler;'Die Schüler J. S. Bachs und ihr Kreis', Zeitschrift für evangelische Kirchenmusik, viii(1930), 130 based on MGG(xiv, 1004-5) by permission of Bärenreiter JOHANNES HEINRICH.

Übersetzung: OStR G. Weber, Armin-Knab-Gymnasium Kitzingen:

„Zang, Johann Heinrich (geb. in Zella St. Blasii, bei Gotha, 13. oder 16. April 1733, gest. wahrscheinlich in Würzburg, 18. August 1811). Deutscher Komponist, Organist und Verfasser von Schriften. Vielleicht war er ein Schüler J. S. Bachs in Leipzig 1748/49; er verbrachte einige Zeit in Coburg und nahm Unterricht bei J. K. Heller, bevor er als Regierungsbeamter in Banz und als Organist auf Schloß Hohenstein bei Coburg arbeitete. Von 1751 bis 1752 war er Kantor in Walsdorf bei Bamberg, und dann Kantor in Mainstockheim. Alle seine Kompositionen sind verloren, aber seine eigenen Schriften (ebenso wie Gerber und Eitner) wesen deutlich darauf hin, daß er 2 vollständige Kantatenzyklen für das Kirchenjahr, sechs Cembalosonaten und 12 Triosonaten für zweimanualige Orgel mit obligatem Pedal komponierte. Er gab die Sammlung „Singende Muse am Mayn" unter den Pseudonymen „Forceps" in Würzburg und „Ignaz" in Nürnberg heraus (beide 1776). Seine Schrift „Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe", erschienen 1798 in Nürnberg als der 2. Teil des „Kunst- und Handwerksbuchs" (der erste Teil war ursprünglich 1796 erschienen als „Vollkommene Büttner- oder Küferlehre"), erlaubt einen interessanten Einblick in den an der Jahrhundertwende bevorzugten Orgelklang. Zang hatte eine Vorliebe für Fundamentalbaß-Register und lehnte Quinten- und Terzregister für sich allein oder in Kombination ab; er gab weitgehend das „Werkprinzip" auf und verwendete die Pedalorgel ausschließlich als Baßstütze.“

Anmerkung:

Der selbe Bearbeiter wie beim MGG: Auch hier ist der Geburtstag falsch angegeben. Die Pseudonyme "forceps"=Zange und "Ighnaz" (muss wohl heißen Ihgnaz) ist die Umkehrung seines Namens J. H. Zang.

© 1980 by Prof. Dr. Johannes Heinrich; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

(15) Walter M. Brod: „Fränkische Schreibmeister und Schriftkünstler“, Mainfränkische Hefte, Heft 51, Würzburg 1968

Bis gegen Ende des Jahrhunderts klafft nun wieder eine große Lücke, in der wir weder Schreibmeister noch schreibmeisterische Werke bis jetzt feststellen können. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, der Zeit des ausklingenden Rokoko und des Klassizismus, treffen wir in Franken auf eine Reihe hervorragender kalligraphischer Werke. Es sind dies vornehmlich mit besonderer Hingabe und Liebe künstlerisch geschriebene Urkunden und Bücher. Wenn wir die Nennung dieser Kalligraphen vorerst zurückstellen, um bei den Schreibmeistern zu bleiben, dann eröffnet die Reihe der letzten großen Schreibmeister Johann Heinrich Zang, Kantor in Mainstockheim bei Kitzingen. Zang war eine außergewöhnlich vielseitige Persönlichkeit, deren erste Würdigung wir schon 1808 Professor Dr. Johann Barthel von Siebold im ersten Jahrgang seiner »Artistisch-Literarischen Blätter von und für Franken«57 verdanken. Von Siebold gibt einen kurzen Lebenslauf des Künstlers und berichtet eingehend über sein künstlerisches und schriftstellerisches Werk. Nach von Siebolds Angaben stammt Johann Heinrich Zang aus Zella St. Blasii (heute Zella-Mehlis) in Thüringen, wo er am 15. April 1733 als Sohn eines Offiziers geboren wurde.58 In Leipzig war Zang schon in sehr jungen Jahren Schüler von Sebastian Bach; 1749 wurde er wegen seiner guten Handschrift Kanzlist in der Abtei Banz, gleichzeitig versah er auch die Stelle eines Organisten in Hohenstein (Gemeinde Schafhof, Landkreis Coburg) bei Coburg; 1751 wurde er Kantor in Walsdorf bei Bamberg, 1752 übersiedelte er nach Mainstockheim, wo er über 50 Jahre als Kantor, Organist und Schulmeister segensreich wirkte. Zang hat ein besonders schönes und vielseitiges Schreibmeisterbuch hinterlassen. Seine Anweisungen zum Erlernen der Schönschreibkunst wenden sich an die Eltern, die Kinder und auch die fortgeschrittenen Schüler.

