Johann Heinrich Zangs „Vollkommener Orgelmacher“

4. Registerverzeichnis

Ganz in der bis heute wirksamen Tradition der Orgelbücher liefert ZANG ein Verzeichnis der ihm bekannten Orgelregister31. Es handelt sich nicht um eine Systematik, sondern eher um ein Glossar: das Verzeichnis ist alphabetisch geordnet und enthält zu jedem Register i.d.R. nur knappe Informationen: die Zuordnung zu den Gruppen der „Flötenregister“ und der „Zungen-, Rohr- oder Schnarrwerke“, Fußton, Material, evtl. auch noch eine knappe Charakterisierung des Klanges. Das sieht z.B. so aus:

10.) Bordun, ist ein Register das mehrentheils gedeckt wird, 16 und 32 Fußton, man nimmt es ins Manual und Pedal. In Salzburg steht ein Bordun von Zinn im Gesichte, als Prinzipal von 16 Fuß.

11.) Choralbasset, ist ein sehr junges Bäßgen im Pedal 2 Fußton, auf Art einer Baurenflöte, wird von Zinn gemacht.32

oder, etwas ausführlicher

60.) Piffara, ist ein italiänisches Wort, und heißt eine Flöte oder Querpfeife, daher piffare c. voce chiara, hell und laut pfeifen. Diesem entgegen wird Piffara bey uns mehrentheils 8 Fußton, nicht hell, sondern gelinde gemacht, und wird durchs ganze Register etwas abwärts schwebend gestimmt, dazu wird gemeiniglich Salcional gezo|gen, welches eine sehr angenehme Schwebung, besonders zu traurigen Liedern oder Musiken verursacht.33

Folgende Register werden behandelt (Z=Zungen-, L=Labialpfeifen; G=gemischte Register; Fußzahl)34:

1.AngelikaZ, 8 
2.ApfelregalZ, 8 
3.BärenpfeifeL, 8 oder 16Ranket
4.BaßPedalstimmen 
5.BassanellZ, 4, 8 
6.BassonL, 8Fagottbaß
7.BaurenflöteLG, 4 
8.BlockflöteL, 4, 8, 16 
9.BombartZ, 8, 16 
10.BordunLG, 16, 32 
11.ChoralbassetLG, 2 
12.ChoralprästantL 4, 8 
13.ContrabaßL 16, G 32 
14.ContraposaunZ 16, 32 
15.CoppelLG 8 
16.CoppelM 3f.Quint+SOktav+Terz
17.CoppelflöteL 3, 4 
18.CornetbaßZ 2, 4 
19.CornetM 3-5f.Okt+Quinte+SOktav +Terz
20.CylinderquintL (3) 
21.CymbelM 2-5f.1 + 3/4 + 1/2
22.CymbeloktavL 1 
23.DezimaL 3 1/5 
24.DolcanL 4, 8 
25.DoppelflöteLG 
26.DulzianZ 8, 16, 32 
27.DulzflötL 4, 8 
28.EchoL 4 
29.FagottZ 8, 16, 32sh. 26
30.FeldpfeifeL 1, 2, 4 
31.FlachflöteL 2, 4, 8 
32.FlageoletL 2 
33.FlauteL 4, 8 
34.FlautenbaßL 4, 8 
35.FlötedouceLG 4, 8 
36.FugaraL 4, 8 
37.GedacktL 4, 8, 16, 32 
38.GeigenregalZ 8, 4 
39.GemshornL 4, 8, 16 
40.GemshornquinteL 1 1/2, 3, 6 
41.Glockenspiel echte Glocken
42.GlockentonL 2 
43.HautboisZ 4, 8 
44.HohlflöteL 4, 8, 16 
45.HohlquinteL 1 1/2, 3, 6 
46.JulaL 8 
47.JulaquinteL 6 
48.Jungfernregal sh. 38
49.KnöpfleinregalZ 4 
50.KrummhornZ 4, 8, 16 
51.KützialflöteL 2, 4 
52.MenschenstimmeZ [und LG], 8von a abwärts and. Reg.
53.MixturM 3-10f. 
54.NachthornLG 4, 8 
55.NasatL 1 1/2, 3, 6 
56.OctaveL 8, 4 
57.OctavbaßL 8, 16 
58.OndamareL 8 
59.PetitL 1 
60.PiffaraL 8 
61.PosauneZ 8, 16, 32 
62.Prästant, PrinzipalL 16, 8, 4 
63.QuerpfeifeL 8 
64.QuinteL 1 1/2, 3, 6, 12 
65.QuintatönLG 8, 16 
66.RanketZ 8, 16 
67.RauschpfeifeM 2f.2 + 1 1/2
68.RegalZ 4, 8, 16 
69.RohrflöteLG 4, 8, 16 
70.SalcionalL4, 8, 16 
71.ScarpaZ 4, 8 
72.SchallmeyZ 4, 8 
73.ScharfM 3f.2 + 1 1/2 + 1
74.SchreypfeifeL 2, 1 
75.SchwägelL 4, 8 
76.SchweizerpfeifeL 4, 8 
77.Serpent16 
78.SesquialteraL 3 1/5 
79.SifflötL 2 
80.SordunZ 8, 16 
81.Sordunregal 
82.SpitzflötL 2, 4, 8 
83.SubbaßLG 16, 32 
84.SuperoctavL 2 
85.TerziaL 3 1/5 
86.TerzianM 2f.3 + 3 1/5
87.TrompetZ 8 
88.ViolaL 4, 8 
89.Viola di gambaL 8, 16 
90.ViolonbaßL 8, 16 
91.Viol d’AmourL 4, 8 
92.Vox humanaZ 8s.o.
93.Vogelsgesang? 
94.WaldflöteL 2, 4, 8 
95.WaldquinteL 1 1/2, 3, 6 
96.WaldhornZ 4, 8 
97.ZinkZ 8ab c’
98.RaketZ 
99.CymbelregalZ 2, 4 
100.Stahlspielmetallene Klangstäbe 

