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(2) Der zehnjährige Joh. Heinrich Zang in der Schule in Zella (1743)

Archiv der fürstlich-schwarzenburgischen Superintendentur Arnstadt

Schul=Tabella über die Schul=Knaben
    zu Zella
    Bey der Special=Visitation,
    so den 5. Augusti, Anno 1743
    gehalten worden, gehor=
    samst übergeben
    von

Johann Georg Wedeln, Cant.
    und Schul=Collegen daselbst.

   Verkleinerte Ablichtung der Schülerliste „der 1ten Claß“:

Schülerliste „der 1ten Claß“:
Anmerkung:

Der Kantor und Schulmeister Joh. Georg Wedel ist wahrscheinlich der Vater des Paten Zangs, der im Taufeintrag als „der Schreiber“ angegeben ist.
Nachdem der vorliegende Akt im Archiv der fürstlich-schwarzenburgischen Superintendentur in Arnstadt liegt, ist anzunehmen, daß der Schulinspektor für Zella ein Arnstädter Pfarrer war (geistliche Schulaufsicht!).

Zur Notenliste:

In den 16 Hauptspalten finden wir zunächst die „Namen der 1ten Claß Superiores“. Nach dem Alter kommt die Spalte Ingen. Ich vermute, daß es sich um eine Abkürzung für Ingenium = Geistesgaben, Begabung allgemein, handelt. Die Versäumten Stunden sind dreifach abgeteilt: Wir können annehmen, daß die Abkürzungen c.v., s.v. und Kr. vielleicht cum verdictum = mit Urteil, Bestrafung, Schuld und sine verdictum = ohne Schuld, sowie krank bedeuten.
Es folgen Catech[ismus] gantz, Kurzer Begriff gantz, Christl. Lehr Puncten. alle, Sprüch alle, Reymgebete alle, Psalm alle, Lesen mit den Unterspalten gedr. (= gedruckte Schrift) und Br. (= Brief-Schrift ?), Schreib[en], Rechn[en] Regul de Tri, Singen, Mores (= Sitten, Betragen) und Mangel.
Anscheinend wurde ein vierstufiges Notensystem angewendet mit den Bezeichnungen fein = 1, ziemlich (= geziemend) = 2, so hin = 3 und schlecht = 4. In Singen unterscheidet der Kantor in Chor[aliter] und Figur[aliter], in Mores in fleißig, fromm, still, muthwillig, unfleißig, träg und faul.
Als 13. Schüler ist der 10jährige Joh. Heinrich Zang aufgeführt. Er hat 33 Stunden „s.v.“, also entschuldigt, gefehlt, hat in seinen Geistesgaben ein „fein“, also sehr gut, in „Catechismus“, „Kurzer Begriff“ und „Christl. Lehr“ ein „ziemlich“, also gut. Und in den anderen Fächern ein „fein“, sehr gut. In Musik (= „Singen“) bekommt er „figuraliter“, er kann also im Chor eine figurierte Stimme singen (wie sollte es anders sein!) und ist im Betragen („Mores“) „fleißig“.
Diese Notenliste Zangs, die uns von einem Freund der Zang-Gesellschaft in Zella-Mehlis besorgt wurde, ist für uns ein ganz wichtiges Zeugnis aus Zangs Jugend, über die wir ja noch sehr wenig wissen.