Das Buch trägt in einer kalligraphischen Schnörkelumrahmung den Titel: »Calligraphia / oder / Selbstlehrende / Schönschreibkunst. / Herausgegeben von / Johann Heinrich Zang, Cantor / in Maynstockheim bey Würzburg« (Abb. 15). Zang baut in seiner Anleitung den Unterricht systematisch zum Selbstlernen auf. Von den bekannten Schreibmeiterbüchern dieser Zeit ist das des Cantors Zang das umfangreichste. Es umfaßt 38 Blätter, davon 7 Falttafeln. Die Bayerische Staatsbibliothek München besitzt das einzige vollständig erhaltene Exemplar dieses Lehrbuches.59 Zang hat das Buch nicht nur verfaßt, sondern die Schriftmuster und Vorlagen auch selbst gestochen, wie vielfache Signaturen »Zang scrips. et sculps.« erweisen. Fast jedes Blatt ist mit Zugwerkumrahmung und symbolischen Figuren geschmückt. Im einzelnen werden Anweisungen und Alphabete der Kurent-, Kanzlei- und Frakturschrift geboten, ferner Initialalphabete und Zahlenreihen, dann bildliche Darstellungen (Abb. 16) und auf den Falttafeln Urkundenmuster. Zang war ein durchaus ernst zu nehmender Lehrer, dem aber auch der Sinn für Humor nicht abging. Dies zeigt sich bei den Mustern der Urkunden in den erfundenen Namen. So treten z. B. auf: der »Hof- und Feldtrompeter Blasius Clarini« der »Revierjäger Wolf Schiessgern zu Hirschfeld«, der »Instrument- und Orgelmacher zu Pfeifersheim« und der »Kauf- und Handelsmann Leo Pard«. Das Lehrbuch Zangs steckt so voller Schönheiten und Kunstfertigkeit, daß es wirklich verdient, so ausführlich hier erwähnt zu werden. Wo und von wem das Werk Zangs gedruckt wurde, ließ sich bis jetzt nicht feststellen. Die Datierung Doedes auf die Zeit 1740 ist nicht haltbar. Das Wappen des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim, der von 1755 bis 1779 regierte, auf einem der Urkundenformulare weist auf die Zeit der Regierung dieses Fürstbischofs hin; denn das Werk setzt einen reifen Lehrer und einen geschulten Künstler voraus, was für Johann Heinrich Zang zutrifft. Nach von Siebold erschien diese »selbstlehrende Kalligraphie« im Jahre 1762.