(Es scheint, als hätte ZANG nach der Nr. 97 (Zink) noch die 100 voll machen wollen)

Nur wenige Register werden mit längeren Anmerkungen bedacht, so das Glockenspiel, die Vox Humana, die Mixtur, Prästant 1, Vogelsgesang.
Beim Glockenspiel geht Zang in einer Anmerkung sowohl auf die Konstruktion als Orgelregister ein als auch auf die Abmessungen und das Stimmen der Glocken. Hier findet sich übrigens auch ein Verweis auf einen 3. Teil der Handwerkslehre, der möglicherweise vom Glockengießen oder allgemeiner von Metallbearbeitung handeln sollte (vielleicht auch nur von Proportionen, der Verweis lässt mehrere Deutungen zu).
Bei Prästant wird erläutert, was unter 16-, 8- oder 4füßigen Orgeln zu verstehen ist, nämlich der Fußton des Prinzipals.
Bei „Menschenstimme“ (Vox Humana) ist die Registerbauart wohl noch nicht ganz gefestigt. Zang bevorzugt doppelte (übereinander montierte) Aufsätze und lehnt Vox-Humana-Flöten ab. Offenbar für einmanualige Orgeln (wie in Mainstockheim) ist der Rat gedacht,

wenn [die Vox Humana] nicht durch das ganze Manual herab gehen soll, daß von der letzten Pfeife an, es seye in a oder g bis zum großen C doch wenigstens das Register mit Trompetten oder andern Pfeifen, eines lieblichen | Rohrwerks, besetzt wird, um einen geschickten Organisten in der Ausübung seiner Kunst, nicht hinderlich zu seyn.35

ZANG möchte also die Vox Humana als Soloregister nutzen, braucht dann aber für die linke Hand auf dem selben Register noch Pfeifen (ein „liebliches Rohrwerk“), denn sonst müsste er zweistimmig spielen (eine ähnliche Einrichtung findet sich mittlerweile auf Keyboards).

Der Vogelsgesang ist nirgends mehr üblich, aber bei PRÄTORIUS erwähnt.36 Hier schlägt der aufklärerische Ernst zu: Auf keinen Fall könne PRÄTORIUS das „närrische kindermäßige Gezwitscher … von einer gantzen Schaar untereinander schreyender Vögel“ eines mit Wasser betriebenen Zwitscherwerks gemeint haben, „weil man in der Kirche, für Kinder, an einem dieser Instrumente genug hat“37 (NB man hat es doch!). Als echtes Register „durchs ganze Pedal“ ist der Vogelsgesang zu wenig genau beschrieben, es könnte ein Flageolett, aber auch ein Schnarrwerk sein.
Eine sehr umfangreiche Anmerkung ist den Mixturen gewidmet. Auf sie will ich im Abschnitt über „ZANGs Orgel” noch eigens eingehen.


Fußnoten:
  1. (§ 25, S. 111 ff.) []
  2. S. 113[]
  3. S. 124 f.[]
  4. Das „Scarpa“ genannte Register ist offenbar ein Regal; Scharfregal (mit „scharfem“ Klang oder Harfenregal – dann wäre ‘scarpa’ eine Verballhornung von ‘harpa’); sh. MAHRENHOLZ 1968, S. 165 und 171[]
  5. S. 119 f.[]
  6. Syntagma II, S. 188 (Disposition Schloßkirche Dresden) und S. 201 (Prätorius’ eigene Disposition); dagegen steht Vogelgesang S. 193 bei Tremulant, Stern, Kuckuck, Hümmelchen, Bock und Trummel und ist dort wohl ein Zwitscherwerk[]
  7. S. 131[]