Über das Leben Zangs in Mainstockheim können wir leider nicht allzu viel berichten, da ein Brand im Pfarrhaus im 19. Jahrhundert alle Archivalien vernichtet hat.60 1792 erwähnt ihn Georg Fr. Kasimir von Schad in seiner brandenburgischen Pinakothek61 als Schulmeister und »zugleich mittelmäßigen Kupferstecher«; er nennt von ihm die Neuauflage eines Kupferstich-Prospektes der Stadt Kitzingen aus dem Jahre 170562 und einen Prospekt des 1555 abgebrannten Schlosses Dachsbach. Thieme-Becker übernimmt Zang ohne Angabe des Vornamens als »Vedutenstecher« mit der falschen Datierung 1705.63 Zang war dreimal verheiratet; seine dritte Frau starb am 8. August 1800 in Mainstockheim. Bald nach dem Tode seiner Frau hat er wohl sein Amt als Lehrer und Kantor aufgegeben; an einer Stelle heißt es: »weil er auf Abwegen gegangen war«; dabei können seine vielseitige Korrespondenz, seine Schriftstellerei oder seine Reisetätigkeit gemeint sein. Sicher zeigt sich, daß sein stets tätiger Geist im Rahmen der einfachen Kantorstelle nicht ausgefüllt war. Seiner vielseitigen Feder verdanken w»r noch ein Werk über die Büttner- und Küferlehre, sowie über den Orgelbau. Die Büttner- und Küferlehre erlebte drei Auflagen. Die zweite und dritte Auflage des Werkes konnte ich selbst einsehen.64 Aus der Vorrede zur zweiten Auflage erfahren wir noch, daß Zang ein Werkchen, »Die Kunst Mosaische oder Musivbilder von puren Naturalien aus den drey Reichen der Natur zu verfertigen, für Maler, Schreiner, Zeichner, Zimmerleute und Maurer, mit 18 Zeichnungen« geschrieben hat.65 Zang hat sich auch selbst in dieser Kunst versucht und dabei Beachtliches geleistet. Ein weiteres Werkchen wurde von ihm verfaßt, »für Holz- und Metallarbeiter, in gleichem für Gerber, Färber und andere Künstler bestimmt, mit 21 Kupfern« Auch als Komponist ist Zang in Mainstockheim hervorgetreten. Es werden von ihm verschiedene musikalische Werke erwähnt, u.a. »Die singende Muse am Main« mit Melodien. Leider konnte ich von diesen Veröffentlichungen keine Exemplare nachweisen.66
Johann Heinrich Zang starb am 18. August 1811 im 79. Lebensjahr, nach Meusel67 im Juliusspital zu Würzburg.

Anmerkung:

Dr. Brod behandelt in seinem Buch das Kalligraphische Werk Zangs besonders ausführlich und genau. - Der Satz zur  Anmerkung 60  stimmt natürlich nicht. Zu dieser Zeit waren über das Leben und Werk Zangs bereits die ausführlichen Veröffentlichungen von Oberlehrer Otto Selzer erschienen, der aus dem Pfarrarchiv und aus dem Gemeindearchiv die Nachrichten über Johann Heinrich Zang zusammengetragen hatte.

© 1968 by Dr. Walter Brod; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

  • 57. Erschienen als »Begleitungs-Schrift zur fränkischen Chronik« (= Bonaventura Andres: »Neue Fränkische Chronik« Drittes Jahr, 1808, Würzburg bei Carl Philipp Bonitas). Der Bericht über Zang findet sich in dem in Fortsetzungen erschienenen Aufsatz: »Würzburgs Schriftsteller, Künstler und Sammlungen« S. 135/37 in Nr. XXIII, Würzburg, den 18. Juni 1808. Leider ist die angekündigte Fortsetzung nicht mehr erschienen, da sowohl die Neue Fränkische Chronik wie die Artistisch-Literarischen Blätter ihr Erscheinen mit dem Jahrgang 1808 einstellten.
  • 58. Der Vater war Johann Georg Zang, ehemaliger königl. ungarischer Oberlieutenant im Regiment Heister. Zang hatte sich in Zella niedergelassen und die Bürgerstochter Rosina Christina Schmidt geheiratet.
  • 59. Sign. Chalc. 164. Ein weiteres Exemplar, jedoch unvollständig - es fehlen die Falttafeln - besitzt die Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg: Sign. W 1011 m quer - 8⊦dm;. Im letzten Jahr erwarb die Universitätsbibliothek in Würzburg aus dem Kunsthandel ein Exemplar. Vgl. Doede »Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher…«[149], S. 92. Nach einem Vermerk im Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek München wird als Druckort »1766 Hildburghausen Hanisch« angegeben.
  • 60. Für freundliche Auskunft danke ich Herrn Pfarrer Zobel in Mainstockheim.
  • 61. »Versuch einer brandenburgischen Pinacothek oder Bildergallerie… der beyden Fürstenthümer in Franken Anspach und Bayreuth« Nürnberg und Leipzig 1792, S. 216.
  • 62. Es handelt sich um die Stadtansicht von Laurenz Schmid. 1770 fertigte Zang die neue Kupferplatte. Die Herausgabe der Ansicht besorgte Johann Valentin Schmid, der Sohn des Laurenz.
  • 63. Thieme-Becker, 36. Bd., Leipzig 1947, S. 406.
  • 64. Titel der 1. Auflage: »Vollkommene Büttner- und Küferlehre« herausgegeben von einer Gesellschaft zur Förderung der Künste. Vorrede unterschrieben Johann Heinrich Zang. Erschienen 1790 im eigenen Verlag (Mainstockheim). - 2. Auflage: »Der vollkommene Büttner oder Küfer« Des Kunst- und Handwerksbuch Erster Teil, welcher die vollkommene Büttner- oder Küferlehre nebst Aufgaben für Weinhändler, Keller ingleichen für Wein- und Bieressigsieder, Branntwein- und Liqueurbrenner enthält… mit 38 Kupfertafeln. Des Kunst- und Handwerksbuchs zweyter Theil von der Orgelbaukunst… »Der vollkommene Orgelmacher oder Lehre von der Orgel und Windprobe, der Reparatur und Stimmung der Orgeln und anderer Saiten-Instrumente« von Johann Heinrich Zang. Mit zwey Kupfertafeln, Nürnberg… Adam Gottlieb Schneider und Weigel 1804. Fundort: Würzburger Privatbesitz. - 3. Auflage: »Die vollkommene Büttner oder Küferlehre« Dritte Auflage von einem praktischen Technologen durchaus verbessert und vermehrt. Mit 38 Kupfertafeln, Frankfurt am Main in der Jägerschen Buch- Papier und Landkartenhandlung, ohne Jahr; (jedoch nach 1813 oder später). Bibliothek des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg Sign. 8⊦dm; V. 3365.
  • 65. Das Mainfränkische Museum hatte vor kurzem das Glück, aus Würzburger Privatbesitz zwei signierte Musivgemälde Zangs zu erwerben. Es handelt sich um Stücke aus einem Cyklus von Monatsbildern, und zwar um die Darstellung des Monats Oktober (sign. S. 49 309), datiert 15. Oct. 99, und des Dezembers (S. 49 308), datiert 9. Mai 1801, Größe ca. 61,5 x 47,5 cm. Über die sogenannten Musivbilder vgl. u. a. F. G. Benkert: »Joseph Bonavita Blanks Beschreibung seiner Musivgemälde« 2. Ausgabe, Würzburg 1820.
  • 66. Mit der Bedeutung Zangs auf dem Gebiet der Musik befaßt sich zur Zeit Professor Dr. Johannes Heinrich, Pädagogische Hochschule Westfalen-Lippe; seine Biographie Zangs wird in der Enzyklopädie »Die Musik in Geschichte und Gegenwart« die in Lieferungen im Bärenreiter-Verlag, Kassel, erscheint, veröffentlicht. Über Zang als Musiker und Komponist finden sich schon Notizen in Robert Eitner: »Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten« 9. Bd., Leipzig 1903, S. 325; und in Riemanns »Musik-Lexikon« 12. Auflage, herausgegeben von Willibald Gurlitt, Mainz 1961, S. 959/60. Ich danke auch an dieser Stelle Herrn Prof. Dr. Heinrich für seine Hinweise und den bereitwilligen Austausch der Forschungsergebnisse.
  • 67. Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, Lemgo 1827, Bd. 16, S. 296/297 und Bd. 21, S. 753 und Teutsches Künstlerlexikon, Lemgo 1808-14, Bd. 3, S. 575/576